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Samstag» 2. Iuni 1917.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 276. . 65. Jahrgang.

Dir gescheiterte Seneraloffenstve.

Obwohl die Kämpfe auf allen Fronten noch an­dauern und weiter geführt werden, ist doch überall ein gewisser Abschluß erreicht, so daß stch das bisherige Er» gebnis schon mit einiger Sicherheit übersehen und sest- stellen läßt. Es läßt sich dahin zusaminenfassen, daß die Generaloffensive der Entente gänzlich gescheitert und zusammengebrochen. ist. Dies bezieht sich sowohl vuf die allgemeinen Grundlagen - und Operationsziele wie auf die Durchführung an den einzelnen Fronten

Was hatte die Entente beabsichtigt? Einen einheit­lichen gemeinschaftlichen, gleichzeitigen Angriff mit ver­sammelten Kräften auf allen Hauvtfronten. Nur durch die Konzentrierung der vorhandenen Streitkräfte schien ein Erfolg möglich, durch den zunächst die Mittelmächte aus den besetzten Gebieten ^Vertrieben und schließlich niedergeworfen werden soll­ten. Wie ist dieser Plan zur Ausführung gelangt? Auch heute konnte der Angriff in dem beabsichtigten Umfange nicht ausgeführt werden, denn Rußland hat sich infolge der dort ausgebrochenen Revolution am Kampfe überhaupt nicht beteiligt und kommt trotz aller Bemühungen der russischen Regierung und Heerführung für die nächste Zeit als offensiver Machtfaktor nicht mehr in Betracht. Mit dem Ausfall der russischen Dampfwalze ist aber eine der Grundlagen der Gene­raloffensive ausgefallen. Aber auch die übrigen Bun­desgenossen sind erst allmählich hintereinander auf dem Kampfplätze erschienen, es bedurfte mehrere Wochen, ehe sich tatsächlich ein allgemeiner Angriff entwickelte, und als Italien als letzter die Offensive ergriff, waren die großen französisch-englischen Durchbruchs- Versuche bereits gescheitert. Der Stasfelgngrifß wie er sich tatsächlich entwickelt hat, hat die Verteidigung wesentlich begünstigt. In ihm ist neben dem Ausfall des russischen Bundesgenossen eine der Hauptursachen der feindlichen Niederlagen zu erblicken.

Aus der Westfront haben die französisch-engli­schen Angriffe nur zu örtlichen Erfolgen geführt. Der beabsichtigte Durchbruch und die Aufrollung der deut­schen Stellungen ist nicht erreicht. Dabei hat die Offen­sive der Weltmächte ihren Höhepunkt bereits überschritten, die Energie der Kriegführung läßt nach, die ungeheure Größe der Verluste niacht sich immer mehr' bemerkbar, es treten Anzeichen der Kriegsermüdung auf und öas, was die Gegner im ersten Ansturm durch ihre Überlegenheit und Über­raschung erzielten, fängt an abzubröckeln. Die charak­teristischen Merkmale, die diese Auffassung der Lage be­gründen, bestehen in dem Ausbleiben allgemeiner (großer Angriffe, auf bkeiter Grundlage unter einheit­licher Führung, Auflösung der Gefechtstätigkeit in ein­zelne Teilangriffe, die auf örtlich beschränktem Raume und ohne engere Zusaminenhanq miteinander statt- ffnden. Auch diese Vorstöße scheitern, die Verluste nehmen immer mehr zu, auf der Gegenseite hat die deutsche Führung die Vorhand an sich gerissen, und igeht zu Gegenangriffen vor, die erfolgreich verlaufen. -Unter verhältnismäßig geringen eigenen Verlusten wer­den dem Gegner auf den verschiedenen Abschnitten Teile feiner Stellung entrissen, ihm schwerer Schaden zuge­fügt und die eigenen Linien wesentlich verbessert, wo­durch die Widerstandskraft des Verteidigers bedeutend zunimmt. Die allgemeine Lage zeigt, daß der eng- lisch-französische Durchbruchsversuch zu- ffammengebrochen und gescheitert ist. Der Kampf hat einen stehenden Charakter angenoininen, bei dem !die Überlegenheit offenkundig auf seiten der Deut­schen ist.

An der italienischen Front hat die Offen­sive der Italiener ebenfalls keinen entscheidenden Er­folg gehabt. Trotz aller Anstrengungen errangen sie nur zwei örtliche Gewinns: den Kukbera und die Höhen bei Jamiano, alle werteren Angriffe wurden blutig abgeschlagen. Auch der Wechsel der Operations­richtung und der Operationszrele »»blieb ergebnislos. Weder in der Richtung auf Triest noch auf Laibach wurden Forffchritte gemacht. Die österreichisch-ungari­schen Truppen haben ihre Hauptstellungen rest­los behauptet. Dabei hat der feindliche Angriff ebenfalls seinen Höhepunkt überschritten, auch die am letzten Tage stattgefundene Vereinigung aller Kräfte auf der Karsthochfläche hat trotz der dadurch hervorge­rufenen Steigerung des Kampfes, die -alles bisher Da- gewefene übertraf, kernen Erfolg gehabt. Ähnlich wie auf der Westfront, zersplittert sich jetzt die Kampfhand­lung in Einzelgefechte, ein deutlicher Beweis für das Nachlassen der Angriffskraft. Die Verluste des Feindes waren außerordentlich schwer, der Kampf konnte überhaupt nur dadurch so lange fortgeführt werden, daß die Truppen vorderster Linie ständig ab- gÄöst und durch frische Verbände ersetzt wurden. Da­mit ist aber der größte Teil des gesamten italienischen Heeres in die Kämpfe verwickelt und abgenutzt worden.

wodurch die ganze fernere Widerstandskraft empftnd- lichen Schaden erlitten hat.

Die Offensive an der mazedonischen Front ist unter schwersten Verlusten gänzlich zusammenge­brochen, die Kampftätigkeit hat nachgelaffen, der nojff anhaltende Geschützkampf ist nicht als Vorbereitung für weitere Angriffe zu betrachten, sondern lediglich als Täuschungsmittel, um das Scheitern der Offensive zu verschleiern. So ist die Generalosfensive der Entente sowohl in ihrer Anlage und Durchführung im großen wie im Verlaufe der Kämpfe auf den einzelnen Fronten gänzlich gescheitert. Die verbündeten Mittelmächte haben alle Angriffe abgewiesen und ihre Stellungen behauptet. Wenn damit auch noch _ nicht das ganze Ende der feindlichen Offensive bezeichnet wird, so kann doch der weiteren Entwicklung mit Ruhe entgegengesehen werden.

*

W.T.-B. Christiania, 31. Mai. Der mililärffche Mit­arbeiter des „Morgenbl cdet", Nörregard, schreibt: Selbst

wenn sie große FrühjohrScfsimsive der Alliierten nicht end­gültig beendet ist, so zeigt ihr Verlauf doch, daß sie nicht fortschreitet, was vor allem auf dem vollständigen Fehl- schlag der hauvtiächlichsten Voraussetzung des Kriegsplanes der Entente beruht, nämlich der gleichzeitigen Offen- sive an der Ostfront.

Englische Vorstöße wieder abgewiesen.

Zunehmende Feuertätigkeit an der Ostfront.

Der Tagesbericht vom 1. Juni.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 1. Juni. (Amtlich.)'

. Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Im Dünengelände an der Küste, im Apern-Bogen und vornehmlich im Wytschaete-Abschnitt nahm gestern abend der Artilleriekampf große Heftigkeit an.

Mit zusammengefaßter Feuerwirkung bereitet der Feind an mehreren Stellen starke Erkun­dungsvorstöße vor, die überall im N a h k a m p f zu­rückgeschlagen wurden.

Auch vom La Basi^e-Kanal bis auf das Südufer der Scarpe erreichte die Feuertätigkeit wieder große Stärke. Hier brachen die Engländer zu Erkundungen bei Hulluch, Cherisy und Fontaine vor; sie wurde» ab­gewiesen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

An der Aisne-Front und in der Champagne ist dir Gefechtslage unverändert.

Gestern morgen fielen bei einem Unternehmen am Hochberg südöstlich von Nauroy 60 Franzosen in unsere Hand.

Heeresgruppe Herzog Albrxcht.

Nichts Besonderes. *

Östlicher Kriegsschauplatz.

Bei Smorgon, Baranowitschi, Brodb und an der Bahn Zloczow-Tarnopol überschritt die Feuertätigkeit das bis vor kurzem übliche llstuß.

Mazedonische Front.

Bulgarische Vorposten brachten durch Feuer feind­liche Vorstöße auf dem rechten Wardar-Ufer und süd­westlich des Doiransees zum Scheitern.

Gestern verloren die Gegner 4 Flugzeuge und 3 Fesselballons durch Luftangriff unserer Flieger.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.

*

Der Abendbericht vom 1. Iuni.

W. T.-B. Berlin, 1. Juni, abends. (Amtlich. Drahtbericht.) Lebhafter Feucrkampf im Whtschaete- Bogen. An der Artois-Front und nordöstlich von S o i s s o n s für uns erfolgreiche Borfeld­gefechte.

Im Osten nichts Besonderes.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 1. Juni. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 1. Juni, mittags:

Östlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Bei Vodice wurden gestern früh vüeder hefftge italienische Angriffs abgewiesen. Sonst am Jsonzo nur Geschützkamps: stellenweise auch in

Kärnten und an der Tiroler Front.

Der Chef des Generalstabs.

Eine neue feindliche Groß-Offensive?

(Drahtbericht unseres ^.-Sonderberichterstatters.)

II. Rotterdam, 1. Juni, (zb.) An zuständiger deut­scher militärischer Stelle wurde dem Berliner Bericht­erstatter des „Nieuwen Rotterd. Courant" erklärt: Deutschland und seine Verbündeten erwarten, daß schon in allernächster Zeit eine große Offensive der Entente­armeen auf allen Fronten einsetzen wird. Die englische Heeresleitung hrt, wie bestimmt angenommen werden kann, für dieses Unternehmen nicht nur Frankreich, sondern auch die in Rußland maß­gebenden Männer gewinnen können. Die e n g.l i s ch e Regierung hat Eile, eine Enffcheidung zu er- zielen, weil sie durch die infolge des U - Boots­kriegs täglich wachsenden Ernährungsschwierigkeiten ihre führende Stellung im Vierverband gefährdet. Nach der herrschenden Ansicht bei den Regierungen der En­tentestaaten muß auch die gegewvarrige La ge, in Rußland, die noch einige Aussichten für die Krieg­führung bietet, ausgenutzt werden, ehe neue Um­wälzungen das Heer völlig desorganisieren.

Locazes Stellung erschüttert.

Br. Basel, 1. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) ,Dre „Basler Nachrichten" melden aus Paris: Die radikale Presse fordert die sofortige Enthebung des französischen Marinsministers Lacaze. Die unbestritten gebliebenen Angaben in der Kammer über die Ver­senkung zweier Torpedoboote im Hafen von Calais ruft nachhaltige Erregung der Presse und der Deputierten hervor. ° .

Die Ausdehnung der Streiks in Frankreich.

(Drahtbericht unseres Xr.-SonderberichterftatterS.)

Kr. Genf, 1. Juni, (zb.) Über den Streik in Paris treffen weitere aufregende Nachrichten hier ein. Gestern mittag waren die Mitglieder von mehr als 40 Korporationen im Ausstand begriffen. Am Abend schlossen sich ihnen die Angestellten der Kon­serven-, Zichorien-, Häute- und Leder-Industrie, sowie die Arbeiter der Gießereien an. Auch in den Auto- mobilwerkstätten von Renault u. Hanriot ruht die Ar­beit. Gärung unter den Streikenden und Z u - sammenstöße mit der Polizei nehmen unablässig zu. Unter den Verhafteten sollen sich viele Ausländer befinden. In Lyon zählt man bisher 1500 Strei­kende. Alle Banken sind geschlossen.

Ein Vertrauensvotum für die französische Regierung.

IV. T.-B. Paris, 1. Juni. (Drahtbericht.) Die Kammer beendete die Beratung der Interpellationen, betreffend die Lebensmittelversorgung. Sie verwarf eine von der Regierung nicht angenommene einfache Tagesordnung mit 335 gegen 165 Stinrmen und nahm darauf folgende von der Regierung gebilligte Tagesordnung durch Handaufheben cm: „Die Kammer geht zur Tagesordnung im Vertrauen zur Regierung über, daß sie die Einheit, Zusammenarbeit und die praktische Organisation der verschiedenen Zwerge der Ernährung, namentlich durch Hinzuziehung fachmännischer Sachverständiger, sichert und dem Ernährungsmirrister all» geweii: die Vollmacht und den Einfluß verschafft, die für seine Amtsführung nötig sind."

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Die Stockholmer Sozialisten-ttonferenz.

Zur Beteiligung der englischen Sozialifteu an der Stockholmer Konferenz.

W T.-B. London, 31. Mai. Das Reutersche Bureau meldet: Die englische Regierung ist ernstlich bestrebt, sich mit der von der russischen Regierung und dem russischen Volk ausgedrückten Ansicht in Einklang zu bringen, daß sie Ge­legenheit haben sollen, aus erster Quelle die Ansichten aller Teile der englischen Öffentlichkeit kennen zu lernen. Die englische Regierung erleichtert infolgedessen die Reise gewisser Vertreter .der verschiedenen politischen Meinungen Englands nach Rußland. Darunter sind Vertreter einiger Parteien mit einer sehr geringen Gefolgschaft in England. die keineswegs allzu sehr begeistert waren für eine kräftige Fortführung des Kriegs. Die englische Regierung hat nichts zu verbergen. Sie und das eirglische Volk sind fest über­zeugt. daß sie in diesem Krieg m Verteidigung der Rechte der kleinen Nationen eingetreten sind. Der brutale Krieg wurde den Alliierten ausgezwungen, als sie sich als ftiedliche Natio­nen bei der Verfolgung nur friedlicher Ziele im Zustand völli­ger Unvrrbereitheit befanden. Jetzt sind sie in einer sehr ver­schiedenen Lage und können nicht Deutschland a«s den Gewinnen Nutzen ziehen lassen, hie es ihnen bedenkensrei rn Mißachtung aller Rechte zur Zeit ihrer Unvorbereitetheit ent­riß. Wenn Seiner Majestät Regierung daher eine sehr ein­gehende Untersuchung wünscht und. nichts zu der» heimlichen hat, erlaubt sie allen Teilen der Öffentlichkeit gern, ihre Ansichten zur Geltung zu bringen. Die englischen Abgeordneten, einschließlich der Herren C. B. Roberts Ram sah, MaeDo na ld und I o.a,eth werden rmr uoK