Verlag Langgasse 21
„Tagbl«ltha»s".
tzAaltkr-Haür geöffnet »»- 8 llhr morgens bi« 7 Mir aienM.
wöchentlich
ftcm>S*Sxti£ für beide Hu«g«»t*: M!. 1— monatlich. Mi. 8— vierteljährlich durch den Verlag - * » - ... _l 1!c jjxjngntolw. Mt. 4.05 vierteljährlich durch alle deuticken Poftanstalten. ausschließlich
"-“.ScitcEiatgen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis-
: Ausaabeftellen in allen Teilen J>« vtadt; in Biebrich: die dortigen Aus- rchbarten " ' " ' '
gabestellm und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagbiatt- Träger.
13 Ausgaben
Fernruf:
„Tagblatihanä" Nr. «650-5».
Bon 8 Uhr morgens bis 7 llhr abends, außer Sonntag».
Slnreiaen-Breis für die Zeile: so Psg. für örtliche Anzeigen im „Arbeitsmarkt" und Meiner Anzeiger" w eiu?eülicher SaMorlli; 25 Psg. in davon abweichender Satzausjührung. lowie für alle uvr,a-n örtlichen llüiMgen: 35 Pfg. für Ale auswärtigen Anzeigen: 1.25 MI. für örtliche Reklamen: 2.5cM . H-- auswärtige Reklamen. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen ui kurzen flrci» entsprechender Nachlaß.
Für die Nufnadme von Anzeigen an vorgeschriebenen mib Plätzen wird keine Gewähr übernommer
Dienstag, 3. Juni 1917.
Ueber M«v» Mann italienische Verluste in der JO. Zssnzojchlacht!
Ksterreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 4. Juni. (Drcihtbericht.) Amtlich verlautet vom 4. Juni, mittags:
Östlicher Kriegsschauplatz.
In den Karpathen wurden feindliche Erkundungs- abteilungen abgewiesen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Östlich von Görz versuchte der Feind mehrmals, die vorgestern an uns verlorenen Gräben zurückzuge- winucn.' Alle Angriffe waren vergeblich. Unsere Beute hat sich auf 11 Offiziere und 600 Mann und 9 Maschinengewehre erhöht. Auf dem Fajtl Hrib holten wir 350 Italiener aus den feindlichen Stellungen. Im Bereich von I a m n i o n a ist btc Kampftätigkeit wesentlich lebhafter geworden. Ber Arco in Südtirol wurde ein englisches Wasserflugzeug abge- schossen.
Wie aus sehr vorsichtigen Schätzungen rrhellff üdcr- trcsfen die Verluste der Italiener in der 10. Jsonzo- schlacht alles, was der Feind in früheren Anstürmen an Menschenleben und Volkskraft seiner Eroberungspolitik geopfert hat. Wir stellten im Lause des 19tagrgen Ringens mindestens 35 italienische Divisio- n e n in erster Linie fest. Es ist somit in einem Frontabschnitt von 40 Kilometer Breite wenigstens die Hälfte des gesamten italienischen Heeres S t u t in g c - laufen. Die Einbuße, die bei diesen Masscnopfer« der Angreifer an Tote« und Verwundeten erlitt, übersteigt sicherlich 160000 Mann. Außerdem nahmen wir ihnen 16 000 Gefangene ab, so daß italienischerseits — für den Gegner günstig berechnet — sich ein Gesamtabgaug von 180 000 Mann ergibt. Diesen Verlusten von 180 000 Mann steht für den Feind die Besetzung des K u k b e r g e s und des zum Trüm- merhanfen zerschossenen Dorfes Jamniona als Raumgewinn gegenüber, wenig genug für den Sirges- jubel, der am zweiten Jahrestag des Krieges Italien erfüllte.
Der Erfolg ist unbestritten unser geblieben.
Seine Majestät der Kaiser und König hat inmitten seiner braven siegreichen Kämpfer einen Ar merbe f e h l erlassen, dieser Befehl wurde bereits von uns veröffentlicht.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Chef des Generalstabs.
*
Der deutsche Kbendbericht vom 4. Juni.
W. T.-B. Berlin, 4. Juni, abends. (Amtlich. Draht- bericht.) Im W y t s ch a e t eb o g e n hat sich nach ruhigem Morgen der Artilleriekampf am Nachmittag zu be- deutender Höhe gesteigert.
Von den anderen Fronten ist bisher nichts Beson- deres gemeldet. _
Ein neuer englischer Neutralitätsbruch.
Die Beschießung des Dampfers „Gamma" innerhalb der schwedischen yoheitsgrenze.
W. T.-B. Christiauia, 4. Juni. (Drahtbericht. Amtliche Meldung des Norsk Telegramm-Bureaus.) Der ohne Ladung fahrende deutsche Dampfer „Gamma" von Emde» nach Narvik, mit einem norwegischen Matrosen an Bord, wurde am 2. Juni, vormittags 16 Uhr, in der Nähe von Jägerrauna durch Signal von drei englischen Kriegsschiffen, welche vom Meere mit groß:r Fahrt einliefen, angehalten. Der Kapitän gibt an, daß sie !ich eure halbe Seemeile von Raum» befanden, was der Lotse bestätigte. Nach einer weiteren Angabe des Krpiräns ' setzte dieser selbst den Dampfer bei dem Kvassein-Leuchtturm aus Grund, worauf ein Boot von den Kriegsschiffen längsseits kam. Als der Kapitän sich weigerte, die Leiter herunterzu- lofsen, schoß'der Offizier von dem Boot mit dem Revolver, ohne zu treffen. Das englische Boot wurde darauf zurück- gcrufen. Die Kriegsschiffe feuerten auf eine Entfernung von 566 Meter vier Torp-edos und angeblich auch einige Kanonenschüsse ab. Ein Torpedo traf, zwei explodierten am Strande, das vierte erreichte das Land, ohne zu explcdieren. Es wurde niemand beschädigt. • Zahlreiche Augenzeugen bestätigten den Vorfall, der sich in der Nähe des Landes' ereignete. Dis norwegische Bewachungsschiff, das unterwegs von Ege csund war, sah um 11(4 Uhr Kriegs schiffe 4 Seemeilen vom Lande südwärts fahren. Sie
Morgen-Kusgabe
mochten sofort«Kehrt und verschwanden schnell. Eine Anzahl Schiffe wurde am gleichen Tage in den norwegischen Hoherts- gewässern von englischen Schissen aagerufen. Der norwegische Gesandte in London ist telegraphisch beauftragt, ber der britischen Regierung' anläßlich dieser Vorfälle bestimmten Einspruch zu erheben.
r.. Berlin, 4. Juni. (Eig. Meldung, zb.) Ein Telegramm unseres Marineattaches in Christiania bestätigt auf Grund der Aussagen des Kapitäns, daß der deutsche Dampfer „Gamma" von drei englischen Torpedobooten innerhalb der ucrwegischen Hoheitsgewässer beschossen und sogar noch torpediert wurde, als ec bereits gestrandet war. Es bördelt sich um einen unbestreitbaren Neutral'. tätebruch. Man darf annehmen, daß die norwegische Presse jetzt mindestens so energisch Protest erheben wird, als sie es tat, als jüngst der norwegische Dampfer „Krdan" innerhalb der Piermeilengrenze, die wir bekanntlich nicht anerkennen, aufgebracht und nach Swinemünde geführt wurde. Aber leider hat Norwegen für England und für Deutschland zweierlei Matz.
«
Das abermaliqe Freigeleit für die neutralen Schiffe.
IV. T.-B. Kopenhagen, 3. Juni. „National Tidende" bemerkt zu dem deutschen Freigeleitsangeboi für dänische Schiffe: Wir haben an einige unserer größten Reeder eine Anfrage gerichtet über die Bedeutung des Angebots für dänische Schiffe. Keiner konnte zurzeit eine endgültige Meinung darüber äußern, aber die Erfahrung von ftüheren ähnlichen Angeboten, die nur Enttäuschungen gebracht haben, lehrt uns, daß mau vorläufig einem wirklichen Nutzen des Angebots mit Zweifeln entgegensieht.
Das neue Rußland.
Törichtes Gerede über „dentfche Machenschaften".
W. T.-B. Bern, 4. Juni. (Drahtbericht.) Der Petersburger Berichterstatter der „Moruing Post" drahtet vom 29. Mai: Nach 10 Wochen des Jubilierens über die neugewonnene Freiheit setzt in Rußland jetzt, da man sich bewußt wird, daß trotz der errungenen politischen Freiheit der Feind tief irn Lande stehe, eine gewisse Katzenjammer stimmung ein. _ Von dieser Stimmung scheint der Berichterstatter selbst ergriffen zu sein, wenn er im Gegensatz zu den früheren englischen Presseäußerungm, welche die russische Revolution als Werk der Alliierten feierten, jetzt darzutun sucht, daß sie das Ergebnis von deutschen Machenschaften sei und behauptet Deutschland arbeite zur Erreichung der nämlichen selbstischen Ziele sowohl mit den früheren russischen Machthabern als auch mit den russischen Radikalen zusammen.
Kerenski'über feine Reife an der Front.
W. T.-B. Kiew, 4. Juni. (Drahtbericht.) In einer Antwort auf eine Rode verschiedener militärischer Vertreter sagte Kriegsminister Kevenski u. a.: Nach meiner Reise durch ganz Rußland und an der Front, kann ich bestätigen, daß alles, was man bisher für das Dcchinsterben unserer Armee hielt, nichts anderes war, als ein emsiges Arbeiten an den neuen Verhältnissen in Rußland. Ich kann versichern, daß trotz der Vernichtung der alten Manneszucht die Macht der russischen Armee täglich wächst. Sie baut sich auf einer neuen bewußten Manneszucht auf. Ich kann es ein- für alle- mcl bestätigen, daß die Verbrüderung vollkommen aufgehort hat. Kerenski besichtigte dann zahlreiche außerhalb der Stadt aufgestellte Truppen, die unter den Klängen der Marseillaise vorbeimarschierten und ihn begeistert begrüßten.
Mehrere Millionen Fahnenflüchtige!
— Berlin, 4. Juni. Wer die Zustände im russischen Herr wird dem „B. L.-A." mitgeteilt, der angesehene GeneralstabS- offizier Jakubswitsch beziffere die Zähl der Deserteure mit mehreren Millionen.
Jswolskis Entfernung vom Parifer Posten.
— Berlin, 4. Juni. Zur Abberufung des russischen Botschafters Jswolski aus Paris sagt die „Voss. Ztg.": Die Annahme des Entlassungsgesuchs Jswolskis durch die ernst» weilige Regierung nimmt nicht wunder. Er war kein Mann der neuen Ära, und verantwortliche Staatsmänner, die einen Frieden ohne Entschädigungen und Annexionen letreiben, können unmöglich auf einem so wichtigen Posten einen Mann belassen, dessen ganzes Sinnen und Trachten aus die Zerschmetterung der L st e r r e i ch i s ch - u n g a r r- schen Doppel Monarchie gerichtet war. Mit besonderer Genugtuung muß man in Wien das Verschwinden Jswolskis begrüßen. -Sern Name weckt dort die Erinnerung daran, daß der äußere und letzte Anlaß dieses Krieges die Balkau- Politik Österreich-Ungarns gewesen ist. Seiit dem Tage der Annexion Bosniens und der Herzegowina war der endgültige Bruch zwischen Überreich und Rußland fertig.
Nr. 281. ♦ 65. Jahrgang.
Das Verlangen nach Demokratisierung der Ministerien.
— Berlin, 4. Juni. Verschiedenen Blättern zufolge fordern die Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrats völlige Demokratisierung der Ministerien durch Ersetzung der bisherige Beamten durch Vertreter der breiten Massen, die den Organisationen der Arbeiter, Soldaten und Bauern zu entnehmen seien.
Das Wahlrecht in Rußland.
. W. T.-B. Petersburg, 4. Juni. (Drahtbericht. Petersburger Telegraphenagentur.) Der Rechtsausschuß s>er vorläufigen Regierung hat einen Wahlrechtsgesetzentwurf für die verfassunggebende Versammlung ausgearbeireh Der Entwurf sieht ein allgemeines, geheimes, gleiches Wahlrecht ohne Unterschied des Geschlechts auf Grund des Proportio nal-Wahlsy st eins vor. Jeder russische Bürger, der das Alter von 20 Jahren erreicht Hit, genießt das Recht, an den Wahlen teilzunehmen. Der Gesetzentwurf wird zur Beratung dem Sonderausschuß angewiesen, der zur Ausarbeitung des gesamten Gesetzes eingesetzt ist.
Die Bauernnnruhen in Rußland.
IV. T.-B. Petersburg, 4. Juni. (Drahtbericht. Petersburger Telegraphen-Agentur.) Eine Zus rmmenkunst der Mitglieder der ReichSduina nahm folgende Entschließung an: NacbSem die private Zusammenkunft von Mitgliedern der Reichsduma dem Bericht des Abgeordneten Schiglows-ki über dea Anfang der Arbeite» des landwirtschaftlichen Haaptausschusfts sowie der Entwurf einer Entschließung ihrer ersten Sitzung gepcürt hatte, drückte sie die Ar sicht aus, daß die Landreform nur von der rer- fajsungsgebenden Versammlung beschlossm werden kann. Diese allein wird genügend Anseh m besitzen, so daß ihre Entscheidung allgemein und ohne Widerspruch angesehen wird. Die Reichsduma fordert alle Dorfbesttzer auf, sich gegenüber der Entscheidung dieser Versammlung jeglicher Gewalttat zu enthalten. Im landwirtschaftlichen Hauptausschuß wurde eine Erklärung über die Landwirffchastssrage ausgearbeitet, in der es beißt: Alles fiir die Landwirffchaft geeignete Gelände muß den Ackerbauern und Landw'cten zur Ausnutzung überwiesen werden. Vor der Einberufung der versossuugsgebenden Versammlung kann niemand di« Land- wirtschaftsfroge lösen oder ihre endgültige Lösung verwirklichen. Ihre einwanosfceie Losung ist nur auf der Grundlage eines allgenieinen staatlichen Lundwirtschaftsplanes möglich. Willkürliche Versuche der Bevölkerung auf diesem Gebiete würden eine ernstliche Bedrohung für den Staat darstellen.
•
Friedensschnfucht in Rumänien.
IV. T.-B. Berlin, 4. Juni. Die Friedenssehnsucht des russischen Volkes und Heeres beginnt auch auf die Rumänen ikberzrgreifen. Gefangene Rumänen sagen aus, daß am 14. Mai in Jassy, Roman und Bacau große Friedenskundgebungen stattfonden.
Die Stockholmer Sozialisten-Nonferenz.
Für und wider die Paßerteilung zur Reife nach Stockholm.
W. T.-B. Bern, 4. Juni. (Drahtbericht.) Die „Westminstsr Gazette" erklärt sich, obwohl sie von den sozialistischen Anstrengungen zur Herbeiführung einer zwischenstaatlichen Fried enszujammenkunft wenig hält, grundsätzlich dagegen, daß R.imiay Macdonald der Reisepaß nach Stockholm vorenthalten wird und führt aus: Nichts wäre unpolitischer als durch die Versagung des Passes Macdonalds Reffe zu einer staatlichen Handlung zu stempeln und Rtkßland den Gedanken einzugeben, England habe so große Angst vor dem Genannten, daß es nicht wagen könne, sie nach Rußland gehen zu lassen. — Die „Moruing Post" bekämpft diese Auffassung und führt aus: Sie wäre vielleicht ge
rechtfertigt, wenn die Stockholmer Tagung lediglich ein Versuch wäre, der keinen Schaden cmrichten könne. Die Tagung und die dahinterstehende Bewegung bedeute aber zum mindesten eine Schwächung und Abspannung der Kampfkraft der Alliierten.
Das Zusammengehen mit dem ilfternationalen Ausschuß in Bern.
W. T.-B. Petersburg, 4. Juni. (Drahtbericht.) Die Petersburger Telegraphen-Agentur berichtet: Nach den Berichten des Arbeiter- und Soldatenrats hat der Vorsitzende des internattonalen Ausschusses in Bern, Grimm, der sozialistischen Zusammenkunft in Le e d s folgendes Telegramm gesandt: „Unsere herzlichsten
Glückwünsche für ein erfolgreiches Werk nn Kampf gegen Krieg, Militarismus, Kachitalismus und für die internationale Gemeinsamkeit, Arbeit und Sozialismus." — In Kronstadt fand unter Betelligung von über 30 000 Personen eine Kundgebung für ein Zusammengehen mit dem internationalen Ausschuß in Bern statt. Robert Grimm und AnseüÄ BcchchMoÄ-
