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pr Ullultrierk

Ikinder-rettung

des

Wiesbadener Tagblatts.

•fflr. 6.

IS. Jahrgang.

1917.

«Alle Rechte für sämtliche Artikel und Illustrationen Vorbehalten.)

Hoshahn und Wetterhahn.

von 6. L. Andersen.

i wei liubiie waren da, einer auf dem Dünger­haufen, einer auf dem Dache, hoffährtig waren sie beide, wer von den beiden richtete aber am meisten aus? Lage uns deine Ansicht — wir behalten dessenungeachtet doch unsere Meinung bei.

Der Hühnerhof war durch eine plante von einem andern Hosraum getrennt, in welchem ein Düngerhaufen tag und aus dem Düngerhaufen lag und wuchs eine große Gurke, die das Bewußtsein hatte, ein Mistbeetgewächs zu sein.

„Dazu wird man geboren," sprach es im Innern der Gurke! Nicht alle können als Gurken geboren werden, es muß auch andere Arten geben! Die Hühner, die Enten und der ganze Viehbestand des Nachbarhofes find auch ■ Geschöpfe. Zu dem Hofhahn aus der Planke sehe ich nun empor, er ist freilich von ganz anderer Bedeutung als der lvetterhahn, der so hoch gestellt ist und nicht einmal knarren, geschweige krähen kann' er hat weder Hühner, noch Küchlein; er denkt nur an sich und schwitzt Grünspan! Nein, der Hofhahn, das ist ein Dahn! Lein Auftreten ist Tanz! Lein Krähen ist Musik, wo er hinkommt, wird es einem gleich klar, was ein Trompeter ist! Und wenn er mich auch mit Ltumpf und Ltiel ausfräße, wenn ich auch in seinem Körper aufgehen müßte — es würde ein seliger Tod kein!" sprach die Gurke.

Nachts wurde es entsetzliches Wetter; Hühner, Küch­lein und selbst der Hahn suchten Lchutz; die Planke zwischen den beiden Höfen riß der Wind nieder, daß es krachte; die Dachsteine fielen herunter, aber der Wetterhahn saß fest; er drehte sich nicht einmal, er konnte sich nicht drehen, und doch war er sung, frisch gegossen, aber besonnen und gesetzt; er war alt geboren, ähnelte durchaus nicht den fliegenden Vögeln im Himmelsraume, den Lperlingen, den Lchwalben, nein, die verachtete er, sie seien pixoögel von geringer Größe, ordinäre Pipvögel! Die Tauben, meinte er, seien groß und blank und schimmernd wie Perl­mutter, sähen aus wie eine Art Wetterhähne, allein sie seien dick und dumm, ihr ganzes Linnen und Trachten ginge darauf aus, den Freßwanst zu füllen, auch seien sie lang­weilige Dinger im Umgang, sagte der Wetterhahn.

Auch die Zugvögel hatten dem Wetterhahn ihre Vi­site gemacht, ihm von srenrden Ländern, von Luftkara­wanen und haarsträubenden Räubergeschichten mit den Raubvögeln erzählt, das war neu und interessant, das heißt das erste Mal, aber später, das wußte der Wetter- Hahn, wiederholten sie sich, erzählten stets dieselben Ge­schichten und das ist langweilig! Lie seien langweilig und alles sei langweilig, mit niemand könne man Umgang pflegen, jeder und alle seien fade und bornirt.

„Die Welt taugt nichts!" sprach er. „Das Ganze ist dummes Zeug!"

Der Wetterhahn war, was man blasirt nennt, und die Eigenschaft hätte ihn gewiß bei der Gurke interessant gemacht, wenn sie es. gewußt hätte, allein sie hatte nur Augen für den Hofhahn, und der war jetzt im Lose bei ihr.

Die Planke hatte der wind umgeblasen, aber das Ungewitter war vorüber.

„Was sagt ihr zu denn Hahnengeschrei?" sprach der Hoshahn zu den Hühnern und Küchlein. „Das war ein wenig roh, die Eleganz fehlte."

Und Hühner und Küchlein ttaten auf den Dünger-' Hausen und der Hahn bettat ihn auch mit Reiterttitten.

„Gartengewächs!" sprach er zu der Gurke, und in diesem einen wort wurde ihr seine ganze tiefe Bildung klar, und. sie vergaß es, daß er m sic hackte und sie auskraß.

„Lin seliger Tod!"

Und die Hühner kainen, und die Küchlein kamen, und wenn die eine sortläuft, so läuft die andere auch, und sie glucksten und piptcn und sie schauten den Hahn an und waren stolz darauf, daß er von ihrer Art war.

„Küchleküh", krähte er, „die Küchlein werden sofort zu großen Hühnern, wenn ich es ausschreie in dem Hühner­hofe der Welt!"-

Und Hühner und Küchlein glucksten und pipten und der Hahn verkündete eine große Neuigkeit.

„Ein Hahn kann ein Ei legen! Und wißt ihr, was in dem Ei liegt? — In dein Ei liegt ein Basilisk. Den Anblick eines solchen vermag nieniand auszuhalren; das wissen die Menschen, und jetzt wißt ihr es auch, wißt, was in mir wohnt, was ich für ein Allerhühnerhofs­kerl bin!"

Und daraus schlug der Hofhahn mit den Flügeln, machte sich den Hahnenkamm schwellen und krähte wieder; und es schauderte ihnen allen, den Hühnern und den kleinen Küchlein, aber sie waren gar stolz, daß einer von ihren Leuten so ein Allerhühnerhofskerl war; sie glucksten und pipten, daß der Wetterhahn es hören 'mußte, und er hörte es, aber er rührte sich nicht dabei.

„Das Ganze ist dunimes Zeug!" sprach es im Innern des Wetterhahns. „Der Hofhahn legt keine Eier und ich bin zu faul dazu.; wenn ich wollte, ich könnte schon ein Windei legen, aber die Welt ist keines Windeies wert. Das Ganze ist dunimes Zeug! Jetzt mag ich nicht einnial länger hier sitzen."

Und daniit brach der Wetterhahn ab, aber er schlug nicht den Hofhahn tot, obgleich es daraus abgesehen war, wie die Hühner sagten; und was sagt die Moral: „Immer­hin doch besser krähen, als blasirt sein und abbrechen!"