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Verlag Langgafse 21

„Tagdlatthaus".

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13 Ausgaben.

Boa

Fermmfr

„TagblatihauS" Nr. 6650-53. s Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntags.

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Dienstag» 12. Juni 1917.

Wilson an die russische Regierung.

W. T.-B. Washington, 11. Juni. (Drahtbericht.) Das Reutersche Bureau meldet: Die Mitteilung des Präsidenten Wilson an die russische Regierung, die von dem amerikani­schen Botschafter Fra ncis in Petersburg überreicht wurde, lautet:

Angesichts des bevorstehenden Besuchs einer amerikani­schen Abordnung in Rußland, die die aufrichtige Freundschaft des amerikanischen Volkes in Rußland ausdrücken und die besten und geeigneten Mittel für das Zusammenwirken der beiden Völker erörtern soll, damit der gegenwärtige Kampf für die Freiheit aller -Völker zu einem erfolgreichen Ende geführt werde, scheint es mir günstig und angebracht, noch einmal im Licht dieser neuen Teilhaberschaft die Ziele festzustellen, die die Vereinigten Staaten bei ihrem Eintritt in den Krieg im Auge hatten. Diese Ziele wurden in den letzten Wochen stark verdunkelt durch Mißverftändlichkeiten und irreführende Erklärungen. Die Sache, die ans dem Spiel steht, ist zu folgenschwer, furchtbar und bedeutungs­voll für das ganze menschliche Geschlecht, als daß irgend welche falsche Vorstellungen oder Mißverständnisse, so unbedeutend sie auch sein mögen, auch nur einen Augenblick unberichtiat ■ bleiben dürfen. Der Krieg gegen Deutschland begann, und in ihrem verzweifelten Wunsch, der unvermeid­lichen Niederlage zu entgehen, umndten die Macht­haber in Deutschland jedes mögliche Mittel an und benutzten selbst den Einfluß.von Gruppen oder Parteien unter ihren eigenen Untertanen, gegen die sie niemals gerecht * und billig, ja nicht einmal duldsam waren, um die Werbe­arbeit auf beiden Seiten des Meere? zu förde-n. zum Schaden gerade derjenigen Leute, die sie benützen.

Die Stellung Amerikas in diesem Krieg

wurde so klar dargelegt, daß sich niemand damit entschuldigen kann, fie Mißverstanden zu haben. Amerika sieht keinen sach­lichen Gewinn oder eine Vergrößerung irgend welcher Art. Es kämpft für keinen Vorteil und für kein s e l b st s ü ch t i g e ? Ziel, sondern für die Befreiung aller Völker von den Angriffen einer autokratischen Macht. Die herr­schenden Klaffen Deutschlands begannen kürzlich, derartige freiheitliche Grundzüge und eine derartige Gerechtigkeit i'hr->e Absichten ebenfalls zu erklären. Sie tun «s aber iiur zum Schutz ihrer Macht, die sie in Deutschland aufrichteten, und ' zum Schutz ihrer eigenen Vorrechte, die sie ungerechtfertigter- weise erwarben. Sie tun es für sich selbst und insbesondere ihre Machtpläne. Diese gehen alle vonBerlin nach ' «Baobab und darüber hinaus. Regierung auf Regierung knüpfte die Fäden zu einem Netz von Intrigen, das ' gegen nichts weniger gerichtet ist als gegen den Frieden und die Freiheit der Welt. Die Maschen dieses Netzes müssen zer­rissen werden. Aber cs kann dieses.nicht geschehen, wenn nicht ' das Unrecht, das bereits getan wurde, ungeschehen gemacht wird. Es müssen entsprechende Maßnahmen dagegen ge­troffen werden, daß es jemals wieder gewebt oder ausgebessert wird. Natürlich suchen die kaiserlich deutsche Regierung und diejenigen, deren sie sich zu ihrem eigenen Schaden bedient. Unterpfände dafür zu erlangen, daß der Krieg mit der

Herstellung des früheren Zustands

endigen wird. Dieser Btatus quo ante war es, von dem We­ser schieckliche Krieg auSging. der für die Macht der kaiserlich deutschen Regierung innerhalb ihres Reiches und für ihre weitreichende Herrschaft und ihren Einfluß außerhalb geführt wird. Dieser Status mutz in einer Art geändert werden, daß verhütet wird, daß so etwas Schreckliches je wieder entsteht. Wir kämpfen für die Freiheit, für die Selbst- , regierung und für die Entwicklung der Völker, die ihnen nicht aufgezwungen wird, und jede Einzelheit der Ordnung, die dieser Krieg zum Abschluß bringt, muß zu diesem Zweck aus- »gefübrt werden. Das Unrecht muß zuerst wieder gut- gemacht werden, dann müffen entsprechende S i ch e r u n gen aeschaffen werden, um zu verhüten, daß es wieder begannen wird. Wir dürfen nicht irgend welche Heilmittel in Betracht ziehen, nur weil sie beifällig ausgenommen werden. Praktische Fragen können nur durch praktische Mittel zur Lösung gebracht werden.

Phrase» werden kein Ergebnis hoben.

Wirkliche Wiedergutmachungen werden gemacht werden, alle / Wiedergutmachungen, die notwendig sind, müffen gemacht f werden. Aber sie müssen einen Grundsatz verfolgen, und die­ser Grundsatz ist klar: Kein Volk darf unter eine Herrschaft gezwungen werden, unter der es nickt zu leben wünscht. Kein Gebiet dar? den Besitzer wechseln außer zu dem Zweck, deu- jenigen, die es bewohnen, eine gute Möglichkeit zum Leben m der Freiheit zu sichern. Entschädigungen dürfen nur insoweit verlangt werden, als fie die Bezahlung von begangenem offenbaren Unrecht bilden. Keine Wiederherstellung einer Macht darf erfolgen außer einer sol chen, die zum Ziel hat, den Frieden der Welt, dlis zukünftige Wohlergehen und das Glück ihres Volkes zu sichern. Und daun müssen die freien Völker zu einem gemeinsam?» Av- kommen gelangen, zu einer von der Natur gegebenen prak­tischen Zusammenarbeit, die ihre Kraft tatsächlich vereinigen wird, den Frieden und Gerechtigkeit bei den Verhandlungeii der Nationen miteinander zu sichern. Die Verbrüde­rung der Menschheit darf nicht länger eine schöne, aber

Morgen-Kusgabe.

leere Phrase sein. Es muß ihr eine Grundlage von Krait und Wirklichkeit gegeben werden. Die Nationen inüffen ihr gemeinsames Leben einrichten und eine werktägige Gemein­schaft errichten können, um dieses Leben gegen Angriffe einer autokratischen und s e 1 b st ge f ä 11 i g e u Macht zu sichern. Für diese Dinge können wir Blut und Schätze darbringen. Diese Dinge sind es, die wir alle Zei- als unser Streben bekannten und, wofern wir Blut und Schätze nicht ganz darbringen und nicht Erfolg haben, werden ww niemals imstande sein, uns zu vereinigen und eine er­obernde Kraft in der großen Sache der menschlichen Freiheit zu zeigen.

Der Tag ist gekommen, zu siegen oder sick zu unterwerfen.

Wenn die Kräfte der Autokratie uns prellen können, so wer- fort sie uns überiüälti-ge'n, Wenn wir zuicmrmenhashen, ist b*r £ ; eg gewiß und die Freiheit, welche uns den Sieg sichern wird. Wir können uns dann großmütig erweisen, aber wir dürfen uns weder dann noch jetzt schwach zeigen, und die ein­zige Bürgschaft der Gerechtigkeit und Sicherheit preisgeben.

Die Entente, Russland und die Geheim­verträge.

(Drahtbericht unseres b'i.-Sonderberichterstatters.)

Hi. Wien, 11. Juni, (zb.) Aus dem Kriegspresse, quartier wird gemeldet: Von besonderer Seite der-

lautet, daß den Regierungen der Entente vor allem darum zu tun ist, die russisch e A n a r ch r e d r r e r t zu fördern, weil sich Engländer und Franzosen unter Umständen lieber mit dun Chaos rn Rußland abfinden, da Rußland als aktiver Posten aus der Kriegsrechnung ohnehin schon gestrichen ist, als stck> einem starken Arbeiter- und Soldatenrat unterzuord­nen. Die verhängnisvollen Geheimverträge sind> letzt der springende Punkt der gesamten augenblrcklrchen politischen Läge. Schon die merkwürdigen Gerüchte über Diebstahl der betreffenden Akten aus den Archiven des russischen Auswärtigen Amtes deuten darauf hm. Auch die gegen die ursprüngliche Absicht aufgerollte Schuldfrage an dem Ausbruch des Krieges seitens gewisser ententefreundlicl>er Sozialdemokraten gegen­über den deutschen Delegierten auf der Konferenz in Stockholm zeigt, welckw Interessen die Entente daran hat, diese Diskussion schnell abzuschließen, bevor die Veröffentlichung seitens der Russen erfolgen kann. Falls es wirklich gelingen sollte, die authentlfchen Ge- heimverträge, die gewiß einen ganz anderen Inhalt als der von Ribot bekanatgegebene Vertrag haben, zu veröffentlichen, würde zweifellos die gesamte politische Struktur und mit ihr auch die Stockholmer Konferenz eine Änderung ihrer Grundlage erfahren.

Widerruf der Sensationsmeldung über die österreichische Mission in Petersburg.

Br. Berlin, 10. Juni. (Eiq. Drahtbericht, zb.) Die gestrige Sensattonsmeldung des „L.-A.", die über eine angebliche militärische österreichische Mission nach Petersburg zu berichten wußte und von uns bereits zum mindesten als fraglich hingestellt wurde, hatte die B e- schlagnahmö der betreffenden Nummer des „L.-A. zur Folge. Heute veröffentlicht das Blatt selbst eme Erklärung, in der es zu seiner fragwürdigen Meldung Stellung nimmt und schreibt: Wir äußerten zwar gleich unseren Zweifel an der Richtigkeit der Meldung,, dm uns aber immerhin so interessant erschien, daß wir ste wiederzugeben müssen glaubten. Wie uns nunmehr von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, verhält sich dne Sache tatsächlich anders, als darqestellt und wrr bedauern daher, die Nachricht vor ihrer Veröffentlichung nicht der Kständigen Zeniurbefförde vorgelegt zu haben.

Die Rückkehr russischer Emigranten aus dem Wege über Deutschland verboten.

IV. T.-B. Petersburg, 11. Juni. (Drahtbericht. Peters­burger Telegraphenagentursi Die Zeitung „Woskaya Wolga­will aus zuständigec Quelle erfahren haben, daß die Zurene russischer Flüchtlinge aus neutralen Ländern auf dem Wege über Teut'chland nach Rußland untersagt wird, und zwar au- Grund des bestehenden Gesetzes, daS.Personen, die sich in einem feindlichen Lande aufgehalten haben, während des Kriegs das Betreten ruffischen Gebiets ohne besondere Kontrolle und Untersuchung verbietet.

Ereignisse zur §ee.

Deutsche Vorstellungen in London.

I. Berlin, 11. Juni. Das Verbalten der britischen See leute geizen die im Seegefecht von Z e e b r ü g g e schiff­brüchig gewordenen Torpedobootsmannschaften wird der deut scheu Regierung Veranlaffung geben, bei der englischen Regie rung in der ernstesten Weise Vorstellungen erheben zu lassen, sobald das amtlich« Material sertiggaL-lli lein wird.

Nr. 293. . 63. Jahrgang.

Das ungelöste U-Boot-Problem.

Der Marinemitarbeiter der „Daily News" schreibt: Als die Deutschen vir ungefähr ovei Mo waten den uneinge­schränkten Unterseebootskrieg ankündigten, war eine be­stimmte Gruppe unserer Offiziere fest davon überzeugt, daß die englische Marine in wenigen Monaten die Unterseeboote erledigt haben werde. Seitdem haven diese Offiziere ihre Ansicht geändert. Der erste Lord der Admiralität sagte am Anfang des Unteffeebootskrieges, daß die Untersee­boote gezwungen sein würden, unter Wasser zu bleiben und nian deshalb annehmen könne, daß die Treffsicherheit sich um 50 bis 70 Prozent vermindern würde. Die Deutschen ver­fügen aber über das Hydrophon, einen Apparat, der es ihnen ermöglicht, auch unter Waffer mit großer Sicherheit zu zielen. Unsere Marine sieht sich deshilb Var neuen Schwi»rigkeiten. Daun muß man noch mit zahl­reichen Streuminen rechnen, die jedes Unterseeboot mit sich führt. Diese Minen besitzen eine außerordentliche Exvlosionskrast. — Der bLkrnnte Marinesachverständige Archibald Hurd schreiktz im „Daily Telegraph" über Lloyd Georges Optimismus gegenüber der UnterseebootS- gefahr: Lloyd George habe gesagt, er habe begründete Hoff­nung, daß die Ecw rrtui gen des Feindes sich bald als illu­sorisch Herausstellen werden. Jedermann hatte diese Hoff- nung, aber damit ist das Unterseebootproblem noch nicht ge­löst. Der Kriegsminister ist ein Optimist,, und es ist sehr fraglich, ob ein Marinesachvrcständiger sich ebenso „ver­trauensvoll über die UnterseebootSftage aussprechen würde.

Der englische Respekt vor der deutschen Hochseeflotte.

Berlin, Juni, (zb.) Die Londoner Wochenschrift „Truth" schreibt: Die deutsche Hochseeflotte bildet eine große moralische und politisch« Stütze für Deutschland, sie st e h t hinter dem Unterseebootsfeldzug und hat auf unsere Schultern die Verpflichtung gelegt, die größte und kosffpieligste Fleche, die je bestand, zu halten mit der daraus notwendigen Ausgabe an iScfb und Menschen, außerdem fordert unsere Flotte die fast ausschließliche Vorbehaltung eines großen Teils unserer Schiffswerften, die sonst zum Bau von Handelsschiffen weit vorteilhafter hätten Verwen­dung finden können. Ob es ratsam wäre, unsere Scchcrr- schaft bis zur Küstenlinie des Feindes auszudehnen und ihn an jenen Schluvfwinkeln aufzusuchen, in denen er seine Streit­kräfte sicherlich zu erhalten trachten wird, müffen wir dem Urteil derer überlassen, die sich ein klares Bild von den poli- tiscken und moralischen Folgen eines solchen Unternehmens und den dabei zu laufenden Gefahren machen können. Eines aber ist zweifellos: daß wir uns in der B u ch t v o n H e l g o- l ä n d unter keinen Umständen ein zweites Gallrpoli leisten dürfen. _

Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 11. Juni. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 11. Juni, mittags:

östlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Der bereits seit einiger Zeit erwartete Angriff der 6. italienischen Armee auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden und im Suganatal hat begonnen.

Nach mehrtägiger sorgfältiger Artillerievorbereitung warf gestern der Feind an der Front zwischen Asrago und der Brenta seine Infanterie in den Kampf. Nordöstlich von Asiaqo gelang es de» Italienern unter großen Opfern in unsere Gräben einzudrrngen. Am Abend war der Feind wieder völlig heran s g e w o r° f e n. Besonders hartnäckig wurde bei Casara Zebio und im Gebiet des Monte Foron gerungen, wo der italieni­sche Ansturm an der Tapferkeit steirisch« Truppen zer- schellte. Auch im Suganatal scheiterten alle Angriffe des Feindes in unserem Gcschntzfener oder im Nahkampf.

Unsere Flieger schossen zwei italienische Flug- Zeuge ab.

Am Jsonzo keine besonderen Ereignisse.

Der Chef des GeneralstabS.

*

Der deutsche Kbenöbericht vom N. Juni.

TV. T.-B. Berlin, 11. Juni, abends. (Amtlich.) An der flandrischen Front wechselnd starkes Feuer ohne besondere Kampftätigkeit.

Sonst nichts zu melden.

*

Gedämpfte englische Hoffnungen.

W. T.-B. Berlin, 11. Juni. (Drahtbericht.) Über die eng­lischen A n g r r s f e i n F l a n d e r n schreibt die „Revue" vom 8. Juni: Seit der Marnefchlacht und dem Stellungskriegesah man so viele Bewegungen glänzend beginnen, die sich später in Schützengräben verloren, daß Bescheidung im Urteil angemessen ist.