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mittag«; sür die Woegen-Ausg,

Montag, 23. Juni 1917.

Morgen-Ausgabe.

tt

9.

Die feindlichen Zrühjahrs-Cffensiveii.

f (Von unserem militärischen Mitarbeiter.)

Mit dem Übergang vom Frühling zuin Sommer ist ein wichtiger Kampfabschnitt für die deutschen Waffen siegreich beendet, liegt ein langer Raum von drei Monaten hinter uns, der bei seinem Beginn den Stempel der militärischen Entscheidung, mit allen Mitteln und Kräften von unseren Feinden angestrebt, zu tragen schien. Sorgsam und reichlich waren die gegnerischen Vorbereitungen aller Art, die strategischen, taktischen und technischen Vorarbeiten, die dem kommenden Ringen vorausgingen. Die strategi' scheu Vorbedingungen beruhten in der oermeintlichen Kräftebindung der Mittelmächie an den äußeren Um­kreisen unserer Landfronten. In Mesopotamien lückten die Engländer am Tigris flußaufwärts uno glaubten hierdurch ein Abfließen türkischer Kräfte nach Mitteleuropa zu verhindern. In Palästina setzte eine größere Angriffsbewegung gegen Gaza ein und :n Saloniki erösfnete der General Sarrail eine vorzeitige Frühjohrsoffensioe am 10. März. Die hier erzielten feindlichen Gewinne waren jedoch nur räumlich be­schränkt und trafen einen Gegner, welcher nicht gewillt war. diese unsicheren Außenposten mit allen Mitteln weiterhin zu halten. Hier finden wir die erste Fehl­rechnung unserer Feinde. Mesopotamien. Palästina und Mazedonien fielen sür ihre Frühjahrsentscheidung nur leicht in die Wagschale. Weiterhin erwarteten sie einen baldigen Angriff Italiens, ohne mit den dortigen Witterungsverhältnisseii gerechnet zu haben. Durch neue Muuitious- und Materialsendungen glaubten sie Rußland so gestärkt, daß seine Heere trotz der :nne- ren Wirren als vollwertig für ihre geplante Offensive angesehen wurden. Mithin schienen die Aussichten auf jdas Gelingen des Planes nicht ungünstig für sie zu sein.

, Die Durchführung ihrer Frühiahrsabstchten erfuhr eine empfindliche Verzögerung durch die Räumung des Geländes zwischen Arras und Soissons durch Hinden- burg, durch die wochenlange Verschleierung dieses Unternehmens und die Trennung der englischen Heere von den französischen. Hierdurch verlor der Gegner kostbare Zeit. In Wochen, welche deni Angriff und Durchbruch gewidmet sein sollten, mühte er sich in einen: wüsten Wirrwarr von Sprengungen und in den Zonen der Überschwemmung mit langwierigen Vor­postenkämpfen, Erkundungen und der Anlage neuer rückwärtiger Verbindungen ab. Als schließlich der Feind so weit war, als er sich anschickte, dem abstehenden Geg­ner auf den Fersen zu bleiben und mit ihm in den befestigten Gürtel einzubrecken. da zeigten sich seine Kräfte hierfür nicht ausreichend genug. Er mußte von vorne anfangen, mit einer Arbeit beginnen, welche er bereits in den Wintermonaten erledigt zu haben meinte. Aus dieser Entwicklung der strategischen Dinge erklärt es sich, daß die Engländer erst am 9. April, die Fran­zosen am 16. April, jene bei Arras, letztere an Arsne und Champagne zum Angriff reif waren. Berde Schlachten waren nach drei Tagen zugunsten des Ver­teidigers entschieden worden. In beiden fand der feindliche Angriffsgedanke schon am ersten Tage sein frühes Grab. Die Verteidigung erwies sich im Sinne des Generals v. Clausewitz als „die stärkere Form" Die neuartige deutsche Verteidigungsanlage mit ihrer Stärke in den tief gestaffelten Zonen der Be- sestigungsknr.st hatte die Feuerprobe im ersten Früh­sahrsmonat glänzend bestanden. Die ferndliche Kraft war aber dennoch keineswegs erschöpft. Am 23. und 24. April setzten die Engländer zur z w e i- ten Arrasschlacht an und fügten der Eroberung des Vimy-Rückens aus dem ersten Ringen noch die Besitz­nahme der Trümmer von Guömappe und Gavolle hin­zu. Fünf Tage später holten Engländer zum dritten Stotz ans. Auch dieser 30°Kilometec°Ansturm brachte dem Feinde keinen Gewinn. Der vierte britische Sturm brach am 4. Mai los und führt? beim Angreifer 17 Divisionen ins Feuer. Dieser Tag bedeutete den Höhe­punkt der feindlichen Anstrengungen im Frühjahr. Die Engländer hofften so fest auf einen vollenSieg, daß sie in völliger Verkennung der taktischen Lage ihre Reiter- geschwadee in den Kampf warfen. An demselben Tage wiederholten die Franzosen ihre vergebliche Schlacht in der Champagne und an der Aisne. Der hier erzielte Bodengewinn an den Champagne-Bergen und am Dammpfade war aber nicht die Grundlage für eine Verbreiterung der Anfangserfolge. Am 9. Mai trieb General Sarrail ebenfalls von neuen: seine Truppen gegen die deutsch-bulgarischen Verteidig:mqslinien. Sie holten sich blusige Köpfe. Am 14. Mar begann General Cadorna mit seiner 10. Isonzoschlacht. Anfäng- sicher Bodengewinn auf dem linken Flußufer und an der Karsthochfläche wurde nach 14 Tagen dem Angreifer zum guten Teil wieder abgenommen. Die Bilanz des ahM-tfrrt FrMobrÄwnratL war für Mlisee äeatbt dem­

nach überaus enttäuschend, zumal im Weiten und Süden der magere Gewinn noch niehr eingeengt wurde. Das fast gleichzeitige Losschlagen von Engländern, Italienern und Franzosen war ohne Erfolg gewesen. Rußland blieb auch in diesem zweiten Monat allen größeren kriegerischen Unternehmungen völlig fern.

Im dritten Monat sehen wir die Gegner nicht wieder zu einem einheitlichen Schlage ausholen wie im zweiten. Mühsam schleppen sie die Kamps- Handlung weiter fort. Tie eigene Erkenntnis der er­littenen Niederlage erfordert die Schonung des rück­sichtslos eingesetzten Menschenmatecials zugunsten der Sommeroffensive. Die politischen Vorgänge in allen Ententeländern, teils als Folge der russischen Umwälzung oder der Enttäuschung über den Fehlschlag im Heimatgebiet legen den Heerführern unserer Feinde größte Zurückhaltung auf. Von strategischen Zielen ist jetzt nichts mehr zu merken. Alle Angriffe unserer Gegner während dieser Wochen sind nur im Lichte von Ablenkungen, Verschleierungen, Erkundun­gen oder Korrekturen der eigenen Linien für die Zu­kunft zu betrachten. Das gilt für die Engländer am Äser am Kanal nach Comines, an dem non La Bassöe, an Scarpe und Oise, für die Französin an^Aisne und Suippe-Bach, die beiden Verbündeten an Struma und den Bogen Thessaliens und des Epicus, für die Ita­liener zwischen der Etsch und Brenta. Es sind durch­weg Unternehmungen, welche auf schmalen Spuren mühsam vorwärtsgetrreben werden.

Das Ende des diesjährigen Frühjahrs zeigt som:t mit jedem Tag den völligen Zusa-mmenbruch der feindlichen Offensivpläne an den Laadftonten immer deutlicher. Me feindlichen Staatsmänner und Heer­führer suchen die Pläne und Ziele in c:t:_ und dieselbe Fahrl rinne zu leiten, um der Gefolgschaft aller Teil­nehmer sicher zu sein. Während aber der Feind stark abgekämpft vor unserer Front stehen bleiben mußte, schädigte ihn der U-Bootskrieg in Rücken und Flanken auf das empfindlichste. Der große Wettlauf zwischen dem Angriffstempo gegen unsere Landlinien und der Wiederherstellung der rückwärtigen Verbindun­gen nahm eine Wendung zuungunsten unsirer Feinde. Hier liegt die Entscheidung über die nächste Zu­kunf t. _M 1 _

Die zranzosen am Lornilletberg geworfen.

Hohe Verluste des Feindes.

Der Tagesbericht vom 24. Juni.

XV. T.-B. Großes Hauptquartier, 24. Juni. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht.

An der englisch-belgischen Front, zwi­schen Kanal und St. Qnenttn, zergte auch gestern die Kampstätigkeit nichts Außergewöhnliches.

Starken Feuerwellen folgten nördlich von Warnc- ton und hart südlich der Scarpe englische Erkundnngs- vorstvße, die abgewiesen wurden.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Im Bauxaillon-Abschnitt und südöstlich von Filain sowie an dem Westufer der Aisne, in der westlichen Champagne und auf der sinken Maasseite war die Ar­tillerietätigkeit zeitweilig stark. Zusammcugefaßtes Wirkungsfruer zwang die Franzosen, das am 18. und 21. Juni östlich des Co rnill etb er g cs ge­wonnene Gelände zu räumen. Unsere Erkunder stellten hohe Verluste des Feindes fest.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Nichts Besonderes.

Im Wvtschaetebogen wurde« von mrseren Fliegern drei Fesselballone abgeschosse»; außerdem ver­loren die Gegner dreiFlugzeuge.

Ans dem

östlichen Kriegsschauplatz

und an der

mazedonischen Front ist die Lage unverändert.

Der Erste Gencralquartiermeister: Ludeudorfs.

»

Der deutsch« slbendbericht vom 24.

W. T.-B. Berlin, 24. Juni, abends. (Amtlich. Mahtbericht.) Nur von räumlich begrenzten Stellen

der Fronten ist r-Lhaffe», Gejechtstäti-teit g emeldet .

Nr. 317. . 65. Iahrgang.

Der deutsche Ergänzungsbericht.

XV. T.-B;. Berlin, 24. Juni. -Drahtbericht.) An i>« flandrischen Front belegten die Engländer Warneton mit schweren Kalibern. Der am 23. gemeldete britische Vor­stotz auf die deutschen Gräben westlich dieser Stadt wurde von Neuseeländern ausgefiihrt. Sechzehn wurden ge­fangen genommen und ein Maschioengewehr erbeutet.

Die Fliegertätigkeit war rege. Nachdem die deutsche:: Flieger am 23., 2.30 Uhr nachmittags, drei feind­liche Ballone abgeschossen hatten, sprangen «uL neun weiteret: Ballonen die Beobachter mittels Fallschirms ab, wodurch auf einer werten Strecke die englisch? Lnstbeobachtnng lahm ge legt wurde.

An der A r r a s f r o ti t war die Artillerietätigkert leb­haft. Mit 'besonderer Heftigkeit lag das .englische Feuer aus den bekannten Frontstellen in der Gegend von Opph sowie ziviscken der Scarve und Bullecourt, wo die Engländer nur: schon seit Wochen u:ü> -Monaten unter schwer an Verlusten vergeblich gegen die deutschen Stellungen anrennen. Dicht südlich der Scarpe folgte der Feuer- steigerung ein Angriff, der größtenteils durch Abwehrfeuer, an einer Stelle durch Gegenstoß abgewiesen wurde. In der Geger-d von Gaivvelle stieß eine deutsche Patrouille bis iu die englischen Grälbei: vor und brn-ckte ein Mafchi-neng-ewshi zurück.

An der Ai snefron t konzentrierten die Franzosen ihr Artilleriefeuer gegen die am 22. von den Deutschen erobertem Gräben südöstlich Frloin. Auch die deutschen Stellungen und Batterien in der -Gegend von Vauxaillon und Laffaux wurden unter heftiges Feuer genommen. Die deutsche Artillerie wirkte mit beobachtetem guten Erfolg gegen zahlreiche feindliche Batterien. In der Gegend von Juvincanrt verursachte ihr Feuer Explosionen und Brände, die mehrere Stunden anhielten.

In der Westchampagne zwang das kcMZentrisch. zr,- sammengefatzte deutsche Feuer di« Franzosen zur A ufga-be des grötzten Deils des am 18. und 21. Juni genommenen Ge­lände? Möglich des ColkimetberaeS. Rur einige Grabenstücke werden von den Franzosen noch gehakten.

Die Sehnsncht der Franzosen nach der amerikanischen Entlastung.

W. T.-B : . Berlin, 23. Juni. In der französischen Press« macht sich erne tvachsends Sehnsucht nach Entlastung der ftan- zösischen Front durch di«,Amerikaner bemerkbar. Die „Bictoire" vom 16. Juni schreibt: Die Ablösung dar Franzosen durch die Amerikaner und auch durch Engländer, welche den grötzten Teil der Front übernehmen sollten, würde die Stimmung im Lande wieder bessern. A!m gleichen Tage weift „Evenement" auf die Notwendigkeit hin, die Stimmung im Innern durch die Ab­lösung der älteren Jahrgänge zu heben. Auch „Bataille" hofft auf die amerikanische Ablösung und schreibt gleichzeitig, datz ern -derartiger Krieg ein Geschäft ist.

»

Niederlagen der Franzosen in Marokko.

Br. Bern, 24. Juni. (Eig. Drahtberich:. zb.) Hier ein» getroffen« spanische Zeitungen melden ans Marokko über fcte Ereignisse in den letzten Monaten: In den letzten Märztagen wurde eine starke, von Frankreich aufgestellte M a h a l l c durch Stämme der Art Bu Amram, einem der stärkste:: Sus- stämme, vernichtet. Ende April organrsterle Frankreich eine neue Mahalla, in der mebrer-e französische Offiziere waren. Den Ait Bu Amram gelang es nach viertägigen Operationen, die Mahalla nach einem günstigen Ort im Inneren des eigenen Landes zu locken, wo sie eine neue blutige Niederlage fand. Ein französischer Oberst und meiere französische Offiziere wurden gefangen ge­nommen. Eine Summe, die von den Franzosen angeboten wurde, um die Gefangenen auszulösen, wurde zurück ge­wiesen. Die Beute an Flinten, Maschinengewehre», Lebensmitteln usw. war beträchtlich. Damit'ist nach dm spanischen Berichten die französische Sn S-Aktirn vollständig gelähmt. ES wird schwer sein, eine dritte Mahalla aufzustellen.

Der Tauchbootkrieg.

Versenkt!

W. T.-B. Kopenhagen, 23. Juni. Das R:tzau-Wnre«: Weidet auS C h r i st: a n i a : Das Ministerium des Äußern teilt mich datz der Dampfer „Svind" am 19. Juni zwei Meilen von der spanischen Küste versenkt worden ist. Die Besatzung ist in Bilbao gelandet. — Das Barkschi ss „Louise" ist in der Nordsee versenkt worden. Die Be­satzung -von 12 Mann ist in der Nähe voi: Hartlepool gelan­det. — Der Dampfer „E l i" von Lindä ist arn 20. Juni von einem U-Boot cn: der Westküste Nor-daftikas ver senkt worden.

Madrid, 23. Juni. U-Boote versenkten in der Nähe 'oon San Sebastian einen Dampfer unbekannter Nationalität von ungefähr 6000 Tam:-en, ferner an der Westküste von Wjgerae den von den Portugiesen beschlagnahmten deutschen Dampfer „Energie" (740 Tonnen), mit Pferden und , Schw einen von Casablanca noch Bordeaux unterwegs.