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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin XX.. Potsdamer Slr.121 L. Fernspr.: Amt Lütz.« 6202 u.6203. Lagen und Bl-hen wird keine Gewähr übernommen

Samstag, 26. Mai 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 265. ♦ 65. Jahrgang.

Alle Anstrengungen der Italiener vergeblich.

ibstsrreichisch-ungarischer TagSLbericht,

XV. T.-B. Wien, 25. Mai. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 25. Mai, mittags:

Östlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Der gewaltige Ansturm der Italiener führte auch gestern wieder zu einem außerordentlich erbitterten Ringen. In siegreicher Abwehr hielten unsere Truppen stand. Unsere Stellungen wurden ausnahmslos be­hauptet. Der Nordflügel der italienischen Angrisfsarmee wurde abermals gegen die Höhe von B o d i c e und dem Monte Santo vorgetrieben. Besonders wütender und hartnäckiger Kampf um die Höhe 652 südlich von Bodiee, die von den Italienern in den Abendstunden überramrt, in der Nacht aber in stundenlang dauerndem Nahkampf durch unsere Tapferen zurückerobert wurde. Hier und aus dem Monte Santo ließ der weichende Feind Hunderte von Leichen liegen. Die Kar st Hochfläche wurde wieder zum Schau­play eines groß angelegten Durchbrnchsverfuchs. Schonungs­los warfen die Italiener ihre Massen gegen unsere Ber schanznngen. Mochten diese auch durch die vorangehende Be­schießung beträchtlich gelitten haben, ««erschüttert und kalt­blütig empfing dahinter der Berteidiger den Feind. Den ganzen Tag über »nd vielfach anch während der Nacht wurde ans dem Fajti Hrib bei Cvstaujevica und südlich davon bis zum Meere hinab um «nsere Stellungen gerungen. Alle Anstrengungen des Feindes blieben vergeblich; nirgends drang er durch. Infanterie »nd Artillerie teilten sich in den Erfolg des Tages. Am 23. Mai wurden 136 italienische Offiziere und 4 66 6 Mann als Gefangene eingebracht; ihre Zahl ist gestern beträchtlich gestiegen.

Der Chef des Grneralstabes.

»

IV. T.-B. Wien, 25. Mai. Aus dem Kviegspveffequartier wird vom 24. Mu. abends, mitgeteilt: Die Jsonzoschlacht dauert an. Die Lage ist unverändert.

Oer deutsche kkbendberrcht vom 25. Mai.

XV. T.-B. Berlin, 25. Mai, abends. (Amtlich. Draht- dericht.) An der Artois-Front, an der Ais ne und in der westlichen Champagne Feuerkampf wechseln­der Stärke.

Im Osten nichts Wesentliches.

Die Lage im weiten.

Die Interpellationen in der sranzöftschen Kammer.

IV. T.-B. Bern, 24. Mai. Pariser Blätter melden über die vorgestrige Sitzung der Kammer: Nach der Rede Ribots wurde die Erörterung der Interpellationen über die Ver­sorgung Frankreichs begonnen. Der Abg. Compere- Morel kritisierte lebhaft die Regierung, besonders den Ver- pftequngsmrnifter Violette wegen des Zauderns und -Tcrftens in der Verpflegung und forderte die Einführung der Fleisch- und der Milchtarte. Der Abg. Levaffeur erklärte, die Frage der K o h I e n v e r s o r g u n g sei durchaus mangelhaft gelöst. Die Abgg. Muussen und Desmenil führten ans, daß die Kohlenversorgung in der Umgebung von Paris noch schlechter sei, als tn der Hauptstadt. Die -Abgg. Henneffy, Sherpy und Faifant brachten einen Gesehesantrag ein, wo­nach das Mikrtärgesetzbuch durch einen Paragraphen ergänzt werden scll, demzufolge gegen Korpsführer und Generale, die wissentlich oder fahrlässig Fehler gemacht haben, S t r a s m a ß n a h m e n ergriffen werden sollen. Die Begründung des Antrags hebt in scharfer Sprache hervor, bisher fei noch kein Fall zur Kenntnis des französischen Vol­kes gekommen, daß ein für einen militärischen Mißerfolg ver­antwortlicher Führer 'bestraft worden sei.

Der französische Ministerpräsident über den U-Bovtskrieg.

W.T.-B. Bern, 25. Mai. (Drahtbericht.) Rrbot erklärte in seiner Rede in der Depcftiertenkammer (vergl. gestrige Morgen-Ausgabe) noch folgendes: Der U-Bootskrieg ist ernst, man darf ihn jedoch nicht übertreiben. Im April war man über die Ver­luste der Alliierten erschrocken. Glücklicherweise waren die Mai-Ergebnisse weniger beunruhigend. Die fran­zösische Regierung suchte in Übereinstimmung mit den alliierten Regierungen wirksame Bekämpfungsmaß­nahmen. Der Marineausschutz der Deputiertenkammer wird bis nächsten Freitag, wo die darauf bezügliche Interpellation in der Kammer erörtert werden soll, Zeit haben, Zahlen und Tatsachen zu prüfen. Bezüg­lich der Einschränkungen muß man dem Lande öie Wahrheit jagen. Es rst unvermeidlich, daß

nach 21/2 Kriegsjahren alle Völker, selbst die neutralen, zu Einschränkungen und Leiden gezwungen worden sind. Das Land wird verstehen, sich zu fügen, wenn ihm Violette die Wahrheit sagt. Bezüglich der r u s s r- schen Revolution gab Ribot zu, daß die Entente- Regierungen die Entwickelung Rußlands mit Sym­pathie, aber zeitweise auch mit großer Besorgnis ver­folgten.

Die Meinung in Berlin.

- Berlin, 25. Mai. (zü.) Unter der Überschrift „Herr Ribot spricht" erinnert die „Nordd. Allg. Ztg." daran, dag, nachdem Deutschland und seine Verbündeten im Dezember vorigen Jahres ihre Friedensbereitschaft kundgetan hatten, im gegnerischen Lager auch der französischen Negierung zuerst das- Wort verstattct wurde, gleichsam im Nomen des ganzen Verbandes. Auch diesmal dürste man die Ausführungen des französischen Ministerpräsidenten wohl als eine wohlüber­legte und besprochene Kundgebung der Entente ansehen. Als solche bedeute sie ein Bekennt­nis zur Fortsetzung des Krieges. In seiner Geltung für die gesamte Entente erweiterte der Redner sein Bekenntnis und leitete aus den Vorgängen in Rußland dos Recht ab, auch diese Macht darin einznbeziehen. Er mache sich ebenso wie bei der Auslegung des Annexionsbegriffts da­bei einer geschichtlichen Fälschung schuldig. Nicht durch Frankreich sei die Entwicklung angebahnt worden oder sogar zur Auswirkung gekommen, die dem russischen Volke die eigene Bestimmung über seine Geschicke oerlieh, vielmehr habe Frankreich seine Milliarden dem Zarenreiche hinge- geben, um durch dessen imperialistische Tendenzen die eigenen Interessen zu fördern. Dieser Krieg sollte beiden neue Stärke derleiheu. Frankreich habe keinen Anspruch auf die Dankbarkeit des befreiten ruffischen Volkes.

Schwedisches Urteil über Ribots Rede.

— Stockholm, 25. Mai. (zb.) Zur Rede Ribots bemerkt „Stockholms Dagblodet": Es ist möglich, aber kaum wahr­scheinlich, daß Ribot selbst an die Übereinstimmung der Kriegsziele der Westmächte und der der vorläuftgen Regierung voni Arbeiter- und Soldoterrvat aufgezwungenen Bedingun­gen glaubt. Vielleicht kann man durch geschickte Redekunst während der Verbarcküuwgen, die Terestschenko in Aussicht stellte, eine wohlklingende Bergleichsformel finden, die den Schein einer Einheit bewahrt. Daß die Franzosen sich geschmeichelt fühlen, weil ruffische Höflichkeit sich dahin ausgedrückt hat, daß der französisch-englischen Offensive der Spielraum für ihre innere Regelung zuzu- schreiben ist, ist ja leicht erklärlich, aber die ganze Welt weiß, daß die Mittelmächte wesentlich aus politischen Gründen von einer Offensive an der Ostfront abgesehen haben und nicht durch den Druck von der Westfront dazu genötigt wurden. Daß Ribot bei seinen Landsleuten wirklich Zutrauen zu einer starken russischen Offensive erwecken kann, erscheint doch kaum glaublich, unb wenn er sich wirklich in seiner Rede, wie unser Pariser Mitarbeiter mitteilt, an die besonnenen Volksteile in Deutschland gewandt hat, um auf sie Eindruck zu machen, so hat er die deutsche Volks- stimmung falsch beurteilt, denn diese weist noch immer alle Gedanken an Landabtretnng überwiegend deutsch bevölkerter GebiNe zurück und' neigt auch nickt zu einer Revolution auf ruffischen oder frrnzöfischen Befehl.

Le Havre nrincnverfeucht.

Rotterdam, 25. Mai. Nach zuverlässiger Meldung ist Le Havre als minenverseucht erklärt und gesperrt worden.

Lebensryittelrnnmhen in einzelnen Pariser Stadtvierteln.

Nr. Genf, 25. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Dos Parier „Journal" meldet aus einzelnen Pariser Stadt­vierteln Unruhen, wobei die Polizei einschreiten mußte. Be­sonders fanden diese lärmenden Kundgebungen vor den Metzgerläden statt.

Oer Tauchbootkrieg.

Deutscher Schadenersatz für zwei holländische Schisse.

XV. T.-B. Haag, 24. 3iai. (Meldung des Korcesp.-Bur. Amtlich.) Das Ministerium des Äußern teilt nutz daß die deutsche Regierung für die Zerstörung des niederländischen Dampftrewlers „A. M. 265" am 8. Februar und des nieder­ländischen Segler-Fischerfahrzeuges „Marian Sch. 235" am 9. Februar Schadenersatz angeboten hat. Beide Schiffe waren am Morgen des 31. Januar, also ehe die An­kündigung des verschärften Unterseebootskrieges hier bekannt war. ausgefohi en und befanden sich zur Zeit ihrer Anhaltung, ohne von den deutschen Maßregeln etwas zu wissen, cm Sperrgebiet.

Eine Erfindung Marconis zur Bekämpfung der U-Boote?

II. Rotterdam, 25. Mn. (zb.) „Daily Telegraph" meldet aus New Dort: Marcom, der Erfinden der

drahtlosen Telegraphie, der als Mitglied der italieni­schen Mission augenblicklich in Amerika weilt, erklärte, daß er ein Mittel gefunden hat, durch welches die er­folgreiche Bekämpfung der U-Boote errnöglicht werde.

Ter Mißbrauch von Lazarettschifsen durch die Engländer.

XV. T.-B. Berlin, 22. Mai. Der Mißbrauch von Laza­rettschiffen durch die Entente bestätigt sich immer wieder von neuem. So -erzählt ein schwedischer Kapitän, der kürzlich den Algier nach Marokko zurückgekommen ist, daß in Oran und Tanger allgemein Lazarettschiffe als M u n i t i o n-S- und Transportschiffe verwendet werden. Nur zürn Schein werden auf jedes -Schiff einige Ärzte, Schwestern und Verwundete eingeschifft. Ms der Sckwede den Franzosen gegenüber sein Erstaunen ausspvach, wurde ihm -lachend ge­sagt, daß dies ein allgemeiner Brauch sei und man in fran- zösischen Kreisen daraus kein Geheimnis mache.

Oer Krieg gegen England.

Ein englischer Schlachtkreuzer auf eine Mine gelaufen.

Nr. Haag, 26. Ma-i. (Gig, Drahtbericht. zb.) In Rotter­dam geht das Gerücht, daß anfangs voriger Woche an der englischen Ostküste ein englischer Schlachtkreuzer von 16 600 Tonnen ans eine Mine gelaufen und schwer be­schädigt worden sei. Das Schiff soll in sinkendem Zu­stand in den Hafen von Lowestost eingebracht worden fein. Die kürzlich gemeldete Sperre dieses Hafens wird damit in Zusammenhang gebracht.

Der Lnftfchifßangriff auf England. s Eine englische Darstellung.

W.T.-B. London, 25. Mai. (Drahtbericht. Reuter.) In der letzten Nacht näherten sich vier oder fünf Luft­schiffe der Ostküfte Englands. Eine dichte Wand von Regenwolken erschwerte den Ausblick. Vier Luftschiffen gelang es, in die östlichen Grafschaften ein­zudringen: sie irrten ziellos umher und warfen in den ländlichen Distrikten eine Anzahl Bomben ab. Sie waren offenbar außerstande, sich zu orientieren. Unsere Aeroplane verfolgten sie. Die Wolken ermöglichten es den Angreifern, zu erftkommen. Ein Mann wurde getötet, der Schaden dürfte unbedeutend sein. -

Die japanische Flotte im Dienste der Alliierten.

XV. T.-B. London, 21. Mn. (Unterhaus.) In Erwidc- rung auf eure Anfrage sagte der Unterst ratssekretär Lord Robert Cecil: D,e Tätigkeit der japanischen Flotte rst nicht zu Ende mit ihren ausgedehnten Unternehmungen in der ersten Zeit des Krieges, die zusammen mit der lrrtt- schen Flotte ftattfanden und in der völligen Vernichtung der deutschen Seestceitkräfte im Sttllen Ozean gipfelten, noch mit dem Beistand, den sie seitdem der britischen Flotte bei der Bewachung der östlichen Gewässer leistete. In der neueren Zeit entsandte die kaiserliche Regierung mit Rücksicht auf die Lage zur See eine beträchtliche Anzahl leichter Streitkräste ins M i t t e l m e e r, wo sie jetzt mit den MattneLäften Englands wirken. Me Kreuzer wurden entsandt, um-die Seestreitkräfte Großbritanniens und der anderen Alliierten zu unterstützen. Außerdem wurden mehrere neue Abteilun­gen niächttger schneller Kreuzer entsandt, um die brittsche Flotte bei dem Schutze der Schiffahrt im Indischen und im südlichen Teile des Stillen Ozeans zu unterstützen. Diese Dienste für die Sache der Alliietten gewinnen eine er­höhte Bedeutung als Zeichen für die Gesinnung eines jeden unserer Alliierten und als Anzeichen für die Grüße des Bei- stmckcs, den wir zukünftig von ihnen erwarten können.

Vor der Einführung der Brotkarte in England.

Br. Rotterdam» 25. Mai. (Eig. Drabtbericht. zb.) Nach Ansicht des Londoner Berichteüstatters des „Neuen Rotterd. Courant' ist die -Einführung der Brotkarte in -England nur ei-nc Frage der allernächsten Zeit. Nach dem letz­ten Bericht mache sich die Wirkung des Unterseeboot­kriegs in letzter Zeit s e h r f ü -h I b a r. DaS englische Volk gewöhne sich an die neuen Verhältnisse sehr schwer. Nach seiner Ansicht müsse -die Brotkarte über kurz oder lang ein­geführt wenden.

Das neue Rußland.

Rußland in der Gewalt Englands und - .» Japans?

Br. Stockholm, 25. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Ein soeben aus Rußland zurückgekehrter Schwebe ver­öffentlicht im „Aftonblad" unter der Überschrift „Ruß- lanö Englands Vasall" wichtige Mitteilungen über die Verhältnisse in Rußland. Danach ist das ganze russische V e r w a l t n n g s j y st e in in e n g I i- scheu Händen. Die englischen Kontrollbehörden bewilligen nicht nur die Pässe für die Auslandsreisen, sondern überwachen auch die Auszahlungen größerer und kleinerer Geldsummen für Rechnung des Staates. Für diese Zustände bezeichnend ist folgender VorgAM