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Mittwoch, 30. Mai 1917.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 271. ♦ 65. Jahrgang.
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Der Verlag.
3»m Jahrestag der Schlacht vor dem Skagerrak.
Bon Mzeodmnral a. D. Frhrn. v. Maltzahu.
Heller Giegesjubel tönte durch alle deutschen Gaue.
als vor Jahresfrist die Kunde von der erfolgreichen Abwehrschlacht dort oben im Norden erschallte, die die junge deutsche Flotte ebenbürtig an Ehren neben den älteren Teil unserer Wehrmacht, das ruhmreiche Lcmd- heer, stellte. Aber mit klarerem Mick überschauen wir und mit uns unsere Feinde wie dre ganze aufgeschreckte Welt heute, was dieser am 3l. Mai 1916 ausgefochtene Kampf zur Entscheidung des Weltkrieges beigetragen hat. Wohl hatte ganz Deutschland mit freudigem Stolz auf das Werk geschaut, das ein genialer Organisator durch Schaffung der Schlachtflotte nach dem Willen des Kaisers vollbracht hatte, aber erst de: gepanzerten Faust des Flottenführers war es vergönnt, den Wechsel einzulösen, den -vir damit aut das uns abgünstige England gezogen hatten. Denn diese kurze Zeitspanne der Schlacht, in der wie in einem Brennpunkt alles sich zusammenschließt, was jahrzehntelange Friedensarbeit vorbereitet hat, entscheidet, erst über den Erfolg.
In England hatte man sich wohl klar gemacht, welche Gefahr in der deutschen „Luxusflotte" für die englische Seebeherrschung heranwuchs. Bon einer hoch im Norden belesenen Sichsrheitsstellung her wollte man die Wege zum Weltmeer in seiner Gewalt behalten, Deutschland von allem Seeverkehr abschließen und so zum Frieden zwingen. Aber die Angriffe unserer Flotte auf die englische Küste, die Storung des Handels- Verkehrs, die mit Minen und Unterseebooten das Insel- reich von unserem Ausfallstor in der Nordsee her immer weiter umfaßte, zeigten der englischen Flottenleitung allmählich doch, daß man dort schlagen muß, wo man .Herr bleiben will, und widerwillig fügt sie sich in die Notwendigkeit. Als jedoch am 31. Mar 1916 die deutschen Granaten zeigten, was sie mit zielsicherer Kraft gegen die Riesenleiber der englischen Kampfschiffe aus- znrichten vermochten, brach der führende Admiral, um weiterem Schaden vorzubeugen, die Schlacht ab, ehe sie durchgeschlagen war.
Seitdem steht eine endgültige Entscheidung zwischen den Schlachtflotten noch aus, aber der Kampf vor dem Skagerrak wirkt noch in allen Triegshandlungen, die der Seekrieg wie der Landkrieg seitdem gebracht haben, und beeinflußt dadurch auch die Politik. Der Landkrieg hat in siegreichem Vorschreiten unseren Landbesitz im Südosten erweitert und angeschlossen an uns der- bündete Länder bis nach Asien hinein: in Ost und West hält er weite Strecken feindlichen Gebietes besetzt. So ist unsere Landbasis auch wirtschaftlich vergrößert und macht es uns möglich, trotzdem wir durch Englands Jnfellage vom Weltmeer abgeschlossen und, durchzuhalten, während die Wirtschaftskraft unserer Land- gegner dadurch schwer geschädigt wird. Auf der See umfaßt der U-Bootskrieg die englische „Serherrschaft" und zwingt den vom Seeverkehr mehr als wir abhän- lügen Hauptgegner der Mittelmächte wie seine Verbündeten immer mehr in eine Notlage hinein, der gegenüber sie machtlos sind. Sie alle können die zur Volksernährung notwendigen Lebensmittel und die zur Speisung ihrer Kriegsindustrie erforderlichen Rohstoffe
nicht heranschaffen, weil es an Schiffsraum dazu fehlt. Weitere Anforderungen stellen die am Mitielmeer von ihnen geschaffenen Nebenkriegs'chauplätze, die auf allen sie am Leben erhaltenden Zufuhrstraßen ständig bedroht werden. Auch die von den Vereinigten Staaten erwartete Hilfe wird arg geschmälert durch die Europa umgebenden deutschen Sperrgebiete.
So ruft die ganze gegen uns verbündete Welt ihren Vorkämpfer und Anstifter England um Hilfe an gegen den U-Bootskrieg. Bisher ist alles Nachdenken nur auf ein Mittel verfallen, das — in früheren Kriegen von England oft erfolgreich angewendet — auch jetzt wirkliche Abhilfe versprächt: die gewaltsame Verschließung der deutschen Häfen und die Zerstörung der deutschen Werften. Aber vor ihnen hält die immer noch unbesiegte, in ihrer Kampfeszuversicht durch die Schlacht vor dem Skagerrak nur bestärkte deutsche Flotte die Wacht. Ein neuer Kampf würde die Abwehrschlacht in einer für den Gegner nur noch schwereren Form bringen als vor einem Jahr. Er würde ihm soviel von seiner Kraft nehmen, daß der Rest nicht ans reichte, um gegen die deutschen Häfen vorzugehen, er würde den Neutralen noch mehr den Rücken stärken, als es die Schlacht vor dem Skagerrak schon getan hat. Für solche Auffassung haben wir einen klassischen Zeugen. Lord Fisher, der damalige Erste Seelord der englischen Admiralität, warnte schon zur Zeit des Vorgehens gegen die Dardanellen vor Unternehmungen, die die englische Flottenüberlegenheit beeinträchtigen könnten, „solange die deutsche Hochseeflotte ihre gegenwärtige große Stärke und ausgezeichnete Schießfertigkeit besitzt". .Hat er den Erfolg der Schlacht vor dem Skagerrak vorausgeahnt, die dem Feinde viel mehr gekostet hat als uns, die Dentschlands Bewegungs- fteiheit auf. der See erhöhte, den Feind aber — wie die Kritik seiner Presse jetzt cs ausdrückt — statt der bisherigen Defensive in fast völlige Passivität hineinzwang? Auf diesem Erfolg der Hochseeflotte ruht ja, wie wir soeben erkannt haben, letzten Endes auch der Erfolg unseres U-Bootskrieges. Man verkleinert die todesverachtende glorreiche Tätigkeit unserer Helden auf den Booten nicht, wenn man es ausspricht.
So fügen die Glieder sich zur Kette. Nach dem Ausspruche Hindenburgs müssen Landkrieg und Seekrieg als ein Ganzes betrachtet werden: unsere siegreichen Heere steben in Feindesland, unsere Flotte deckt die Seefront und gibt dem feindlichen Handel den Todesstoß. Vereint aber dienen sie dem Kriegszweck. Denn Zweck des Krieges ist es, dem Feinde., ohne ihm die Möglichkett zu lassen, die Entscheidung der Waffen zu ändern, einen Schaden zuzufügen, den er schwerer empfindet, als was wir als Friedensbedingungen ihm auferlegen wollen.
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# Berlin, 29. Mai. (jb.) Unter der Überschrift „Auch ein Gedenktag für die Neutralen" schreibt der „B. L^A.": Es ist vielleicht nicht überflüssig, bei diesem Anlaß wieder einmal darauf hinzuweisen, daß der 31. Mai 1916 auch für die neutralen Staaten ein Tag von größter politischer Bedeutung geworden ist. Seitdem ist die englische Flotte endgültig in die Defensive gedrängt und ihr damit unmöglich gemocht worden, den Überfall auf Kopenhagen z. B„ mit dem sie 1807 einen schweren Schlag gegen Napoleon führte, in neuer Auflage gegen diesen oder jenen unbequemen europäischen Staat zu wiederholen. Das wehrlose Grie. ch e n l a n d hat allerdings die britische Faust in diesem Krieg zu spüren bekommen, aber Holland und die skarckünavischen Staaten sind von dem gleichen Schicksal verschont geblieben, werl die britische Flotte rhre unbedingte Herrschaft mit dem Tage von Skagerrak endgültig ver- lcren hat. Dieser gewaltigen Veränderung der militärischen Lage auf dem Meere sind die britischen Flottenführer sich wühl bewußt, zu einer großen Offensive gegen die deutschen Hochseegeschwader werden sie sich deshalb kaum noch zu entschließen den Mut finden. Allenfalls ein Angriff auf die flandrische Küste werden sie vielleicht noch versuchen. Wenn sie dort aber ein zweites Skagerrak erleben, dann wird es webl mit ihrem Prestige hier immer vorbei sein.
vor einer russisch-rumänischen Offensive.
Zu dem jüngsten Bericht unserer Obersten Heeresleitung wrrd uns geschrieben: Seit einer Ruhepause von mehreren Monaten wird zum erstenmal an der Qsffront ein kriegerischer Ton angeschlagen. „Man rechnet mit russisch-rumänischen Angriffen", mit ^diesem Satz weist unsere Oberste Heeresleitung darauf hin, daß offenbar die A g i t a t i o n s a r b e i t der russifchen Generale zugunsten der Wiederaufnahme der Kriegstätigkeit Erfolg gehabt hat. An dem südlichsten Teil der Ostfront werden Angriffe erwartet. Wie ist hier nun die Loge, die der neue Angriff sehen wird? Nach dem Vorrücken unserer Truppen in Rumänien' kam es hier an der S e r e t h l i n i e zum Stillstand, da die Stellung unserer verbündeten Armeen die günstigste Form angenommen hatte. In der Zwischenzeit haben die Ruff«, die Revolution tm Lande «tobt und das rumänische Heer mußte wieder ganz
neu aufgefüllt werden, da es durch den siegreichen Feldzug Mackensens fast völlig aufgerieben war. Wer die feindliche Presse in den letzten Wochen aufmerksam verfolgt hat, konnte au? mehreren Äußerungen annehmen, daß auf diesem Teil der Front ein Angriff der ruMch-rumänrsclea Streitkräfte durckwus imBereichder Möglichkeit liege. Es wurde nämlich mitgeteilt, daß d>rs rumänische Heer unter russischen Offizieren neu organisier: worden sei, und daß es eine- achtbare Streitmacht darstelle. Weiterhin haben wir mehrfach von Verschiebungen der Truppen an diesem Teil der Front gehört. Endlich sind in der letzten Zeit besonders Luftangriffe auf unsere Stellung an der Donau und am Seveth zu verzeichnen gewesen Nur die zerfahrene Lage l>, Rußland selbst schien dih ganze Unternehmung mich aufzuhalten.
Die Hauptstellung befindet sich im Raum von Brail a, wo unsere Truppen eine sehr starke Front innehaben. Mehrere Versuche des Feindes, den Druck auf Galatz zu mildern, sind im Monat Januar vereitelt worden. Die Ruhmreiche Erstürmung von LaBurtea ist eine der letzten Ruhmestaten unserer Truppen in diesem Raum. Was den vereinigten ruffisch-rumänischen Kräften im Januar dieses Jahres nicht gelungen ist, das hoffen sie numnehr jetzt zu erreichen. Einstweilen liegen genauere Angaben über die Tätigkeit der feindlichen Truppen noch nicht vor, so daß sich weitere Äußerungen darüber erübrigen. Unsere Stellungen sind aber durch Natur und Kunst derartig gefestigt, daß diese feindliche Flügeloffensive Vonborn herein zum Sch eitern verurteilt ist. Es kommt dazu, daß wir früher mit einem straff organisierten Heer z i -echnen ymten, das fein eigenes Vaterland verteidigte, nämlich mit den Rumänen. Wenn auch die feindlichen Blätter wi'ttetlen, daz da?- rumänische Heer wieder neu organisiert ri, sc sind doch die Verluste der Rumänen derartig groß gewo, -: i, daß nur durch c.nen starken Nachschub von Mannschaften das zlrr KräfteverhäliniS wieder erreicht werden könnte. .Da sich'aber der größte Dell Rumäniens in unseren Händen befindet, so muß der Versuch, das rumä- nffche Heer wieder neu a-arzubaaen, schon an dem Mangel an E r s a tz m a.n n s ch a r t c lt scheitern Die rumänischen Formationen dürften wadl init rustiichen Kräften anfgefüllt sein, die aber nicht len Wert der einheitlichen Zusammensetzung eines Heeres haben. Transporffchwierigkerten und scküechte Munitionsversorgung dürften noch das übrige dezu beitragen, um einen Erfolg der rnssisch-rnmänischen Waffen auszuschließen.
ver Tauchbootkrieg.
Neuerdings 78 880 Tonnen!
W. T.-B. Berlin, 29. Mai. (Amtlich) 1. Neue Unterseebootserfolge im Atlantik und englischen Kanal: 26 90V Bruttoregistertonuen. Mit Ausnahme eines Heitren Seglers waren alle versenkten Schiffe englischer Nationalität. Unter den versenkten Ladungen befanden sich u. u. 6999 Tonnen Zucker, die für England bestimmt waren. Bon einem der Dampfer wurden der Kapitän und die Geschützbedienung als Gefangene eingebracht. — 2. Bon unseren Mirtelmeer - Unterseebooten ist neuerdings wieder eine größere Anzahl von Dampfern und Segelschiffe« mit einem Gesamttonnengchalt von 59 999 Bruttoregistertonuen versenkt worden. Unter den versenkten Fahrzeugen befanden sich die englischen bewaffneten Dampfer „Janoui" (3851 Tonnen) und „Tung Sham" (3999 Tonnen) mit je 6999 Tonnen Kohlen von England nach Genua, der englische bewaffnete Dampfer „Locksley Hall" (3635 Tonnen) mit Stückgut von Indien nach Marseille, ein bewaffneter, von drei Begleitfahrzeugen gesicherter 6000 Tonne« großer Dankdampfer mit voller Ölladung, und ein weiterer unbekannter bewaffneter Dampfer von 6999 Tonnen. AuS Konvois herausgeschossen wurden ein tief beladener bewaffneter Transportdampfer von 4999 Tonnen und ein 2999-Tonnen-Dampfer. Außerdem wurden ein durch Fisch- dawpfer und Zerstörer geleiteter bewaffneter englischer 5099. Tonnen.Dampfer und ein tief beladenes bewaffnetes Schiff unbekannter Nationalität von 4999 Tonnen versenkt.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die gründliche Arbeit unserer U-Boote.
V/. T.-B. Berlin, 29. Mai. Briefe aus allen Teilen der Welt berichten über die großen Schwierigkeiten der. Schiff- fcljrt infolge der deutschen Unterseeboote. Ein Angehöriger des 49. Senegal-Bataillons schreibt, daß die Hafenausfahrt von Biserta in Tunis nur nachts einigermaßen sicher sei, bei Tage werde fast alles unfehlbar torpediert. Ein Brief aus St. Nazaire klagt, daß wiederum Unterseebrote vor der bretonifchen Küste kreuzen und dort viel Unheil anrichten. Der Brief schließt mit dem Ausruf: „Armes Frankreich, wie schlecht bist du verteidigt und wie Mittelmäßig ist deine Marine im Vergleich zu der deutschen!" Nachrichten aus Bahonne zufolge wurde diese Stadt am 13. Februar von deutschen Unterseebooten schwer und wirkungsvoll beschossen. In allen Briefen ist von Schiffstorpe- lierungen die Rede. Unter diesen Umständen ist es verständlich, wenn die „Dorkshire Post" vom 7. Mai meldet: „Vier bi?- fünf der bedeutendsten Mitglieder des Londoner Versicherungsbureaus Lloyds haben sich von dem Geschäft- zurückgezogen. weil sie in den letzten Wochen allzu große Berkufte gehabt haben."
