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Verlag Limggaffe 21

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Mittwoch. 27. Iuni 1917.

Kbend-klusgabe.

Nr. «22. . «3. Jahrgang.

Der Tagerderichl vom 27. Zuni.

W. T.-B. Großes H au p t au a r ti e r, 27. Juni. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Bei schlechter Sicht war die beiderseitige Ar tillerie- Tätigkeit an der Front geringer als in de« Vortagen. Nur « einzelnen Abschnitten nahm das Feuer zeitweise zu.

In den Morgenstunden wurden in dem vorspringen­den Lensbogen angreifende starke englische Kräfte unter schw eren Verlusten abgeschlagen. In einem Borseldgraben beiderseits der Straße Arras-Leus setzte sich der Gegner fest.

Bei Fontaine blieben Vorstöße feindlicher Ab- teilungen erfolglos. Ebenso scheiterten au mehreren Stelle» der Arrasfrout Angriffe von Erkundungsabteilnngen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Abgesehen von starkem Feuer nordwestlich Crao- nelle, sowie beiderseits der Straße Corbeny-Berry au-Bac hielt sich die Kampstätigkeit im allgemeinen in mäßigen Grenzen.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Keine wesentlichen Ereignisse.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Südlich der Bahn Lem berg-Tarnopol und an der Narajowka blieb das Artillerie- und Minen­feuer lebhaft. An der Zlotalipa brachten wir von einem gelungenen Erkundungsvorstoß mehrere russische Gefangene zurück.

Mazedonische Front.

Im Cerna-Bogen «nd östlich lebte die Feuertätig­keit zeitweise ans.

Der Erste Genrralquartiermeister: Ludendorff.

Oer Tauchbootkrieg.

40 500 Tonnen im Atlantischen Ozean!

W. T.-B. Berlin, 26. Juni. (Amtlich.) Eines un­serer U-Boote hat im Atlantischen Ozean neuerdings 8 englische Dampfer mit 40 500 Brutto cegistertonnen versenkt und zwar: Die Dampfer „Harbury" (4572 Br.-R.-T.) mit Hafer und Mais nach Frankreich, „Appledore" (3843 Br.-R.-T.) mit Hafer und Heu nach England. „City of Berth" (3427 Br.-R.-T.) mit Stückgut nach England, „Buffalo" (4106 Br.-R.-T.) ebenfalls mit Stückgutladung, feiner einen un­bekannten Dampfer von etwa 12 000 Tonnen, der schwer beladen nach Amerika fuhr sowie 3 große beladene Frachtdampfer, von denen einer aus einem Geleitzug herausgeschossen wurde.

Der Chef des Admrralstabs der Marine.

Weitere Versenkungen.

W. T.-B. Kopenhagen, 25. Juni. Nach ctnec Mitteil ing des Ministeriums des Äußern ist der dänische Dampfer -.M- T, Nhgaard" auf der Reise ooa Spanien nach England versenkt worden.

Von einem U-Boot schwer beschädigt.

IV. T.-B. Bern, 26. Juni. Nach dem „Matin" wurde der englische Dampfer „Tora" in der Nähe der englischen Küste von einem deutschen Unterseeboot angegriffen und nahm den Kampf auf. Es konnte schwer beschädigt den Hasen erreichen.

*

Weitgehendes deutsches Entgegenkommen gegenüber Holland.

Böller Ersatz trotz des Fehlens der Verantwortung

für die Versenkung der Schiffe im Sperrgebiet.

W. T.-B. Berlin. 26. Juni. (Amtlich) Die Verhand­lungen zwischen der deutschen und der niederländi­scher. Regierung wegen der am 22. Februar 1917 infolge eines unglücklichen Zufalls durch ein deutsches U-Boot rm Sverrgebiet verisenkten niederländischen Handelsdampfer sind nunmehr zum Abschluß gelangt. Ter AdmAalstab hatte bekanntlich den niederländischen Redereien zugesogt, den im Sperrgebiet tätigen Unterseebooten die Schonung dieser Dampfer für den erwähnten Tag durch Funkspruch zu befchlen, dabei aber ausdrücklich hinzugefügt, daß er eine Gewähr für das Auffangen des Funksdruchs durch sämtliche beteiligten U-Boote nicht übernehmen könne. D;e Reedereien hatten daraufhin das Auslaufen ihrer Schiffe ver­anlaßt, anstatt deu ihnen als un be d i n g i sicher bezcheb­neten Termin vom 17. März zu wählen. In der Tat sind die niederländischen Schiffe durch ein U-Boot verrenkt worden, das wider olles Erwarten infolge Störu n g seiner F u nk- sp rwche-»« r i»chp»«^ den Befehl nicht erhalten hatte.

Bei dieser Sachlage konnte die deutsche Regierung eine Verantwoitung für den auch von ihr lebhaft bedauerten Vor­fall nicht anerkennen. Sie hat sich jedoch ans Teil­nahme und in freundnachbarlichcr Gesinnung bereit finden lcfsen- zur Abweridung der den Niederlanden durch . die Schiffsverluite erwachsenen wirtschaftlichen Schäden gleich­wertige, in Niederländisch-Jndien liegende deutsche Schiffe der niederländischen Regierung zur Verfügung zu stellen, wogegen diese die für die versenkten Schiffe zu zah­lenden Versicherungssummen herausgeben soll. Die Ersatz­schiffe sind für die niederländische transozeanische Fahrt be­stimmt und werden erst auslaufen nachdem unsere Gegner den Flag gen Wechsel anerkannt haben. Die deutsche Re­gierung wird weiter den Besatzungen der versenkten Schiffe, wovon glücklicherweise niemand ums Leben gekommen ist, den etwa erlittenen Schaden ersetzen- Die niederländische Re- glerur.g hat das bei diesen Verhandlungen bewiesene Ent­gegenkommen der deuffchen Regierung mit Dank anerkannt, so daß damit der die Beziehungen der beiden Länder trübende Zwischenfall glücklich erledigt ist.

Rußland.

Ein ganz richtiges neutrales Urteil über die russischen Ofsensivausfichten.

Über die Aussichten einer russischen Offensive schreiben die „Basler Nachrichten" vom 24. Juni: Man darf sich heute wohl di§ Frage vorlegen, ob die jetzigen Machthaber der Alliierten trotz ihrer Reden In­teresse an einer baldigen russischen Offensive haben können, deren Scheitern sich mit ziemlicher Sicherheit -Voraussagen läßt. Es kann möglich sein, daß Brnsstlow aus der Heeresmasse einige Armeen zusammenbringt, oie angriffsbeveit sind. Wie aber würden iich die inneren Ve-- hältnisse Rußlands gestalten, wenn das IlnternehMem miß­länge ? Ein neuer noch gründlicherer Zusam­menbruch wäre unvermeidlich, der die jetzige Regie­rung, untergehen ließe, und dann würde der gefürchtete Sonderfrieden doch zustande kommen. Von diesem Gesichtspunkt aus müßten die Mittelmächte eigentlich wim- schen, daß es der Kraft Kerenskis und Brussilows gelänge, die Massen zum Sturm mitzureihen.

Durchsichtige Rcuterlügen.

IV. T.-B. Berlin, 26. Juni. (Amtlich.) Reuter ver­breitet die Nachricht, daß deutsche Flieger an der Noodfrant, südlich Smorgon, über den russischen Linien Flugblätter fol­genden Inhalts abgeworfen haben „Wir danken euch für die lange Ruhe und eure Verbrüderung, die uns gestattet haben, Truppen an die Westfront .zu bringen, um der eng­lisch-französischen Offensive standz ih rlten. Jetzt haben wir davon genug. Wir werden den Kampf wieder aufnehmen und auf alle eure Soldaten schießen, die sich mit uns anbiedern wollen." — Diese Meldung ist von An­fang bis zu Ende erlogen.

Der Kampf um Krieg und Frieden.

= Stockholm, 26. Juni. Ein in Stockholm aus Peters­burg eingetroffener bekannter Gelehrter und politischer Schriftsteller berichtet über seine Eindrücke über die politi­sche Lage in Rußland: Bis Ende Mai wäre die Idee eines Sonderfriedens in weiten Kreisen der russischen Be­völkerung volkstümlich zu neunen gewesen. Dann trat ein gründlicher MeinnngSumschwung ein für den verschiedene Momente geltend gemacht werden. Ein wesentlicher Umstrnd ist das Fehlen irgend welcher militärischen und wirtschaftlichen Vorkehrungen für die Abrüstung. Durch die Überschwemmung des Landes mit der Arbeit entwöhnten und zuchtlosen Truppen bedeute ein schneller Friede eine große Gefahr, da seine unvermeidliche Folge die völlige Anarchie sein würde. Die verschiedenen kleinen Stadtrepubliken, die Schöpfungen der Bolschewiki sind, werden in Petersburg nicht ernst genommen. Allerdings sucht die bürgerliche Presse die Zustände schwarz in schlvarz zu malen. Der innere Zersetzungsvorgang arbeitet jedoch nur langsam und dürfte ebne äußeren Druck nicht so bald zum Zusammenbruch führen, der allerdings auf die Dauer unvermeidlich ist. Von einschneidender Bedeutung sind dagegen die L o s - trennungsbestrebungen der Fremdvölker, die an Umfang und Stärke ständig- zunehmen.

Rnstland und die Geheimdokumente.

P-. Strckholm, 25. Juni, (zb.) Wie aus Petersburg ge­meldet wird, begibt sich dieser Tage im Auftrag der vrovi- sorischerr Regierung der Petersburger Rechtsanwalt Scha - t i k o w nach Westeuropa, um. wie es in seinen Instruktionen wörtlich heißt, an Ort und Stelle eine genaue Untersuchung der diplomatischen und polizeilichen Verträge des alten Regimes at-zvstellen und etwaigen gegenrevolutionären Versuchen evtgegenzutveten. Die Spezi-rlmissio.r bezieht sich gleichzeitig auf Nachforschungen nach diploma­tischen Aktenstücken, deren Gegenstände in Peters­burg nicht auffindbar sind.'

Die Revision der Ententrverträge.

— Stvckhrlm, 26, Juni, (zb.) Nach Petersburger Meldan- . gen erklärte Tserevelli den Vertcetern des Arbeitorartes gegenüber, daß sämtliche von der alten Regierung mit

den Alliierten abgeschlossenen Verträge, ausgenommen der Londoner Vertrag voni 14. September 1914. auf­gehoben seien. Die provisorische Regierung schließe mit den Alliierten reue Vertrüge, welche die hauptsächlichsten In­teressen der Alliierten berücksichtigen, aber auch dem neuen Standpunkt des Russenvolkes m de: Kriegs- und Friedensfrage vollauf Rechnung tragen.

Ein Ultimatum der Ukrainer.

Sr. Berlin, 26. Juni, (zb.) Die Spannung zwischen der Ukraine und der Petersburger Regierung hat sich laut „L.-A." in den letzten Tagen zu gespitzt. Die von Kiew nach Petersburg gerichteten Forderungen tragen die Form eines Ultimatums und verlangen die feierliche Verkündigung der Scllständigkeit der Ukraine, sofortige' administrative Los- trennung der zwölf ukrainischen Gouvernements von Peters­burg und Bildung einer selbständigen ukrainischen Armee. Die Forderung w rcde von Petersburg a b g e l e h n t. Die Petersburger Zeitungen meinen,^ in de: Ukraine stehe der Bürgerkrieg vor der Tür.

Gntschkow an der Südwestfront.

IV. T.-B. Bern, 26. Juni. „Petit Parisien" meldet aus Petersburg: Der ftüheve Kri-egsminrster Gutichkow reiste trotz des schlechten Gesuindheitszustande>s an die Sü-dwestfroavj ob, wo er bis zum Kriegsende verweilen will.

Geschworene bei den Kriegsgerichten!

W. T.-E. Petersburg, 25. Juni. Die Petersburger Tele- graphen-Agentur meldet: Die vorläufige Regierung heißt die Neuordnung der Kriegs- und Armeekorpsgerichte, die die Teil­nahme von Geschworenen vorsiebt, die in gleicher Zahl einerseits den Offizieren und Angestellten der Kriegsämter und andererseits den Soldaten entnommen werden sollen, gut.

Der Juterimsausschuß- gegen die Tnmaaustöfung.

W..T.-B. Stockholm, 26, Jogi. Nach „Rußkaja Wolja" trat am letzten Samstag der Jnternnsau-sschntz unter dem Vorsitz von R. dzianko zusammen, wobei jedoch die Pro­gresse sien und die Kadetten fehlten. 'Man erörterte die vom Arbeiter- und Soldatenrat oorgeschlagene Auf­lösung der Duma und sprach sich dah'n aus, daß diese Frage vor Al lauf der Mandate oer Dnmumitglieder nicht entschieden werden könne. Die vorläufige Regierung sei nicht berechtigt, die Duma aufzulösen. -

Die Lage im westen.

Die Westfront enn 25. Juni.

W. T.-B. Berlin, 26. Juni. An der flandrischen Front herrschte am 26. Juni rege Artillerie- und Fliegertätigkeit. Die deutsche Artillerie setzte mit beobachtetem gutem Erfolg die Bekämpfung der englischen fort. Feindliche Bewegungen und An­sammlungen wurden gestört. S-ckiweres Fernfeuer rief in A r m e n t i tz r e s zahlreiche Munitionsbrände und einen Fabrikbrand hervor. Auch in A p e r n wurde eine große Explosion mit nachfolgendem Brand beobachtet.

An der Arrasfrout fanden in der Nacht zuyr 25. Juni sowie in der Nacht zum 26. Juni mehrfache Patrouilleuzusammenstöße und erbitterte Gefechte kleinerer Abteilungen statt. Deutscherseits wurden mehrfach Gefangene eingebracht. Die Engländer fühl­ten nach anhaltendem Zerstörungsfener mit Patrouillen bis zu Kompagniestärke gegen den Lensbogen vor, die im allgemeinen abgewiesen wurden. Ein bei Givenchh um 11 Uhr abends in den deuffchen Graben vorgedrungener englischer Stoßtrupp wurde sofort hinausgeworsen. Westlich Fontaine gelang es den Engländern am 23. Juni überraschend in Kompagnie- breite in die deuffche Stellung einzudcrngen. Sofort einsetzende Gegenangriffe hatten Erfolg. Der Kampf ist noch im Gange.

An der Aisnefront opferten die Franzosen erheb­liche M e n s ch e n m a s s e n für die Wiedereroberung der Bergnase nordwestlich von Hurtebise Ferme. Die Opfer stehen in keinem Verhältnis zu den erziel­ten Gewinnen.

In der West-Champagne war bei lehr guter Sicht die Artillerie- und Fliegertätigkeit rege. Schwerstes französisches Flachfeuer wirkte weit in das Hinter­gelände der deuffchen Stellungen. Die deutsche Ar­tillerie nahnr mit bestem Erfolg den Kampf gegvi dic, Franzosen auf. Zahlreiche Brände und Explosionen wurden beobachtet.

Die Unwahrhaftigkeit der französischen Berichterstattung.

W. T.-B. Berlin, 26. Juni. Der Funkdienst Lyon vom 24. Juni,' 10 Uhr vormittags, gefällt sich darin, die Wahr­haftigkeit de: deutschen Heeresberichte anzazweifeln. Ter deutsche Heeresbericht vvm 22. Juni soll lediglich die von den Franzosen Angegebenen deuffchen Erfolge bei Bauraillvn und am Pötlberge gebracht haben, dagegen die Gewinne, die die Franzosen im Gegenangriff machten, unterschlagen haben. Eine Irreführung des französischen Publikums fällt bekannt­lich der französischen Regierung leicht,, da sie eS bisher «gasS»