Verlag Langgaffe 21
„Lagblotth-ils".
E-b-lter-Hale geöffnet von 8 llhr morgen* bi* 7 Uhr abend*.
wöchentlich
rar K19I auuquucu. monatlich, Mt. 8 .— vierteljährlich durch ben Betlag
jne Bringertobn. Bit. 4.05 vierteljährlich durch alle denäjchen Bostanstalten, auSjchlreKni!
Mt. t.-
Bezngs.Preissür beide Ausgaben
- » «■ — < ®Ttnaerloljn. aJit. 4.ua oicncijawiiiuj uui »i *u*c «unmui v»7 - - , -. - - -
,s-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in «ieSbaden die Zweigstelle B>* die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen An*, gabeftellm ünd in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betre ffenden Tagblatt-Träger.
13 Ausgaben.
Fernruf r
„r,,«»tck<m---Rr.«k50-ss.
Bon 8 Uhr morgen* bi* 7 Uhr abends, außer Sonntags.
„..ig tüirbie steile: sg Psa. sür örtliche Anzeigen im „ArbeitSmartt" und »kleiner Anzeiger" SÖn eSr.? “ Pjg. in lyW» -»weichender SU>MM L Ä
entiptMienier Nachlaß.
aadeltellen unv in ven aenmnvariru --- - —° » — «oc—r -- , _
B _——^ Für die Ausnahme von Anzeigen an »argejchriebenen
«gntSS«^Lh8WLLAl »»,7»« -.«-.'-»-. »-»---««u—L—Mg.».«-«--»-!»
Freitag, 8. Juni 1917.
Der Tauchbootkrieg.
20 500 Tonnen!
W.T.-B. Berlin, 8. Juni. (Amtlich. Drahtbericht.) Im Kanal und im Atlantisch en Ozean sind durch die Tätigkeit der U-Boote 20 500 Tonnen vernichtet worden. Unter den versenkten Schissen befand sich ein bewaffneter englischer Dampfer mitllerer Größe und zwei englische Dampfer von 2500 Tonnen.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Oie Lage im Westen.
ver neue große englische Angriff in Flandern.
W T.-B. Berlin, 7. Juni. Nachdem die Frühjahrs- Offensive der Engländer und Franzosen, die die Durchbrechung und Aufrollung der Deutschen Westfront zum Ziele hatte, vollkommen schesterte und nch verblutete, haben die Engländer am 7. Junr eine neue Offen- five in Flandern begonnen. Bereits vor Mitte Mar steigerte sich die Feuectätigkert rin Wytschaete» Bogen, wo südlich des Ypern-Kanals dre deutschen Stellungen halbkreisförmig in weitem Bogen rn dre feindlichen Linien vorfpringen. Nach einer kurzen Feuertätigkeit vom 16. bis 21. Mai fetzte die syste- matische englische Feuervorbereitung am 22. Mai pausenlos ein, um sich vom 1. Junr an zu außerordentlicher Heftigkeit zu steigern, die an der- fchiedenen Tagen bereits den Charakter von Trommel feuer trug. Häufige Erkundungsvorstoße des Feindes bestätigten die Angrrffsabsicht. Bereits am Abend des 5. Juni wurden mehrere starke nacytlrche Patrouillenvorstöße zurückgewiefen und da und dort eingedrungene Engländer im Nahkampf geworfen. Vergeblich brachten die Engländer Flammenwerfer zur Anwendung, von denen ihnen einer abgenommen wurde. Am gleichen Abend wurde eine von etwa zwei Kompagnien unternommene gewaltsame Erkundung oeoen unsere Stellungen südlich des B ouv e-Baches verlustreich Zurückgewiesen. Am frühen Margen des
6 Juni sfießen südlich M e s s i n e s zwei englische Patrouillen vor, die ebenfalls verjagt wurden. Am Vormitwa des 6. Juni lag nur zeitweise starkes Feuer auf der Angriffsfiont und auf dem Hintergelände, wo die englischen Granaten die belgischen Orte Werneton La Basse-Ville und besonders Men in stark Mitnahmen. Am Nachmitag ging das Feuer ^ zum stärksten Tromnielfeuer über, und die ganze Nacht zum
7 hindurch tobte ununterbrochen der schwerste Artilleriekampf. Zahlreiche feindliche Patrouillen wurden abgewiesen und Gefangene eingebracht. Um 4 Uhr morgens ließen die Engländer an mehreren Punkten Minen auffliegen. Diesen Sprengungen folgte eme Feuerwelle von allergrößter Gewalt und um 6 Uhr morgens gingen die englischen Sturmtruppen auf der ganzen Front des Wytschaete-Bogens zum A n- griff vor. Die Jnfanterieschlacht tobt in dem größtenteils flachen, teilweise sumpfigen, von Hecken und kleinen Wäldern durchzogenen Gelände hin und her Die.Artillerie- und Fliegertätigkert ist gestergert. Unsere Truppen schlagen sich mit alter Tapferkeit.
Die Kämpfe im Artois unv in der Champagne.
W.T.-B. Berlin, 7. Juni. An der Artoisfront hat sich das Artilleriefeuer am 6. Juni ebenfalls erheblich gesteigert, besonders zwischen Loos und Roeux. Auch in der Nacht blieb das Feuer kräftig. Wo feindliche Patrouillen in der llAicht zum 7. Vorstöße versuchten, wurden sie überall unter blutigen Verlusten zurückge- lmefen. Bei Hulluch wurde ein nach starker Artillerievorbereitung um 2 Uhr morgens unternommener Angriffsversuch in unserem Feuer erstickt. Nordwestlich Hulluch und südöstlich Loos scheiterten dre Angriffe feindlicher Patrouillen, die in einer Stärke brs zu zwei Kompagnien vorgingen, in unserem Maschrnengewchr- und Artilleriefeuer. Feindliche Berertstellungen wurden in unserem Vernichtungsfeuer westlich Elou zersprengt. Um 3 Uhr morgens wurde östlich von L r e v r n ein Vorstoß starker feindlicher Abteilungen abgeschlagen, ebenso starke Angriffe, nördlich der S c a r p e. Von dem schmalen Grabenstück am Bahnhof R o e u x, in dem dre Engländer sich gestern festsetzen konnten,, wurde ern Teil zurückgewonnen: der übrrge Graben
abschnitt wurde abgeriegelt und liegt unter urrserem konzentrischen Artillerie- und Minenfeuer.
Bei dem gemeldeten erfolgreichen Vorstoß südlich Pargny-Filain erlfiten die Franzosen schwerste Verluste bei den hartnäckigen heffigen Gegenangriffen, besonders zwischen 9 und 11 Uhr abends, wo sie unter Verwendung von Flammenwerfern und unter dem Ern- fatz dichter Massen vergeblich die verlorenen Stellun- aea iMrmfaonAoni Neri lichten.
klbend-klusgabe.
Beweise erschütterter Moral ber den französischen Trnppen.
W. T.-B. Berlin, 7. Juni. Die Erfolglosigkeit der großen Offensive an der AiSne urid in der Weftchampagne hat die Moral der französischen Tvuppen stark erschüttert. Für die Stimmung der Truppen ist bezeichnend, daß Gefangene der 17. Infanteriedivision, die am 22. Mai von den Deutschen bei Corbeny etngebrochit wurden, der deutschen Patrouille ohne den gering st en Wider ft a nd fre:willig folgten. Der eine der Getangenen hatte auf seinem Posten geschlafen und wachte erst auf, als er im Schein einer Leuchtrakete seine Kameraden mit der deutschen Patrouille abziehen sah. Er warf sofort sein Gewehr weg, sprang aus dem Graben und lief sc schnell er konnte der Patrouille nach, um noch mitgenommen zu werden.
französische Nettoyeurs.
W T-B Berlin, 7. Juni. Ein am 11. Mai bei Huma ander 'mazedonischen Front erbeuteter Befehl des französischen Infanterie-Regiments Nr. 284 bewerft, daß die häufig festgestellte Niedermetzelung wehrloser Gefangener und Verwundeter nicht nur rmt der Grausamkeit der französischen Soldaten zu erklären ist, sondern den Mannschaften in allerdings vorsichtig verschleierter Form anbefohlen wird. Der Bekohl bespricht zunächst die Aufstellung von Nettoyenr-Banden und gibt genau für jede an, welche Gräben und Unterstände und in welcher Reihenfolge sie sie zu säubern hat. Dann folgen die Worte: -Nie Nettoyeurs tragen als Abzeichen einen weißen Stofflecken auf dem linken Arm. Jeder von ihnen erhalt als Waffe eincii Browning und ein Messer." Um keinen Zweifel über die Wünsche der französischen Heeresleitung zu laffen, folgen dann die Sätze: „Zum Zurückführen der Gefangenen wird kein Mann und kein Unteroffizier des Bataillons der Front entzogen. Die mit Waffen Aufgefundenen weiden erschossen, den anderen gibt man mit der Hand die Marschrichtung an." Dieser Befthl ist unzweideutig genug.
Französische Vorschüsse an die Verbündeten.
W T-B Paris, 8. I rui. (Drahtbericht.) Ein von Poinca'ie Unterzeichneter und voni Finanzminister eingc- bcachter Gesetzentwurf ermächtigt den Finanzminister, den verbündeten oder befreundeten Regierungen Vorschüsse, dre sich auf zwei Milliarden Mark belaufen, zu machen.
Verbot russischer Sozialistenblätter im „freien" "Frankreich.
W.T.-B. Bern, 7. Juni. Wie „Journal du Peuple" mitteilt, sind die russischen sozialistischen Blätter „Jsvestija", ..Pravda" und . Jewo Jakozni" in Frankreich verboten worden.
Die außerordentlich hohen englischen Verlustziffern.
W.T.-B. Berlin, 5. Juni. Neuerliche Feststellungen über englische Verluste au der Westfront ergaben, daß das 12. Middlefex-R. 75 Prozent seines Bestandes verloren hat. Die 28. südafrikanische Brigade war am 29. April noch nicht bei ihrer 9. Division, sondern noch in Arras verblieben, da sie von Südafrika noch keinen Ersatz erhalten hatte, um die schweren Verluste vom 9. und . 10. April zu decken. Dte E -Kompagnie des 6. K. O. Scotch Board brachte am gleichen Tag von 130 Mann nur 42 zurück. Ein 44jährtger Mann der 1. australischen Division, Vater von 6 Kindern, dem ber der Anwerbung versprochen war, ihn als älteren Mann nicht nach Frankreich zu schicken, hat als Ldccmkenträyer bei Quöcmt ein besonders gutes Urteil über die Verluste der Truppe am 8. und 4 April. Er bezeichnete sie als außerordentlich hoch.
Niedergeschlagene Stimmung in Frankreich.
W T-B Berlin, 4. Juni. AuS französischen Briefen geht die Stimmung der Bevölkerung Frankreichs besser hervor, als aus der durch die Zensur beschnittenen Presse. Am 24. Avril schreibt ein Herr aus Charny (Yonne) an emen Soldaten de- Inf.- Rcat- Nr 12-': „Mir sind sehr traurig qrit-mmt, denn u»
unterbrochen trcfsen Berw u n detenzuge m Montargrs ein. überall in Yonne sind die Lazarette voll. Ach Gott, wann we-dcn wir das Ende erlcbc», im dem Alpdrücken befreit sem. Ein Bries ron, 2«. April klagt: „Ach weiß nicht, was vorgeht aber diese Ofsensiven kommen nur kounsch vor. Man sieht, da« mcht alles klar ist, denn die Zeitmigei, sagen nicht viel Man konnte rm Segen- teil schließen, daß es »ich: gut um uns siebt. Etn Soldat de- ^ns.- Rcats 326 schreibt: „Ick bin zmzcit in Reserve, aber dcr Ausblick m die Znkunsi 'ist trüb. Diese Angrisse einer nach- dem andern, und die wenigsten Kameraden davon kommen heil zurück. Es mochte doch schnell zu End- gehen. Ich habe dir Sach« ebenso w-e wi herz. lich satt." Aus Trelony schreckt man vom 26. April: „Sfcrat du wenigstens eine gute Verwundung krugen konntest, um ans dieser Hölle hcrnuszukcmmen. Es tst doch mcht möglich, ein solches Leben zn sühren. Man kann nur hoffen, daß alles bald zu End« geht." Aus »rjujanx (Landes) klagt ein Brief: „Es tst «rt- schlich,.dies« Masse durchgehender Berwundeteuzuge zu sehen. Und
rb-'U.'gen nävmten, eine lchmabüche Enttapchnug erlebten Zedcn- falls frage ich mich, was der ganze Krieg uns nutzte, nachdem wrr die gesackten Ziele nicht erreichten.
Französisch Unverfrorenheit.
W. T.-B. Berlin, 4. Juni. Der „Gaulois" vom 21. Mai bringt einen Artikel über die Zerstörung von St.
Quentin buch die D eutschen . Da beMi«t ist. daß die
Nr. 287. . 65. Jahrgang,
Franzosen in der rücksichtslosesten Weife imd ohne militärische Notwendigkeiten eine ihrer schönsten und reichsten Städte in Grund und Boden schießen, gehört zu dieser Anschuldigung eine gute Portion Unverfrorenheit. Die deutsche Etappe ließ die Stadt unversehrt zurück. Die Häuser wurden verschlossen und die wichtigsten Dokumente und Kostbarkeiten gesichert und versiegelt und durch Posten geschützt. Weder oiZ. Bevölkerung noch die Deutschen glaubten, daß die pfranzofeir und Engländer in dieser Weise nutz- und sinnlos ihre eigene Stadt zerstören würden. Die wertvollen, unersetzlichen Kunst schätze waren auf alle Fälle in Sicherheit gebracht. Und diese Rettungsarbeiten wurden von einem besonderen Bergungskommändo unter Führung deuffcher Kunst- bistoriker noch während des Bombardements fortgesetzt, biS eintrctende Verluste zur Einstellung der Arbeit zwangen.
Die Einstellung der Zwangsabschiebungen aus Belgien.
W T-B. Berlin, 8. Juni. Durch die neutrale Presse ging Mitteilung der belgischen Regierung, wonach jett_ Anfang Mai aus Brüssel und Umgebung über 30 000 Personen gewaltsam nach Deutschland abgeschoben wurden. ES fer nochmals ausdrücklich festgestellt, daß die Ztoangsabschreb rügen noch Deutschland seit dem 10. Februar 1917 vollständig eui- gestellt worden sind. Damit erledigt sich obige Nacyricht von selbst. _
Dos neue Rußland.
Die Mehrheit des Arbeiter- und Soldatenrats für Trennung von den Ällliierten?
— Berlin, 8. Juni. Wie der „Berliner Lok.-Anz."
.berichtet, besteht im Petersburger Arberter- und Sol- 'datenrak eine sichere Mehrheit dafür, daß sich Rußlanr vollständig von seinen Verbündeten trenne und m erster Linie darauf bedacht fein solle, den Frieden wieder herzustellen. Bei neuen schweren inneren Erschütterungen, die für die nächste Zeit erwartet wurden, werde die jetzige Regierung beseitigt und durch eine reine Sozialisten-Regierung ersetzt werden.
Nene fchwere Unruhen in Petersburg?
— Berlin, 8. Juni. Unter Vorbehalt verzeichnen verschiedene Blätter Me- Meldung, daß Reisende, die in Haparanda ankamen, von neuem über schwere Unruhen in Petersburg berichten. Die wohlhabende Bevölkerung verlasse die Stadt massenweise. Täglich finden m Petersburg Umzüge statt, denen Banner mit den Inschriften: „Nieder mit der Regierung! Es lebe die Kommune!" vorangetragen werden. Die Zahl der Deserteure aus der Front steige andauernd trotz aller Maßnahmen der Regierung.
Die Beilegung des Kronstadter Zwifchenfalls
— Petersburg, 8. Juni. Der Kronstadter Zwischenfall ist beigelegt. Der dorfige Vertreterausfchuß der Arbeiter und Soldaten erkennt dre Autorität der vorläufigen Regierung an. „ ^ .
w. T.-B. Petersburg, 7. Juni. (Meldung der Petersburger Telegraphen-Ageiitur.) In der Sitzung der vorläufigen Regierung am 6. Juni wiirde festgestellt, daß der Zwischenfall von Kronstadt beendet ist. Dm Minister Tseretelli und Skobelew teilten mit, daß ihnen m Kronstadt ein friedlicher Empfang bereitet wurde. Nach ihrer Ankunft in Kronstadt begannen die Ministerbesprechungen mit dem ältlichen Vollzugsausschuß^ und verlangten entschieden eine klare und endgültige Erklärung, ob Kronstadt bereit fei, sich der vorläufigen Negierung in fernen meckeren Entschließungen zu unterwerfen. Dre Besprechungen führten zu einer Entschließung, durch die anerkannt wird, daß die gegenwärtige vorläufige Regierung mit der gesarnten RegierurrgSgewalt bekleidet ist und daß diese sich über da? ganze revolutionäre Rußland erftreckt. Dieser Anerkennung schließt sich der Wunsch an, daß sich die revolutionäre Demokratie die Zentralgewalt neu ordne und mit ihr Abgeordnete der Arbeiter und Soldaten betraue. Bis zu diesem Zeitpunkt werden sich die von der Regierung getroffenen Maßnahmen und die von ihr erlaisenen Gesetze auf Kronstadt ebenso wie auf alle anderen Teile Riitzlands erstrecken.
Warum man Alcxrfew abfetzte.
W T -B. Petersburg, 7. Juni. (Meldung der Peters- buraer Telegraphen-Agentur.) Der Rücktritt des Höchstkommandierenden Alexejew wurde keineswegs durch eme Änderung seiner Wertschätzung seitens der vorläufigen Regierung hervorgeru^n, die sein Talent, sein Wissen und seine Sachverständigkeit sehr zu schätzen weiß. Unglücklicherweise besitzt Alexejew nicht im gewünschten Maße die Kraft, die Begeisterung und die Sicherheit, die gegenwärtig so notwendig find. Dies brachte bie Regierung dazu, ihn nicht ohne Bedauern zu ersetzen, wobei sie sich mdeffen vorbehielt, sich seiner großen Erfahrungen zu bedienen. D^- halb ist Alexejew zur Verfügung der Regierung gestellt worden.
