Verlag Langgasse 21
„Tagtlatthaas".
Scknlter-Hallk geöffnet von 8 Uhr morgen» bi» 7 Uhr abend».
wöchentlich
Br»«as-LreiS f*r beide Ausgaben: Ml. 1.— monatlich. Ml. 3 — vierteljährlich durch de» Verlag L-naa-ffe 21, ohne Bringer lohn. Ml. 4.05 vierteljährlich durch alle deutjchen Postanstalten, -urschlieblich Befteüaeld. — Bezug»-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wierbaden die Zweigstelle Bi»< marckrinq l-S. sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen Au»- gabekellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden TagblaN- Träger.
13 Ausgaben.
Fernruf:
„Tagblatihaus" Nr. K650-8S.
Bon 8 Uhr morgen» bis 7 Uhr abends, außer Sonntag».
<a r ria (irr die »eile- SO Bsg. für örtliche Anzeigen im „Arbeiismarlt" und »seiner Anzeiger'
LMLLMLLrsWWtzZMZMZL
entivrechender Nachlaß. !
Mittwoch» 6» Iuni 1917.
Kbend-klusgabe.
Nr. 284. . 65. Jahrgang»
vie Lage im westen.
Ereignisse zur See.
Ern neuer Monitor-Angriff auf Ostende.
Das deutsche Wachttorpedoboot „S. 20" verloren gegangen.
W.T.-B. Berlin, 5. Juni. (Amtlich.) Feindliche Monitore beschossen am 5. Juni morgens Ostende. Eine größere Anzahl von belgischen Einwohnern wurde getötet und verletzt sowie einiger Sach- und Häuserschaden angerichtck. Stark überlegene Aufklärungskräfte, die den Monitoren beigegeben waren, stießen auf zwei unserer Wachttorvcdoboote, von denen »ach heftigem Gefecht „S. 20", bis zum letzten Augenblick feuernd, zum Sinken gebracht wurde. Ein Teil der Besatzung konnte gerettet werden. Dre feindlichen Streitkräste erhielten mehrere Treffer und zogen sich vor dem Feuer der Küstenbatterien zurück. Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Ein holländischer Bericht zum Angriff auf die flandrische Küste.
# Rotterdam, 5. Juni. (zb.) Der „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet: In der Frühe des 5. Juni hörte man unweit von Zeebrügge schweren Kanonen- donner. Allmählich verlegte sich das Geschützfeuer nach der Richtung von Westende. Stach näheren Mitteilungen von der belgischen Grenze bombardierte eine englische Flotte heute Zeebrügge. Die deutschen Batterien erwiderten das Feuer energisch, worauf die Flotte ab- dampfte.
*
Weitere U-Bovts-Beutc tut Atlantischen Ozean.
W.T.-B.J3etItn, 6. Sirnt. (Amtlich.) Im Atlantischen Ozean sind durch U-Bvote 22000 Bruttoregistertonnen versenkt. Unter den versenkten Schiffen befinden sich der englische bewaffnete Dampfer „Refugio" (2642 Tonnen) mit 3600 Tonnen, ein unbekannter englischer bewaffneter Dampfer vom Marina- Tpp (5000 Tonnen), ein unbekanter englischer Dampfer (4000 Tonnen) und der englische Fischdampfer „Teal". Nach den schweren Detonationen, unter denen der 4000- Tonnen-Dampser versank, hat diese Ladung aus Munition bestanden.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Weitere Versenkungen.
W. T.-B. Rotterdam, 5. Juni. Nach dem „Nieuwe Rotter- damschen Courant" sind die großen Dampfer „Groningen" und „Holland", von dem Fahrdienst Enkhuyzen-Stavoren, die im vorigen Jahr den Kohlentransport nach Frankreich versahen, kürzlich im Kanal versenkt worden. — Der „Maasbode" weidet: Die Schiffe „Macedonra" und „Feden" wurden zum Sinken gebracht.
Das neue Rußland.
Eine wichtige Erklärung Lloyd Georges?
W. T.-B. Haag, 5. Juni.. Das holländische Nieuwe Bureau meldet aus London, man erwarte, daß Lloyd George deute oder am Donnerstag im Unterhaus eine sehr wichtige Erklärung über die Lage in Rußland abgeben wird.
Der neue französische Botschafter in Rußland.
# Genf, 5. Juni, lzb.) Es war für Ribot von großer Bedeutung, noch vor der Kammersitzung bekanntgeben zu können, daß der fünf Parlamentariern erfolglos angebotene Posten des Botschafters in Petersburg endlich besetzt sei. Die Aufgaben des Botschafters Noulens, der sich außerhalb der linksstehenden Gruppe persönlicher Beliebtheit des Parlaments erfreut, werden vornehmlich darin oestehen, seine Erfahrungen als Organisator Kerenski zur Verfügung zu stellen, selbst auf die Gefahr hin, daß Kerenskis Gegner in den Petersburger, Moskauer usw. Verbänden einer solchen Betätigung eines Nichtrussen Mißtrauen entgegenbringen sollten.
Noulens, der im Jahre 1861 zu' Bordeaux geboren sourde, ist von Beruf Advokat. Als Abgeordneter gehörte er der radikalen Linken am Nachdem er schon einmal Unter- starissekretär des Krieges gewesen war, wurde er Kriegs- miuister in dem im Jahre 1911 gebildeten Kampfministe- limn Ton merque-Caillaux.
Die Fabrrkbetriebseinstellungen mehren sich. Kiew vor einer Hungersnot?
W. T.-B. Stockholm, 5. Juni. Wie „Aftenposten" aus Petersburg erfährt, wurden 20 Prozent aller Fabriken der russischen Hauptstadt geschlossen, da die Löhne nicht noch mehr erhöht werten können, während zugleich die Leistungen: sinken. Auch die amerikanische Fabrik in Petersburg für den Bau von Unterseebooten mutzte den Betrieb einstellen. Ans anderen Qrten Rußlands taffen ähnliche. Nachrichten
ein. — Nach dem gleichen schwedischen Blatte hielten Soldaten in Wworg eine Versammlung ab, aus der beschlossen wurde, daß möglich st bald Friede gemacht werden müsse und daß dies das wichtigste sei. — Der Arbeiter- und Scltatenrat von Kiew telegraphierte an den Landwirtschast»- minister in Petersburg, daß Kiew vor einer Hungersnot stehe.
Die Vertragsrrrkunden zwischen Rußland und den Westmächten dem amtlichen Gewahrsam entrissen?
Br. Hamburg, 5. Juni, (zb.) Das Hamburger „Fremdenblatt" meldet aus Stockholm: Nach einem
hiesigen, von russischen Kreisen ausgestreuten Gerücht sind die Originalurkunden der seit 1913 zwischen Rußland ,und den Westmächten abgeschlossenen Verträge im Auswärtigen Amt zu Petersburg nicht mehr zu finden. Das Verschwinden steht rm Zu- sammenhang mit den geheimnisvollen Ei.nbruchsdreb- stählen, von denen sowohl das russische Auswärtige Amt wie die Wohnungen der fremden Botschafter m Petersburg betroffen wurden.
Der „Napoleon" von Kronstadt.
# Rotterdam, 5. Juni, (zb.) Der Petersburger Korrespondent der „Associated Vreß" berichtet, daß der Held der Kronstodter Umwälzung der junge Studierende der Chemie L a m a n o w sei, oer sich durch seine Beredsamkeit zum Präsidenten des Kronstadter Arbeiter- und Soldatenrates auf- gescbwungen habe. Ec wolle gleichzeitig ein Napoleon und ein Rousseau sein, indem er eine starke Regierung mit der Verbreitung poliftscher und sozialer Gedanken vereinigen Wi lle. Sein Prcgramm besieht darin, Rußland in zahlreiche kleine Untereinheiten zu teilen, welche durch örtliche Soldaten- und Arbeiterausschüffe unabhängig verwaltet werden sollen und nur in loser Weise durch den Petersburger Kongreß de: Delegierten her örtlichen Ausschüsse in Verbindung sein sollen. Lamanow zeigte eine von ihm entworfene Erklärung, wonach jedermann, der betrunken ongctroffen wird, an die Front geschickt werden soll- Weiter crzöblte er, daß sein Bruder, ein bisheciger Leutnant,, zum Befcblshaber der Soldaten und Matrosen in Kronstadt ernannt worden sei. Viele hohe Befehlshaber st eilen sind durch einfache Soldaten ersetzt worden, die sich angeblich als vorzügliche Offiziere zeigten, während erfahrene ältere Offiziere auf den technischen Posten verblieben. Die Forts von Kronstadt seren in einer besseren Verfassung als jemals. Die Deutschen würden, wenn sie kämen, einen heißen Empfang finden.
Englisch-amerikanische Ränke gegen Rußland.
Berlin, 6. Juni, (zb.) Eine Mitteilung Gerards an die amerikanische Gesandtschaft im Haag besagt, daß Gerard es leugnet, daß er zu dem Direktor der „Bosiischen Zeitung", Verukard, seinerzeit gesagt habe, daß Wilson an der Wiederherstellung Belgiens sehr interessiert sei, jedoch gegen Annexionen Deutschlands im Osten keinen Widerspruch finden würde. Bernhard hält nunmehr in der „Vosi. Ztg." seine Behauptungen völlig aufrecht und erklärt über seine Unterredung mit Gerard und Penfield, es sei ihrn dabei immer klarer geworden, daß sich das amerikanische Interesse vollkcmmen mit dem englischen deckt und daß schon wegen der finanziellen Verquickungen Englands und der' Vereinigten Staaten Präsident Wilson sich bemühe, einen fiir Großbritannien wirklich günstigen Frieden zustande zu bringen. Rußland sollte-von England geovfert werden, schon weil man dadurch den dauernden Haß zwischen Deutschland und Rußland als wertvolles politisches Zukurfftsgeschenk einzuheimsen glaubte.
Rußland aus der Rechnung Frankreichs ausgeschaltet?
Nr. Bern, 6. Juni. Jacques B a i n v i l l e, der • in diplo; nautischen Dingen als Autorität gilt, veröffentlicht in der „Action Franxaise" einen auffallenden/ sehr ernsten Artikel über das russische Bündnis. - Er schreibt, man müsse mit der Möglichkeit rechnen, daß durch den Beschluß des ftanzüsischen Ministeriums gegen die Reise der Sozialisten nach Stockholm die russisch-französische Allianz in Frage ge- stellt werde. Bainville schreibt wörtlich: „Wir können uns darauf gefaßt machen, das französisch-russische Bündnis durch die Stockholmer Konferenz aufs Spiel gefetzt zu sehen. Das ist eine der möglichen Folgen, ist das Risiko der Entscheidung, die die französische. Regierung aus den angegebenen bedeutsamen und entscheidenden Gründen getroffen hat. Natürlich hat sie alle Folgen auch überlegt und vorausgefehen." Ganz die gleiche Stimmung zeigt ein Leitartikel, den . Gabriel Hanotaux im „Figaro" veröffentlicht. Hanotaux sagt, es sei das beste,, man mache sich ganz einfach klar, daß ein großer. Teil des russischen 'Volkes und der russischen Armee' entmutigt ■ fei und Rußla nd als Aktivvosten für die Entente nicht mehr in Frage komme. Diese Möglichkeit dürre die Alliierten nicht erschrecken, die Hilfe. Nord- und Südamerikas, bringe ausreichenden Ersatz. Hanotaux mach: darauf aufmerksam, daß schlimmstensalls Japan und China, zum .Exn-^ greifen bereit sein würden, falls Rußland den Verband durch einen förmlichen Sonderfrieden gefährden wolle, .
Die erfolgreichen Angriffe unferer Bourbenflieger.
w. T.-B. Berlin, 5. Juni. Das günstige Wetter der letzten Tage gab unseren Bombenfliegern Gelegenheit zu groß angelegten und überaus erfolgreichen Angriffen, die sich in erster Lmre gegen semd- liche Anlagen hinter den Ha u p t k a m p f f r o n t e n richteten. Nach den Beobachtungen der Flugzeugbeobachtungen und unserer Truppen auf der Erde er- zielten sie ganz gewaltige Wirkungen. Hinter der Champagne-Front erhielt in der Nacht vom 2. zum 3. Juni eine Munitionskolonne einen Doll- treffer. Ihre Wagen flogen hintereinander' mit hellem Feuerschein in die Luft. Am 4. Juni rief ein Bomben- angriff auf Munitions- und Truvpenlager bei Arras mehrere Brände hervor. Ein anderes Geschwader suchte die ganze Nach: hindurch die Anlagen im Vesle-Tal heim und warf nicht weniger als 6750 Kilogramm Sprengstoff ab. Über 60 Explosionen, darunter solche von großem Umfang, wurden gezählt. Die I n d u st r i e w e r k e von Neuves Maisons, südlich Nash, wurden in der Nacht , mit 4500 Kilogramm Sprengstoff bedacht. In der Nacht vom 4. zum 5. Juni griffen unsere Geschwader militärische Anlagen nordwestlich Arras und Munitionslager sowie Bahnanlagen hinter der Champagne-Front an. Insgesamt wurden während der drei Tage und Nächte 25 823 Kilogramm Bomben abgeworfen. Ihre moralische Wirkung war gewiß nicht geringer als ihre materielle.
Portugiesische Gefangene an der Westfront.
Der deutsche Ergänzungsbericht zum 5. Juni.
W. T.-B. Berlin, 5. Juni. Im Wytschaete- bogen wurde die feindliche Artillerie irr der Nacht zum 4. Juni von den deutschen Batterien unter wirksames Feuer genommen. Infolgedessen war am Bormittag des 4. Juni das Feuer an diesem Frontabschnitt matter. Von. 1 Uhr mittags an st e i g e r t e es sich aber zu außergewöhnlicher Heftigkeit. Eine nach heftiger Feuervorbereitung südlich des Bächchens Douve vorgehende englische Abteilung wurde teils schon vor den Hindernissen abgewiesen, teils, wo sie eingedrungen war, im Gegenstoß wieder geworfen. Eine um Mitternacht vom 4. zum 5. Juni westlich Wytschaete vorgehende stärkere englische Erkundungsaoteiluug wurde zum Teil im Gegenstoß vertrieben und Gefangene einbehalten. Am Morgen des 5. Juni lebt das Artilleriefeuer besonders nordwestlich Lille stark auf.
An der Artois- Front war das Feuer besonders im Abschnitt Lens und südlich davon lebhaft. Die Stadt Lens und andere französische Orte wurden wiederum mit schwerem und schwerstem englischen Kaliber beschossen. Im Laufe des Nachmittags trat eine starke Feuersteigerung fast auf dem ganzen Frontabschnitt ein, die auch nachts anhielt. An mehreren Stellen wurden feindliche Erkundungsabsichten vereitelt und feindliche Patrouillen verjagt. Feststellungen haben ergeben, daß P o r t u g i e s e n bei unseren erfolgreichen Stoßtruppsunternehmungen in der Nacht vom 3. zum 4. Juni nördlich des La Bass4e-Kanals in der Gegend von Richebourg außerordentlich schwere blutige Verluste erlitten haben. Eine Anzahl verwundete Portugiesen wurde gefangen genommen.
An der Aisne-Front hielt die beiderseitige Artillerie- und Jnfanterietätigkeit an den verschiedenen Brennpunkten an. Besonders bei Braye war die Kampstätigkeit lebhaft. Nachdem die Franzosen mehrere heftige, vollkommen ergebnislose Angriffe gegen unsere nach gewaltsamer Erkundung festgehaltene Stellung nordöstlich Braye gecrchtet hatten, bereiteten sie durch starke Feuertätigkeit die gemeldeten zwei Angriffe vor, die. um 10 Uhr abends und 12 Uhr Mitternacht erfolgten, indessen, wie die vorhergehenden, unter schwersten Verlusten zusammenbrachen. Die Beute aus dem in der Nacht vom 3. zum 4 hier durchgeführten Vorstoß hat sich auf 7 Offiziere, 134 Mann, 20 Maschinen- und Schnelladegewehre erhöht.
Bei Courteccom und Juvincourt brachten deutsche Patrouillen Gefangene aus den feindlichen Grabe» zurück. ' ' . .
In der Wesich amvag ne nahm der Artillerie- kampf besonders an der Höhenstellung große Heftigkeit an. Die Franzosen feuerten mit schwerem und schwersten Kaliber. Zahlreiche Patrouillenvorstöße wurden leicht abgewiesen.
An der Ostfront war die Artilleristätigkeit besonders bei Dünaburg, Smorgon und westlich Luck lebhaft. Bei Brody und in der Gegend Brzezarch erfolg» ten wirknnaslaü; ^ '
