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Montag. 11. Juni 1917.
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Nlorgen-klusgade.
Nr. 291. ♦ 65. Jahrgang.
Mehrfache englische Vorstöße abgewiesen.
Der Tagesbericht vom 10. Juni.
T.L. Großes Hauptquartier» 10. Juni. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Im Kampfabschnitt zwischen Ipern und dem Ploegsteert-Wald war nach ruhigem Vormittag der Artilleriekampf erst gegen Abend» vornehmlich auf den Flügeln» gesteigert. Nachts fühlten mehrfach englische Kompagnien gegen unsere Linien vor. Sie wurden überall a.b g e w i e s e n.
An der übrigen Front blieb bei schlechter Sicht die Gefechtstätigkeit fast durchweg gering.
Bei A l a i n c o u r t an der Oise» südlich von Beine» in der W e st ch a m p a g n e, an der Nordostfront von Verdun und im Apremontwalde drangen unsere Stoßtruppen in die französischen Gräben ein und kehrten mit einer erheblichen Zahl von Ge- fangenen zurück. Bei Abwehr eines feindlichen Er- tundungsstoßes bei Flirey blieben mehrere Franzosen in unserer Hand. _
I« Flandern verlor der Gegner vorgestern 10, gestern 8 Flugzeuge im Luftkampf u«L durch Ab- wehrfeuer.
Bor einigen Tage« hat Bizefeldwebel Müller feinen 14. Gegner i« LufÜampf abgeschosien.
Auf dem
östliche« Kriegsschauplatz
und an der
mazedonische« Front nichts von Bedeutung.
Der Erste Generalqnartiermeister: Ludendorff.
Oer klbendbericht vom 10. Juni.
W. T.-B. Berlin, 10. Juni, abends. (Amtlich. Drahtbericht.) An allen Fronten, auch im Dytfchaete- bogen, im allgemeinen ruhiger Tag.
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Unsinnige Opfer der Engländer an Blut und Munition.
w. T.-B. Berlin, 9. Juni. Englische Preffekommentare zu der Schlecht in Flandern bezeichnen als erstes Ziel die Eroberung von Lille. Der vom Berichterstatter der „Mcrinng Post" im britischen Hauptquattier erwartete schrelle Bormarsch ans dies« Stadt hat jedoch noch gute Weil e. Während bei der Eroberung der Limy-Höhe, die deutscherseits nie als englischer Erfolg bestritten wurde, ein nicht unbedeuterdcr Geländegewinn mit an sich zwar sehr erheblichen Bertusten erzielt wurde, die jedoch daS Krmpf- ergebnis als solches vielleicht rechtfertigen konnte, hat die Besetzung des WytschaetebogenS die Engländer entsetzliche Verluste gekostet, denen ein nur minimaler Gewinn gegenübersteht. Mit dem Aufgeben des vorgebogenen und schwer zu verteidigenden WytschaetebogenS muhte naturgemäß immer gerechnet werden. Dazu kam, daß die Engländer durch zahlreiche von ihnen vorgetriebene Minenstollen die dortige deutsche Stellung in ihrer Hauptsache in die Luft sprengten nud ihre stehengebliebenen Reste sowie die darin befindlichen Besatzungen mit einer Munitionsverschwendung eintrcmmelte.r, die selbst di« vereinigten Granotcnfabriken der gesamten Entente einschließlich Amerikas auf die Dauer nid# ertragen können. Die geringe Geschützbeute, welche die Engländer rwnrren können, erläutert klar die Tatsrühe, daß die deutsche Hauptvertciüi- gungslinie wesentllch weiter rückwärts lag und daß die Engländer gegen diesen vorgeschobenen verlorenen Winkel eine unsinnige Menge von Blut und Munition geopfert haben. Wie in Frankreich die Erfolge des IS und 17. Apru nur kurzen Jubel auslösten, der bei BeLnmtwerden der Opfer, die sie gekostet hatte«, tiefster Niedergeschlagenheit Platz machte, so wird auch in England die gleiche Wirkung eintreton, sobald erst daS Land erfährt, wie teuer die wenigen Quadratmeter Boden bezahlt wurden. Mit der Zeit wird sich auch in England die Erkenntnis Bahn brechen, daß es sich bei der gegenwärtigen Form des Krieges nicht um den Gewinn oder Verlust kleiner und selbst größerer Geländestrecken haickelt, sondern ausschließlich um die Erhaltung der eigenen Gefechtskraft und die Verringerung der des Feindes. Dies aber Hecken die deutschen Truppen bei dem Kampf im Wytschaetebogen glänzend erreicht.
»»Die Entscheidung liegt auf der Westfront."
W. T -B. Berlin, 9. Juni. Ein bemerkenswertes Eingeständnis macht der „Rappel" vom 5. Juni, indem er schreibt: .Kaum hat die neue Regierung in Petersburg die Zügel ergriffen, als die Zentralmächte ihre Augen von drefem Teil der Schlachtfeldes ablenken. Wir sollten aus dem deutschen Beispiel Nutzen ziehen und mit ihnen sagen: Die Entscheidung de» Krieges liegt auf der Westfront. Sagen wir auch mit dem „Vorwärts": Entscheidung durch das Schwert — ja; durch die Hoffnung der Revolution in Deutschland —«in.
Die russischen Truppen an der französischen Front.
IV. T.-B. Berlin, 9. Juni. Das extrmn^ntentefreund- liche „Journal de Geneve" schreibt: Nachdem bei ruffischen Truppen in Frankreich Garung, teilweise sogar Meuterei auSgebrochen war, drahtete K e r e n 1 1 i. daß alle störenden Elemente erbarmungslos zu erschießen seien. Diese Nachricht bedarf keines Kommentar». Erinnert sei nur daran, daß die ruffischen Truppen bei der großen AiSne- Offensive gleich farbigen Hilfsvölkern als erste gegen die deutschen Maschinengewehre vorgetrieben wurden und bei Brimont erschütternde Verluste erlitten. In inter- effantem Zusammenhang mit der Meldung des Genfer Blattes steht die aus zuverlässiger Quelle verlautete Nachricht, daß der Munitionsminister Thomas anläßlich seines Besuches in Rußland vorschlug, unzuverlässige Truppen an die französische Front zu schicken.
Der französische Marineminister über den U-Bootkrieg.
IV. T.-B. Bern, 8. Juni. Die Lyoner Blätter melden ans Pari«: Im Verlauf der heutigen Kcrmmersitzung erklärte
Marineminister Lacaze, seine Hauptsorge sei immer der U-BooÄrieg gewesen. LärigS der französischen Küsten werde ein ganzes Verteidigungsnetz errichtet. Die Verteidigung der Nordsee und des Ärmelkanals werde durch drei Geschwader schneller Schiffe gesichert, die mit Flugzeugen zufammenarbeiteten. Daneben gebe es noch ein Schutzgeschwader für die Schiffahrt. Im Atlantischen Ozean gebe «3 drei Divisionen, ein Geschwader für den Schutz der Schiffahrt und eins gegen die U-Woot-Zentren. Die Ausbildung dieser Organisationen sowie der des Flugwesens werde fortgesetzt. Außerdem kämen jetzt die Amerikaner zu- Hilfe. Im Mittelmeer würde die Organisation mir Hilfe der Engländer, Italiener und Japarrer durchgeführt. Lavaze erklärte ferner, seiner Ansicht nach rwhme die Zahl der im Dienst befindlichen deuffchen U-Boote nicht zu, dagegen würden die Mittel der Alliierten zur Bekämpfung der U-Bocte wirksamer. Das französische Hochseegeschwader befinde sich in K o r f u, um die Ausfahrt der österreichisch-ungarischen Flotte zu verhindern. So lange er Minister sei, werde das Geschwader auch dort verbleiben.
Heftige Angriffe nnf Lacaze.
IV. T.-B. Bern, 9. Juni.- Lyoner Matter melden: In der gestrigen Kammersitzung führte Admiral B i e n a i m e au», man muffe die Tätigkeit Englands zur Wieder- gutmachuug der französischen Verluste bewundern. (Lebhafte Rufe auf der äußersten Linken.) Man müsse den Heldenmut der Matrosen bewundern, der ebenso groß wie der d»r Soldaten sei. (Rewe Rufe auf der äußersten Linken.) ES entsteht ein großer Lärm, so daß D e S ch a n «l erklärt, er sehe nicht ein, warum die Worte Bienaimös einen solchen Protest hervorriefen. Man sei in der Angelegenheit doch eigentlich einig. Der Abgeordnete Goude erklärte, man hätte noch mehr tun können, aber man müsse anerkennen, daß die Matrosen ihr Möglichstes getan hätten. 1916 bestand noch kein Verteidigungssystem gegen die U-Boote im Mittelmeer. Die italienische Flotte lei ebenso groß wie die österreichische. Nur Dreadnoughts und die modernsten Schlachtkreuzer sollten im Dienst Äeilben. Man könnte dadurch 359 Offiziecc und über 19 006 auSyebrldete Mattosen für andere Zwecke fveibekommen. Der Abgeordnete Renaudel erklärte: Die Rettunysmittel an Bord von Kurier- und Handelsschiffen seien ungenügend. Die versenkte Tonnage müsse ersetzt werden. Die U-Koote müßten bis in ihre Schlupfwinkel hinein aufgesucht werden. Besonders solle man die Kredite für wiffenschaftliche Untersuchungen und Bekämpft, ngsmittel erhöhen. In Frankreich seien die Kredite des Unterstaatssekretariats für auf die Landesverteidigung sich beziehende Erfindungen unzulänglich. Man hätte Deutschlands Programm verfolgen sollen, als cs anfing. U-Boote zu bauen. Bei Erörterung der Tagesordnung verlangte Ribot die Priorität für die Tagesordnung Ajcrm. Der Abgeordnete Cele erklärte, es handele sich nicht um eine polittsche Frage, sondern um den U-Bootkrieg. Es handele sich auch nicht darum, zu erfahren, ob der Marineminister und feine technische Verwaltung auf der Höhe ihrer Aufgabe seien Die Regierung brauche deshalb die Vertrauensfrage nicht zu stellen. Die Rede des Marineministers sei ungenügend. Ribot erwiderte, Cele schenke de: Regierung Vertrauen, verweigere eS aber dem Marineminister, was er nicht annehmen könne. (Lebhafte Bewegung.) DaS ganze Land suche Sin Mittel zur Bekämpfung der UÄootgefahr. Alle Marinen seien überrascht worden. Niemand habe .an die Entwicklung des U-BontkriegS geglaubt. Wenn auch die Gefahr ernstlich sei. sc dürfe man sie doch sticht übertteiben. Im übrigen bessere sich die Lage. Der Marine werde eine neue Anregung gegeben und eine allgemeine Leitung fiir den Kampf gegen die U-Woote geschaffen werden. Der Abgeordnete Bouissou erinnerte daran, daß der Marinerusschuß der Kammer die Maßnahmen des Marineministers einstimmig getadelt habe. Man könne Lacaze nicht behalten. Die ganze Kammer habe ch« verurteilt. lProtestrufe aus zahlreichen Bänken, Zustimmung auf der äußersten Linken.) Man könne einen Admiral im Marineministerium nickst behalten, da er <
:mmer in di« Fehler seiner Umgebung verfalle. Die Kammer solle sagen, ob Lacaze befähigt sei oder nicht. Der Ab- gecrdnete Tissier erklärte, daß der MarineauSschuß einstimmig erklärt habe, daß Schiffe ohne militärischen Wert entwaffnet werden sollten, sowie daß eine allgemeine Leitung für den U-Doctkrieg geschaffen werden solle. Ribot habe aus dieser Frag« eine politische Frage gemacht. Der Abgeordnete Berg«an erklärte, er enthalte sich der Abstimmung im Sinne eines Tadels. Die Priorität der Tagesordnung Ajvm wurde sodann mit 310 gegen 178 Stimmen angenommen. Die Zahl der Stimmenthaltungen wird von den Blättern verschwiegen.
Oer Tauchboolkrieg.
Wieder 47 50« Tonne«!
W. T.-B. Berlin» 9. Juni. (Amtlich.) 1. In den
nördlichen Sperrgebieten sind 19100 Bruttoregistertonnen Schiffsraum versenkt worden^
2. Neue U-Bootsersolge im Mittelmeer. Mehrere Dampfer und Segler mit 28150 Bruttoregistertonnen wurden versenkt. Die Namen der versenkten feindlichen Schiffe ließen sich nur in zwei Fällen feststellen, bei dem italienischen Dampfer „Agragas" (850 Br.-R.-T.) und dem bewaffneten eng- lischen Dampfer „Rosebank" (3837 Br.-R.-T.). Ebenso blieben die Ladungen der meisten Schiffe unbekannt. Ein Dampfer hatte 4000 Tonnen Kohlen für Italien geladen. Der Chef d«S Admiralstabs der Marine.
Weitere Versenkungen.
IV. T.-B. Kopenhagen» 9. Juni. Tür dänische Ge> sandffchaft in London drohtet: Der Dampfer „Harald Klitgaord", von England nach Dänemark mit Kohlen unterwegs, ist in der Nordsee versenkt worden. Der Schiffskoch ist umgekomrnen. — Der dänische Fischkutter „Orion" aus Esbjerg ist beim Fischen an der dänischen Nordseeküste in der Nähe des Vyt-Feuerschiffes aus eine Mine gestoßen und nntergeqangrn. Die auS drei Mann bestehende Besatzung kam um.
W. T.-B. Stockholm» 9. Juni. Laut „Stockholms Tidningen" wurde der Helsingborger Kohlendampfev „Anton" mit 1050 Registertonnen, auf dem Wege von England nach Gotenburg, am 6. Juni versenkt oder ist auf eine Mine gelaufen. DaS Schiff fuhr unter englischem Geleitzug.
W. T.-B. Rotterdam, 10. Juni. (Drahtbericht.) Der , Nieirwe Rotterd. Courant melden Der Dampfer . Eemdijk wurde torpediert und ist gesunken. Ein Boot mit dem Kapitän und 11 Mann ist bei den Shetlandsinseln gelandet. Von einem zweiten Boot liegt keine Nachricht vor. Das Schiff war auf der Reise von Amerika und führte eine Ladung von 6000 Tonnen Roggen, Hafer und Mars für die nwderlSndi- sche Regierung. '
Angebliche Übergriffe denlsrbee U-Boole gegen norwgeische Fischer.
W. T.-B. Berli», 9. Juni. Ein Teil der norwegischen Press? bringt Nachrichten über .mgebliche Übergriffe von deuffchen U-Booten gegen norwegische Fischer von Finnmarken. Zu diesen Behauptungen kann erst Stellung genommen werden, wenn eigene Nachrichten hier vorliegen. Dies ist noch nicht der Fall, da die Rückkehr der zurzeit in den nordischen Gewässern tätigen U-Boote oder die Meldung von ihnen erst abgewartet werden muß.
Das neue Rußland.
Die Auslösnng des staatlichen Lebens.
Bekenntnis eines MinffterS.
W. T.-B. Stackholm, 9. Juni. Auf dem großen Kongreß 0 tit Behandlung der Lebensmittelluge, der am letzten Sonntag in Moskau abgchalten wurde, erklärte der Minister Schinga- reff laut „Svenska Dagbladet", daß die schlimme Lage der LebenSmittelfrage kein« -vereinzelte Erscheinung sei, denn in tem gleichen drohenden Zustand befinde sich das ganze staatliche Leben in Rußland. Das Land sei sozuisagen daran, sich auszulösen. An vielen Stellen sei das Durcheinander schon vollständig. Die Reichskasse sei geleert und die Bevölkerung wolle keine Steuern zahlen. Man erwäge daher die interimisttsche Einsttllung der Zahlungen. ES fehle nicht nur an Lebensmitteln, sondern auch an Rohstoffen.
Scharse Angriffe auf Kerenski.
W. T.-B. Stockholm, 9. Juni. Kriegsminister KerenSki wivd neuerdings wieder von seinen Gegnernscharfan» gegriffen So schreibt „Newoje Sjieu" zu seiner Erklärung im Arbeiter- und Soldatenrat, daß die Frage i>$*.
