Der Tauchbootkrieg.
Englische Truppentransportdampfer versenkt!
W. '1.-8. Madrid, 19. Juni. (Drahtbericht. Meldung des Vertreters des Wiener Korrespondenz - Bureaus.) Dem .Luperrial" zufolge versenkte ein Unterseeboot in der Nähe von Kap Spartet den englischen Trausportdampfer „A. B. 240" (8009 Tonnen) mit Truppen und Kriegsmaterial für Saloniki. Der Dampfer war von vier Unterseebootsjägern begleitet, von denen gleichfalls zwei untergegangen sind. Zwei sind mit schweren Beschädigungen davongekommcn.
In der Nähe der Ebro- Mündung wurden die bewaff- reten italienischen Dampfer „F e r t" (5567 Br.-R.-T.) sowie „Si rte" (1998 Tonnen), mit Benzin, Eisen und Kohlen von New-Orleans nach Genua, versenkt. Acht Sce- ireilen von Haelva entfernt versenkte ein Unterseeboot den norwegischen Dampfer „S i m l a" (5800 Br.-R.-T.), mit einer Kohlenladung von Liverpool nach Gibraltar. — Ir- der Nähe von Alicante kam es zwischen dem Unterseeboot und einem Geleitzug von zehn Dampfern zu einem heftigen iKam Pf. Nähere Einzelheiten fehlen.
Auch irn östlichen Mittelineer ein TruPPen- transportdarnpser erlegt.
W. T.-B. London, 19. Juni. (Drahtbericht.) Das Reuterkurrau meldet amtlich: Ein feindliches Unterseeboot versenkte am 2. Juni den britischen Transvortdampfer „Came- r o i a n" (5861 Tonnen), der eine geringe Anzahl Truppen an Bord hatte, im östlichen Mittelmeer. 52 Mann Truppen und 11 Mann der Besatzung, darunter der Kapitän, werden vermißt.
Weitere 24 000 Tonnen!
W. T.-B. Berlin, 19. I tat. (Amtlich.) Reue Untersoe- bootSerfelge im Atlantischen Ozean: 24 000 Bruttorogister- tonnen. Unter den versenkten Schiffen befanden sich u. a. drei große bewaffnete englische Dampfer, von denen zwei durch Zerstörer gesichert waren, und der englische Dampfer „Amor" (3473 Br.-R.-T.) mit 5000 Tonnen Getreide. Der Chef des Admiralstrbes der Marine.
Weitere Zunahme der Versenkungen.
W. 1.-B. Rotterdam, 19. Juni. (Drahtbericht.) Das aiedeiländ'.sche Segelschiff „Albertine Beatrice", das am 4. Februar mit 8000 Ballen Tabak nach Rotterdam aus- ft.hr .ist am Freitag versenkt worden. Die Besatzung wurde in Plpmvuth gelandet.
■ — Berlin, 19. Juni, (zb.) Im französischen Marineministerium wurde laut „Boss. Ztg." mitgeteilt, die Versenkungen durch den Untecssebootskrieg hätten im L-aife der letzten Wochen wieder außerordentlich zuge- n o m m e n. Die Schiffsverluste erreichten wieder den Durchschnitt des Monats April. Die Marinefachleute der französischen Blätter begleiten diese Mitteilur g mit bitteren Bemerkungen über die Vertrauensseligkeit ihrer Kollegen, die bei jedem Sinken der Verlustzrffern von dem Zusammenbruch des Unterseebootskrieges geschwätzt hätten.
W. T.-B. Dmuiden, 17. Juni. Am Nachmittag sind 16 Norweger gelandet worden, und zwar von der Besatzung des norwegischen Dreimastbarkschiffes ,.P e r f e k t" (1088 Tonnen), Kapitän Hansen, das im März mit Weizen von ^Bohia Bianca nach Kopenhagen abgegangen und bei den Shetlandinseln von einem deutschen Unterseeboot torpediert Worden ist. Die holländische Meldung fügt hinzu: Wahrscheinlich Freigebiet.
Ein amerikanisches Petrolenmschiss nach heftigem Kamps versenkt.
W. T.-B Bern, 18. Juni. „Progres de Lyon" meldet aus New Mark: Dos amerikanische Petroleumschiff „Moreni"
,wurde nach heftigem Kampf auf 7 Kilometer Enffernung lberfer.it
— Berlin 19. Juni, (zb.) In dem Kampf oes von einem ^deutschen Unterseeboot versenkten amerikanischen Petroleum- !dampfers „Moreni" mit dem deuffchen Schiff sind nach der !»Vcff. Ztg." 300 Kanonenschüsse abgegeben worden. 'Vier Amerikaner sollen getötet sein
Salottifl — ein zweites Gavipoli.
Dem Zusammenbruch der offenbar auf Kommando von London und Paris aus eriolzten Offensive S a r r a i l s ist der verbrecherische Anschlag der Entente auf den König Konstantin von Griechenland und damit auf die Souveränität des Landes einerseits und der Rückzug der Engländer, die den rechten (östlichen Flügel) der Saloniki-Arnier bilden, vom linken Strumaufer andererseits io unmittelbar gefolgt, daß der Zusammenhang ohne weiteres zu dermuten und auch unschwer zu erkennen ist.
. . Auf den Zusammenhang der beiden ersteren Ereig- uisse haben wir schon in unserer Erörterung der erzwungenen Abdankung des Köntgs Konstantin hingewiesen, indem wir darlechen, daß di e Wirk nagen des »mischen U n t e r s e e b o o t s k r i e g e s, welcher den Truppen Sariails in immer stärkerem Maße die Zu
fuhr abschneidet, deren Lage so bedrohlich gestaltete, daß man auf den Ausweg der Beschlagnahme, will sagen des Raubes der thessalischen Ernte verfiel. In dem neuesten Bericht der Orientarmee heißt es hierüber: „Der Vormarsch in Theslalien verläuft weiter ohne Zwischenfall: französische Kavallerie erreichte
Pharsala und DhomokoS (60 Kilometer südlich von Larissa), und englische Abteilungen besetzten Demerli." Die französischen Truppen, die von Norden her in Thessalien einmarschierten, haben mithin bereits den bei weitem g r ö ß ste n Teil der mit Getreide bebauten Gebiete Thessaliens besetzt, während die Italiener ebenfalls von Norden her Janina „eroberten" und die Engländer endlich ihre Operationen vor allem von Siiden her gegen die griechischen Häfen richten, um auf diese Weise eine breitere Basis, als sie bisher in Saloniki hatten, für die Transporte von der See aus zu gewinnen. Da die Schaffung von Stichbahnen von der Küste aus nicht mit übermäßigen Schwierigkeiten verknüpft ist/können sch dadurch zweifellos eine bessere Verbindung mit der Operationsarmee in Mazedonien Herstellen.
Die Möglichkeit dieses einen Vorteils zugegeben, ergibt sich aber andererseits die Schlußfolgerung ganz von selbst, daß, wenn S a r r a i l, dessen durch Krankheit dezimierte Armee ohnehin, ja nicht allzu schlagfertig mehr ist, zur Besetzung Thessaliens Truppen von der Front ab ziehen mußte, dies nur unter zwei Voraussetzungen ermöglicht werden konnte, daß er sich nämlich entweder zu einer sehr gefährlichen Verdünnung seiner bisherigen Kamvflinie enffchloß, oder aber die nach den Behauptungen der Pariser Presse geplante neue Offensive kurzer Hand aufgao. Der jetzt erfolgte Rückzug des englischen Flügels der Sarrail- Armee aus dem Kampfgelände zwischen dem Butkova- und Tachinosee sowie am Doiransee liefert den Beweis, daß die zweite Annahme, nämlich der Verzicht auf die Offensive, zutrifft. Mag auch die Erwägung, daß dies sumpfige Gebiet im Sommer sehr ungesund ist, mitgewirkt haben, so beweist doch die völlige Aufgabe der im vorigen Jahre unter s ch w e r e n Opfern genommenen Stellungen, welche ein Einfallslor für den Vorstoß auf Demirhissar und Seres darstellten, daß Sarrail die Aussichtslosigkeit dieser Offensive, bei der sein Heer sich gerade jetzt jo blutige Köpfe geholt hat, eingesehen und die Nutzanwendung daraus gezogen hat.
Es erweist sich also, daß die Teilnahme der Saloniki- Armee an der „General-Offensive" ein völliger F e h l s ch l a g war, ein um so schlimmerer, da nicht nur die Franzosen diesmal an der Westfront die Arbeit auf die Engländer abschoben, sondern auch die russische Armee trotz aller Lockungen und Drohungen nacki wie vor nicht mitmacht. Vielmehr ist Sarrail. der auf dem Balkan die Rolle des Hammers übernehmen sollte, zu der des Ambosses verurteilt, und welche ernste Sorge man um das Schicksal seiner Armee hegt, geht aus dem Beschluß des französischen Kammerausschusses für auswärtige Angelegenheiten hervor, wonach eine Abordnung bei Ribot und Painleve über dringend notwendige Maßnahmen im Interesse des Expeditionskorps vorstellig werden soll. Daraus erhellt des weiteren aber, daß man auch den neuesten Umsturz in Griechenland bereits als einen Schlag ins Wasser erkennt.
In der Tat, wenn der junge König Alexander in seinem T h r o n b e st e i g u n g s in a n i f e st der Überzeugung Ausdruck gegeben hat. „daß das Volk, indem es dem Willen meines Vaters §olgt, durch seine Ergebenheit dazu beitragen wird, daß wir gemeinsam unser geliebtes Vaterland aus der Lage befreien können, in der es sich befindet", so vermögen selbst Reuter und Havas daraus kein Bekenntnis zur Entente zu konstruieren. Gleichzeitig scheint aber der Rückzug der Engländer den Beweis dafür zu liefern, daß man auch die Spekulation darauf, das griechische Heer cder wenigstens einen Teil davon zur Entente hinüberzuziehen, als verfehlt zu erkennen beginnt. Unter diesen Umständen sieht man sowohl in England wie in Frankreich ein, daß das Saloniki-Abenteuer sich immer mehr zu einem zweiten Gallipoli unseligen Andenkens gestaltet, und doch kann man sich den Luxus, es ebenso wie jenes aufzugeben, nicht leisten, weil man aus gewichtigen Gründen dadurch bedingten Verlust an Prestige fürchtet, der gerade jetzt katastrophal wirken müßte.
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Die wahren Gründe für die neue Schandtat gegen Griechenland.
Ein zynisches Eingeständnis.
W. T.-B. Berlin, 18. Juni. Die wahren Gründe der Gewalttaten. gegen Griechenland enthüllt der französische Funk- sprn.ch vom 16. Juni, 5 Uhr nachmittags, der nach längeren Äusführunaen über die nunmehr geschaffenen Wegev erbt n.dÄNge,« durch Albanien und Nord.grie^en-
land schreibt: Bisher lvar nur der Weg über Saloniki möglich. Heute bedeutet der Weg Santi Quaranta-Monastir die Verlängerung des Weges durch Jtalierr und den Kanal von Otranto und gestattet den Verbündeten den Weg über das. Mittelineer zur Auffüllung voir Menschen, Nahrungsmitteln und Munition für die Orientarmee vollständig auszuschließen. Die Durchfahrt durch den Kanal von Otranto, etwa 75 Kilometer, kann durch eine fast u n u n t e r br o ch e ne! Svene geschützt werden. Dres ist also ein beträchtlicher Vorteil, der durch das letzte Vorgehen der Alliierten erreicht wurde.
Diesem zynischen Eingeständnis Frankreichs gegenüber, dos sich dazu hrrgab, für die Entente den Büttel Griechenlands zu machen, klingt die pathetische Proklamation Jonnarts an das griechische Volk wie blutiger Hohn:- „Frankreich, Großbritannien und Rußland wollen die Unabhängigkeit, Grütze und Blüte Griechenlands. Sie becrb- stchtigen, das edle Land zu verteidigen. Ein neues Zeitalter des Friedens und der Arbeit fängt für euch an. Wisset denn, daß aus Achtung der nationalen Selbständigkeit die Schutz- ' machte keineswegs die Absicht haben, vom griechischen Volke allgemeine Mobilisation zu verlangen." Wahrlich, so zynische Verdehnung eines durch Hunger und Waffen- g e w ci l t bezwungenen kleinen freien Volkes vlieb den „Vorkämpfern für die Befreiung der kleinen Völker" Vorbehalten.
Der militärische Kraftaufwand für die \ Besetzung Griechenlands.
— Athen, 19. Juni, (zb.) Das Truppenaufgebot der Entente für die militärische Besetzung Griechenlands soll 75 000 Mann betragen. 35 Kriegsschiffe der Alliierten seien in den griechischen Gewässern zusammengezogen.
Nach getaner Arbeit!
# Bern, 18. Juni, (zb.) „Nouvellifte de Lyon" meidet aus Athen: Nachdem b-r französische Gesandte
Guillemrn nach Paris abreffte, verlasse nunmehr auch der englische Gesandte Elliot Athen und begebe sich auf Urlaub nach London.
Die Absetzung König Konstantins bereits auf der Savoyer Entente-Konferenz beschlossen.
W. T.-B. Bern, 18. Juni. Der Pariser Berichterstatter des „Secolo" teilt mit. daß die Entthronung Konstantins auf der Zusammenkunft in Savoyen beschlossen wurde. Die französisihen Delegierten hätten sogar die Ausrufung der Republik verlangt, doch hätten die Vertreter eines andere«' Landes sich dagegen erklärt, da ihnen der Gedanke, Beni- z e l o s als Präsidenten zu sehen, nicht behagte. Man wählte deshalb einen Mitteboeg und beschloß, einer Rückkehr Veni- zett-s' nichts in den Weg zu legen. Man glaubt in Frankreich, daß die natürliche Folge der Entthronung Konstantins die Rückkehr Benizelos' oder eines seiner Anhänge an dis Spitze der Regierung sein werde. .
König Konstantins Aufenthalt.
fff: Lugano, 18. Juni, (zb.) KönigKonstantin trifft m?t Familie und 33 Personen Gefolge morgen abend ati§ Messina in Lugano ein und wird im „Grandhotel" absteigvn.
fff Zürich, 18. Juni, (zb.) Die TelegraPheninso«n«tio.-i berichtet, der König werde sich nur vorübergehend in der Schweiz anfhafte». Er begebe sich an den dänische« Hof.
Türkische Sympathie für König.Konstant!» und das griechische Volk.
W. T.-B. Konstantinopel, 19. Juni. (Drabibeeicht.) I« Besprechung der Thronentsehung des Königs von Griechenland geißelt die türkische Presse in schärfsten Worten den irffamen Gewaltakt der Entente und widmet dem entthronten König Worte wärmster -Sympathie. Sie betont, daß d-ck Feinte aus ihrem Vorgehen wenig Nutzen haben würden, selbst wenn Griechenland in den Krieg gezwungen werden könne. Sie enthalten sich jeder Schärfe gegen das griechWe Volk, dessen Zwangslage und Schicksal Mitleid errege.
Die Haltung des Venizelos.
W. T.-B. Paris, 18. Juni. (Meldung der Agence Havas.) „Pettt Parisien" meldet aus Saloniki: Die allgemeine Auffassung wohlunterrichteter Kreise geht dahin, daß Beni - zelos nicht zögern,wird, die Macht wieder zu übernehmen. Man nimmt als Zeitvrnkt oen 1. Juli .an. Venr- xelos hatte eine lange Besprechung mit Jonnart in Salamis, wchin er sich während der Ereignisse, die mit der Abdankung König Konstantins endeten, begeben hatte. <
Die Lage im Westen.
Die französischen Täuschungen über de« „Erfolg" der großen Offensive.
W. T.-B. Berlin, 18. Juni. Nichts beweist besser das völlige Scheitern der großen englisch-französischen Frühjahrsoffensive ats die Tatsache, daß der Propagandadienst der Westtnächte jetzt nach 2%, Monaten immer noch die schwachen Anfangserfolge dieser nn ganzen katav» st r o p h a 1 verunglückten Offensive auftoänwt. In dieker» Sinne ist auch, dev' fxauzWM FunMruch, vom 14..4fr «k j
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Dienstag, 19. Iuni 1917.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 307. ♦ 65. Jahrgang.
