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Verlag Langgaffe 21

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13 Ausgaben.

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Donnerstag, 21. Iuni 1917.

Moraen-Kusgabe.

Nr. 310. . 65. Jahrgang.

Die unterbliebene Offensive im Osten.

über die militärische Lage an der Ostfront wird uns auf Grund der Veröffentlichung des Schweizer Depeschenwechsels geschrieben: Die Mitteilung, die in dem von unbefugter Seite veröffentlichten Tele­gramm der schweizerischen Gesandtschaft in Petersburg gemacht wird, beleuchtet die militärische Lage im Osten klar. Man kann daraus erkennen, daß Deutschland die verwickelten politischen Zustände in Rußland sich in keiner Weise zunutze, machen wÜl, um auf Grund der augenblicklich in Rußland herrschenden Ver- ivirrung durch eine Offensive militärische Vorteile zu erzielen. Wenn man zum Vergleich überlegt, wie Eng­land und Frankreich sich in einem ähnlichen Falle gegen einen Feind verhalten würden, dann erkennt rnan, wie s e I b st I o s Deutschland seinem östlichen Nachbar gegen­über handelt, um die Beendigung des Zwecklosen Blut­vergießens zu beschleunigen. Neben der Friedens­liebe, die sich in diesem deutschen Vorgehen ausdrückt, kann man darin auch zugleich einen Beweis dafür sehen, daß Deutschland nicht im entferntesten daran denkt, sich in die inneren Verhältnisse Rußlands jemals einzu- 'mischen und den Russen die errungene Freiheit zu rauben. Die feindlichen Blätter, die derartiges un­ausgesetzt behaupten oder früher behaupteten, wissen, daß sie bewußt die Unwahrheit sprechen. Während Deutschland auf der einen Seite sich in jeder Bezichung ritterlich und entgegenkominend verhält, hat die En­tente dem verbündeten Rußland gegenüber sofort ein > recht seltsames Betragen zur Schau getragen, als sie fürchtete, daß Rußland nicht mehr daran denke, für ,die imperialistischen Kriegsziele Frankreichs und Eng­lands seine Soldaten zu opfern. Abgesehen von dem bemerkenswerten englischen Ausflug nach 'Archangel, haben die Japaner es nicht über sich ^ gewinnen können, bereits jetzt Rußland mit einem feindlichen Vorgehen zu drohen, falls Rußland nicht ^geneigt sein sollte, eine große Entlastungs-Offensive ins Werk zu setzen. Weite Kreise in Rußland merken bereits, wie aus der russischen Presse hervorgeht, daß der Feind Rußlands nicht in Deutschland, sondern in Japan zu erblicken sei. Erst jüngst hat Japan wieder Rußland gegenüber erklärt, daß es gern bereit sei, im Innern des Landes der russischen Regierung zur Aufrichtung gesicherter und geordneter Zustände behilflich zu sein, um nachher das russische Geer wieder zu einer Offensive geeignet zu »lachen. Jeder Klarblickende begreift, daß Japan als Beauf­tragter der Entente mit diesem „wohlwollenden" Vor­schlag nichts weiter im Sinne hat, als sich der Macht Rußlands zu bemächtigen, um dann dieses zum gefügi­gen Werkzeug der Entente machen zu können. Selbst­verständlich ist es, daß Japan sich dafür größere Land­strecken Rußlands als Belohnung für diese Bärendienste nehmen würde in der Hoffnung, daß Mußland zu ge­schwächt sei, um sich derartigen Ansprüchen zu wider­seben. In Rußland gibt es aber eine Reihe scharf­blickender Persönlichkeiten, die dieses Intrigenspiel klar erkennen.

»

ver deutsche Kbendberick»1 vom 20. Juni.

W. T.-B. Berlin, 20. Juni, abends. (Amtlich. Draht­bericht.) Im W c st e n lebhafte Gefechtstätigkeit nur bei Vauxaillon, nordöstlich von Soiffons.

Im Osten nichts Neues.

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Oie Lage im westen.

Französische Lügen über die Beschießung von Reims.

W- T.-.B. Berlin, 19. Juni Tor französisch- Funkspruch vom '19. Juni, 1 Uhr 45 Min. vormittags, meldet, vaß am 18. Juni >2000 Granaten auf Reims fielen. Nach den Schußlistcn der deutschen Batterien sind jedoch an diesem Tage nicht mehr als 5 3 Granaten auf Reims gefeuert worden, und zwar ans in der Stadt erkannte Batterien. Vielleicht wll die fran­zösische Meldung in der neutralen Welt den schlechten Eindruck ver­wischen, welchen dir unnütze und barbarische -s-rstöruug non St. Quentin gemacht hat, oder soll vielleicht die Meldung von der deut­schen Beschießung den Mut des Präsidenten Poincarh in ein um so ruhmvolleres Licht setzen, dessen Besuch in der angeblich so schwer be- schossenen Stadt der Funkspruch vom 18. Inni, nachmitlrgs, meldet? Der französische Funkdienst setzt sich übrigens selbst mit seiner Mel­dung von der schweren Beschießung in Widerspruch, da er nur einen Zivilisten als getötet und drei als verwundet anzibt.

Ein französischer Minenzerstörer durch eine Mine zerstört.

W. T.-B. Paris, 20. Juni. (Drähtbericht.) Der Dampfer »Anja u", der den Auftrag hatte, treibende Minen im Gas- cogner Golf zu zerstören, ist am 17. Juni -ruf eine dieser Minen gelaufen und gesunken. Sieben Mrnn wurden durch die Explosion beschädigt.

Verschärfung der französischen Transport- krifc.

— Genf, 20. Juni, (zb.) Einem Pariser Brief ist zu ent­nehmen, daß trotz aller Ermahnungen die französische Regie­rung nichts zum Ersatz französischer Handelsschiffe unter­nimmt. Die Transportkrise verschlimmere sich immer mehr und werde zuletzt die Hauptrolle im Kriege spielen. Weiter­hin heißt es, in Paris gilt jetzt Rußland nichts mehr. Jetzt ist Amerika Träger der Hoffnungen, Amerika und seine Gold­ströme, seine Millionen Soldaten und seine Flugzeuge, die Deutschland im nächsten Frühjahr mit Bomben zuvecken sollen.

Asguith, der neue Botschafter in Paris?

— Genf, 20. Juni, (zb.) Der englische Botschafter in Paris, Bertie, hat angeblich seine Entlrssung bereits fett Wochen eingereicht. Als ernsthafter Kandidat wird A s q u i t h genannt.

Keine Änderung der belgischen Kirchen- verfassung.

W. T.-B. Brüssel, 20. Juni. (Drahtbericht.) Eine hollän­dische Zeitung beschäftigt sich mit crngeblrchcn Plänen zur Neueinteilung der Kirchensprengel rn Belgien, unter Zu­grundelegung der flämischen and wallonischer «prachgc-rz.e. Es kann festgestellt werden, oatz die in der Durchführung be­griffene Berwaltuirgstrennnng in Belgien die Kirchcnver- fasfung unberührt läßt.

Oer Krieg gegen England.

Kleinliche Handlungsweise des Königs von England.

W. T.-B : . London, 20. Jam. (Drähtbericht. Reuter) Amtlich wird genroldet, daß der König anläßlich der Verhält- nisse des gegenwärtigen Krieges es für wünschenswert er- achtet, daß die Prinzen seiner Familie, die deutsche Namen und Titel tragen, auf diese Titel verzichten und von jetzt ab englische Beinamen annehmen sollen. In Vollziehung dieses Entschlusses verlieh der König dem Herzog Deck, dem Fürsten Alexander Teck, dem Prinzen Lou's Battenberg und dem Prinzen Alexander Battenberg ent­sprechende englische Titel.

W. T.-B. London, 20. Juni. (Drahtbericht.) Amtlich wird gemeldet, daß die Prinzessinnen Viktoria und Marie Luise von Schleswig - Holstein von jetzt ab Prin­zessin Viktoria und Prinzessin Marie Luise genannt werden sollen. Außerdem haben auf Wunsch des Königs die Prin­zessinnen der königlichen Familie, die den Titel einer Herzogin von Sachsen tragen, diese,: Titel anfgegeben.

Annahme des-Frauenstimmrechts im Unterhaus.

W. T.-B. London, 20. Juni. (Drähtbericht. Unterhaus.) Bei Besprechung der Wahlreformvorlage nahm das Haus mit 385 gegen 55 Stimmen den Grundsatz des Frauen­stimmrechts an.

Eine weitere englische 35-Millionen» Anleihe in Amerika.

W. T.-B. Washington, 20. Juni. (Drahtbericht. Reuter.) Das Schatzamt hat England weitere 35 Millionen Dollar ge­liehen.

Ein neuer Zusammenstoß der Sinnseiner mit der Polizei. '

Nr. Karlsruhe, 20. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Noch einer Londoner Meldung des „Matin" fanden in Dublin zwischen der Polizei und den Dinnseine-m ein Zusammenstoß statt. Die Versammlungen der Sinnseiiwr sind aber.nals verboten worden.

Dir Lreigniff« in Griechenland.

General Populos widersetzt sich der neuen Lage.

W. T.-B. Athen, 20. Juni. (Drähtbericht. Reuter.) Vom Peloponnes kommt die vorläufig noch unbestätigte Nachricht, daß sich Genera! Populos weigert, die neue Regierung anzuerkennen und an die Errichtung einer eigenen Regierung für den Peloponnes denkt.

Der Eintritt von Venizelisten in das Kabinett.

W. T.-B. Athen, 20. Juni. (Drahtbericht. Reuter.) Di« Verhandlungen zwischen Zaimis und dem Venizelistenführer N e p u l i s wegen Ausnahme eines oder zwei Venizelisten in das Kabinett haben begonnen. Die übrigen Minister haben sich verpflichtet, jedes von Zaimis getroffene Abkom­men anzunehmen.

Zu den Vorgängen in Larissa.

IV. T.-B. Amsterdam, 19. Juni. Einem hiesigen Blatt« zufolge vreldet der englische Berichterstatter Hart, Pries aus Larissa: Unter den dort Verhafteten befinde sich der naturali­sierte Grieche Schliem»». Die griechische» Cfft»

ziere, die sich in den Kasernen ergeben hatten, wurden unter militärischem Geleit nach Saloniki verbracht. Die Obersten Griwas und France, die nach vorherigen Unterhand­lungen an den, Kämpfen teilnahmen, kommen vor ein Kriegsgericht. '

Rußland.

Die Untersuchung gegen General Knropatkin eingestellt.

Nr. Kopenhagen, 19. Juni, (zv.) Einer Meldung ans Petersburg zufolge war gegen General Kuropatkin Anklage erhoben worden, als Generalgouverneur von Turkestan unter der russischen Bevölkerung daselbst Waffen verteilt zu haben, um sie gegen die einheimischen Mohammedaner aufzureizen. Kerenski ließ eine Untersuchung anstellen, dre ergab, daß die Anklage unbegründet war. Geneorl Kuropatkin soll einen anderen Posten erhalten.

Verhaftung von Anarchisten.

W. T.-B. Petersburg, 20. Juni. (Drahtbericht.) Tr u p p t n drangen in die Geschäftsräume des Mattes „R u ß k o je Wollja" ein und nahmen die Anarchrsten, die sich der Zeitung gewaltsam bemächtigt hatten, gefangen.

Der llriegsziistcuid mit Amerika.

Amerikanische Hilfe für Mesopotamien abgelehnt.

Nr. Berlin, 18. .Juni. Der Gewährsmann der „Voss. Ztg." erfährt aus Amsterdam: Der britische Oberbefehlshaber in Mesopotamien 'hat die ihm angebotene amerikanische Hilf« einstweilen cchgetehitt.

Eine russische Mission in Amerika.

W. T.-B. Kopenhagen, 20. Juni. (Drähtbericht.) Eine von der provisorischen Regierung in Petersburg mit besonderen Aufträgen entsandte Mission weilt bereits seit über 14 Tagen rn den Bereinigten Staaten von Amerika. Über die Aufgabe der Mission, die aus 4 Mitgliedern, darunter 3 Offizieren, be­steht, wird das strengste Schweigen bewahrt. -

Eine belgische Abordnung bei Wilson.

# Haag, 19. Juni, (zb.) Reuter meldet aus Washington: Wilson erklärte gegenüber einer belgischen Abordnung, Amerika werde die Waffen nicht eher aus der Hand leger, als bis Belgien seinen alten Pl rtz in der Reihe der Nation«., wieder eingenommen habe.

Bahia als nordamerikanischer Flottenstützpunkt.

W.T.-B. Bern, 19. Juni. „Petil Parisicn" berichtet aus Rio de Janeiro: Das in Bahia eingetrosfene Geschwader der Vereinigten Staaten beabsichtige, Bahia zum Stützpunkt seiner Operationen in. Atlantischen Ozean zu machen. Der Marineminister ersuchte die versammelten Staatsausswüsse um Gewährung einer Flottenkredits von 190 Millionen kranken. Der deutsche Dampfer ,.Sierra Salvada" ist in einigen Wochen wiedcrhergestellt und wird unverzüglich in den Dienst zwischen Brasilien und Europa gestalt werden.

Der Tauchbootkrreg.

Die Nordsee am Skagerrak so gut wie ausgestorbe«.

W.T.-B. Christia-nia, 20. Juni. (Drähtbericht.) „Morgen- bladet" und „Tidning Degn" berichten aas Mandral, dortig« Fi-cher erzählten, daß die Nordsee am Skagerrak so gut wi« av sge stör der sei. Ein Fischer gibt an, auf einer dreiwöchigen Fcbrt in der Nordsee kein einziges Handelsschiff gesehen zu haben. Dagegen seien ihm an einem T agw nicht weniger als sieben Unterseeboote begegnet.

Oer Krieg über See.

Japan und Amerika als Nebenbuhler in China.

Br. Haag, 20. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Dem hollän» bischen Neuen Bureau zufolge wurde in Washington offiziell bekannt gegeben, daß Japan die Aufforderung Amerikas, mit ihm gemeinsam Chinas innere Schwierigkeiten zu be­raten, abgelehnt hat. Japan will die Entwirrung der chinesischen Unstimmigkeiten keiner anderen Macht über­lassen und gab dies in Washington s o d e u t l i ch zu versteh«, daß Lansing auf diplomatischem Wege die Erklärrmg abgäb» daß er die nach Peking gerichtete Note als geKenjtamd«^- l c s betrachte.

Die deutschen Kriegsgefangenen in Japan.

# Genf, 20. Juni, (zb.) „Echo de Chine" meldet, daß alle deutschen Kriegsgefangenen in Japan auf Anordnung des Kricgsministers in Banto untergebracht werden. Das Ge­fangenenlager von Tokushima wurde geschlossen. Die Lag« von Mo-kupstma und Msutaujamn. würden am. LI. Im» «$- gehoben.