Einzelbild herunterladen
 

^ Fernruf r

„L<q»latih«uS" 9ir. 6650-53.

Ben 8 Uhr morgrnS bis 7 Uhr abenbä, außer Sonntag».

Verlag Sanggasse 21

„LagdlatthauS

^»-»er-HaLe geiynel »an 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abend».

wöchentlich

BezngS.OreiS für beide Ausgabe«: MI. t— monatlich, Mk. vierteljährlich durch den Verlag L-negaffe St, ohne Bringerlohn. MI. 4.0S vierteljährlich durch alle deutichen Postanftalten, auSjchiirßlich BeiteAgeld. — Bezugs»Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweiqftelle BiS- mmürnlg 19. sowie di- AuS°»deilellen in allen Teilen der «ladt: in Biebrich: di- dortigen AuS- gabeüellen und u> den benachbarten Landort-» und im Rh-ingau die betreffendru Tagblatt-Träger.

ftr 8?Ä»»2.«i«!.ÄsÄr^«£^1' Berliner Abteilung des Wiesbadener TagblattS: Berlin V., Potsdamer Str.lAL. Fernfpr.: Amt Lütz«w62SS u. 6203. Tag.-'

Sonntag, 27. Mai,»I7. Morgen-Kusgabe.

Nr. 267. . 65. Jahrgang.

vom inner» Nriegsziel des deutschen Volkes.

Von Geh. Regierungsrat D. Dr. Rudolf Eucken, ord. Prof, an der Universität Jena.

Vpm äußeren Kriegsziel des deutschen Volkes ist un­ablässig die Rede und es wird darüber hart gestritten. Daß auch ein inneres Kriegsziel besteht, wird nicht ge­rade übersehen, aber oft nicht genügend gewürdigt, und doch liegt schließlich der Ertrag dieses gewaltigen Krieges hauptsächlich darin, was er innerlich aus uns macht ^ und wie er unser Leben gestaltet. Ungeheure ErschiÄterungen, wie wir sie erleben, stellen den Men­schen vor entgegengesetzte Möglichkeiten; einerseits kann er matt und müde den Geschicken unterliegen und sem Leben sinken lassen, andererseits aber auch sich auf eine Höhe heben, wo er zum Herrn der Verhältnisse wird und sein Leben in neue Bahnen lenkt. Jeden» saütz dürfen die Forderungen für die Zukunft sich nicht in fauler Einzelfragen zersplittern, sondern sie haben vornehmlich gegenwärtig zu halten, was dem Ganzen unseres Lebens not tut.

@§ sind nun drei Hauptziele, die uns vor- schweben müssen: eine Verjüngung unseres Staats­lebens, eine Vertiefung unserer geistigen Art, die Aus­bildung engerer Zusammenhänge mit den Gründen der Wirklichkeit. Daß eine Neuordnung unserer politi­sch en. Verhältnisse nötig ist, darüber sind ziem­lich alle einig; es ist das nicht eine Parteiangelegen­heit, sondern eine Forderung der weltgeschichtlichen Lage. Im 19. Jahrhundert hat sich ein neues Deutsch­land gebildet und aus aufstrebender Kraft vornehmlich einen großartigen technischen, industriellen, wirtschaft­lichen Aufschwung vollzogen. Unser Staatsleben aber ist jbern nicht genügend nachgekommen, es behielt noch überwiegend die alte Form; so muß zwischen Altem und Neu-m ein Mißverhältnis entstehen, das die volle Ent- Wicklung der Kräfte hemmt und wie ein Druck auch auf der allgemeinen Stimmung liegt. Es drängt uns, um cs kulrz zu sagen, von dem bloßen Obrigkeitsstaat zu einem, vom Ganzen des Volkes getragenen und durch- walteken Staat. Nun aber bereitet es nicht geringe Schwierigkeit, den rechten Ausgleich von Altem und Neuem zu finden. Die Freunde des Alten lveisen mit Recht darauf hin, wieviel wir dem Alten verdanken, und wie auf seinem Boden erwachsen ist, was die Gegen­wart cm bewunderungswürdigen Leistungen zeigt. Das Alte kann also nicht so überlebt und überwunden sein, wie es manchem Freunde des Neuem erscheint; Wohl aber gilt es in ihm Vergängliches und Bleibendes zu scheiden, die Festhaltung dieses aber das Recht des Neuen nicht verkümmern zu lassen. Denn Veränderun­gen, wie sie bei uns erfolgt sind, liegen hoch über mensch- lichep Willkür und fordern zwingend ihr Recht. Statt dem «Strom uns entgegenzuwerfen, haben wir ihn in die rechte Bahn zu lenken. Aber dazu bedarf es viel Besonnenheit und umsichtige Erwägung: in dem, was <rn Neuem auftritt und die Führung in Anspruch nimmt, steckt auch vieles, was nur aus einer zufälligen Lage hervorgeht und mehr einer Partei als dem ge­samten Volke dient. Gerade wenn, daran liegt, das ge­samte Volk zu mehr Teilnahme an dem Staatsleben zu gewinnen, haben wir uns zn hüten, für das ganze Volk Äe» bloßen Massen der Großstädte einzusetzen. Denn so gewiß diese Massen nicht nur äußerlich durch das Zusammenballen in den Riesenfabriken mehr Selbst- bechußtsein gewonnen haben, sondern sich auch unvcr- kennbar in einem inneren Aufstreben befinden, sie bleihen doch Teile des Ganzen und haben ihr Interesse dem.Wohl des Ganzen einzusiigen. Um bet dieser schwierigen Frage eine Verständigung zn erreichen, be- darf es nicht nur viel intellektueller Kraft, sondern auch einer ethischen Gesinnung, welche die Aufgabe als eine gem«e,insame Sache behandelt, sie nicht den Inter- essen einer bloßen Partei unterwirft. So wird es zu einem Hauptwunsche, daß die Gemeinsamkeit der Ge- siununft, welche der Krieg so herrlich erwies, auch, in das Werk des Friedens hinüber reiche, und uns zwischen den KKpPen hindurch den rechien Weg finden lasse. Echte politische Größe verlangt auch eine menschliche Größe, mit kleinen Menschen können wir kein hohes Werk verrichten.

Dies aber führt auf das zweite Problem, auf das Problem einer Kräftigung des Menschen und einer Vertiefung des Geisteslebens. Auch hier spricht zu uns eine neue Lage. Unmöglich läßt sich der Stand der Kultur vor dem Kriege einfach festhalten und weiterführen. Denn bei unbestreitbarer Größe war jene Kultur sehr einseitiger Art. sie war vornehm­lich eine Arbeitsknltnr und hatte als solche das Streben, dem Menschen intellektuell, teckniich und praktisch die volle Herrschaft über die Welt zu erringen. Sie hat in dieser Richtung Großes erreicht, uns weithin die Dinge unterworfen, unser Leben viel reicher und be-

tvegter gemacht. Aber bei ihrer Hauptrichtung auf die Leistung nach außen hat sie der Entfaltung des Innen­lebens keine genügende Sorge gewidmet, vielmehr als eine Nebensache behandelt, was in Wahrheit die Hauptsache ist. Mißstände dieser Einseitigkeit traten schon deutlich zutage: das geistige Schassen wahrte nicht die Höhe, welche den Ruhm des älteren Deutschland bildete; auch ein Mangel an ausgeprägten Persönlich­keiten wird immer schmerzlicher empfunden. Dazu gab jene Arbeitsknltnr den wirtschaftlichen und damit den materiellen Interessen ein gefährliches Übergewicht; viel zu sehr ward das Sinnen und Denken der Men­schen dadurch eingenommen, und es litt die innere Ge­meinschaft Schaden durch den mit solchem Streben ver­bundenen Gegensatz und Streit. In allem zusammen drohte die Arbeit den Menschen zu überwältigen^und über den Triumphen in der Breite der Dinge die Tiefe des Lebens verkümmern zu lassen.

Hier hat nun der Krieg eine große Aufrütte­lung gebracht, er stellt leuchtend vor Augen, daß bei aller Größe technischer Leistung die Hauptsache der Mensch mit seiner Persönlichkeit bleibt, der die Leistung zu verwenden hat; auch zeigt in. den Taten, Opfern und Leiden die reinmenschliche Art eine unvergleichliche Überlegenheit; das läßt sich nicht anerkennen, ohne die Stärkung der Seele wieder mehr in den Vordergrund zu rücken. Dabei gewährt uns manche Hilfe unsere ältere Art, die vor allem aus die Hebung des Innen­lebens bedacht war, aber nun gilt es wiederum das rechte Verhältnis von Altem und Neuem zu finden, bei dem Alten nicht an dem Zeitlichen und Zufälligen zu hasten, sondern das Wesentliche und Ewige herauszuheben und in das eigene Streben über­zuführen, mit solcher Anerkennung des Alten aber eine volle Selbständigkeit des Neuen zu verbinden. Denn ein Volk, was so Großes leistet und solche Um­wälzungen erlebt, darf sich nicht in einem matten Historismus sein Leben aus der Vergangenheit zu­führen lassen, es darf nicht ein Leben aus zweiter Hand, es muß es aus eigener Entscheidung und Zurüstung führen. Dazu aber bedarf es einer gründlichen Revi­sion unseres gesamten .Kulturbesitzes, und es wird da­mit zu einem Hauptwunsch, daß der Krieg uns zu der Frische und der geistigen Kraft verhelfe, diese Ausgabe zu lösen.

Solche Wandlungen können wir nicht ersehen, ohne daß die Frage aussteigt, ob wir einer derartigen Er­höhung aus eigener Kraft fähig sind, ob die geforderte Hebung des Innenlebens nicht eine Innenwelt fordert, die wir nicht ohne weiteres durch eigenen Beschluß und Vorsatz hervorbringen können, die uns vielmehr mit­geteilt werden, die uns werden und wachsen muß. So haben ja nach dem Zeugnis der Geschichte alle schaffen- den Geister ihr Werk nicht als ihr eigenes Erzeugnis, sondern als eine Gabe und Gnade höherer Mächte ver­standen. Heute aber empfinden wir hier ein schweres Problem, das aus der Gesamtbewegung der Neuzeit hervorgegangen ist. Diese Zeit hat nämlich in ihrem Streben den Menschen in den Vordergrund gestellt, vom Menschen ist sie ausgegangen, aus den Menschen bat sie die Welt bezogen und zur Hebung des Menschen zu wenden gesucht. Sie hat damit viel mehr aus dem Menschen gemacht und auch den Anblick der Welt ver­wandelt. Aber es enthält dies Streben auch die Ge­fahr, den Menschen als das letzte Ziel zu behandeln, alles aus seine Kraft zu stellen, damit aber in aller Aus- breitung ihn innerlich einzuengen. Diese Einengung ist im Lauf der Zeiten immer deutlicher zutage getreten. Zu Beginn sah die Zeit den Menschen noch in großen Zusammenhängen, zunächst in denen der Religion, dann in denen der Vernnnftkultur. Aber der Verlauf der Jahrhunderte hat solche Zusammenhänge mehr und mehr verblassen lassen und damit die Verklärung zer­stört, welche von ihnen auf das Bild des Menschin ftel; die Kulturarbeit hat dem Gottesglauben zunächst einen Dernunftgiauben, dann aber einen Menschen­glauben folgen lassen. Dieser Menschenglaube hat aber vielfach dazu geführt, von d<-r Anhäufung der Men­schen und Völker, von dem bloßen Nebeneinander und Mfteinander internationaler Beziehungen auch eine innere Erhöhung zu erwarten, Man lebte vielfach des Glaubens, daß aus dem Dasein des- Menschen, wie er leibt und lebt, ein inuerer Zusammenhang und eine Überwindung alles Bösen hervorgehen werde. Mit sol­chem Glauben hat der Krieg gründlich aufgeräumt, wir brauchen nur an das Ai denken, was wir Deutsche von unseren Gegnern an Verleumdungen und Verfolgungen erfahren haben, um die Mattheit sowohl des geistigen Vermögens als die Gewalt wilder Leidenschaften in jenem Menschenleben deutlich vor^ Augen zu haben. Deshalb sei keineswegs auf eine Schätzamq der Mensch­heit verzichtet, aber diese Schätzung muß tiefer begrün­det und in festeren Zusammenhängen gesichert sein, um ihr vertrauen zu können. Nur kirchliche Naivität kann nach all der Erschütterung und Zerstörung wähnen, daß wenn nur erst der Friede hergestsllt sei, ein „Seid

umschlungen Millionen" die Menschheit brüderlich ver­binden werden: dafür haben wir zu tief in die Ab­gründe des Menschenwesens geschaut. Wirken in uns nicht stärkere und reinere Mächte, wird uns nicht ein neues Leben eröffnet, so gibt es keine Hoffnung für die Zukunft.' So verstehen und würdigen wir vollauf, daß , wieder mehr Sehnsucht nach Religion mit ihrer Ewigkeit und ihrer Verkündigung göttlicher Liebe durch die Menschheit geht, aber die Erfüllung dieser Sehnsucht stößt wiederum auf manche Schwierigkeit. Auch hier läßt sich nicht leicht ein rechtes Verhältnis von Altem und Neuem finden. Auch hier gilt es, in dem Alten Veraltetes und Ewigjugendliches zu schei­den, nicht minder aber auch in dem Neuen bloße Strö­mungen der Zeitoberfläche und innere Notwendigkeiten des Lebens auseinanderzuhalten, damit aber uns über die streitenden Gegensätze zn erheben.

Erwägen wir alle diese Aufgaben, io kann einem wohl bange werden, ob wir die nötige Kraft zur Er­reichung der inneren Kriegszieke finden werden. Wir werden sie keinenfalls finden ohne einen frischen und freudigen Glauben, ohne ein Vertrauen ans eine ur­sprüngliche Juaendkraft, die wie ein heiliger Pflügst- g e i st in der Menschheit zu wirken nicht aufhört. Im Vertrauen auf solche Jugendkraft bestärkt uns aber die Haltung der heutigen Jugend im Kriege, von einer Jugend, die so viel an Tapferkeit, Treue und Tüchftgkeit in den schweren Prüfungen des Krieges leistet, dürfen wir hoffen und erwarten, daß die eine Größe auch in das Werk des Friedens nütbringen und damit das deutsche Volk auch zur Erreichung seiner inneren Kriegsziele führen wird.

DieIsonzoschlscht <mf de« Höhepunkt!

Der feindliche Ansturm an der ganzen Front wieder MutW* zusanrmensedrochen.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht,

W.T.-B. Wien, 26. Mai. (Dcahtbericht.) Amtlich verlautet vom 26. Mar, mittags:

Östlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts von Belang.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die große Schlacht im Südwestcn dauert an. Wenn die Heftigkeit der Kümpfe vom 23. und 24. Mai noch einer Steigerung fähig waren, so ist diese gestern eingetreten. Niemals in den soeben vollende­ten zwei kampfcrfüiltcn Jahren stand die heldenmütige Jsonzoarmee größeren Anstrengungen des Feindes gegenüber als in diesen Tagen. Die Kampsstättcn waren auch gestern wieder oic altbekannten: Der Raum bei P l a v aj die Höhen bei B o d i c e, der M o n t e Santo, das Hügelland von Gvrz. Überall rannte der Feind gegen unsere Linien au, stellenweise zwei- und dreimal. Immer wieder zerschellten seine Sturm­kolonnen an unserer tapferen Gegenwehr. Der gewaltige M a s s e n st o ß galt abermals unserer Stellung auf der Karsthochfläche. Was in diesem Kampf Vertei­diger in Ablmchr und Gegenangriffen, in zähem Stand­haften unter starkem Geschntzseuer und im Ringen Mann g e g e n M a n n zu leisten hatte, gehört der Geschichte an. Deutlicher als alles andere spricht der Erfolg: Mag auch im äußersten Süden der Front der Kanipf um schmale Abschnitte noch nicht abgeschlossen sein, das Geschick des Tages entschied sich, deutlich zu unseren Gunsten. Der feindliche Ansturm brach an der ganzen Front blutig und ergeb­nislos zusammen. Der Feind rst seinem Ziel, unsere Linien zu durchbrechen, am 15. Scl'lachttagc nicht einen Schrftt nähergckommcn als am ersten.

Kärnten und Tirol unverändert.

Der Chef des Generalstabs.

*

wie bei der Offensive im westen!

(Drohtbericht unseres dli.-Sonderberichterstattersi)

Ni. Wie», 26. Mai. (zb.) Am Jsonzo dauert noch das Riegen um die Entscheidung an; jedoch auf Grund der bisherigen Erfahrungen läßt sich jetzt schon erkennen, daß die augreijeichen Heersskörpcr sich einer nach dein anderen opfert und bald ihre besten Kräfte verbraucht haben muffen. Die jetzige Absicht Eadornas ist in ehren Phasen auf die westliche Schule der Strategie zurückzusuhren und eine Kopie der Kämpfe in Frankreich. Mit riesenhasten Opfern an Menschen werden bescheidene Anfangserfolge bezahlt; hier­aus folgen stets von neuem wiederholte Massen stürme, die so lauge dauern, bis die Angrisfsenergie aller Forts nick» Divisionen verbraucht ist. Rach ErschspsnngÄpaufen von