Verlag Lauggasse 21
„Tagbl-tthaus".
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13 Ausgaben.
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„Tagblatthaus" Nr. 6658-53.
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»aaa stjür die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen Berlin W„ Potsdamer Str.121 K. Feruspr.: Amt Lützow 6202 u. 6206. Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Donnerstag, 14 Juni 1917.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 297. . 65. Jahrgang.
Deutsche Zlieger überLondon!
Der deutsche Abendbericht vom 13. Juni.
W. T.-B. Berlin, 13. Juni, abends. (Amtlich. Drahtbe- »icht.) Bon den Fronten sind bisher keine größeren Kampfhandlungen gemeldet.
Die Festung London wurde heute von unseren Fliegern mit Bomben beworfen.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 13. Juni. (Drahtbiricht.) Amtlich verlautet vom 13. Juni, mittags:
Östlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Wie aus den jüngste« feindlichen Berichten hervorgeht, ist es abermqls die italienischersclts oft beklagte Witterungsunbill, die auch in den letzten Tagen die italienische Stoßkraft nicht zur inachtvollcn EnÜaltung gelangen ließ. So vermochte auch auf der Hochfläche der Siebe» Gemeinden der Gegner gestern erst nach Einbruch d^r Dunkelheit seine Angriffe wieder aufzunehmen, die er zuerst rm Zebro- Grbiet und nach Mitternacht auch gegen den Monte Forno und auf die Grenzhöhen ansetzte. Unsere alpenländischen Truppen schlugen den Fernd zurück. Gr erlitt namentlich am Nordflügel seiner Angrlffsgruppe sehr schwere Verluste. Bei der Jsonzo-Armcc stellenweise lebhafter Geschützkampf.
Der Chef des Generalstabs.
Die Ereignisse in Griechenland.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 13. Juni, (zb.l Für bis Beurteilung der Abdankung König Konstantins fehlt an hiesigen maßgebenden Stellen vorläufig jede Unterlage. Der telegravhische Verkehr mit Deutschland sowie mit Bulgarien ist bekanntlich seit längerer Zeit unterbrochen, so daß die hiesige griechische Gesandtschaft vorläufig noch ohne jede Nachricht von der Wendung der Ereignisse ist. Tie lehren privaten Be- richte aus Athen, besagten, daß dort außerordentliche Aufregung über die gewaltsamen Maßregeln der Entente zur „Sicherung' der Getreideernte Thessaliens herrsche. Vor allem soll die Entsendung des Ob e r k o m ni i s s a r s I o n n a r t, die von großen maritimen lind militärischen Bewegun- gen begleitet war, die öffentliche Meinung erregt haben. Jetzt wird ersichtlich, daß das nicht unbegründet war — die Transportschiffe, die in der Bucht von Korinth und bei Jtaks kreuzten, sollten den Rücktritt des Königs erzwingen, wenn er sich nicht gutwillig dazu verstand Der Feldzug, der seit 2 Jahren in Griechen- land gegen den einzelner: Mann geführt wurde, ent- HMt zum erstenmal sein wahres Ziel, die Zersplit- terungGriechenlands, um das uneinige Volk für die Zwecke derEntentedienstbarzu niachen. Daß die Abdankung des Königs, dessen Persönlichkeit immer wieder die verschiedenen Parteien um sich zu scharen wußte, solche Folgen haben wird, kann kaum bezweifelt werden, denn der j u n g e K ö n i g, der politisch völlig unerfahren ist, wird gegenüber den Drang- scllierungen, die von Vierverbands-Seite aus ihn aus- ycübt werden, kaum di- Willenskraft aufbringen können, die König Konstantin nötig war, um aus den Krisen, in die ihn die Treibereien des Venizelos und seiner Helfer von der Entente-Seite brachten, den Ausweg zu finden. Der mannhafte Widerstand, den der Köng allen Intrigen gegen seine Herrschaft leistete, beweist, daß er jetzt nur der äußersten Gewalt gewichen ist und daß.es für ihn wirklich keine andere Möglichkeit mehr gab.
Unser Verhältnis zu Griechenland wird nun davon abhängig sein, wie König Alexander, der der zweite Sohn des Königspaaces und noch nicht ganz 24 Jahre alt ist, sich zu den Ereignissen stellt. König Alexander hat deutsche militärische Erziehung genossen. Bis zum Ausbruch des Balkankrieges studierte er in der Kadettenanstalt Lichter seid e, dann trat er in die griechische Artillerie ein, in welcher Truppengattung er jetzt den Rang eines Hauptnranns bekleidet. In die politische Geschäfte ist er natürlich nicht eingeweiht, da sein älterer Bruder G:o:g zumNachfolger bestimmt war. Auch das war gewiß ein Grund, wes- halb Herr Jonnart ihn zum König ausersah, da er mit einem politisch farblosen Fürsten leichtes Spiel zu haben glaubt. Fraglich ist es vorläufig, ob das Heer, das bekanntlich König Konstantin treu ergeben war, sich urft der neuen Lage einfach. zufrieden geben
wird, oder ob die Entente sich auf einen Widerstand von dieser Seite gefaßt machen muß. Auf jeden Fall ist es gewiß, daß mit dem Opfer, das der Kömg fernem Volk gebracht hat, die L e i d e n in Griechenland nicht beendet sind. Nur ein neuer Abschnitt rn der schmachvollen Geschichte der Vergewalti- oung des schwachen friedlichen Landes durch dre En- tente-„Schutzmächte" hat begonnen, der größere Mißhandlungen und Gewissenlosigkeiten bringen Wird, da der einzige Mann, der imstande war, sie zu hindern, für Griechenland jetzt verloren ist.
Weitere französische Berichte aus Griechenland.
Eine freiwillige Schutzwehr für den König!
W. T.-B. Athen, 13. Juni. (Drahtbericht. Agence Havas.) Trotz der Bemühungen der Reservistentruppen, Unruhen zu erregen, scheint die Nachricht von der Abdankung des Königs Konstantin in Athen keine wirkliche Bewegung bervorgerufen zu haben. Im Laus des Montagabends sammelten sich 2000 Reservisten um den Palast, um mit ihren Leitern eine Schutzwehr für den König zu bilden. Eine von dem Fregattenkapitän Mavromichalis geführte Abordnung begab sich daraus ins Schloß, um den König der Ergebenste t von Heer und Volk zu versichern. Statt jeder Antwort mahnte der König nur zur Ruhe. Bald blieb in der Umgebung des Schlosses nur noch eine Menge Neugieriger zurück, die gekommen waren, um die Ereignisse abzuwarten. Staatsanwalt Lavierates, der die Sturmglocken läuten ließ, durcheilte die Kaffeehäuser, um die zu Kundgebungen Aufgelegten anzufeuern. Er versuchte vergeblich, die friedliche Bevölkerung zum Aufruhr zu ermutigen. Bor dem Schloß vor Einbruch der Nacht angesammelte Offiziere ^erklärten, das Heer sei bereit, zu gehorchen. Augenblicklich ist kein ernsteres Ereignis gemeldet worden.
Die durch die thefsalische Ernte „gefährdete" Aushungerung Griechenlands.
IV. T.-B. Bern, 12. Juni. Zu der Entsendung Jonnarts nach Griechenland erklärt der „Petit Puristen". dre allge- n:eine Richtlinie sei nunmehr ang:nommen. Jonnarts Politik werdL schon in den nächsten Tagen klar werden. Sirherltch ließen die Schwierigkeiten, auf die die Entente gestoßen ist, die Furcht aafkommen, daß sich König Konstantin und die griechische Regierung bei einer günstigen Gelegenheit gegen die Entente aussprechen könnten. Um ein derartiges Vorgehen zu v - rh i n d e r n, müsse vor allem die t b e t s a l i s ch e Ernte beschlagnahmt werden. Ähnlich äitzcrt sich der „Temps". die Lebensmittelversorgung der Orientarmee müsse sichergestellt werden. Dis thessalischc Ernte könne der Orientarmee gefährlich werden. Wenn die griechische Regierung die Ernte in dre Hano be- kemme, brauche Griechenland keinen Brot Mangel n'.ehr zn befürchten und die Blockade der Entente wäre h i n - fäll-g. Es sei daher die erste Pflicht Jonnarts, Maßnahmen zu treffen, um die theffalische Ernte unter die Aufsicht der Alliierten zu bringen.
Oer Tauchbootkrieg.
Versenkung eines bewaffneten amerikanischen Dampfers.
W.T.-B. Washington, 12. Juni. (Meldung des Reuterschen Bureaus.)^ Ein deutsches Unterseeboot hat den bewaffneten amerikanischen Dampfer „Petrolite" (3710 Br.-R.-T.) veisenkt. Zwanzig Mann wurden, gelandet. Zwei besetzte Boote werden vermißt.
Internierung eines deutschen U-Bootes in Eadix.
W.T.-B. Cadix, 12. Juni. Die Agence Havas meldet: Ein spanisches Torpedoboot fand heute früh in der Nähe der Bucht von Cadix das deutsche U-Boot Nr. 52, dessen Maschinen durch einen Kanonenschuß beschädigt waren. Die Besatzung ist zwanzig Mann stark. Das U-Boot wurde in den Hasen von Cadix einge- schleppt. Es darf mit den Schissen der Zentralmä'chte, die im Hafen Zuflucht gesucht haben, nicht in Verbindung treten. Da die Ausbesserungen mehr als zwei Tage dauern werden, wird das U°Baot interniert. Der deutsche Kommandant stattete den Behörden einen Besuch ab, der von diesen erwidert wurde.
In England zurückgehaltene neutrale Schiffe
Br. Rotterdam, 13. Juni. (Eig. Drahtbericht, zh.) Der holländische Dampfer „Veenberger" mit einer Salpeterladung von Rotterdam an Bord traf am 11. Februar in Falmouth ein. Der Kapitän versuchte mehreremal, die Reise fortzusetzen. zum letztenmal am 1. Mai, wurde aber immer wieder von den Hafenbehörden gehindert. Dem holländischen Dampfer „Kelbergen" erging es ebenso. Er kam Ende Februar mit einer Getreideladung für die holländische Regierung von La Plata in Falmouth an. Während der dreimonatigen Liegezeit durfte niemand von den Besatzungen an Land.' Der von Land bezogene Proviant wurde durch die Hafenpolizei an Bord gebracht. Kartoffeln wurden nicht ge
liefert; von Fleisch nur 1 Pfund pro Mann und Woche. Es dursten auch keine englischen Zeitungen an Bord gebracht werden, nur die von der Seemannsmission geschickten holländischen Zeitungen. Am 30. Mai gingen die Atannschaf- ten beider Schifte von Bord und wohnten eine Nacht in Falmouth. Die Tagesportion kostete 6 Sh. Am nächsten Tag? wurden die Leute mach London befördert, wo sie gleich an Bord gebracht wurden und das Schiff ,licht mehr verlassen dursten.
Durch englische Tücke bewirkte Torpedierungen neutraler Schiffe.
W. T.-B. Berlin, 12. Juni. Zu der Versenkung der drei von Island nach Skandinavien zurückkehrenden Schiff? „Argo", „Ines" und „Thoren", von denen die beiden ersten vor Stornowry versenkt wurden, schreibt „Stockholms Tidningen": Die englischen Behörden waren gebeten worden, zu gestatten, daß die Schiffe die Reiseu von dem skandinavischen Hafen und zurück vornehmen durften, ohne von dei^ englischen Seestreitkräften g e z w u nge n zu werden, nach englischen Häfen innerhalb des Sperrgebiets zn gehen. Die Bitte w irde jedoch von englischer Seite abgeschlagen. Auf Anfrage wird uns mitgeteilt, daßes sich inder Tat so verhält. „Svenska Dagbladet" bemerkt dazu, daß dieses Vorgehen eigentlich nichts Neues sei, sondern vollständig zu dem englischen System passe.
Rutzlanö.
Interessante russisch-französische Auseinandersetzungen.
Br. Bern, 13. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Das „Berner Tagblatt" erklärt von besonderer Seite aus Lausanne: Zwischen Frankreich und Rußland hat eine Diskussion eingesetzt, die von Tag zu Tag bedenklicher wird. Sie betrifft die V erantwortung der beiden vorläufig noch verbün- deten Mächte für den Ausbruch des Kriegs. Die Hoffnungen auf Rußland müssen in London, und namentlich in Paris, auf ein Mindestmaß gesunken fein, sonst wären diese Auseinandersetzungen nicht möglich. Die „Gazette de Lausanne", deren informierende Leitartikel als ein getreues Echo der Stimmung im französischen Außenministerium gelten können, schreibt: Die russischen Armeen haben sich während des Kriegs wahrhaftig nicht derart betragen, daß man ihren Abfall übermäßig beklagen würde. In denr gleichen Blatt hatte der Hauptschriftleiter Nationalrat Secre- tan in einem „Die russische Verantwortung" überschriebenen Leitrrtikel gesagt, Rußland habe den Zentralmächten den Vorwand zum Losschlagen gegeben, und es habe Frankreich und England gezwungen, zu den Waffen zu greifen. Hierzu äußert sich jetzt das „Berner Tagblatt": „Diese Feststellung ist wertvoll. Das ententefreundliche Blatt bekennt, daß die Zentralmächte auf russische Anregung, d. b. auf die russische G e ne r a l m o b i l m ach u n g. zn den Waffen gegriffen haben. Das Blatt gehorcht damit nur der Parole, die seit einiger Zeit zuerst verblümt und dann immer deutlicher in Paris ausgegeben wird, nämlich: Rußland hatFrankreich in den Krieggezogcn. Die Vermutung daß derart die französische Regierung sich ihrem Volk gegenüber einer peinlichen Verlegenheit entledigen müsse, ist nur zu begründet. Sie spricht jetzt zu dem Volk, wenn wir nicht siegen, ist Rußland schuld daran.
Sozialistische Wahlsiege in Rußland.
W. T.-B. Petersburg, 13. Juni. (Drahtbericht. Petersburger Telegraphenagentur.) Nach vorläufigen Meldungen hat der sozialistische Block, namentlich die revolutionären Sozialisten, die demokratischen Sozialisten und die Arbeiterpartei^ bei den Wahlen für die si äd t i s ch e nB e z i rk s- räte. bei denen erstmals in Rußland das allgemeine Stimmrecht in Anwendung gelangte, den S' g davongetragen. Die Kadettenpartei blieb an zweiter Stelle.
Eine Neumnfterung in Rußland!
W. T.-B. Petersburg, 13. Juni. (Drahtbericht. Petersburger Telegraphenagentur.) Tie Regierung ordnete vom 14. Juni ab die Neumuftcrung aller bisher vom Heeresdienst Befreiten an.
Die Lage in Kronstadt.
W. T.-B. Petersburg, 13. Juni. (Drahtbericht. Petersburger ' Telegraphenagentur.) Der Kongreß d e r Bauernabgeordneten aus ganz Rußland besprach in einer Sondersitzung die Ereignisse in Kronstadt und nahm mit 1000 gegen 4 Stimmen folgende Entschließung an: Der Kongreß bringt zur Kenntnis der Bevölkerung Kronstadts, daß die Bauern die Lieferung aller Lebensmittel nach Kronstadt einstellen werden, wenn die Stadt nicht alsbald die aufständischen Streitkräfte mit denen der russischen Demokratie vereint und gleichzeitig die vorläufige Regierung anerkennt. Die Entschließung fordert ferner die Regierung auf. eine völlige Unterwerfung zu verlangen und im Falle der Äblehnnng die tatkräftigsten Maßregeln zu ergreifen, um den Sonder- bestrebungen ein Ende zu machen. Sie verspricht der Regierung die Unterstützung aller Bauern in diesem Kampfe gegen Kronstadt,
