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Sonntag» 17. Iuni 1Y17.

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Nforgen-Kusgave.

Nr. 303. ♦ 65. Jahrgang.

war lehrt Konstantins Sturz die Neutralen?

r „Kein Volk darf unter eine Herrschaft gezwungen werden, unter der es nicht zu leben wünscht." Also hat Präsident Wilson soeben erst in seiner an die russische Regierung gerichteten Note nersichert, und gleichzeitig zwangen die Alliierten den König Konstantin zum Rück­tritt, indem sie zugleich Herrn Jonnart als Diktator nach Griechenland schickten, obwohl das griechische Volk zweifellos nicht unter dieser Herrschaft zu leben wünscht. „Zu diesen Zielen ist jetzt noch das der Befreiung der durch fremde Gewaltherrschaft unterdrückten Völker­schaften hinzugekommen." So versichert die englische Regierung in ihrer Antwortnote an Rußland, und gleichzeitig wandte sie die äußersten, letzten Mittel an, um das „durch fremde Gewaltherrschaft unterdrückte" Griechenvolk vollends zu erdrosseln.

• Welch Widerspruch zwis ch e n Worten und Taten! Wie haben die Alliierten sich^nicht in Noten und abermals Noten für das „Selb st- bestimmungsrecht der Volker", für die „freie Existenz der kleinen Staaten", für den „Schutz der Neutralen" begeistert, und n-ie haben sie jetzt ihre Theorien in Griechenland in die Tat umgesetzt! Und dabei gehören England und Frankreich, die nn Begriff find, das Griechenvolk zu erdroiseln, es auszuhungern, indem sie ihm die thessalische Ernte rauben, die den größten Teil des Landes besetzt und den König verjagt haben, zu den Unterzeichnern des Londoner Vertrages vom 3. Februar 1863, dessen erster Artikel lautet: „Griechenland wird einen unabhängigen Staat bilden, der alle politischen, administrativen und kommerziellen Rechte genießt, die mit einer vollständigen Unabhängig­keit verbunden sind."

Die Absetzung Konstantins ist in erster Reihe ein Racheakt, aber nicht nur ein solcher. Als es der Entente gelungen war, den König von Rumänien zum Wortbruch zu verleiten und das Land in den Krieg gegen die Mittelmächte Hineinzurreiben, wandte sie gleichzeitig den äußersten Druck an um auch Griechen­land vor ihren Wagen zu spannen. König Konstantin Vber erklärte damals: „Ich will lieber den Thron ver­lieren als Griechenland in Gefahr bringen, ich bin der ^Überzeugung, daß Rumänien in 14 Tagen nicht mehr so dastehen wird wie jetzt."

KonstlMtin hat sich als ein guter Prophet erwiesen, und in Griechenland zweifelt kaum irgend jemand, daß das Land, wenn es nicht die Politik des Königs befolgt hätte, heute längst das Schicksal Serbiens, Monte­negros und Rumäniens geteilt hätte!

Jetzt haben die Alliierten Rache an dem getreuen Eckart genommen für alle ihre Fehlschläge, insonderheit für den neuesten, und dieser, das Scheitern der S a r r a i l > O f f e n s i v e, ist zugleich der Grund, weshalb sie sich mit ihrem brutalen Vorgehen gegen ' Griechenland plötzlich so beeilen. Sarrails zum' lang- Hamen Ab st erben verurteilte Armee ist angesichts der Hoffnungslosigkeit der verzweifelten Durchbruchs­versuche, und da der Unterseebootskrieg ihr die Zufuhr abschneidet und 'die riickwärtigen Verbin­dungen ernstlich bedroht, allgemach in eine höchst ge­fährliche Lage geraten. Deshalb will man zu dem . Mittel einer Beschlagnahme der thessalischen Ernte greifen: denn was liegt den Alliierten daran, wenn die Griechen Hungers sterben. Und deshalb will man nach der erzwungenen Abdankung des Königs Konstantin offenbar einen letzten Versuch machen, um das griechi- sche Heer oder wenigstens einen erheblichen Teil davon .als Ersatz für Sarrails schwindende Bestände zu re­krutieren.

Aber die letztere Hoffnung dürfte eine eitele sein, denn ihre brutale Taktik hat den Alliierten die letzten Sympathien verscherzt, und die Besetzung I a n i n a s hurch die Italiener, die übrigens der Entente zweifel­los sehr ungelegen kam und von den Unstimmig­keiten zwischen ihnen und Italien Kunde gibt, muß auch die rabiatesten Venizelisten empören. In der griechischen Armee hat man nicht vergessen, daß die Er­oberung Janinas im letzten Türkenkriege die g l o n z- vollste W a f f e n t a t des vertriebenen K o n st a n- jt i n war. und wenn die Herren Jonnart und Sarrail wirklich den Versuch machen wollten, das griechische lHeer zur Schlachtbank zu führen, so könnten sie mit deinem solchen Gewaltstreich leicht die Katastrophe der ^arrailarmee, die sie verhindern wollen, beschleunigen; denn einmal könnte sogar der Geduldfaden des getre­tenen Hellenenvolkes reißen.

Auch der junge König Alexander, ob er auch zunächst nur König von Entente-Gnaden zu sein fdjemt, wird, als er diesen dornenvollen Posten zur Rettung der Dynastie übernahm, es schwerlich getan haben, um sein Land ins Unglück zu stürzen; denn die nahen Spuren Serbiens. Montenegros' und Rumäniens müssen auch

ihn schrecken. Für die Neutralen aber ergibt sich hier­aus nicht nur die Lehre, was ste von den Versicherun­gen der Alliierten, daß sie für die Freiheit der Völker, für Recht und Gerechtigkeit kämpfen, zu halten haben, sondern sie werden aus dem Beispiel Griechenlands, das in allzu großer Zaghaftigkeit und gegen Konstantins Willen Schritt um Schritt vor der Gewalttaktik zurückwich, ersehen, daß, wenn einer der Entente den kleinen Finger reicht, der Teufel die ganze Hand nimmt. Dies zur Warnung für die ist e u° traten, die überall, neuerdings auch ganz besonders in — Christiania, gehört und beherzigt werden sollte.

•

Aufhebung der Blockade in Griechenland.

W. T.-B. Athen, 16. Inn:. ■ (Drabtbcrickt. Reuter.) Ober­komm': sfar Jonnart teilte dem Ministerpräsidenten Zaimis mit» daß er Befehl habe, die Blockade aufzuheben.

Die neue Ara in Griechenland natürlich venizelistisch.

ZV. T.-B. Saloniki, 16. Juni. (Drahtbericht. Reuter.) Die Annahme ist berechtigt, daß die v e n i z e l i st i s ch e R e- gi e r u n g demnächst nach Athen übersiedeln, und daß sie die am 30. April gewählte Kammer, die der König Konstantin auflöste, einberuren wirb. Es dirf angenommen werden, daß die Abdankung des Königs die Wiedervereinigung beider Teile Grieckjenlands und einen Wendepunkt in dem Balkanfeldzug bedeutet.

Ribot übrr die Vergewaltigung Griechenlands.

W. T.-B. Paris, 16. Juni. (Drahtbericht.) Bei Be­sprechung der Ereigniffe in Griechenland gab Ribot im Senat dieselben Erklärungen ab wie in der Kammer und erklärte, daß hinsichtlich des Verrats in Larissa gegen eine englisch-französische Abteilung, die nach Thessalien ge­schickt war, die Gerechtigkeit ihren Lmiffnehmen würde. Ribor erklärte, Prinz Alexander trage augenscheinlich lne Krone unter der Bedingung der Bestätigung durch die verfassunggebende Versammlung. Jaimis bleibe an der Spitze der Regierung, V e n i z e l o s begebe sich nach Athen, sobald die Versöhnung gesichert sei. Ribot sagte» er hoffe, daß der Senat die f e st e und kluge Politik, die dms Kabinett vereinige, gntheihe. Er stellte fest, daß der KÄiig vcn Griechenland nicht als Gefangener der Alliierten betrach­tet werde Wenn er sich nach Deutschland begebe, würde er nur seine wirklichetz Gefühle verraten. Sti&ot zweifelt nichl an den Folgen der Abreise, deren Bedeutung die ganze Welt begreife. Sie sei für Frankreich ein moralischer Sieg, den Mn nicht abschwächen dürfe.

Der Tauchbootkrieg.

Zwei feindliche Hilfskreuzer vernichtet.

W.T.-B. London, 16. Juni. (DrahGericht. Reuter.) Die Admiralität teilt mit: Der Hilfskreuzer

„A v e n a c o" wurde in der Nacht zum 14. Juni in der Nordsee torpediert und ist gesunken. Ein Mitglied der Mannschaft wurde durch eine Explosion getötet. Die übrigen wurden gerettet.

W. T.-B. Paris, 16. Juni. (Drahtbecicht. ^Havas.) Das zu militärischen Zwecken benutzte Fahrzeug „A n n a m" (6075 Tonnen) der Messagens Maritimes, das in einem Geleitzug unter Eskorte war, wurde am 11. Juni im Jonischen Meer torpediert. Die „Annam", ins Schlepptau genommen, ist einige Stunden später gesunken.

Neuerdings 73116 Tonnen!

W. T.-B. Berlin, 16. Juni. (Amtlich. Drahtbericht.) 1. In den Sperrgebieten des nördlichen Kriegs­schauplatzes sind von unseren U-Booten neuerdings 21300 Bruttoregistertonnen versenkt^ wor­den. Unter den versenkten Schiffen getänden sich, der bewaffnete französische Dampfer „Sequana" (5557 Tonnen), der englische Dreimastschoner „Testes Wag­ner" mit einer Korkladung sowie drei tief beladene Dampfer, von denen zwei aus Gcleitzügeu heraus­geschossen, und ein großer Segler mit Stückgutladung nach Frankreich. Die Ladungen der übrigen Schisse blieben unbekannt.

2. Bon unseren U-Booten im M i t t e l m e e r wurde eine große Anzahl von Dampfern und Seglern mit zu­sammen 32316 Bruttoregistertonnen ver­senkt. Unter diesen Schiffen befanden sich die voll- bcladenen englischen Dampfer „Millicent Knight" (3563 Tonnen) und „Boldwell" (3118 Tonnen), welche beide aus ostwärts stencrnden Geleitzügen hcraus- gcschosien wurden und ein bewaffneter englischer Dampfer vom Typ „Worcestershire" (7175 Tonnen). Ferner wurde ein bewaffneter englischer Dampfer von 6500 Tonnen versenkt, der in einem von zwei Zer­störern gesicherten Geleitzuq von drei Dampfern fuhr.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

W.T.-B. Berlin, 16. Juni. (Amtlich.) Durch die Tötigkrit unserer Unterseeboote auf den nördlichen Seekriessschauylätzen find weitere 19500 Brutto- rcgistertonnen vernichtet worden. Unter den Schiffen be­fanden sich u. a.: ein englischer Tankdampfrr vom AuS- ffhen „Konakry" mit Öl nach England, ferner ein grvtzer tietbeladener bewaffneter Erzdampfer und zwei un­bekannte F r a ch t d a m p f e r, die im Doppelschuß vernichtet, wurden. Der Chef des Admiralstabes der Marin«.

Weitere Versenkungen.

W. T.-B. Rotterdam, 16. Juni. (Drahtbericht.) Dem , Maasbode" zufolge sind die englischen Dampfer „Pluto" und „City" gesunken. Das schwedische Motu schiff „Ludwig" mit Erz und Maschinen nach Jv» lvnd ist versenkt worden. Der russische Segler „Roma" (117 Tonnen) ist gesunken.

W. T.-B. Rotterdam, 16. Juni. (Drahtbcricht.) „MaaS- bode" meldet aus London: Das Schiff „Wonawe" (228 Tonnen) ist infolge eines Zusammenstoßes mit einem ande­ren Dampfer gesunken. Der Dampfer „Morde worth" (3509 Tonnen) aus London wird vermißt. Das uruguaische Schiff „Ros a r i o" (1565 Tonnen) ist durch Bomben zum Sinken gebracht nwrden. Ferner sind folgende Schiffe ge­sunken: „Bravore" im Mittelmeer, Solhaug" (1217

Tonnen) im Golf von Biskäya, „Bolsta" (701 Tonnen), 10 Meilen von der spanischen Küste, und „Rosa" (65 Tonnen).

Der Tagesbericht.vom 16. Juni.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 16. Juni. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht.

Wieder steigerte sich die Kampftätiqkeit an der flandrischen Front erst in den Mittagsstunden. Starkes Feuer lag in der Gegend von Hrllebeeke und westlich von Warncton, wo ein englischer Angriff durch die zusammengefaßte Wirkung unserer Batterien nie» dergehalten wurde.

An mehreren Stellen der Artois-Front kam es zu heftigen Kämpfen. Nach dem Scheitern der An­griffe am 14. Juni, abends, griffen gestern morgen dir Engländer erneut östlich von Loos an. Anhaltische und brandenburgische Bataillone wiesen^ den Feind ab und warfen ihn im Nahkampf zurück, wo er ein- gedrnngen war.

- Auch nordwestlich von B u l l e c o n r t wurden die Engländer, die am frühen Morgen bis in unseren zwei­ten Graben vorstießen, durch einen kräftigen Gegen- angriff von dort wieder verdrängt. Heute früh haben sich hier und östlich von Monchy nene Ge- fechte entwickelt.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Längs der Ais ne und im Wcsttril der Cham- p a g n e nahm die Artillerietätigkrit abends erheblich zu und blieb an vielen Stellen auch in der Nacht lebhaft.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Erknndungsvorstöße brachten in der Lothringer Ebene eine Anzahl Gefangene ein.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Keine Änderung der Lage.

An.der

mazedonischen Front

hielt sich die Gefrchtstätigkeit in mäßigen Grenzen.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

Der deutsche klbendbericht vom 16. Juni.

W. T.-B. Berlin, 16. Juni, abends. (Amtlich. Drahtbe­richt.) In einzelnen Abschnitten der flandrischen «nd Artoisfront sowie a» der A i s n e und in der Cham­pagne lebhafter Artillrriekampk.

Die Mittagsangrikfe der Engländer bei M»«Äy und östlich von C r o i s e l l e s wurden abgewiesen. Sie haben eine Änderung der Lage nicht herbei,eführt.

Bom Osten nichts Neues.

•

Eine Ansprache des Kaisers an Gardetruppenteilc.

W. T.-B. Berlin, 16. Juni. (Drahtbericht.) Wie nach­träglich bekannt wird, versammelte der Kaiser am 6. Juni Abcrdnungen der zweiten Garde - Infanterie - Division, 9. Landow lndivision, um sich und richtete an sie Worte d«S Dankes uni vollster Anerkennung. Der Kaiser erinnerte di« Truppen an die ruhmreichen Tage des polnischen FeldzugeS, Wie t ie zweite Garde-Jnsanterie-Dioisicn sich damals un- vergänplick« Lorbeeren erwarb, so habe sie sich auch an anderen Steilen bewährt, au denen ste eingesetzt wurde. Tie