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Freitag, 8. Juni 1917.

Morgen-klusgabe»

Nr. 286. . 65. Jahrgang.

Oie Schlacht in Flandern.

Ern Erfolg am Ehemin des Dames. Der Tagesbericht vom 7. Juni.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Juni. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Zwischen Ipern und Armentiöres tobt seit gestern der Artrlleriekampf in unverminderter Kraft; heute früh ist nach umfangreichen Sprengungen und stärkstem Trommelfeuer mit der Infanterie der Engländer die Schlacht in Flandern voll entbrannt.

Mit außergewöhnlicher Heftigkeit hielt auch vom La Baff6e-Kaual bis auf das Südufcr der Scarpe die Feuertatigkeit an.

Bei Hulluch, Loos, Lievin und Roeux sind heute vor Tagesanbruch starke englische Teilaugriffe gescheitert.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Bald nachdem niederrheinischc Füsiliere an der Straße Pinyn-Jouh in erbittertem Handgemenge eine Anzahl Gefangener aus den feindlichen Gräben geholt und die Aufmerksamkeit des Gegners dorthin gelenkt hatten, setzten sich frühmorgens südlich von Pargny- Filain Teile von meiningischen, hannoverschen, schles­wig-holsteinischen und brandenburgischcu Regimentern in den Besitz der feindlichen Stellungen am Chemin des Dames in fast zwei Kilo­meter Ausdehnung. Durch Artillerie, Mincn- werfer und Flieger unterstützt, begleitet von Pionieren und Trupps des in den Kämpfen der letzten Woche be­sonders bewährten Stnrmbataillons Nr. 7 nahmen die Kompagnien trotz hartnäckigen Widerstandes des Geg­ners das befohlene Angriffsziel.

Gegen die gewonnene Linie richteten sich nach hefti­gen Feuerwellen starke feindliche Gegen­angriffe bis in die Nacht hinein; sie sind sämt­lich abgewiesen worden.

14 Offiziere, 553 Mann wurden als Ge- fangene, 1 Revolverkauone, 15 Maschinengewehre und mehrere Granateuwerfer als Beute eingebracht.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Nichts Besonderes.

Gestern wurden 8 englische Flugzeuge im Luftkamps abgeschosien, davon 1 durch Leutnant Voß, der damit den 34. Luftsieg errang.

Auf dem

östlichen Kriegsschauplatz

und an der

mazedonischen Front keine größeren Kampfhandlungen.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

*

Der deutsche llbendbericht vom 7. Iuni.

W. T.-B. Berlin, 7. Juni, abends. (Amtlich. Draht­bericht.) Im Wytschaetebogen ist der G e g n e r in unsere vorder st e Stellungszone ringe- br o ch e n. Der hin- und herwogende Kampf ist noch in vollem Gange. _

Weitere Veränderungen im französischen Oberkommando.

W. T.-B'. Bern, 7. Juni. Die Veränderungen im franzö­sischen Oberkommando dauern an. Laut „Temps" wurde Brigadeyeneral T i n a n an Stelle des BrigädegeneralZ Torguerah zum Leiter der Kavallerieabteilung in. Kriegs­ministerium, Brigadegeneral I u l l i e n an Stelle deZ Divisionsgenerals C he va liier zum Leiter der Geme- abteilung ernannt. Die Generale R e g n i e r und Ar - nouville, d'e die Leitung des Flugwesens im Kriegs- ministeviuM nrnehatteu, erhielten Frontkommandos.

Zwei amerikanische Kriegsfahrzeuge in Frankreich.

W. T.-B. Paris, 7. Juni. Nach einer Meldung der „Agenre Havas" ankern zwei amerikanische Kriegssahrzeuge an der französischen Küste.

Frankreichs Kriegs- und Friedensziele.

Auch der französische Senat besteht aus Elsatz-Lothringen.

Br. Paris, 7. Juni, (zb.) Nach einer Meldung der Agence Havas beschäftigte sich der französische Senat mit der Stockholmer Konferenz. Ministerpräsident Ribot hielt eine längere Rede, in der er >ich heftig gegen die Sozia­listenkonferenz wandte und hervorhob, die französische Regie­rung sehe eine Gefahr in diesen Versammlungen, aus denen ein F'ricd-e ntichff hervorgehen könne, der vielmehr nur aus penr Sn« AL entspringen könne. Nach der Rede Ribots

beschloß der Senat, eine Geheimsitzung abzuhalten. Nach etwa einstündiger Geheimsitzung wurde die Öffentlich­keit wiederhergestellt. Es lag eine Tagesordnung Combes- Regismanset vor, wonach von den Erklärungen Ribots Kenntnis genommen und die Überzeugung ausgedrückt wird, daß ein dauerhafter Frieden nur aus dem Siege der ver­bündeten Heere hervorgehen kann. Die Tagesordnung bekundet den Willen Frankreichs, den Krieg, gefestigt durch seine Bündnisse, treu seinem Ideal, Freiheit für alle Völker, fortzusetzen bis zur Wiederherausgabe Elsaß- Lothringens und zur Sühne für die Verbrechen zur Wiedergutmachung der Schäden und Annahme der Bürg­schaften gegen einen wiederholten Angriff des preußischen Militarismus. Die Tagesordnung vertraut darauf, daß die verantwortliche Regierung dieses Ergebnis erzielen werde, die allein das Recht habe, unter Kontrolle der Kammer Ver- pflichturVen für das Land einzugehen und rechnet auf ihre Tatkraft bei der Durchführung innerer und äußerer Maß­nahmen, die erforderlich sind für das Heil der Nation. Diese Tagesordnung wurde von 235 Abstimmenden einstimmig an­genommen.

Englische Zustimmung zu dem französischen Kammerbeschlusr.

W. T.-B 1 . Rotterdam, 7. Juni. (Drahtbericht.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Alle Blätter billigen die Friedensbeoingungen des französi­schen Parlaments. „D a i l y New s" schreiben, die Erklärung sei die genaueste von allen Erklärungen, die bisher Von den kriegführenden Parteien in Europa abgegeben wurden. Das Blatt hält es für bemerkenswert, daß die Kammer den Plan des Völkervecbandcs ausdrücklich gut hieß. Es verlangt, daß d-e Alliierten noch mehr als bishw mit offenen Karten spielen. Sie hätten dabei nichts zu verlieven und würden damit fiir die Beratungen der sozialistischeu .Konferenz in Stockholm eine feste Grundlage geben. Der Zustand, wie er vor dem Kriege bestand, könne nicht wiederheczestcllt werden. Man müsse grundsätzlich darauf bestehen, daß kein Volk dazu ver­urteilt werde, unter einer Regierung zu leben, die es ver­werfe. Das, sei keine Annexion, sondern Freiheit. Sowohl die Konferenz als auch Rußland würden wahrscheinlich diesen Grundsatz ca-erkennen. Das Blatt fährt fort: Wir wollen nicht genauer darauf eingehen, ob der Beschluß der französi­schen Kammer von diesem Geiste durchdrungen ist. Wir glauben, daß über die Frage der Schadenvergütung seitens der schuldigen Partei kein Zweifel bestehen kann. Die Regelung auf Grund solcher Erwägungen würde den Weg für den organisierten gesicherten Frieden der Völker ebnen, der das Ideal des Präsidenten Wilson und aller derjenige^ ist, welche wünschen, daß nach dem Kriege eine bessere, nicht eiiie schlechtere Welt komme.

Neue große U-Voot§beute.

Im Mittelmeer weitere 34 900 Tonnen versenkt.

W. T.-B. Berlin, 7. Juni. (Amtlich.) 1. In den nördlichen Sperrgebieten sind durch U-Boote u. a. versenkt worden: der englische Dampfer „Dro- more" (268 Br.-R.-T.) und ein englischer Segler, beide mit Ballast fahrend, ferner ein unbekannter ticfbeladcner Dampfer (5000 Br.-R.-T.) aus einem Geleitzug heraus, ein unbekannter bewaffneter Dampfer (1200 Br.-R.-T.) und eine unbekannte Bark (2000 Br.-R.-T.). Von einer weiteren Anzahl versenkter Schiffe blieben Art und Größe der Fahrzeuge unbekannt, da ihre Versenkung nachts erfolgte.

2. Im Mittelmeer wurden aufs neue eine An­zahl Dampfer und Segler versenkt mir einem Gesamt- Brutto-Tonnengehalt von 34 900 Tonnen.

Hierunter waren mehrere bewaffnete Dampfer verschiedener Größe, deren Namen wegen Zer­störergeleit nicht festgestellt werden konnte, außerdem der englische bewaffnete Dampfer „Egvptian Privce" (3117 Br.-R.-T.) mit Bmimwollc von Alexandria nach Manchester, der englische bewaffnete Dampfer „Holmen­bank" (3051 Br.-R.-T.) mit Kohlen von Malta nach Port Said und der italienische bewaffnete Dampfer „Rio Amazonas" (2970 Br.-R.-T.) mit Reis von Port Said rptzch Italien. Unter den Ladungen der versenk­ten Segler befanden sich u. a. 2500 Tonnen Naphtha von Amerika nach Gibraltar und Algier.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Weitere Versenkungen.

W. T.-B. Madrid, fi. Juni. Noch dem „Jmparcial" hat ein U-Boot 250 Seemeilen südöstlich von Barcelona den iranzösischen Dampfe: „Silvero" versenkt. Am 28. Mai versenkte ein U-Boot in der Nähe von Bilbao den norwegischen Dampfer „L u r a n n", der mit 700 Tonnen «Erz von Portu­gal nach Frankreich unterwegs war. Zwei Seemeilen von Demo strandete der griechische Dampfer „A l c i o n" (000 Tennen), mit einer Kohlenladung von Glasgow nach Genua unterwegs. Amtlichen Nachrichten zufolge wurde vorgestern lei Arcachon der spanische Dampfer „Eri agoa", ein Schiff von 3500 Tonnen, aus Bilbao, das mit Farbstoffen und Kahlen von Glasgow nach Bilbao unterwegs war. von einem

Unterseeboot versenkt. Die Mannschaft wurde gerettet. Der Dampfer fuhr im Gelcitzug mit zehn Dampfern ver­schiedener Staatszuyehörigkeit unter dem Schutze von eng­lischen und französischen Zerstörern und hatte mehrece französische Häfen angelaufen.

Das englische Vertuschungssystem.

Sozialistische Kritik im englischen Unterhaus.

\V. T.-B. Berlin, 6. Juni. Die bisher veröffentlichten Nachrichten über die Geheim litzuny im englischen Unterhaus werden noch durch folgende zuverlässige Mit­teilungen ergänzt: Lord Cecil ließ bei der Besprechung der Verluste der Handelsflotte, die er im Ein­klang stehend bezeichnet«, üurchhlicken, daß die Angaben nicht diejenigen englischen Schiffe enthielten, welche an die ver­bündeten Regierungen zeitweise abgegeben werden, des­gleichen nicht diejenigen, welche vorübergehend die in Charter an eine verbündete Regierung verpflichteten Schiff­fahrtsgesellschaften führen. Von verschiedenen Seiten wurde darauf im Unterhaus erwidert, warum sich dann die Re­gierung solcher Statistiken in der Öffentlichkeit bediene, von welchen sie selbst behaupte, daß sie falsch feien. Lord Cecil sagte, daß dies eine Frage der Admiralität sei, welche die Angaben liefere, und Carson bemerkte, daß darin keine Änderung eintreten werde. Die Sozialisten ftagten an, waruni die Regierung dann aber noch au? derartigen un­richtigen Statistiken durch bezahlte Journalisten lange Be­richte und Betrachtungen über die Zwecklösigkeit des feind­lichen Unterseebootskrieges aufbauen ließe und an die Presse fenide. Lord Cecil sagte, dass dies Anordnungen «s Aus­wärtigen Ikmts und wahrscheinlich nicht■ für England be­stimmt seien, worauf die Sozialisten wieder antworteten, daß solche Artikel im Ausland noch weniger geglaubt würden als in England.

Der Getreide- u. Fleischmangel in Frankreich

W. T.-B. Berlin, 6. Juni. Der französische Ver- pflegungsminister gab in einer unlängst gehaltenen Parla- mentsrede folgende interessante Zahlen: Nach der Bestands­aufnahme vom 1. April kauften wir 22 Millionen Zentner Getreide im Lande und 11 Millionen auswärts oder sckwimmend, zusammen 33 Millionen. Spätere Aufnahmen der Präfekten ergaben einen Fehlbetrag der Vorräte im Lande von 11 Millionen. (Daß 11 Millionen im Auslände durch den Unterfeebootskrieg gefährdet sind, sagt der Minister nicht ausdrücklich.) Wir können damit rechnen, mit 33 Mill. Zentnern bis Anfangs September, zur neuen Ernte, zu reichen. Mit dem JnIandsfehWetrag von 11 Millionen langen wir bis Ende Juni. Wenn uns nicht ein besonderer Glücks- fall zu Hilfe kommt, gehen wir sehr harten Zeiten entgegen. Für Lebensmittel allein ^bedürfen wir eines Schiffsraumes von 1% Millionen Tonnen. Wir müssen hier mit einem Ausfall von 800 000 Tonnen Und eventuell mehr rechnen infolge der Ereignisse zur See, deren niemand Herr ist. Über die Fleifchzahlen machte er Angaben mit der Be­merkung, daß wenn der Konsum so weitergehe, in einem Jahre oder früher niemand mehr Fleisch haben werde, Weber die Armee noch das Zivil. Benzin bedürfe die Industrie 15 000 Tonnen (ein Zeitraum wurde n'cht angegeben); ver­fügbar seien nur 3000 Tonnen, ufw.

Neue italienische Mißerfolge.

Seit 12. Mai insgesamt 27 vv« Gefangene,

österreichisch-ungarischer Tagesbericht,

W. T.-B. Wien, 7. Juni. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 7. Juni, mittags:

Östlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Am Jsonzo setzte der Feind gestern seine Versuche, die am 4. Juni ihm entrissenen Stellungen um jeden Preis zurückzuerobern, mit größter Zähigkeit fort. Das Schlacht­feld von Jamniano war abermals die Stätte heftigen Ringens. Die Italiener unterlagen. Ihre Massenangriffe brachen überall unter schwere» Verlusten zusammen. ES blieben neuerlich 30 Offiziere und 580 Mann in unserer Hand, so daß die Gesamtzahl der seit dem 12. Mai eruge- brachten Gefangenen die Summe von 27 008 Manu über­steigt.

Im Gail-Tal wurde am 5. Juni ein italienischer Doppeldecker abgeschossen. Die beiden Insassen gerieten un- verwundet in Gefangenschaft.

An demselben Tage stießen unsere Sturmtrupps im Dreizinnen-Gebiet erfolgreich in die feind­lichen Stellungen vor. Gestern lebhafteres italienisches Ge- fchützfeuer im Suganatal und auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Im Raume südöstlich von Berat trieben unsere Siche- ruugstruppen feindliche Abteilungen in das Osum-Tal zurück

Ter Chef des GeueralstabeS.