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Verlag Langgaffe 21

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Dienstag» 5. Juni l977.

Kbend-klusgabe.

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Nr. 282. . 63. Jahrgang.

Oer Tagesbericht vom 5. Juni.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Juui. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Die Lage an der flandrischen Front ist unverändert. Im Wytschaetebogeu und in den Nachbarabschnitten steigerte sich seit Tagen die Artillerieschlacht am Nach­mittag zu äußerster Kraft und hielt bis in die Nacht an. Zur Feststellung der feindlichen Feuerwirkung vorstoßende Abteilungen sind stets zurückgewicseu worden.

Nahe der Küste und zwischen La Bassee-Kanal und der Straße Bapaume-Crambai war auch gestern a.u meh­reren Stelle» die Kampftätigkeit lebhaft; hier blieben gleichfalls Vorstöße sür die Engländer ohne Ergebnis.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Längs der Aisne und in der westlichen Champagne hat stellenweise der Feuerkampf wieder zugenommen.

Bei Braye wurden zwei nach sehr starker Vorbereitung dnrchgeführte lüichtlichc Angriffe unter schweren Verlusten für die Franzosen abgeschlagen. Westlich der Angriffs­stelle holten einige Sturmtrupps Gefangene aus den feind­lichen Gräben.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Nichts besonderes.

Bei ungünstigen Wetterverhältnissen war an der ganzen Front bei Tag und bei Nacht die Fliegertätigkest sehr rege.

In Lustkämpfeu und durch Abwehrfeuer sind 12 Flug­zeuge abgeschoffeu worden, durch Artilleriefener ein Fessel- ballon.

Leutnant Voß brachte den 32., Leutnant Schäfer de« 30. und Leutnant Almenröder den 24. Gegner durch Luftangriff zum Absturz.

Ans dem

Oestlichen Kriegsschauplatz

ist es bei vielerorts auflebender Gefechtstätigkeit zu größeren Kampfhandlungen nicht gekommen.

Mazedonische Front.

Außer Borposteugeplänkel keine wesentlichen Ereig- niffe.

Der Erste Generalquartiermeikter: Ludendorff.

*

Der deutsche ErgSnzungsbericht vom 4.Juni.

W. T.-B. Berlin, 4. Juni. Das heftige Artillerie- und Minenfeuer hielt den 3. und die Nicht zum 4. über im Wytschaete-Abschnttt mit unverändertec Heftigkeit an und wurde von den deutschen Batterien mit großer Stärke er­widert. Feindliche Patrouillen, die während der Nacht gegen die deutschen Linien vorfühlten, wurden überall, zum Teil in erbitterten H indg: rnatmikämpfen, abgewiesen, bin stärkerer Angriff, den die Engländer am 4. Juni, 4 Uhr morgens, bei Hnlluch versuchten, brachte sie teilweise bis in den vordersten deutschen Graben. Die zäh kämpfenden Verteidiger warfen sie jedoch unmittelbar nach ihrem Ein­dringen wieder hinaus. Der gestern gemeldete englische Vorstoß beiderseits des Souchez-Baches in der Nacht vom 2. zum 3. Juni hat die wieder an gefährlichster Stelle ein­gesetzten Kanadier schwere Verluste gekostet. Vor einem schmalen Abschnitt wurden gegen 400 Tote gezählt. Süd­lich der Straße steigerte sich das Artilleriefener unter Einsatz schwerer und schwerster Kaliber zu größter Heftigkeit. Daran anschließende Angriffsversuche bei Monchy und in der Gegend von Cherrsy scheiterten im deutschen Vernichtungsfeuer.

Die Kathedrale von St. Quentin lag am 3. Juni wiederum unter feindlichem Artilleriefeuer.

An der ganzen Aisne-Front verstärkte sich die Artillerietätigkeit. Die im deuffchen Heeresbericht gemel­deten Erkundungsvorstöße am Winterberg und nord­westlich Braye veranlaßten die Franzosen zu wütenden Gegenangriffen, bei denen sie eine Jäger-Division frisch einsetzten. Nordöstlich Braye wurden französische Patrouillen mit Handgranaten vertrieben.

An der Ostftwnt verstärkte sich das russische Artillerie - und Minenfeuer zwischen Brzezany und Naicrcwka. In den Karpathen lag Störnngsfeuer auf der ganzen Front Der Angriff von zwei russischen Kompagnien gegen eilte Feldwache westlich der Säge von Neu-Jtzkany wurde im Feuer abgewiesen. Mehrfach wurden russische Patrouillen vertrieben. Auch an einzelnen Stellen der rumänischen Front war die Artillerietätigkeit lebhafter, besonders in der Gegend nördlich Focsani, wo sie sich gegen Abend zu größerer Heftigkeit steigerte.

vie schweren feindlichen Verluste bei der letzten westoffensive.

W. T.-B. Berlin, 4. Juni. Ein am 4. Mai bei Bulleconrt gefangener Oberleutnant der engli­schen I. R. N.-Füsiliere gibt an, daß ftiae Komvagnie beim Angriff am 3. Mai aus 130 Mann und 4 Offf- zieren bestanden habe. An den äußerst schweren Ver­

lusten der ganzen 62. Division sei auch sein Regrinent beteiligt gewesen, indem seine Kompagnie nach dem von den Deutschen zurückgeschlagenen Angriff nur noch aus 10 Mann bestanden habe. — Zwei am 5. Mar bei M a l v a l F e r m e gefangene Offiziere des 2. fran­zösischen Jäger-Bataillons der 11» Infanteriedivision sagten aus, daß ihr Bataillon und das Infanterie­regiment Nr. 79 beim Angriff auf oie Ferme minde­stens 40 Prozent ihres Bestandes hauptsächlich durch deutsches Maschinengewehrfnier einbüßten. — Ein französischer Soldat ichreibt über den Angriff bei Craonne: Die Unterstände, die wir öorfanden, sind phantastisch. Kurz und gut, wir . kamen nicht mehr weit vorwärts, und dabei hatten wir schwere Verluste. Als unser Sperrfeuer vorverlegt wurde, _ kamen die Deutschen in Hemdsärmeln und Hosen aus den Unterständen, stiegen mit ihren Maschinengewehren auf die Grabenbrüstung, rmd den Rest kannst Du Dir denken. — Ein Mann der 170. Infanteriedivision schreibt am 28. April: Ich bin 10 Kilometer vor St. Quentin. Ich kann Dir sagen, daß die Deut­schen uns ordentlich zudecken. Ohne anzugreifen haben wir täglich Verluste. In der Champagne muß es auch ganz faul aussehen. Da haben ivir auf einen rich­tigen Knochen gebissen. — Der .Excelsior" vom 1. Juni und andere Ententeblätter bringen wieder einmal eine gefälschte Kaiserrede. Die Veröffentlichung frei er­fundener Reden des deuffchen Kaisers gehört zwar zu den Gepflogenheiten der Entenrevreffe, die angebliche Aufforderung des deutschen Käfters an seine Offiziere, keine Engländer zu Gefangenen zu machen, ist jedoch cine Erfindung 'o alten Datums, daß inan sich wundern muß, daß der Pbantasie der Ententejournalrsten nichts Neues mehr einfällt.

Geheimsitzung der französischen Kammer und Stockholmer Frage.

W. T.-B. Paris, 5. Juni. (Drahtbericht.) Im Vorder- giund aller Besprechungen der französischen Presse jtcht heute die Geheimsitzung der Kammer sowie die Stockholmer Frage. Die Blätterberichte zeigen einige Ungeduld über die Länge der Geheimsrtzung, die die Öffentlichkeit beunruhige. Der „Petit Parisien" schreibt: Das ganze Bündnissystem der

Entente und die Kriegsziele sowie alle vor den seit Kriegs- beginn eingeleiteten Unterhandlungen haben den Gesprächs­stoff der geheimen Sitzungen gebildet. Der „Temps" wünscht, daß die Tagesordnung nach der geheimen Sitzung ein feier­liches Tokvnient werde und das Ansehen Frankreichs hebe. An einer anderen Stelle schreibt der „Temps", was auch künftig eintrefse, alle Alliierten wüßten, daß die Haltung und das Vergehen einer einzelnen Partei weder die Gedankcnffei- t>eit ausdrücke, noch seinen Weg bestimmen könne. „Journal des Debets" erklärt, das Land laste nur die Notwendigkeit einer geheimen Sitzung für Diffge zu, die geheim bleiben müßten. Wenn aber die Sitzungen tagelang andauerten, werde doS Volk nervös. Man müsse Maß halten. „L'Jn- ftrmction" erklärt: Denffchland sei eine Gefahr für die Welt. Wenn die Russen jede Annexion ablehnten, so dächten sie nicht an die 'besondere Lage Frankreichs. „La Liberte" erklärt: Der Sozialismus habe in Frankreich keine andere Macht als diejenige, welche sich in der Schwäche der Regierung ergebe. Die russische Revolution habe die Anmaßung der Sozia- liiten auf den Gipfelpunkt getrieben.

Lin weiteres Zeugnis für die Schuld Frankreichs am Krieg.

W.T.-B. Berlin, 4. Juni. Der französische Minister­präsident hat in seiner letzten Rede gelegentlich der Kammer- eröffnung geäußert: „Deutschland hat den Krieg ge­wollt. Der Schuldige ist nicht bei uns, sondern dort."

Die „Nordd. Allg. Ztg." ist nun in der Lage, für die Schuld der französischen Politik und speziell Herrn Poin- ceteä an der gegenwärtigen Weltkataftrophe ein weiteres Zeugnis zu erb»ingen. Es ist ein Bericht des vor einigen Monaten verstorbenen russischen Botschafters in London, des Grafen Benckendorfs, an Herrn Ssasonow. In dem Bericht, der geschrieben ist während der Londoner Balkan- kcnferenz, und zwar zu einem Zeitpunkt, da es noch nicht un­bedingt feftstand, ob es gelingen werde, den Frieden zu er­halten, und der im französischen Urtext und in Übersetzung veröffentlicht wird, heißt es u. a.: „Wenn man sich darüber einig war, daß die englische Unterstützung eine rein diplo­matische sein sollte, so ist jedenfalls seitsns Frankreichs ein Vorbehalt dieser Art nicht formuliert ivorden. Im Gegen­teil, wenn ich mir Cambons Unterredungen mit mir und die zwischen uns gewechselten Worte vergegenwärtige und die Haltung Herrn Poincares hinzunehme, so kommr mir der Gedanke, der einer Überzeugung gleichkommt, daß von allen Mächten Frankreich die einzige ist. die, um nicht zu sagen, daß sie den Krieg sucht, ihn jedoch ohne großes Be­dauern kommen sehen würde. Jedenfalls hat mir nichts gezeigt, daß Frankreich aktiv dazu veiträgt, in dem Sinne eines Kompromisses zu arbeiten. Nur der Kompromiß ist Friede; jenseits des Kompromisses liegt der Krieg." Nach dielen einleiienden Worten geht der Botschafter dazu über, die Haltung der einzelnen Mächte auf der Konferenz zu schildern und ihre politischen Ziele darzulegen, und sagt weiter: „Alles in allem läßt Cambon ein gewtstes Vertrauen auf die bewaffnete Mitwirkung Englands durchblicken.

Ob sich das auf Abmachungen bezieht, die er geheim halten muß, oder seinen Grund in Maßnahmen der englychen Flctte hat, die, wie Winston Churchill ihm noch gestern wieder- holte, vollkommen bereit und vollkommen mobilisiert ist, zwar ohne äußeres Aufsehen, aber doch so, daß für die Admiralrwt große Aufgaben damit verbunden sind, — ich weiß es mchi. Dm Lage, so w>4 ich sie beobachten konnte, scheint mir zu fern, daß alle Mächte aufrichtig daran arbeiten, den Frieden zu erhalten Aber vor allem ist es Frankreich, das den Krieg verhältnismäßig am philosophischsten aufnehmen würde. Es hat vollständiges Vertrauen zu seinem Heere. Der alte gärende Groll ist wieder aufget rächt. Frankreich könnte sehr wohl annehmen, daß die Umstände heute günstiger als später sein würden. Einerseits bietet uns diese Gemütsverfassung Frankreichs eine Garantie, aber andererseits darf es doch nicht geschehen, daß der Krieg aus Jnterestcn ausbricht, die mehr französische als russische sind, vor ollem aber nicht unter Umständen, die günstiger für Frarkieich als für Rußland sein könnten."

Die „Nordd. Allg. Ztg." schließt: Diese Ausführungen sprechen für sich selbst. Frankreich, um nicht zu sagen, daß es den Krieg wünscht, würde ihn jedenfalls ohne Bedauern koinmen sehen. Das ist der Eindruck, den Graf Benckendorfs schon 1813 von der Haltung Poincares und aus Äußerungen des französischen Botschafters in London gewonnen hatte. Die Vorgeschichte des Krieges wird durch die Beobachtungen des rufsftchen Diplomaten um die intereffaute Feststellung be­reichert, daß die gestürzte Regierung des Zaren, als sie 1914 den für Rußland und die gesamte Welt so verhängnisvollen Entschluß zum Kriege faßte, nur den letzten enffcheidendeu Schritt auf dem Wege tat, den Poincare mit schlau be- rechnender List schon lange im voraus gewiesen hatte.

Oer Tauchbootkrieg.

Neue U-Dootsbeute.

ZV. T.-B. Berlin, 5. Juni. (Amtlich: Drahtbericht.) In

den Sperrgebieten um England find 4 Damlffer und 2 Segler versenkt warben, unter denen sich der bewaff­nete englische Dampfer „Mkddlesex" <7285 Tannen) befand. Größe, Namen und Ladung der übrigen Schiffe konnten nicht fcstgestellt werden.

Der Chef des Admiralitabes der Marine.

Weitere Schfffsverlnste.

W. T.-B. Bern, 4. Juni. Wje Lyoner Blätter aus Le Havre melden, ist der englische Dampfer „Eastgate" (4277 Br.-R.-T.) im Haftn von Le Havre durch eine Explo- sion zefftört worden. — De: spanische Dampfer „Pelle 8- fora", von den Vereinigten Staaten konrnrend, wurde auf der Höhe von Cherbourg gerammt und versank.

Eine neue englische Neutralitätsverletznng gegenüber Schweben.

W. T.-B. Kopenhagen, 4. Juni. „National Tidends" mellet aus Malmö: Als der schwedische Dampfer „Ludwchg Killberg" am letzten Donnerstag auf der Reise von Göteborg noch Malmö Torrekure passierte, bemerkte er ein Untersee­boot, wahrscheinlich englischer Nationalität, das einen deutschen Dampfer beschoß. Dieser mußte seinen Kurs är.dern und ganz dicht an die schwedische Küste hecanf- fohren. Das Unterseeboot folgte ihm jedoch dorthin und setzte die Beschießung fort. Wegen der einbrechen­den Dunkelheit war es nicht möglich zu sehen, ob die Be­schießung von Erfolg war. Eine Zeitlang schien es, als ob auch die „Kollberg" von dem Unterseeboot beschoffen würde. Eine Anzahl Granaten fiel in ihrer unmittelbaren Nähe nieder. Die „Kollbecg" rettete sich auf schwedisches Gebiet. Wie mitgeteilt wird, befand sich das Unterseeboot auf schwedischem Hoheitsgebiet.

Wieder englische Lügen überVeruichtung von U-Bvoten.

ZV. l.-B. Haag, 3. Juni. Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London, daß Kennedy Jones Journa­listen plgenüber erklärt hat, England besitze eine Getrerde- reserve für 12 Wochen. Man hoffe, daß diese Reserve bis zur neuen Ernte erhalten bleiben wird. Durch die neue Ernte würde eine Reserve sür nochmals 12 Wochen verfügbar werden Bei äußerster Sparsamkeit und durch ein Verbot, Getreide als Viehsutter zu gebrauchen, könne man weitere 10 Wochen gewinnen. Wenn die Reserve sich jedoch so weit verringere, daß sie nicht mehr wie 7 Wochen ausreiche, dann würden lokale Hungersnöte unvermeidlich ;worden. Jones- sagte weiter, daß die Engländer im M a i mit der Ver­nichtung von Unterseebooten einen Rekord erreicht hätten.

Anmerkung des W. T.-B.: Von berufener Seite wird uns bierzu mitgeteilt: Die Behauptungen, daß wir große Verluste an Unterseebooten haben, sind alt, und pflegen hauptsächlich immer dann aufzutveten, wenn die Wirkung des Unterseebootskrieges besonders empfindlich ge­spürt wird und dos Bedürfnis vorliegt, die Öffentlichkeit zu berubigeu. Nach >vie vor halten sich die Verluste an Unter- seebeoten durchaus unter der veranschlagten Höhe und werden durch Neubauten mehr als ausgegl i ch eu, so daß die Vergrößerung der Unterseeflotte stetig und in beträchtlichem Maße fortschreitet.

Die Zeit der Feind unserer Feinde.

W. T.-B. Amsterdam, o. Juni. (Drahtbericht.) Das „Algemcen Handelsblad" schreibt in einer Kriegs- Übersicht zu den angeblichen Plänen der Alliierten, zu