Einzelbild herunterladen
 

Verlag Lauggaffe 21

„Tagtlatth-us".

Echirlter-HaLe geöffnet von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends.

wöchentlich

Bezugs-Preis für beide Ausgaben: Mk. 1.— monatlich, MI. 3.— vierteljährlich durch den Verlag Langgaffe 21, ohne Bringerlohn. Ml. 4.05 vierteljährlich durch alle deutichen Postaostalten, ausschließlich Bestellgeld. — Bezug ».Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle BiS- marckrmg IS. sowie die AuSaadeskellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Aas- gabejtellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

13 Ausgaben.

Fernruf:

„Tagilatthaut" Nr. SK50-53.

Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntags.

Auaeiaeu-Breis für die Zeile: 20 Psg. für örtliche Anzeigen im „Arbeitsmarlt" und »Kleiner Anzelger» ff, ^hAlicher Santorm; W Psg. in davon abweichender SyauSsührunm sowie jur alle übrigen örtlichenAi^igen: 35 Psg. für alle auswärtigen Anzeigen: 1.S5M. für örtlicheRellamen: 2^1 MI. jur auswarttge Reklamen. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen ui entsprechender Nachlaß. : ‘ * - ' '

”“-——^ Yi „„„„ fkür die Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen

miMas^r^Äorgen»Äurg?Ri"subr^achmitta^ Berlin» Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W„ Potsdam« Str.121 K. Fernspr.: Amt Lüh-w 6202 «.6203. Tagen und Plätzen wird leine s-währ übernommen.

wina^s

Sonntag. 3. Juni 1917.

Morgen-klusgabe.

Ur. 278. . SS. Jahrgang.

weitere 84200 Tonnen!

W. T.-B. Berlin, 2. Juni. (Amtlich. Drahtbericht.) Im Atlantische» Ozean und im Kanal sind durch die Tätigkeit unserer U-Bvote 30500 Brütto- registertonnen versenkt worden.

Unter de» Schiffen befanden sich zwei englische Damvfer, deren Ladung n. a. aus 7 Millionen Kilo­gramm Ol für die englische Kriegsmarine und aus 10 000 Ballen Baumwolle für England be­stand, ein großer französischer Dampfer mit unbekann­ter Ladung, sowie ruffische Segler mit 8000 Tonnen Weizen für England.

Neue U-Bootsersolge im Mittelmeer. Es wurde eine größere Anzahl von Dampfern und Seglern, zusammen 53 700 Bruttorcgistertonnen, ver­senkt.

Unter diesen Schiffen befanden sich u. a. der bewaff­nete englische Dampfer „Harpagus" (5866 Tonnen) mit Öl und Mehl, von New Jork nach Marseille be­stimmt, der bewaffnete englische Dampfer „Caspian" (3606 Tonnen) mit einer Salpeterladung von 5400 Tonnen für Italien aus Chile kommend, ein Dampfer, der mit einer vollen Ladung Schwefelsäure von Valencia nach Frankreich unterwegs 'war, der bewaff­nete französische Dampfer „Jtalia" (9305 Tonnen), welcher den Postdienst von Korfu nach Tarent versah, ein bewaffneter englischer 3500-Tonneu-Dampfer, ein bewaffneter' frauzöfischer Dampfer vom Typ „Biaritz" (2453 Tonne») und der bewaffnete französische Trans­portdampfer „Medjerda" <1918 Tonnen), auf der Fahrt von Afrika nach Südfrankreich.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

, *

Mn amerikanisches Kriegsschiff gesunken!

Nr. Köln, 2. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie die „Köln. Ztg." berichtet, meldet die „Zürcher Post", daß nach niner zuverlässigen englischen Quelle dieser Tage vor Queens­einer zuverlässigen englischen Quelle dieser Tage vor Queens- dnrch eine Mine gesunken sei.

Rußland unterm Kammer.

Noch ist nicht abzusehen, welchen Ausgang der son­derbare Krieg um den Frieden nehmen wird, der sich seit der russischen Revolution im Exzarenreichc abspielt; aber sichtlich mehrt sich die Erkenntnis, daß, wie es in einer deutsch-offiziösen Auslassung unlängst hieß, „die Söhne des russischen Volkes noch fernerhm kämpfen und sterben müssen, weil seine Verbündeten es so wollen". Der Kampf gegen den Krieg in Rußland ist zugleich ein Kampf gegen die britische Oberherrschaft, gegen des perfiden Albions Joch, welches das nach Freiheit begehrende Russenvolk mit der Knute des Zarenregimes vertauscht hat.

Kennzeichnend für dies russische Freiheitsbestreben, welches der Abschüttelung der englischen Knute gilt, ist die Forderung des Arbeiter- und Sol­datenrates, wonach die Geheimverträge mit den Verbündeten veröffentlicht werden sollen. England, welches fürchtete, daß seine hinterhältige Tak- tik, die ebenso auf die Schwächung der Alliierten wre die der Gegner hinausging, früher oder später ans Tagesficht kommen würde, suchte sich zu Beginn des Krieges durch den Abschluß des Vertrages zu sichern, wonach seine Verbündeten nur gemeinsam mit ihm Frieden schließen dürfen. Da aber dieser Weltkrieg ge­nugsam gezeigt hat, welche geringe Haltbarkeit Ver­trägen zukommt, und da besonders England hier (man dercke nur an die Londoner Deklaration!) mit bösem Beispiel vorangegangen ist, so verlreß es. sich nicht auf Verträge, sondern suchte deren Einhaltung durch F a u st- p fand er zu sichern. Deshalb hat es sich von Calais bis Dünkirchen festgesetzt, um sich so ein Pfand für Frankreichs Kriegswillen zu ver­schaffen, der sichtlich im Sinken begriffen ist.

Was sich den Franzosen gegenüber als probat be­währt hat, soll nun auch die schwankenden Russen bei der Fahne halten. Schon vor einiger Zeit war berich- tet worden, daß die Engländer sich für ihre neuen Vor- schüfst an Rußland Pfandobjekte in Gestalt von Land- gebieten ausbedungen haben, und jetzt kommen Mel- düngen aus Stockholm, die es als Tatsache erscheinen lassen,, daß die Engländer den außerordentlich wichtigen Hafen A r ch a n g e I und A l e x a n d r o iv s k an der Murmanküste besetzt haben, während die Okkupafion wefierer russischer Gebietsteile bevorstehen soll. Ja, es schsint fast, als ob die lieben Alliierten in der Besorg- rfis. daß Ämen die Muffen durch die Lappen neten könn­

ten, eine Austeilung russischen Gebiets in größerem Maßstabe vorbereiten. Meldet doch die „Nowoje Wremja", daß 500 französische Artilleristen den Hafen Romanow an der Murmanküste besetzt haben. Wer­ter heißt es, daß die Nordamenkanische Union als Pfand für die den Russen zu gewährende Anleihe dre sibirische Eisenbahn beanspruche, und endlich war auch von einer Besitzergreifung Wladiwostoks und Chardins durch die Japaner berichtet worden, welch letztere Meldung freilich wieder dementiert wor­den ist. . , m .

Es hat somit in der Tat den Anschein, als ob Ruß­land, welches die ganze Kriegszeit hindurch zur Rolle des Ambos verurteilt war, jetzt auch im übertragenen Sinne des Wortes unter den Hammer kommen ^soll, wenn die Russen sich nicht beizeiten der „Freunde" .er­wehren, die nur ihr Bestes wollen, nämlich ihr Land, und wenn sie dabei nicht ivenigstens auf die Hilfe eines Bundesgenossen rechnen können. Dieser eine dürfte aller Voraussicht nach Japan sein, und man wird das Demenfi bezüglich der angeblichen Besetzung Wladiwostoks und Chardins in der Tat als bare Münze nehmen können. Gewiß ist Japan entschlossen, eme Expansionspolitik zu betreiben, aber seine Ziele liegen schwerlich im Westen, und seine Gegner sind ganz an­dere als die Russen. Das Mikado-Reich verfolgt seit langer Zeit plangemäß zwei Ziele, einmal die U m- k l a m m e r u n g Chinas, die es, im Besitz ^ Schan- tungs und der strategisch wichtigsten Plätze des äußeren und inneren Gelben Meeres sowie der Südmandschurei, in bezug auf Nordchina schon erreicht hat, und weiter die Herrschaft im Stillen Ozean.

In China sind heute seine gefährlichsten Konkur­renten England und die Nordamerikanische Union, und mit der letzteren muß Japan zugleich um die Herrschaft im Stillen Ozean ringen. Deshalb begrüßt es Japan, daß die brifische Flotte durch die deutsche festgehalten wird, und deshalb redet es der Union so freundlich zu, sich doch am europäischen Krieg? zu beteiligen, während es selbst sich auf einige spärliche Kreuzer und Torpedo- boote beschränkt, seine Landstreitkräfte aber vorsichtig zurückhält. Aus dem gleichen Grunde sind die großen Worte aus Washington über die Beteiligung an dem europäischen Kriege nicht allzu tragisch zu nehmen; denn je mehr dort die Erkenntnis der japanischen Ge­fahr wächst, desto eifriger wird man zwar rüsten, aber sicherlich in der Hauptsache als Heimarbeit. Und England, das für den japanischen Bundesgenossen, der ihm langsam aber sicher durch die Lappen geht, bei der Union Ersatz suchen wollte, dürste auch hier noch eine große Enttäuschung erleben. Eine viel­leicht nicht viel weniger große als bei Japan und Ruß­land, die schon jetzt aneinander Rückendeckung gegen die britische Machtpolitik zu suchen scheinen. Und hier öffnen sich neue weltpolitische Ausblicke. Wenn es auch ein falscher Glaube war, daß Deutschland scher Mexiko zu Japan gelangen könne, so könnte doch einmal der Weg über Rußland dahin führen, wenn die angel­sächsische Gefahr erst allgemein als solche er­kannt wird. Ist es auch Zukunftsmusik, so liegen doch mancherlei Gründe und Möglichkeiten vor. schon jetzt, noch während des Krieges, diese weltpolitische Neu­orientierung,-die für uns eine Orientierung nach Osten bedeutet, vorzuberei ten.

Oie neuerlichen inneren Unruhen.

Plünderungen und Brandschatzungen in zahlreichen Städten.

8. Stockholm, 2. Juni, (zb.) Die täglich müssen- hast aus den russischen Provinzen eintreffenden Nach- richten lassen die dort herrschenden Zustände mehr und mehr als Anzeichen des beginnenden Zerfalls Ruß­lands erscheinen. Die Bezirksharrptstadt Barnaul wurde von einer Verbrecherbande als Strafe für von der Bevölkerung ausgeübte Lynchjustiz angezündet. Der Brand zerstörte, laut „Nowoje Wremja", fast die ganze Stadt. Es fiel dem Feuer das Gebäude der Stadtverwaltung, das Verwaltungsgebäude der Eisen­bahn, das Elektrizitätswerk, die Gebäude der Militär-' Verwaltung, das Feuerwehrdepot, zwei Banken, das Wasserwerk, alle Gasthöfe, die Kontore und Speicher der Konsumgenossenschaften, die Schulen und das Seminar zum Opfer. Es gab zahlreiche Tote. Ver­schiedene Mitglieder der Stadtverwaltung und der Ge­richtsbehörden verbrannten. Die Stadt ist mit einem Schlag bettelarm geworden. In Rostow beteiligte sich die Miliz an den Brandstiftungen und Plünderun­gen einer Verbrecherbande. Die Stadtverwaltung ver­suchte, in aller Eile eine neue Miliz zu organisieren, welche in den Straßen b l u t i g e K ä m p t e mit den Verbrechern auskämpste, wobei ein Teil der neuen Milizkontingente gefangen genommen wurde. Die Hälfte der bedeutenden Handelsstadt wurde in einen Trümmerhaufen verwandelt. Im E r i v a n - G o u- vernement übten kurdische Banden Überfälle aus, welche ru Plünderungen und Brandschatzunnen

führten. Das gesamte Vieh wurde weggetrieben und der größte Teil der Bevölkerung niedergemetzelt. Das Militär ist gänzlich machtlos.

Der Aufruhr in Kronstadt.

Br. Rotterdam, 2. Juni. (Erg. Drahtbericht. zb.) Reuter meldet aus Petersburg: Der Arbester-

und Soldatenausschuß in Kronstadt übernahm die^ Ver­waltung der Festung und lehnte es ab, die vorläufrge Regierung anzuerkennen. Er schickte die Vertreter der Regierung fort. Der Kronstadter Ausschuß gab bekannt, daß Kronstadt künftig nur durch Vermitte­lung des Petersburger Arbeiter- und Soldatenrats mrt der Regierung in Petersburg in Verbindung treten würde. Die vorläufige Regierung in Petersburg ver­suchte, durch Vermittelung des Petersburger Arbeiter­und Soldatenrats mit den Kronstadter Rebellen zu verhandeln. Der Entschluß der Kronstadter, sich von der vorläufigen Regierung loszusagen, wurde mit 210 gegen 40 Sfimmen gefaßt.

Ernste Bauernunruhen in Petersburg.

ZV. T.-B. Kopenhagen, 2. Juni. (Drahtbericht.) Die „Berlingske Tidende" meldet aus Petersburg: Die „Birshe- wija Wjedomosti" meldet, daß in oec letzten Zeit in PeterKz bürg ernste Bauernunruhen vorgekommen seien.

Die Kriegsrnüdigkcit der Soldaten.

W. T.-B. Christiania, 2. Juni. Wie eine Londoner Sondevdepesche der Zeitung „Astonposten" meldet, äußerte Oberst I a k u b o w i t s ch inr russisthen Kriegsversorgunas- amt, alles sei zur Offensive bereit, nur das nötige Pflicht­gefühl der Soldaten fehle, die die Front verließen und die Hcranschastung der nötigen Borräte an Lebensmitteln und Munition hinderten.

Der russische Einfluß aus die Alliierten.

W. T.-B. Bern, 2. Juni. (Drahtbericht.) Die „Tinres" meldet aus Petersburg vom 27. Mai: In der Sitzung des Rates der Arbeiter- und Soldaten-Abge- ordneten berichtete der Verkehrsmini st er Tseretelli über die Besprechungen mit den Bot­schaftern der Alliierten. Diese hätten die Fra­gen, wie sich ihre Regierungen zu der neuen Politik der vorläufigen Regierung stellten, bestiedigend beant­wortet. Auf die Frage, ob ein Nachprüfen der bestehenden Verträge angängig sei, hätten diese er­widert, das hänge von der öffentlichen Meinung in den alliierten Ländern ab. Die Frage, ob die Regierung der Alliierten dagegen Bedenken hätten, daß die sozialistischen Minderheiten ihrer Länder mit den russi­schen ^Sozialisten in Fühlung treten, sei von ihnen aus­weichend beantwortet worden. Tseretelli sprach die An­sicht aus, daß die russischen Sozialisten bereits Bedeu­tendes in der Beeinflussung der Alliierten stifteten und erhebliche Erfolge in der auswärtigen Politik erzielten. — Der Berichterstatter der „Times" bemerkt, daß die Petersburger Testgraphen-Agentur die britische Presst mit Ausnahme ihrer radikalsten Organs planmäßig übergehe. __

Die Lage im Westen.

Kaiserliche Danktelegramme an Kronprinz Wilhelm und Kronprinz Rupprecht von Bayern.

W. T.-B'. Berlin, 2. Juni. (Drahtbericht.) Kaiser Wil­helm sandte an den Kronprinzen des Deutschen Reichs und an den Kronprinzen von Bayern' folgende Depeschen:

Seiner Kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen des Deut­schen Reichs! Auf meiner Frontreise konnte ich nur A b - ordnungen der Armeen sprechen, die unter Deiner Füh­rung in den letzten beiden Monaten den großen Durch» bruch-sversuch der Fronzofen an der Aisne und in der Champagne zum Scheitern brachten. Ich be­auftrage Dich, allen Führern und Truppen, die in den schwe­ren Wochen ihr ganzes Wollen und Können, ihr Mut nnö ihr Leben einsetzten und an deren stahlhartem Willen des Gegners Ansturm zerschellte, meinen und des Vaterlands Dank zu übermitteln. Die deutsche Heimat ist stolz auf ihre tapferen Söhne und voll Vertrauen, daß neue Kämpfe auch neue Siege bringen werden. Das walte Gott! Gez. Wilhelm.

Seiner Königlichen Hoheit dem Kronprinzen von Bayern! Auf den Schlachtfeldern von A r r a s haben die unter Deiner Führung fechtenden Truppen aus allen deutschen Gauen in den schweren Kämpfen der letzten beiden Monate Englands kriegerische Absichten an dieser Stelle zum Scheitern ge­bracht. Stcchlharter Wille und feste Siegeszuversicht sprach auS den Augen derer, die ich während meiner Reise sah. Das gleiche Gefühl beseelt die ganze Armee. Mit mir dankt das deutsche Vaterland seinen tapferen Söhnen für ihre opfer­freudige Hingabe an unsere große deutsche Sache. Überbrinae allen Führern und Truppen diesen Dank, der gepaart ist mit dem Vertrauen, daß wir mit Gottes Hilfe' auch noch weitere Kämpfe siegreich bestehen werden. Gez. Wilhelm.