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Zamstag» 2. Iuni 1917.
klbend-klusgabe.
Nr. 277. . 65. Jahrgang.
Oie gescheiterte feindliche Generaloffensive.
Drahtungen ttaifer Wilhelms.
W.TrR. Berlin, 1. Juni. (Amtlich.) Sein« Majestät der Kaiser hat folgende Drahtungen aügesandt:
An den Kaiser von Österreich, Apchtolischer König von Ungarn, Majestät.
In. zähem Ringen, bereit zu Eien Kämpfen, hat Deine I s o.n z o - A r m e e dem mächtigen hartnäckigen Ansturm des w-ecksehen Feindes getrotzt und chn zum Schei- 'tetn geb-rach t.
Dich und die tapferen Truppen Deiner Lander beglückwünsche ich zu dem großen Erfolg.
Gott wiüd weiter mit uns sein. Wilhelm.
Ihrer Majestät der Kaiserin, Schloß Homburg v. d. H.
SWf Meldung des Feldmarschalls v. H i n d e n b u r g ist nunmehr die große englisch - französische Frühjahrs offensive zu einem gewissen Abschluß gekommen. Seit vorigem Spätherbst vorbereitet und vom Winter her anqesagt, ist der von gewaltigen Mengen an Artillerie und technischen Hilfsmitteln aller Art unterstützte Ansturm der englisch-französischen Heere nach siebenwöchigem harten Ringen ge sä eitert!
Gottes Hilfe verlieh unseren unvergleichlichen Truppen die übermenschlichen Kräfte, um die herrlichen Taten auszuführen und die gewaltigsten Kämpfe erfolgreich zu bestehen, die je die Kriegsgeschichte gesehen hat! Alle H-elben! Ihre Leistungen gebieten Ehrfurcht und heiße Dankbarkeit zugleich, die ihnen jeder Deutsche zu zellen verpflichtet ist.
Dem Herrn sei Lob und Preis für seinen Beistand und Dank für solch ein herrliches Volk in Waffen!
_ Wilhelm.
Oer Tauchbootkrieg.
21 000 Tonnen!
W. T.-B. Berlin, 2. Juni. (Drahtbericht. Amtlich.) Neue N-Bovtserfolge in der Nordsee und im Atlantischen O ze an: 21000 Brnttoregistertonnen.
Unter den versenkten Schiffe« befanden sich u. a.: 2 englische Dampfer, die beide unter starker Sicherung fuhren und von denen einer Ladung für Rußland an Bord hatte.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Weitere Versenkungen.
W. T.-B. Kopenhagen, 1. Juni. Das Ministerium des Äußern teilt mit: Der dänffche Dreimastschoner „Thyra", aus der Fahrt von Haiti nach Frankreich, ist in der Nordsee versenkt werden.
W. T.-B. Bern, 1. Juni. Die Lyoner Blätter melden aus Bilbao, die Besatzung des am 28. Mai versenkten norwegischen Dampfers „Hiram" sei in Dilbao gelandet. Der D amp fer war mit einer Ladung Eisenerz von Portugal nach Frankreich unterwegs.
Die französischen Schiffs Verluste.
Berlin, 2. Juni, (zb.) Laut Mitteilungen verschredener Blätter si^>,in Marseille seit dem 1. Mai bis 25. Mai die Verluste von 7 7 franz-ö-sischen Schiffen gemeldet worden.
Die versenkten und anfgebrachten schwedischen Schiffe.
W.X-B. Berlin, 1. Juni. Über die kürzliche Versenkung einiger scktzvedrscher Schiffe im Bottnischen M e e r b usen und die Aufbringung der schwedischen Dampfer „Goeüfl, „Maria" und „Lizzie" liegen bisher nachstehende vrrläußge Nachrichten vor: Die Namen der verseiften Schiffe und ihre Ladungen lind: die Dampfer
„Paulins" (186 Br.-R.-T.) mit Zement und Draht, „Aexte Cyros" (221 Br.-R.-T.) mit Hufeisen, Petroleum und Maschinen, „Erik" (758 Br.-R.-T.) mit Eisen und Stcchlschrenen usw., „Therese" (208 Br.-R.-T.) mit Maschinen uud Roheisen, „K j e l l" (IM Br.-R.-T.) mit Maschinenteilen, Eisenrohren uud Steinen, und der Segler ^Olga" (57 Netto-R.-T.) mit Maschinenstahl. Die vorgenannten Schiffe wurden versenkt, da über die Hälfte ihrer Ladung aus B aw-n-w ar.e bestand. Nach Swinemünde bezw. .Stettin sind aufgebracht die drei Drmpfer „Goeia". „Mart-a" und „Lizzwe". Ihre Ladung wird zurzeit untersucht. Die genauen Gewichtsmengen sind' noch nicht festgcstellt, der größte Teil ihrer Ladung ist aber B a n i> - war«. Die Kapitäne der versenkten Schiffe wurden nach Stettin verbracht. Sie haben beim schwedischen Konsul Protest eingelegt. Sie behaupten, sie hätten nur Stückgut an DmL gchabt. Mve-Dampser hatten nicht versenkt werden dürfen.
Gesunkene amerikanische Segler.
W. T.-B. Rotterdam, 1. Juni. „Maasbode" meldet, daß die Segler „L a n f a i t" (346 Netto-R.-T.) aus New Aork und „St. Catherine" aus San Francisco (1090 Netto- R.-T.) gesunken sind._
Ribot gegen die Stockholmer NonferenZä
W. T.-B. Paris, 1. Juni. Die heutige Kammerfitzuug war der Besprechung der Interpellation Lekxnl- Maignant über die von den Sozialisten zur Reise nach Stockholm geforderten Pässe gewidmet. Die Tribünen waren überfüllt, im Saale herrschte lebhafte Bewegung. Ministerpräsident Ribot hielt eine Rede. Dann trat die Kammer zu einer geheimen Sitzung zusammen.
W. T.-B. Paris, 2. Juni. (Drahtbericht. Havas.) In seiner Rede erinnerte Ministerpräsident Ribot daran, daß seit einiger Zeit von dem Plane einer zwischenstaatlichen Zusammenkunft die Rede sei. Die Sozialisten aller Länder, Deutsche imd Österreicher miteingeschlossen, sollten zusammentreten. Dieser Plan, fuhr Ribot fort, ist nicht in Frankreich entstanden., Er hat schon das Ergebnis gehabt, die öffentliche Meinung zu verwirren und die sozialistische Partei selbst zu spalten. Der erste Übelstand einer solchen Zusammenkunft ist es, daß sie die Vermutung aus- ’ kommen lassen könnte, eine Partei könnte Anspruch haben, sich an die Stelle der Regierung zu setzen. Der Friede von morgen kann nicht das Werk einer Partei sein, möge es sein, welche cs wolle. Wenn die Sozialisten zusammenkämen, um die Kriegsziele zu prüfen, so würden morgen die Katholiken dasselbe Recht haben. Der Frieden kann nur ein französischer Frieden sein. Er wird die Hoffnungen des ganzen Landes kurz zusammenfassen müssen. Wer kann das Land vertreten? Die Regierung ist es, die mit den Kammern zusammenarbeitet und die die Kammern, wenn der Augenblick gekommen sein wird, darum ersuchen wird, sie mit Raffchlägen ditrch Vermittelung ihrer Ausschüsse, denen sie alles Material zustellen wird, unterstützen. So werden wir handeln müssen. "Ich bin sicher, daß das die Meinung des ganzen Landes ist. Kann man sich in dieser Stunde mit jenen, die unsere Feinde sind, besprechen, jetzt, wo noch ein Teil des Landes durch den Feind besetzt ist, kann man da mit ihnen Besprechungen abhalten? Ich weiß, daß, wenn ein derartiger Plan Wirklichkeft würde, er in der öffentlichen Meinung Verwirrung , Hervorrufen würde. In dieser Stunde ist es erforderlich, daß man im Endabschnitt auch alle Energie sammelt. Wenn man das Land glauben machen würde, daß der Friede aus derartigen Zusammenkünften hervorgehen kann, welches Ergebnis hätte dies? Nein, der Friede kann nur aus dem Sieze hervorgehen.
Diese Versicherung entfesselte, wie die Agence Havas meldete, auf allen Bänken, außer aus einem Teil der äußersten Linken, außerordentliche Begeisterung. Die Abgeordneten erhoben sich und brachten dem Redner eine Huldigung dar. Ribot fuhr fort:
Was würde man auf der anderen Seite des Ozeans denken? In dieser Republik der Vereinig- ten Staaten, wo man sich vorbereitet, uns so wertvolle Hilfe zu bringen. Nein, meine Herren, die Regierung kann sich nicht einen derarttgen Präzedenzfall schassen lassen. Sie dvrf nicht die Verantwortung dafür über- nehmen, die Reise nach Stockholm zu. genehmigen und zu erleichtern. Sie kann dabei keinen Zweifel haben an dem Patriotismus unserer Kollegen. Ribot wies dabei auf die Sozialisten.
Ribot brachte sodann den Gefühlen seine Huldigung dar, welche den russischen Verbündeien für Frankreich beseelen. Dieter wird, , fuhr Ribot fort, sicherlich die Gründe begreifen, die in der gegenwärtigen Stunde gewisse Unterhaltungen nicht gestatten. Die französische Regierung hatte bereits Gelegenheit, ihrem Mitgefühl und der Bewunderung für die mutigen Männer Ausdruck zu geben, tvelche die russische Regierung in die Hand genommen haben. Und sie hat nichts vernachlässigt, um die russische Regierung, zu der sie die französischen Minister entsandte, wirksame Unterstützung angedeihen zu lassen. Wir werden weiterhin die engsten Beziehungen zu der russischen Regierung unterhalten. Wir entsandten bereits nach Petersburg (zu den Sozialfften) drei Ihrer Mitglieder. Wir werden noch Pässe zur Reise nach Petersburg ausstellen, wenn die Zusammenkunft, ttt Stockholm von der Bildflöche verschwunden sein wird. (Lebhafter Widerspruch und ironische Ausrufe auf, der äußersten Linken.) Ich sagte, die Regierung würde Pässe nach Petersburg ausstellen, wenn die Franzosen bei der Reise durch Stockholm nicht die Gefahr laufen würden, wider Willen mit den Agenten der Feinde zu- sammenzutreffen. Wir wollen nicht die öffentliche Meinung durch diese verfrühten Friedens
gerüchte in Verwirrung bringen lassen. Wir wissen, woher diese stammen. Der Feldzug wurde mit ttecher Kühnheit begonnen. Sagte man nicht, daß mit Rutz- landein Angriffsbündnis und nicht ein Der- teidigungsbündnis besteht? Daß der Präsident der Republik selbst es aufgesetzt hat? Das ist eine N'eder- trächtigkeit. Damit sich niemand Täuschungen hmgrbt, habe ich die Absicht, mit der Zusttmmung der Regierung alle Dokumente, ohne Ausnahme, zu veröffentlichen. Ribot legte weiter dar, daß der abscheuliche Feldzug die Streiks auszubeuten versuche, welche chr Entstehn nur den Schwierigkeiten des Lebens verdankten.. Die Regierung, schloß Ribot, ist überzeugt, daß die öffentliche Meinung sich nicht verwirren lassen, wird. Dre Kammern und das Land werden ihre Pflicht nicht vernachlässigen. — Die Rede wurde außer non einem Teil der äußersten Linken mit langanhaltendem Beifall auf- genommen. ^
Die französischen Vertreter in Stockholm.
Nr. Genf, 2. Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die ftcm- züsischen Sozialisten werden in Stockholm durch 3 0 Delegierte vertreten sein, die je zur Hälfte der Mchrheit und der Minderheit cmgehören. In der Kammer dauern die Bestrebungen der bürgerlichen Abgeordneten, die Regierung zur Verweigerung der Pässe nach Stockholm zu bewegen, unablässig an. Inzwischen kam die Londoner Nachricht, 'daß dre englische Regierung beschlossen habe, den sechs englischen Delegierten nach Stockholm die Pässe auszuhändigen. Die französische Regierung wird infolgedessen ihren eigenen Sozialisten unmöglich Schwierigkeiten in den Weg legen können. Bon viel größerer Bedeutung als die Kammerverhandlung selbst ist die Entwicklung, die sich innerhalb gewisser bürger- licher Kammergruppen zu zeigen beginnt. Aus der Mitteilung der „Humanste" und einer Reihe bürgerlicher Blätter geht unleugbar hervor, daß viele bürgerliche Abgeordnete, namentlich die redubttkanische Linke und die sog. nationale Fraktion, im Gegensatz zu dem Anti-Stockhokm- Block für die Reise 'der Sozialisten nach Stockholm «intreteq.
Die englischen Sozialisten erhalten Pässe nach Stockholm.
IV. T.-B. Bern, 1. Juni. „Humanite" meldet aus London, die englisch« Regierung habe beschlossen, den Mitgliedern der Arbeiterpartei und der unabhängigen Labour Party Pässe nach Stockholm auszustellen.
Die Vorschläge der ungarischen Sozialdemokrat«.
W. T.-B. Stockholm, 1. Juni. (Meldung des Schwedischen Telegc rmm-Bureaus.) Der holländisch-skandinavische Ausschuß verhandelte am 29. uno 30. Mar m,t den Vertretern der ungarischen Sozialdemokratie, Bokrayi, Buchii.ger, Garami, Kurfi, Heltner, und dem ungarischen Gcwerkschoftssekretär Jaszai. Die ungarländische Sozial- demokvatte tritt für einen sofortigen F rred-enS- s ch l u ß aus der allgemeinen Grundlage: „Keine Annexionen, keine K.icgSentschädigung", ein und fordert die vollständige politische Wiederherstellung aller besetzten Staaten Die wirtschaftliche Wiederherstellung aller zerstörten Gebiete ist Aufgabe derjenigen Staate r, in deren Verbände die zerstörten Gebiete bleiben, doch mit zwei Ausnahmen: 1. Belgien, dessen vollständige Wiederherstellung in der Erklärung vom 4. August 1914 von der deutschen Regierung zugesagt ist. Die ungarische Abordnung hälr die auf die Wiederherstellung Belgiens durch Deutschland bezüglichen Erklärungen des deutschen Reichskanzlers grundsätzlich auch heute noch für richtig, sollte aber ihre Durchführung kriegsverlängernd wirken, so sollen die Lasten der Wiederherstellung Belgiens von allen kriegführenden Grotzstaoten im Verhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Kraft getrogen werden. 2. Serbien. Da Serbien zu klein und zu schwach zu seinem selbständigen eigenen Wiederaufbau ist, so soll es gleichfalls die g e m e i n s a m e Hilfe aller krieg- führenden Großstaaten erhallen. Die Abordnung fordert außerdem für Serbien einen freien gesicherten Zugang zum Meere und von Österreich-Ungarn eine Handelspolitik, die gute Beziebvngen zwischen den beiden Ländern ermöglicht. Über Elsaß-Lothringen wünscht die Abordnung eine Vereinbarung zwischen der deutschen und französischen So?ialdemckratie. Sie sieht darin eine Bürgschaft für einen dauernden BMerfrieden. Denselben Weg sollten nach ihrem Dasürhollen die serbischen und bulgarischen Sozialdenuckcaten wegeu Mazedonien einschlagen.
Was Polen anbetrifft, so ist die Abordnung grundsätzlich für die Wiedervereinigung aller polnischen Gebiete zu einem unabhängigen Staate und sondert zum mindesten die Selbständigkeit des Kongretzpolens und die nationale Freiheit und die Sicherung der Entwicklungsmög- licbketten für die in anderen Staatsverbänden bleibenden polnischen Gebiete. Di« nationalen Fragen tit Österreich-Ungarn sollen durch weitgehende demo- krattsche Reformen und nationale Selbständigkett innerhalb des hwttgen Staatsverbandes gelöst werden. Der Grundsatz „ohne Annexionen" bedeutet auch die Rückgabe der besetzten Kolonien. Der künftige Friede solle auf einer überstaatlichen Rechtsordnung und der Abrüstung zu Wasser und zu Lande ausgebaut werden. Zur Sicherung der Freiheit der Meere solle eine Seepolrzei und eine Entnatio- > nalisierung der Meerengen und-der WellveckMÄuege drensu.
