Verlag Langgaffe 21
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Montag, 11. Juni 1917.
Der Tauchbootkrieg.
Weitere 19 tzvv Tonnen im Atlantischen Ozean!
W.T.-B. Berlin, 11. Juni. (Amtlich.) Im Atlantischen Ozean haben unsere U-Boote 19 600 Bruttoregistertonnen versenkt. Unter den Schiffen befanden sich u. a.: der bewaffnete englische Dampfer
„Barley" (3331 Bruttoregistertonnen) mit Getreide, Kopra und Palmkernen nach England, der englische Dampfer „Barthurst" (2521 Bruttoregrster- tonnen) mit Kopra und Palmkernen, das englische Dreimastvollschiff „St. Mirren" (1956 Br.-R.-T.) mit Briketts für die brasilianischen Eisenbahnen, ein französischer Hilfskreuzer von etwa 4000 Br.-R.-T. und der italienische Dampfer „Eliofilo" (3583 Br.-R.-T.) mit Erz nach England.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Weitere Versenkungen.
W.T.-B. Kopenhagen, 10. Juni. „Berlingske Tid-ende" mellet aus Stockholm: Nach einem Telegramm aus Helsing- sors wurden vor Helsingfors die zwei schwedischen Segelschiffe „Helcnsek" und „Aida" von deutschen Unterseebooten versenkt. Ein drittes Schiff wurde ungehalten und erhielt die Erlaubnis, mit den Besatzungen der beiden versenkten Schiffe die Reise nach Tarno fvrtzusetzen.
«
Englische Mörder.
— Bnlin, 10, Juni. Unter der obigen Überschrift oerichtet Karl Rosner vo« der flandrischen Küste an de» „Berliner Lokal-Anzeiger" über den neuesten Bara- long-Fall: Der Chef des Admiralstabs der Marine hat bekamrtgegebeu, das? einige englische Monitore am 5. Juni, morgens, Ostende beschossen und daß starke überlegene Anfklarnugsstreitkräkte, die den aumarschie- renden Monitoren beigegeben waren, mit zwei von unseren Wachbooten in ein heftiges Gefecht gerieten, wobei unser „S. 20" zum Sinken gebracht wurde. Der englische Führer fügte seinem Bericht an die Admiralität in London hinzu: Wir nahmen 7 Überlebende des Torpcdojägers „S. 20" auf. Der Oberbootsmannsmaat Heinrich Schmidt, der als Geschützführer auf unserem „S. 20" fuhr, trieb sieben Stunden lang auf See und kämpfte gegen den Tod. Bon einem unserer nachsuchenden Marineflugzeuge aufgefischt und durch die Lüfte an Land getragen, wurde er wieder zu sich gebracht und sagte, wie Rosner berichtet, aus: Sieben Man» von „S. 20" wurden in ein englisches Boot genommen. Dann schlossen die Engländer ihr Rettunqswerk. Sie hatten augenfällig Befehl, nur sieben Mann zum Verhör mit hennzubringrn. Zwei Unteroffiziere, die außcnbord am englischen Boot hingen, wurden aufgefordert, sofort l o s z u l a s s e n. Sie klammerten sich weiter fest und der eine sagte dem englischen Bovtsoffizier, daß er verwundet sei, und daß ein Granatsplitter ihm das Bein zerfetzt habe. Als Antwort hielt eincr der englischen Matrosen ihm eine Pistole gegen die Brust und schrie ihm zu, er solle sofort loslassen, sonst würde geschossen. Dem zweiten, der sich gleichfalls festklammerte, schlug ein anderer Matrose mit dem Sei t e n-
25 anderen Deutschen gleichfalls auf das englische Boot zngeschwommen war. Das letztere meldete nach dem Zerstörer, daß es fertig sei; es erhielt den Befehl zurückzukehren und drehte ab, ohne sich um das Schicksal der seine Hilfe anrufcnden im Meere treibcn- den Menfchen zu kümmern.
•
Die furchtbare Wirkung des letzten Luftangriffs auf England.
Br. Haag, 11. Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) „Daily Äkail" berichtet aus Folkestone- Bei der Prüfung des Gebiets, welches am Freitag von dem deutschen Fliegerangriff heimgesucht wurde, konnte festgestellt werdest, daß 16 Flugzeuge mit Explosivstoffen ausgerüstet waren, welche eine größere Kraft entwicketten, als irgend ein bisher verwendeter Explosivstoff. Der An griff geschah aus mindestens 15 060 Fuß Höhe und das Ergebnis war furchtbar. Niemals haben die Zeppeline so großen Schaden anger ich tet wie dieser letzte Flugzeugangriff. Von den ver wendeten Lufttorpedos bohrten sich einige in den Weichen Boden ein und explodierten nicht. Diese sind nachLondon zur Untersuchung gesandt worden. Die von den explodierten Torpedos verursachten Löck)cr haben 10 Fuß Tiefe und 28 Fuß Umsang. Unter anderem wuäe eine Eiche entwurzelt und 20 Meter fortge schleudert.
Kbend-klusgabe.
Ernste englische Besorguisie wegen der deutschen Fliegerangriffe.
W. T.-B. Rotterdam, 9. Juni. Nach dem „Nieuwe Rotterd. Courant" wirft die „Daily News" anläßlich des großen deuffchen Luftangriffs auf Dover und Folkestone die Frage auf. ob es mit Rücksicht darauf, was noch Nachfolgen könne, nicht angebracht wäre, den Sitz der Regierung von L-ondon nach einem anderen, Ort zu verlegen. Die „Times" hält es nicht für ausgeschlossen, daß derartige Luftangriffe mit noch mehr Flugzeugen häufig sich wiederholen würden, so daß die Angriffe schon beinahe den Charakter eines Einfalls annehmen. würden. England müsse sich dagegen noch besser als bisher verteidigen und dabei hauptsächlich von Flugzeugen Gebrauch machen.
Ein offiziöser englischer „Schreckschuß".
(Drahtbericht unseres ^.-Sonderberichterstatters.)
II. Rotterdam, 11. Juni. (zb.) Die offiziöse „Westminster Gazette" fordert erneut die baldige Bekanntgabe der Entente-Kriegsziele. Das Blatt meint, Deutschland werde an diesen Kriegszielen erkennen, wie wenig England durch die Tauchboote besiegt werden könne, und wie gewaltig die Verbündeten sich durch Amerikas militärische Hilfe gestärkt fühlen. _
Neue vergebliche Angriffe der Engländer.
Der Tagesbericht vom 11. Juni.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 11. Juni.
(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Im Dünaabschoitt bei Nieuport und östlich von Apern nahm gestern zeftweilig die Feuertätigkeit erheblich au Stärke zu.
Auch im Kampfgelände östlich von Wytschaete und Messines steigerte sich gegen abend das Feuer. Nachts gingen uach heftigem Fenernberfall englische Kompagnien gegen unsere Linien westlich von Hollebeke und Wambek vor; sie wurden zurückgcschlagen. Südlich von Douve scheiterten abends Angriffe der Engländer gegen die Töpferei westlich von Warneton.
Beiderseits des Kanals von La Baffee und ans dem südlichen Scarpe-Ufer unterband unser Bernichtungsfeuer bei Festubert, Loos und Mouchy die Durchführung sich vorbereiteter englischer Angriffe. An der Straße La Baffee und Bethune, nordöstlich von Bermelles und bei Hvlluch wurden feindliche Erkundnngsvorstöße abgewiesen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Am Chemiu des Dames brachen in überraschendem Handstteich westlich von Cerny Stoßtrupps ostpreußischer rmd westsälifcher Regimenter in die französischen Grabe« ein machten die Besatzungen, soweit sie nicht fiüchtettn, nieder und kehrten mit Gefangene» zurück.
Das hier eiusetzeude lebhafte Feuer dehnte sich auch auf die Nachbaradschuitte aus, blieb soust aber gering.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Nichts neues.
Auf dem
östlichen Kriegsschauplatz ist die Lage unverändert. 0
Mazedonische Front. " '
Auf beiden Wardarufer» und am Doriausee erfolgreiche Gefechte bulgarischer Posten.
Der Erste Generalqnartiermeister: Ludendorss.
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Oie Kampfpause an der Westfront.
Der deutsche Ergänzungsbericht.
W.T.-B. Berlin, 10. Juni. Im Wytschaete-Ab- schnitt hielt am 9. Juni die englische Erschöpfung an. Auch die ArtiLerietätigkeit blieb in mäßigen Grenzen. Lediglich am Apernkanal nahm sie nachmittags zu und steigerte sich in den Abend- stunden gegen die deutschen Batteriestellungen südlich von Douve und im Hintergelände. Die deutsche Artillerie legte auf gefüllte englische Gräben im Ploeg- steert-Walde sowie nordwestlüh davon Vernichtungsfeuer. Versuche der Engländer, sich in dem-gewonnenen Gelände einzurichten, wurden wirksam durch flankierendes Feuer'der deutschen Artillerie im Mernaüschnrtt sowie durch die Batterie« nördlich von Ltlle bekämpft.
Nr. 292. . 65. Jahrgang.
Südwestlich von Hollebecke wurde ein erfolgreicher Gegen st oß gemacht, der den Engländern mehrere Selbstladegewehre abnahm. .
Auf der ganzen Artoissront blieb das Artrllerle- feuer am 9. Juni mäßig. Jnfanterieangrisfe erfolgten nirgends. Auch hier erheischten die schweren Verluste, welche die Engländer bei den vergeblichen Angriffen gegen Lens am 8. Juni erlitten, eine Ruhepause sowie eine Umgruppierung der abgekämpften Truppen. Wie nachträglich gemeldet, wurde der Angriff in sechs Kilometer Breite von etwa zwei kanadischen und einer englischen Division vorgetragen. Die Kämpfe waren äußerst erbittert, wovon die hohen blutigen V e r- luste der Engländer beredtes Zeugnis oblegen. Bei der Säuberung des letzten Engländernestes und des Vorgeländes konnten diese Verluste einivandfrei festste- stellt werden. In der Gegend von St. Quentin wurden mehrfach feindliche Patrouillen in der Nacht zum 9. Juni und am Vormittag des 9. Juni abgewiesen. Am Nachmfttag des 9 Juni brachte ein vor- gehender deutscher Sturmtrupp bei Alain:ourt 16 französische Gefangene zurück sowie drei Maschinengewehre.
An der Aisnefront war infolge schlechter Sicht die Artillerietätigkeit gering. Lediglich auf Fort M a l- mais 0 n lag taqsüber deutsches Dauerfeuer aus schweren Kalibern. In der Nacht zum 9. Juni machte ein bayerischer Stoßtrupp eine erfolg- reiche Unternehmung bei Le Poteau. In der westlichen Champagne, sowie im Verdun-Abschnitt hol- ten zahlreiche Patrouillen unter gleichzeitiger Erfüllung ihrer Aufgabe Gefangene und Schnelladegewchre aus den feindlichen Gräben.
Interessante Mitteilungen ans der letzten
Gehennsitzung der französischen Kammer.
Br. Genf, 11. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Pariser Berichterstatter der Genfer „Suifse" macht einig-
recht interessante Mitteilungen aus der letzten Geheim» sitzu-ng der französischen Kammer. Bei den vielbLsproche.ien russisch-französischen Geh ei m ve rträ g en, die Rihot in der Sitzung vorlegte, handelte -es sich u. a. um das französische K ri e gs zi e Ip r 0 g r a nt nt, das Dounrergue 1916 anläßlich seiner Petersburger Reise abgefatzt hatte. Der damalige Ministerpräsident Briand, in dessen Auftrag Donmergue nach Petersburg gereist war, erklärte in seiner Verteidigungsrede, er habe geglaubt, auf den Endsieg der Entente rechnen zu müssen. Unter stürmischem Beifall einer großen Zahl der Abgeordneten bemerkte Briand, der Friede müsse Frankreich nicht nur Elsaß und ein vergrößertes Lothringen, sondern auch das Saarbassin und fast die gesamte Rheingrenze bringen. Auf den ironischen Zuruf „Auch Syrien?", antwortete Briand: „Auch Syrien".
Französische Niedertracht.
W. T.-B. Berlin, 9. Juni. Ein französischer Sergeant vom Infanterie-Regiment 164, welcher am 31. Mai am Hochberg gefangen genommen wurde, sagt aus: Nach dem französischen Angriff am 20. Mai kamen auf dem Rücktransport zahlreiche deutsche Gefangene dadurch ums Leben, daß die Franzosen ihnen die abgezogenen Handgranaten in die Taschen steckten. Die explodierenden Hand- oranaten zerrissen die Gefangenen und ihre in der Nähe befindlichen Kameräden.
Die Wiedergabe der Rede des elsaß-lothringischen Landtagspräsidenten in Frankreich verboten.
Br. Genf, 11. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die französische Zensur hat die Wiedergabe der Erklärung des Präsidenten Ricklin bei der Eröffnung des elsatz-lothringischen Landtags verboten. In seiner Rede - hatte Ricklin als Präsident des nach dem ivahrlich demo- krattschen Reichstagswahlrecht gewählten elsaß-Iochrin- gisck^n Landtags den französischen Lockrufen eine krästig e A b s a g e erteilt.
Rußland.
Das Chaos in Petersburg.
W.T.-B. Lern, 10. Juni. „Morning Post" berichtet «axi Petersburg vom 2. Juni: 11000 g u t b e w a ffn et e Anarchist r n mit schivarzen Bannern zogen in den letzten Tagen viermal durch die Hauptstraßen. Abgesehen von kleineren Schießereien zur Nachtzeit blieben sie unbelästigt. Mau erwartet aber ernstliche Krawalle zum Pfingstfest und zum Allerseelentag- Vieles Petersburger F a 1 1 i l e n, einschließlich der Munitionsfabriken, sind geschlossen, da sie die übertriebenen Löhne nicht zahlen können. Die L e b e n s in i t t e I n 0 t in Petersourg wird beständig schlimmer. Viele Leute verbringen die Nächte vor den Läden auf mitgebrachten Matratzen. Über Petersburg schwebt infolge gewisser Gerüchte von bevorstehenden Durchsuchungen und Plünderynger« eine bedrückende Atmosphäre, .
