Verlag Langgaff« 21
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Berliner Abteilung d es Wiesbadener Tagblatts: Berlin VV
Montag. 4. Iuni 1917.
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Nr. 279. . 65. Jahrgang.
Der Tagesbericht vom 3. Juni.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Juni.
(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Im Wytschaete - Abschnitt hat der starke Artilleriekamps auch gestern angehaltcn.
Zwischen Lens und Queant blieb gleichfalls die Feucrtätigkeit lebhaft. Nachts griffe» die Engländer bei Loos, am Souchez-Bach und nordöstlich von Monchy an. Sie wurden ab ge wiesen; iu ciuzelnen Grabenstücken südwestlich von Leas wird »och gekämpft.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Die Gesechtstätigkeit längs der A i s n e und in der Champagne war im allgemeinen gering.
Erkundungsvorstötze unserer Sturmtrupps brachten am Chemin des Dames, südöstlich von Filain, mehrere Flammenwerfer, an der Aisne 15 Gefangene ein.
Heeresgruppe Herzog Albrrcht.
Auf dem rechten Maasufer wurden bei Haudiomont, Combres und St. Mchiel mehrere französische Aufllarungsabteilungen zurückgeschlagen.
In der Nacht zum 1. Juni bewarfen englische Flieger ein im Etappengebiet befindliches Lager mit Bomben, die von den französischen Gefangenen einen Mann töteten und 91 verwundeten.
Unsere Fluggrschwader haben vor der Arras- und Aisnefront mit erkannter Wirkung Bomben auf Bahnanlagen, Munitions- und Truppen- !lagrr abgeworfeu.
In Lustkämpfen und durch Abwehrfeuer haben die Gegner gestern IO Flugzeuge verloren.
Auf dem
östlichen Kriegsschauplatz
ist die Gefamtlage unverändert.
In der M o l d a u sind io den beiden letzten Nächten zwischen Susita- und Putnatal rumänische Borstöße abgewiesen worden.
Mazrsonische Front.
Westlich des Wardar find südlich von Huma und bei Alcak Mah Angriffe mehrerer feindlicher Kompag- uirn vor den bulgarischen Stellungen verlustreich g e s ch e i te r t.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
»
Der deutsche klbenvbericht vom 3. Inni.
W. T.-B. Berlin, 3. Juni, abends. (Amtlich. Drahtbericht.) Im W»tschaete-Bo«en stärkster Froerkampf.
Die Kämpfe vom 2. und 3. Juni.
Der deutsche Ergänzan-sbericht.
W.T.-B. Berlin, 3. Juni. (Drahtbericht.) Im Wyt schaete-Abschnitt steigerte sich das englische Ar- tilleriefeuer im Lause deS 2. Juni zu einem gewaltigen Zerstörungofener. Bet St. Eloy, Wytjchaete, Meffines und westlich Warnepou lag eS mit schwersten Kalibern trommelfeuerartig ruf den deutschen Gräben uird dem Hintergelände. Deutsche Batterien und Minenwerfer erwiderten kräftig daS Feuer. An zahlreichen Stellen wurden Explosionen beobachtet. An der ArtoiS-Front .rahm daS Artilleriefr rer erst am Nachmittag des 2. Juni eine größere Heftigkeit an. Am 2. and 3. Juni griffen Kanadier beidecleits des Eouchez-Biches an. An einzelnen Stellen drangen sie in die Gräben; deutscherseits ivucken hierbei Befangene gemacht. Ebenso wurde ein gleichseitiger Angriff nördlich der Scarpe. wo die Engländer in dichten Haufen vorbrochen, angewiesen. Das gliche Schicksal hatte eine Wiederholung des Angriffs um 2 Uhr morgens. Auch »ei Ballecoart wurden englische Stotztruppen abgewiesrn. Die Beute der Laffaux aus )ern deuttcken Borstotz am 1. Juni beträgt 8 iKvschinengewehre, «i Schnell adegewehre und 40» Bewehre; sie Befaugenenzahl erhöbte sich auf 4 Offiziere und 184 Manu. Südlich Filaine brachte eine Patrouille zwe, Flammenwerfer ein. Artzerdem wurden an zahlreichen anderen Stellen durch deutsche Patrouillen in der Nicht vom 2. zum 3. Juni Befangene gemacht, so bei Eerny. in der Gegend von Berry- au-Bac. auf der Tombres-Höhe und bei LenoiS. Deutsche Bomben, die über Maizy an der AiSne abgeworfen wurden. trafen eine auf dem Marktplatz haltend« Munitions- kclonne. deren Wagen hintereinander mit hellstem Feaer- schein explodierten.
An der O st f c o n t war daS Feuer am 2. Juni lebhaft wefSich Luck. südlich von Brody. südlich von Breczanh sowie cm rtxidndxiu* Stelle» der Karpathenfront. AnnäherungS- versuche starker feindlich« Abteilungen b« Boloszay in den Morgenstunden de» 2. Juni sowie in der Nacht zum 3. Juni leicht obgcwiLlyi. depülschy» der nächtlutzk «arpchl
zweier rumänischer Kompagnien, die mrt schweren blutigen Verlusten unter Zurucklastung von Berai gerben zurückfluteten.
An der mazedonischen Front wurden feindliche Vorstöße bei Alcak Mah sowie südlich Huma von den Bulgaren übgewiesen.
Eine „letzte Generalvffenfive" der Entente.
Bern, 2. Juwi. (zö.) Mitteilungen, die der „Zürcher Post" zu gehen, bestätigen die Darlegungen des „Nieuwe Rotterdamschen Courant" über das nahe Bevorstehen einer letzten Generaloffensive der Entente. Man rechnet in nilli- tärischen Kreisen damit, datz diese reue Offensive der Entente, die all« Fronten umfassen soll, auch die russische, in der allernächsten Zeit beginnen verde.
Der Militärkritiker des „Bund" schreibt in einer Betrachtung der allgemeinen Lage: Wie die Dinge heule liegen, lätzt sich unter Berechnung der seit dem Kommandowechscl in Frankreich verflossenen Zeit die b e ft i m m t e Vermutung aussprechen, datz wir einer mehr oder weniger vollständigen Generaloffensive der Entente, einem gewaltsamen, aus der Not geborenen Angriff zum Greifen nahe gekommen sind. P e t a i n hat voraussichtlich seine Umgruppierung vollendet, England hat frische Verstärkungen in die Front geschoben und zwischen Dpern und Bethune so etwas wie einen neuen Angviffsboden ausgezirkelt. Benutzt cs diesen, um mit dem vorgeschobenen Dpern als Flügelstützpunkt vorzudrecken, so mag Sir Douglas Haig den Erfolg in der Richtung Lille suchen, um dieses un Norden zu überflügeln. Er würde in diesem Falle freilich in Gefahr geraten, sich in dem tiefst gestaffelten Befestigungs- shstem zu verstricken, das nördlich Cambrai und Douai aus Lille zieht und nicht durchsetzen wecken kann. Sucht die Entente den Erfolg im Westen noch weiter nördlich, also zwischen Nieuport und Dpern, so mutz sie die Seeflanke ganz anders angveifen als im Novencker 1914. Da die Deutschen die Seeflanke aber seither erst ausgebaut haben, so ist nicht elUAusehen, wr jetzt neue Erfolglnogstchkeiten für den Angreifer versteckt liegen.
Die Aussichten der attrerikauifcheu Hilfe an der Front.
Eine neutrale Betrachtung.
W. T.-B. Berlin, 2. Juni, über die Aussichten der ame- rikanischen Hilfe auf dem europäischen Kriegsschauplatz äußert sich Hauptmanu Meyer im „St. Galler Tagblatt" vom 31. Mai: Angenommen, die Union habe auch Anfang Oktober eine halbe Million Streiter ausgebildet und beginnt mit deren Transport, dann braucht sie, wenn sie pro Schub e i n Armeekorps transportieren will, eine halbe Million Tonnage, sollen es zwei Armeekorps sein, eine Million. Dieser Raum steht aber im Oktober in keinem Fall mehr zur Verfügung, da bis dahin mindestens 2 bis 3^, Millionen weiterer Fvachtraum versenkt sein werden. Selbst wenn er noch durch Ferttgwerden von Neubauten, Indienststellung der beschlagnahmten deutschen Schiffe usw. verfügbar sein soll, dauert es 6 bis 7 Monate, bis eine halbe Million amerikanischer Truppen nach Europa trans- pcrtiert ist. Über den ganzen Winter wird eine Million Tonnen dem sonstigen Verkehr durch den Transport dieser Truppenimassen entzogen. Nachher erfordert deren Versorgung bleibend eine halbe Million Tannen. Damit ent- rcllt sich das Frachtraumproblem in seiner gangen 'Schärfe. Ti« vorstehende Betrachtung zeigt- datz die Annahme, der Union sei das Eingreifen mit einer oder sogar zwer M i l l i o n e n S t r e i t c r n in den europäischen Kampf möglich, reinePhautasieist.
Mißstimmung im Parlament gegen Ribot.
ch- Berlin, 2. Juni. Dem „B. L.-A." wird aus Genf ge- meldet: Mit den Sozialisten gab auch ein Teil der Radikalen ihr Widerstreben kund gegen den Maueranschlag der Rede Ribots. der seinerseits «-klärte, auf diese Ehrung verzichten zu wollen, weil die Kammer nicht eines Sinnes sei. Ein« lebhafte Erörterung in den Aandelgängen der Kammer und des Senats verursachte Ribots Zusage, im Einvernehmen mit der ruffischen Regierung gewisse Dokumente zu veröffentlichen, die beweisen sollen, datz Präsident Paincare beim Absc^utz der franzöfifch-rrrssischen «w machungen vor Ausbruch i>es Kriegs seine Machtbefug, nisse nicht überschritten hat. Ribots Äußerungen ließe« nicht klar erkennen, ob es sich bei den geplanten Der- öffenll «Hungen um den Worklaut oder nur um eine allgemeine Inhaltsangabe handeln wird. — Innerhalb der bür- gerlichen Parteien beginnt sich schon eine inter- essante Scheidung vorzubereiten. Es geht aus den Blättern .„Humanite" und „Gaulois" hervor, datz eine größere Anzahl der bürgerlichen Deputterten, di« zur Regierungs, gruppe und zur Grupp« der „nationalen Aktion" gehören u. a. die Abgeordneten Favre, Dalfriez, Oflola Celo und Temrnei. der Beteiligung anderStockholmerKonfc- renz durchaus nicht mehr feindlich gegenüberstehen. Der „Baulors" sagt, datz der geistige Führer dieser vermittelnden Gruppe Caillaux sei. Sehr wahrscheinlich sei es, datz die erwähnten Abgeordneten einen organisatorischen Zusammenschluß ihrer Anhänger zu einer neuen Kammergruppe planen. Sie scheinen z, der Äderung ihrer Haltung durch hi« ttteyorrfchm Erkläruogen Eachms u«d Moutotö veranlaßt
worden zu sein, die drrauf aufmerksam machten, datz eine Ablehnung der Teilnahme der Franzosen an der Stockholmer Besprechung bei dem Arbeiter- und Soldatenrat einen höchst ungünstigen Eindruck machen mützle.
Die Engländer in Calais.
W. T.-B. Köln, 3. Juni. (Drahtbericht.) Die! „Köln. Volksztg." meldet aus Christiania von gestern: In nordischen Bank- und Finanzkreiien will man aus bester Quelle erfahren haben, daß in 2alais und seiner Umgebung die Engländer in allergrößtem Umfange Pachtverträge auf die Dauer von 9 9 Zähren abgeschlossen haben.
Die englischen Verluste.
-jst Amsterdam» 2. Juni. Die „Times" vom 19., 22., 25. und 26. Mai enthält Verlustlisten mit einer Zahl von 8 84 Offizieren und 2 3728 Mann.
*
Eine Konserenz von deirtschen, schweizerischen u. italienischen Delegierten.
(Drabtbericht unseres lLr.-Sonderberichterstatter».)
Kr. Genf, 3. Ju:ü. (zb.) Die hiesigen Blätter berichten, daß h'er eine Konferenz von Freunden des früheren Minffter- oräsidenten Caillaux mit deutschen italienischen ruck schw-'.zerifchen Delogierten stattgefunden hat. . Im ganzen Maren 40 Personen anwesend. Unter den Mitgliedern der französischen Arbeiterabordnung befanden sich Hersent, der Direkror der Schiffswerften, Bocci, Philippart, der Führer de., Freimaurer, sowie ein ehemaliger Gesandter Devico.
Vas neue Rutzland.
Die bedenkliche Lage der Armee.
Kerenskis Stellung gefährdet.
(Drahtbericht unseres SSout »i berichterstatters.)
8. Stockholm, 3. Juni, (zb.) Die schwedischen
Blätter melden, daß auf dem K o n g r e ß d e r r!r r o n t- delegierten auf das eingehendste die Lage der Armee besprochen und sestg-stellt wurde, daß Aus- rüstung und Mannschaftsbestände sich rm allgemeinen täglich verschlechterte n. General- stabsoffizier Oberstleutnant Jakubowiffch erklärte daß die Zahl der D e s e r t e u r e auf m e h r e r e M r l l t onen angewachsen sei. Kein beruhigender Ausruf dev Behörden an die Bevölkerung habe genützt. Dte Trunkenheit greife immer mehr im aktiven Heer um sich. Am gefährlichsten sei die Propaganda für die Niederlegung der Waffen unter lolch betrunkenen Fronffoldaten zu betrack,ten. Verschiedene Ofsiztere be- zeichneten die Stellung Kerenskis als Kriegs- minister stark gefährdet. Kerenskts, letztes Ans-. treten in Helsingfors, sowie an verschiedenen ^ront- leiten sei ganz erfolglos gewesen. Seine Frontreise, wovon vielfach eme Neubelebimg der Armee erwartet vurde, stellte sich nachc^rade als Fiasko heraus. Der Krieqsminister habe durch die Zweideutigkeit seut«; Reden, deren Charakter der Formel eines Verständi- aungsfriedens widerstrebt, die Soldaten geradezu aufgeregt. In Helsingfors erklärte er, er werde seine Kraft zeigen. An den Fronten versuchte er, die Soldaten zur Offensive aufziireizen. indem er sie mft den Worten anfeuerte: Vorwärts, dort erwarten uns Land und Freiheit. Große Mißstimmung er- regte K e r e n s k i s Verordnung, daß es den Miti- »ärbefehlshabern gestgftet sei, die bewaffnete Macht im Umfange ganzer Regimenter gegen ihre eigenen Truppen im Falle der Widersetzlichkeit zu ver^ wenden. Der Kriegsminister selbst gesteht seine Mißerfolge ein. Er beabsichtigt nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt, mehrere Sozialisten in das Kriegs- ininisterium zu. berufen. ->im auf dies? Weise das Der- trauen der ArbeitersckM zu gewinnen, was ihm selbst unmöglich war.
Kerenskis Reiseergebnisie.
VV T -B Petersburg, 3. Juni. (Drahtbeeicht.) Kriegs- minister Kerenski richtete an ben Ministerpräsidenten Fürsten Lwow folgendes Telegramm: „Ich teile der vor-
läufigen Regierung mit. datz ich nach Kenntnis der Lage au der Sütwestsront zu tatsächlichen Schlüssen gelaugt Pin, über die ich nach meiner Rückkehr berichten wecke. Die Lage in Sewastopol ist sehr günstig. Auch ist dort ,ein entstandener Zwischenfall gtücklich beigelegt worden.
Die Meinung über eine Offensive noch sehr geteilt.
(Drvbtbericht unseres B.-SonderberichterstatterS.'
U. Rotterdam, 3. Juni, (zb.) Die „Times" meldet aus Petersburg: In maßgebenden Kreisen gewinnt
zwar die Ansicht Boden, daß -ine unmittelbare Offensive notwendig ist, aber im allgemeinen ist bie. Auffassung hierüber noch jetzt !^anz geteilt. Die joLialifüjche Prelle zeigt in dieser Qrnmt keinen
