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Verlag Langgaffe 21

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Zrettag, l. Irrni 1917.

Kbend-klusgabe.

Nr. 273. . 65. Jahrgang.

Ereignisse zur See.

Wieder eine Reihe feindlicher Dampfer mit wertvollen Ladungen versenkt.

Ein Flugzeugangriff auf den Hafen von Salina im Schwarzen Meer.

W. T.-B. Berlin, 1. Juni. (Amtlich. Drahtbericht.) Die Tätigkeit der U-Boote auf den nördlichen Kriegs­schauplätzen hat zur Vernichtung einer Reihe von feind­lichen Dampfern mit besonders wertvollen Ladungen geführt. Unter den versenkten Schiffen befanden sich ». a. der bewaffnete englische Dampfer. „Lewisham" (2810 Tonnen) mit 4000 Tonnen Weizen aus Amerika nach England, irnd der bewaffnete englische Dampfer „Penhaü" (3712 Tonnen) mit über 5000 Tonnen Zucker, von Kuba nach England, der be- wasfnete englische Dampfer „Llamdrindod" (3841 Tonnen) mit 5600 Tonnen Mais, von Indien nach England, für Rechnung der englischen Regierung, der englische Dampfer „Jersey City" (4670 Tonnen) mit 7346 Tonnen Weizen, von Amerika nach England, der japanische Dampfer „Tansan Maru" (2443 Tonnen) mit gemischter Ladung.

Bo» de» englischen Dampfern wurden drei Kapitäne und zwei Geschützführer als Gefan­gene eingebracht. Außerdem wurde die englische U-Bootsfalle „Q 25" in Gestalt eines früheren, unter dem Namen „Lady Batricica" fahrenden engli­schen Frachtdampscrs von 1250 Tonnen versenkt und der Kommandant und zwei Ingenieure zu Gefangenen gemacht.

Am 31. Mai belegte ein Geschwader deutscher Marineflugzeuge, darunter eines mit bulgari­scher Besatzung, den Hasen von Salina am Schwarzen Meer mit gutem Erfolg mit Bomben. Trotz starker Gegenwirkung kehrten alle Flugzeuge un­beschädigt zurück.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

*

Ei» neuer Termin für freie Durchfahrt neutraler Schiffe durch das Sperrgebiet.

W. T.-B. Berlin, 31. Mai. (Amtlich.) Nachdem sich her- ausgestellt hat, daß die englische Regierung beim Erlaß der deutschen Seesperre alle in England liegenden neu­tralen Schiffe fest gehalten hat, so daß diese Schiffe die ihnen von der deutschen Regierung festgesetzte Auslauffrist nicht benutzen konnten, hat die deutsche Regitzrung, dem Wunsche der Neutralen folgend, einen neuen Termin zum Auslaufen der neutralen Schiffe festgesetzt. Auch an diesem neuen Termin, dem 1. Mai, hat die englische Regierung vielen neutralen Schiffen das Auslaufen aus englischen Hafen unmöglich gemacht. Die Folge wareii grotze Ver- sorgungsschwierigkelten in einzelnen neutralen Ländern. Da die deutsche Seesperre sich nur gegen den Feind und seinen gesamten Handel richteii will und weil die deuffche Seekriegsleitung danach strebt, ihre Ziele, die auf Niederringuug des Feindes gerichtet sind, zu erreichen, mög­lichst ohne die Neuralen in Mitleidenschaft zu ziehen, die diese Ziele nicht mutwillig zu durchkreuzen suchen, so hat die deuffche Seekriegsleitung sich trotz ernster militärischer Be­denken abermals dazu entschlossen, dem Wunsch der durch englische Willkür in Sorge geratenen Neutralen entgegenzu­kommen. Sie hat deshalb Befehl gegeben, daß allen neutralen in England liegenden Schiffen am 1. Juli freie Durch- f a b r t durch das Sperrgebiet um England gewährt wird, falls die Schiffe bestimmte Abzeichen führen und bestimmte Wege einhalten.

Eine an die- schwedischen Reedereien gerichtete Warnung.

W. T.-B. Berlin, 31. Mai. Nach einer Stockholmer Meldung vom 20. Mai, die bereits den Weg durch die deutsche Presse genommen hat, sollen nach der erfolgten Veffenkung von sechs und der Ausbringung von drei schwedischen, nach Finnland bestimmten Frachtdampfern die Stockholmer Reedereien den weiteren Frachtverkehr nach Finnland bis auf weiteres eingestellt hcchen. Ob die Meldung auf Richtigkeit beruht, mag einstweilen dahin­gestellt bleiben, zutreffendenfalls wäre es jedenfalls nicht ausgeschlossen. daß ein Teil der schwedischen Presse den Vor­fall wiederum zum Anlaß nehmen könnte, Verdächtigungen oder Beschuldigungen gegen die deutsche See­kriegführung zu erheben. Es sei nur an den Vorfall' erinnert, der sich im ersten Kriegsjahr abspielte, als schwe- dffcher Schiffsraum an der finnischen Küste verloren ging iiffrlge tart ausgelegter deutscher Minen. Damals regte sich Lre schwedische öffentliche Meinung, obwohl deutscherseits vor d^ MBe ftchrmr jener ©«Wäger rechtzchttg g e w s tgt «ootöeu »ar.

ganz unnötiger- und unberechtigterweise auf. Dasselbe er­lebten wir bekanntlich noch vor kurzem anläßlich der Ver­senkung von drei schwedischen Dampfern, die auf eigenes Risiko bin am 15. Mai die englischen Häfen verlassen und sich in dos Sperrgebiet begeben hatten, wo sie veffenkt wurden.

Es kann nicht eindringlich genug betont werden, daß das Fahren mit Konterbandeladungen von Schweden nach Ruß­land einen ebenso großen Leichtsinn der schwedischen Schiffsreeder darstellt wie das willkürliche Befahren des sich um England ansbreitenden Sperrgebietes. Bei allem Wohl­wollen, das wir gerade der schwedischen Nation nicht nur aus Stammesverwandffchaft, sondern besonders wegen seiner ehrlichen und strikten Neutralität eutgegenbriilgen, können wir doch diesem Lande gegenüber keine Ausnahme­behandlung gelten lassen. Schweden darf, todrtjn >es awS) noch so sehr unter den Nöten des Krieges mitzuleiden hat, schließlich doch auch nicht vergessen, daß die anderen Neutralen sich in noch erheblich größeren Schwierigkeiten be­finden. Letzten Endes sind es doch immer nur die Profit- s u cf; t und die Spekulation, die zur Veffenkung oder Aufbringung schwedischen Eigentums führen. Aus diesen rein privaten Interessen einiger schwedischer Reedereigesell- schasten kann unmöglich das Anrecht hergeleitet werden, daß mit Rücksicht auf deren Geldgeschäfte die Seekriegführung eines um seine Existenz kämpfenden großen Volkes leidet und in ihren Effolgen abgeschwächt wird.

Zur Versenkung schwedischer Schisse.

V/. T.-B. Kopenhagen, 31. Mai. (Drahtbericht.) „Snall- posten" in Malmö schreibt, es sei natürlich, daß di« schwedische Ü ftemHchkmt schon vorher empört gewesen sei über die Ver­senkung wertvoller stark vermißter Lebensmittelladungen in der Nordsee. Die neuen Nachrichten über die Veffenkungen >m Bosnischen Meerbusen werden mit Nervosität «nt- gegenqenommen. Die Verhältnisse seien jedoch in beiden Fällen beffchieden. Die ganze Nation sehnt sich nämlich nach ?en notwendigen Muren.., dir.lange in englischen Hafen zu­rückgehalten und nach laichen Unterhandlungen freigegeben, worden seien. Sie seien, ohne daß ein triftiger Grund be­kannt sei, veffenkt worden. Etwas ganz anderes sei es, wenn die schwedischen Reeder in.voller Kenntnis der damit ver­bundenen Gefahren versuchen würden, Waren nach Finnland zu senden. Glücke es, so sei -das Verdienst in der Regel sehr ledeutend, mißglücke es, so lecke die Versicherung nach Mög­lichkeit den Schaden. Es handele sich nur um eine fehlge­schlagene Spekulation.

Ungerechtfertigte Spionageverdächtrgungen der Deutschen in Norlvcgcn.

IV. T.-B. Berlin, 31. -Mai. (Amtlich.) Die norwegische Prffse verbreitet seit einiger Zeit geflissentlich Behauptungen norwegischer Kapitäne über angebliche Äußerungen un­serer ll-B ootskomma n d a nt e n, daß Abgang, An­kunft und Reissweg der Schiffe-den U-Booten vorher bekannt gewffen feien, und knüpft daran Spionageverdäch­tigungen der Deutschen in Norwegen, so im Fall der Veffenkung der norwegischen Dampfer „Star", „Theodore William", „Gesko" und „Gödö". Fesfftellungen haben er­geben, daß weder in den genannten noch in ftüheren Fällen seitens unserer U-Wootkommwndanten derartige Äußerungen gefallen sind. Eim Verkehr unserer U-Woote mit den Be­satzungen fremder Handelsschiffe findet grundsätzlich über­haupt nur statt, wenn besondere Gründe dies erfordern. Er vollzieht sich alsdann in der Regel im Weg von Signalen und beschränkt, sich im wesentlichen auf das Anhaltert von Schiffen außerhalb des Sperrgebiets sowie auf Feststellung der erforderlichen Angaben über Schiff und Ladung. Die Behauptungen der norwegischen Presse bezw. ihrer Gewährsmänner beruhen hiernach auf freier bös­williger Erfindung mit der ausgesprochenen Absicht, durch Spionageverdächtigungen gegen das Deutschtum in Nor­wegen zu Hetzen. Inwieweit hierbei unsere Gegner ihre Hand im' Spiel haben, mag dahingestellt bleiben. Da zu erwarten steht, daß das erwähnte Treiben seinen Fortgang nehmen wird, werden vorstehende Tatsachen ein- für allemal fest- gestellt. _

Die Lage im Westen.

Die Kämpfe am 30. Mai.

W. T.-B. Berlin, 31. Mai. Wie in den letzten Tagen fanden auch am 30. Mai nur örtliche Kampfhandlungen statt. Mau kann somit behaupten, daß die Entente die Ziele, die sie sich mit der Frühjahrsoffensive gffteckt hat, nach. zweimonatigen Kämpfen nicht erreicht hat. Wenn ' sie eine Entscheidung beabsichtigt, so kann die Entente diese nur von einer neuen Einheitsoffensibe im Sommer erwarten, deren Anfang sich bereits durch verschiedene Anzeichen und eine erhöhte Kampftätigkeit an der Ostfront verrät.

Am 30. Mai war das feindliche Störungsseuer trotz schlechter Sicht im Wytschaete-Bogen und nordwestlich Lille lebhaft, um sich in den aufklärenden Abendstunden zu großer Heftigkeit zu steigecn.

An der Arrasfront war nachmittags bei Gewitter und Regen die Artillerietätigkeit im allgemeinen mäßig. Bei den beiden gemeldeten englischen Angriffen südlich der Scarpe am Abend und um Mitternacht blieb eine Anzahl Gefangener in unserer Hand,

Im Raume von St. Quentin wurden Unternehmun­gen einer feindlichen Offizierspatrouille wfftlich der Straße Avrincourt-Trescault sowie einer starken Patrouille bei Hennecourt zurückgewiesen und Gefangene eingebracht. Zu len im gestrigen Heeresbericht gemeldeten erfolgreichen Stotz truppsunternehmnngen südwestlich von Quentin ist hinzuzufügen, daß unsere Stoßtrupps das feind­liche Sverrfeuer durchbrachen, ein feindliches Grabenstück östlich La Piro Aller in breiter Ausdehnung zur Verbesss- rung unserer Stellung nahmen und es, durch Artillerie- und Minenseuer gut unterstützt, gegen mehffache feindliche An­griffe hielten. Der Gegner erlitt erhebliche blutige Verluste.

Im Raume von Verdun war die Artillerietätigkeit be­sonders om Abend und in der Nacht lebhaft. Starkes Feuer lag bescnders in der Gegend der Höhe 304 auf dem West­ufer der Maas. Durch eine Feuerwelle erstickte unsere Ar­tillerie den gegnerischen Veffuch, Drahthindernisse vor unserer Front fortznräumen. Durch Vernichtungsfeuer auf die vorderen feindlichen Gräben wurde jeder feindliche Angriffl- versnch unterbunden.

An der Ostfront war das Artilleriefeuer be­sonders bei Sm orgon und am Stochod lebhaft. Vor­fühlende russische Patrouillen wurden verjagt. Zur Ver­geltung für feindlichen Bombenabwuff auf Bogdanow wurde der Bahnhof Horcdzft mit Bomben belegt. An einzelnen Stellen der rumänischen Front lebte die beiderseitige Artillerietätigkeit auf. Am Nachmittag beschoß die feindliche Artillerie ohne jede Wirkung die Stellungen bei Tulcea und Prislcva. Zur Vergeltung wurde der Bahnhof Galatz beschossen.

Rivelle — der „Blutsänser".

W. T.-B. Berlin, 31. Mai. Ein französischer Leutnant vom 8- Genie-Regiment, zugeteilt zur Division Marocains, der bei Arberivr verwundet wurde, erklärte, daß die Division Marccaine bei diesem Angriff sofort 70 Prozent V er - mundete hatte, darunter 50 Prozent Leichtverwundete. Tie Division Marocaine sowie eine für sie als Untefftützung bestimmte Division sind fast vollständig aufge­rieben. Immer mehr bricht' sich die Überzeugung Bahn, daß an einen Durchbruch nicht zu denken ist. Man hofft all­gemein, daß die jetzige Offensive die letzte sein wird, denn an einen neuen Winterfeldzug ist nicht zu denken. — Ähnlich äußert sich ein französischer Offizier, der die Schlacht bei C r a o n n c mitmachte. An dem Abschnitt, wo er eingffetzt wurde, kämpften etwa 42 000 Mann; davon sind höchstens 10 000 Mann heil zurückgekommen. Zwei savo- yardische Regimenter, die dort kämpften und zur eisernen Division gehörten, wurden völlig vernichtet. Nivelle erhielt an diesem Tage den Namen „1s baveur de sany" und der leidenschaftliche Ruf ging an diesem Tage durch alle Regimenter: „Diesem Mörder folgen wir nicht wehr!"

General Regnier seines Amtes enthoben.

.Berlin, 1. Juni, (zb.) Im „B. L.-A." wird berichtet: Der Leiter des französischen Militäfflugweseus, General Regnier, sei als Sündenbock seines Amtes enthoben Worten.

Die Misshandlung deutscher Gefangener in Frankreich.

W. T.-B. Berlin, 31. Mai. Der Funkspruch Lyon vom 28. Mai, 7 Uhr vormittags, zitiert einen Aufsatz der ,L3oss. Ztg.", in dem von der Mißhandlung wehrloser deut­scher Gefangener in Frankreich die Rede ist und schreibt dazu: „Eine Regierung, die es duldet, daß derartige Gemeinheiten geschrieben werden und die darauf zurückgreist, um ihr Volk zu täuschen, entehrt sich selbst in den Augen der Welt." Welchen Ausdruck muß man da erst für eine Regie­rung anwenden, die nicht nur, tote die französische, solche Gemeinheiten und scheußlichen Mißbandlungen zuläßt, son­dern sie selb st veranlaßt und das Volk dazu ausreizt. Durch keinen noch- so raffiniectea Lügenfeldzug wird sich tue frai zösische Regierung von der Schmach sreimachen können, gleich zu Beginn des Krieges sinnlosen Haß gepredigt rmd die niedrigsten und tierischsten Jnstnrkte des Volkes durch unbedenkliche Greuel lügen und Verleumdungen des Feindes aufgepeitscht zu haben. Wenn jetzt die französische Regierung den Veffuch macht, ihre eigenen Sünden dein Gegner zuzuschieben und sie an diesem zu brandmarken, so wird sie in der ganzen neutralen Welt wir mit leidige Verachtung finden.

Das Problem der Kohlenversorgnng Frankreichs.

W. T.-B. Bern, 31. Mai. „Republik rin de Lyon" meldet aus Paris zu der gestrigen Kammersitzuug: Nugol ver­urteilte in schärfster Weise die von der Regierung für die Kohlenversorgung bisher getroffenen Maßnahmen, die zu einer wahrhaft traurigen Sachlage geführt hätten. Vor allem müsse die Kohlenverteilung organisiert werden. Die französische Kohle müsse dem Bedarf der Privat- haushaltungen Vorbehalten bleiben, während die englische Kohle für den industriellen Bedarf, besonders die Kriegs- Werkstätten, dienen solle. Nugol forderte die Festsetzung der gleichen Kohlenpreise für ganz Frrnkceich, worauf Violette erklärte, entsprechende Maßnahmen demnächst durchfuhren zu wellen. Nugol fuhr fort, man müsse für die Gasfabrikea ein bes on d ere s Verfahren durchführen, da die Kotze ntzneise WM»