Verlag Langgasse 21
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Zrettag. 23. Mai 1917.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 264. . 65. Jahrgang.
Neuer erfolgreicher Luftangriff auf England.
W. T.-B. Berlin, 25. Mai. (Amtlich. D.) Eines unserer Marineluftschiffgrschwader unter Führung des Korvettenkapitäns Straßer hat in der Nacht vom 23. zum 24. Mai die befestigten Platze Südeuglands, London, Sherueß, Harwich nnd Norwich mit Erfolg angegriffen. Alle Luftschiffe sind trotz der vollkommensten englischen Abwehrmaßrcgeln ohne Berlu-st und Beschädigung zurückgekehrt.
Der Chef des Ädmiralstabs der'Marrne.
ver Tauchbootkrieg.
24 70« Tonnen!
W.T.-B. Berlin, 24. Mai. (Amtlich.) Neue Unteffee- bootserfolge im Atlantischen Ozean und n ö r b - lichen Eismeer: 18VA) Brnttoregistertonaen. Unter den versenkten Schiffen befand sich eine Anzahl bewaffneter russischer Dampfer von England nach Rußland. Von einem wurde das Geschütz erbeutet. Ferner wurden mit einem Dampfer 5700 Tonnen Kohlen für die italienische Regierung versenkt.
Der Chef des Admicalstabes der Marine.
Torpedierung eines britischen Transportdampfers.
W. T.-B. London, 24. Mai. (Meldung des Reuterschen
Bureaus.) Die Admiralität teilt mit, daß der britische Transportdampfer „T r a nshlv an i a" am 4. Mai im Mittelmerr torpediert worden ist. Umgekommen sind 29 Offiziere und 373 Mannschaften, der Kapitän des Schiffes, ein Schiffsoffizier und neun Mann der Besatzung.
- Weitere Versenkungen.
W. T.-B. Haag, 24. Mai. (Meldung der Nederlandfch Telegraaf-Agentschap.) Gestern nachmittag wurde der Segler „81 Iber di na" aus Grooningen von einem deutschen Unter- seeboct in der Nordsee versenkt. Die aus drei Mann bestehende Besatzung wurde in Scheveningen gelandet.
W. T.-B. Rotterdam, 24. Mai. In den monatlichen Mitteilungen des Bureaus Veritas ,verven noch folgende Schifte aufgeführt, die im Februar infolge des Krieges verloren gegangen sind: Englische Schiffe: „Alexandrian" (4467 Br.-R.-T.), „Wethersfield" (1875 Br.-R.-T.) und „Adad" (187 Br.-R.-T.); das norwegische Schiff „Brighton" (1125 Br.-R.-T.); das schwedische Schiff „Gord" (3095 Br.- R.-T.); das portugiesische Schiff „Maricchm" (102 Br.-R.-T.); die i t a l i e n l s ch e u Schilfe ,,Alba" (470 Br.- R.-T.), „Assunta" (132 Br.-R.-T.). „Romes" (64 Br.-R.-T.). „Taronda" (2457 Br.-R.-T.), „Torino" (4162 Br.-R.-T.), „Eridiana" (3171 Br.-R.-T.). „Rosalia"' (7186 Br.-R.-T.); das d ä n i s ch e Schiff „Chile" (986 Br.-R.-T.); die französischen Schiffe „Coquette" (167 Br.-R.-T.), „Le Lamentin" (716 Br.-R.-T.), „Bahonne" (2589 Br.-R.-T.) und ein spanisches Schiff „Patricia".
Die Angst vor den Unterseebooten.
W.T.-B. Berlin, 24. Mai. „Humid Stadsbladet" schreibt: Die Wirkung des Sperrgebietes ist dadurch ersichtlich, daß ein finnischer Kapitän, der beauftragt wurde, sich nach England zu begeben, in einem norwegischen Hasen vergebens auf die Gelegenheit zur Überfahrt wartete. Kein Dampfer wagt nämlich die Nordsee zu befahren aus Angst vor den Unterseebooten.
Der Nrik-Mfümb mtt Amerika.
Die Vereinigten Staaten für die Annexionspolitik der Entente.
(Drahtbericht unseres II.-SonderberichterstakterS.)
II. Rotterdam, 25. Mai. (zo.) Der „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus New Aork: Demnächst werde die amerikanische Regierung amtlich erklären, daß zwischen Washington und den Entente-Regierungen völlige Übereinstimmung hinsichtlich der Kriegsziele besteht Wilson werde sich in dieser Verlautbarung den Forderungen auf Zurückgabe der von den Mittelmächten ihren Nationalitäten „entfremdeten Gebiete", wie Elsaß-Lothringen an Frankreich und die slawischen Provinzen Österreich-Ungarns an Serbien, unbedingt anschließen.
Der frühere Botschafter Gerard als Hetzredner.
W. T.-B. Berlin, 24. Mai. (Amtlich.) Der frühere amerikanische Botschafter in Berlin, Gerard, hat sich bemüßigt gefunden, die von der deutschen Obersten Heeresleitung im April und Mai 1916 durchgeführte Verpflanzung Liller Einwohner aufs Land zum Gegenstand einer seiner deutschfeindlichen
Reden zu machen. Die Gründe der Maßnahme sind so oft wiederholt erläutert, ihre völkerrechtliche Unanfechtbarkeit so oft dargelegt und ihr Nutzen zum Wohle der Bevölkerung selbst so zwingend nachgewiesen, daß darüber weitere Worte nicht zu verlieren sind. Nur soweit Gerard in seinen Auslassungen neue wahrheitswidrige Angab'en macht, sollen seine Anwürfe nicht unwidersprock)en bleiben. Dahin gehört-vor allem die Behauptung, daß die Liller Männer und Frauen das Land für das deutsche Heer und die deutsche Zivilbevölkerung bearbeitet hätten. Tie Bevölkerung der deutschen Heimat hat an der G e t r e i d e- ernte des besetzten Gebietes keinen Anteil gehabt. Diese ist vielmehr allein den Einwohnern des okkupierten Nordfrankreich zugute gekommen. Wo zur Ernährung der deutschen Soldaten Erntebestände übernommen wurden, sind diese in gleicher Höhe den französischen Landanwohnern aus Deutschland zugeführt. Gerards Behauptung gehört daher in das Reich böswilliger und verleumderischer Er- f i n d u n g. Wenn Gerard sich weiter dahin ausläßt, daß es allem den Anstrengungen des Papstes, des spanischen Königs und des Präsidenten Wilson gelungen sei, die Rückführung der Liller Verpflanzten zu erzwingen, so wird bemerkt, daß die Rückführung nicht auf Grund eines derartigen Druckes erfolgte, sondern weil den betreffenden Personen von vornherein die Zusicherung gegeben war daß sie nach Beendigung der Ernte und Neubestellung des Landes in ihre Heimatorte entlassen werden würden. Daß gleichwohl ein Teil der Verpflanzten auf eigenen Wunsch tn den neuen Arbeitsorten verblieben ist, beweist, wie wenig die Leute unter der deutschen Maßnahme zu leiden gehabt haben.
ver ttrieg gegen England.
Englische Erwägungen über den Friede».
— Amsterdam, 25 Mai. (zb.) Wie ein Gewährsmann berichtet. erfährt man in Londoner diplomatischen Kreisen vertraulich, daß Asquith und Mac Kenna die Friedensidee stützen und Besprechungen mit Personen hatten, die vor der Abreise nach Petersburg stehen. Beide vertreten die Meinung, daß Rußlands Friedenswunsch von England unter st ützt werden muß, um Rußland als späteren Verbündeten zu behalten. Von Amerika erhoffen die englischen Liberalen nur geringe Lei st ungen. Mac Kerina plädiert für die Rettung von Englands Volkswirtschaft, tie den baldigen Frieden erheische. Ein völliger Diplo- mntcnwechsel der Entente in Rußland ist in Vorbereitung.
Das neue Wahlgesetz im britischen Unterhaus angenommen.
W. T.-B. London, 24. Mai. Das Unterhaus hat das Wahlgesetz, das die von der Konferenz von Vertretern aller Parteien gebilligten Vorschläge in sich schließt, in zweiter Lesung mit 329 gegen 40 Stimmen angenommen.
Der grosse Streik in England beendet.
— Haag, 24. Mai. (zb.) Hollands Nieuwe Bureau berichtet aus London: Die Arbeiterschwierigkeiten in England sind vorüber, seitdem ^die Regierung beschlossen hat, di: Schichtfübrer, obwohl sie die Arbeiter in gesetzwidriger Weise zum Streik aufriefen, nicht zu verhaften. In Barrcw und Shefield wurde die Arbeit bereits wieder ausgenommen, in Liverpool wird es wahrscheinlich schon heute der Fall sein. _
Das neue Rußland.
Ein durchsichtiges russisches Pressemanöver.
W. T.-B. Berlin, 24. Mai. Verspätet erhalten wir Kenntnis von einem Artikel der „Nolvaje Wremja" vom 25. April, worin über eine angeblich von Kaiser Wilhelm im Osfizierskasino in Oderberg gehaltene Rede berichtet wird. Diese Rede soll in einer in Berlin erscheinenden militärischen Rundschau nachgedruckt sein. Kaiser Wilhelm habe in dieser Ansprache vor Absendung einer Reservedivision der Garde darauf hingewiesen, daß es nun gelte, dem mächtigen l i st i g e n Reiche des O st ens, das heute von krampfhaften Unruhen ergriffen sei, einen Hieb zu versetzen. Die Offiziere der Garde seien schon in fünf feindlichen Hauptstädten siegreich eingezogen, der Kaiser befehle, die Siegesfahne nunmehr auch in die Hauptstadt Rußlands zu tragen. Der Kaiser soll seine Rede mit den Worten geschlossen haben: „Ich vollziehe endlich das
Vermächtnis me-ines großen Großvaters und werde das Slawentum aus allen Wegen, wo es mir entgegentritt, erdrücken." Diese Rede ist von Anfang bis zu Ende glatt erfunden und stellt offenbar ein russisches Pressenianöver dar, mit dem man auf die russische Masse einwirken will. Zum Schluß sei erklärt, daß eine militärische Rundschau in Deutschland überhaupt nicht existiert.
Keine Trennung Finnlands von Rußland.
# Kopenhagen, 24. Mai. Der Petersburger Berichterstatter der „Bcrlingske Tidende" meldet: Das russische Blatt „Rjct'ch" erklärt, daß Rußland unter keinen Umständen und in keiner Form einer Trennung zwischen Rußland und Finnland die Zustimmung geben kann.
vre Lage im wetten.
Die Kämpfe im Westen am 23. Mai.
Der deutsche Ergänzungsbericht.
W. T.-B. Berlin, 24. 2%i. An der gesamten englischen Front war die Gefechtstätigkeit am 23. Mai gering. Vor» seit- und Patrouillenkämpfe verliefen für uns günstig. Auf. klärende Sicht des Nachmittags benutzten die Engländer, um schweres J-Aier auf einzelne Frontabschnitte und besonders auf ftanzösische Ortschaften hinter der Front zu legen. Außer dem üblichen Feuer auf St. Quentin, das mehr und mehr in einen Trümmerhaufen verwandelt wird, hatten vor allem auch Courcelette und das von Einwohnern aus den geräumten Gebieten übervolle D o u a i zu leiden. Auch dieser Stadt scheinen die Engländer das Schicksal von Bapaume, Peronne und St. Quentin zugedacht zu haben. . ,
An der Aisne veffuchten die Franzosen, die ihnen am !8. Mai von den Posenecn entrissene Stellung in der Gegend von Braye wieder zu erobern.
Das deutsche Vernichtungsfeuer auf die sich ansammelnden Sturmtruppen vereitelte am Abend jeden Angriffsversuch. Erst bei Einbruch der Dunkelheit, nach 10 Uhr, der- mockten die Franzosen ihre Infanterie in das deutsche Maschinengewehr- und -Granatfeuer vorzutreiben. Ihr Angriff brach unter schweren französischen Verlusten vollständig zusammen, bevor die Angriffswellen die deutschen Gräben erreicht hatten.
Weiter östlich setzte bereits am Vormittag starkes Störungsfeuer am Che min des Domes ein, das 3 Uhr nachmittags südlich Cr«»nelle zum Trommelfeuer anwuchs. Der 9 Uhr abends siilgende Angriff wurde abge^- wiesen. Im deuffchen Feuer flüchteten die Franzosen üb« deckungsloses Gelände in die Ausgangsgräben zurück, wobei sie abermals schwere Verluste erlitten.
Ansammlungen in den französischen Gräben im Höhengelände der Champagne nördlich Prosnes wurden unter Vernichtungsfeuer genommen.
Außer den im Heeresbericht gemeldeten Gefangenen, die im Aprömont-Walde gemacht wurden, sind auch in d« Nabe der Combres-Hühe durch erfolgreiche Patrouillenunter- nehmungen Gefangene eingebracht worden.
Besuch des Kaisers an der Westfront.
W. T.-B. Berlin, 24. Mai. (Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser hat im Laufe der Woche die an der Westfront kämpfenden Truppen besucht. Er weilte bei zahlreichen an den Schlachten bei Ärras, an der Aisne und in der Champagne teilnehmenden Truppen, in Lazaretten und bei den Armeeführern und Führern der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht und Deutscher Kronprinz. Die Rückkehr ins Große Hauptquartier erfolgte heute früh.
Der zweite Abschnitt der 1». öjanzo- schlacht.
W.T.-B. Wien, 25. Mai. (Drahtbericht.) Aus bau Kriegspreffequartier wird gemeldet: Wie nach der Artillerievorbereitung am 22. Mai zu erwarten wrr, brach vorgestern an der Jsonzofront der i t a l i c n i s ch e Infanterie, sturm los, der an Heftigkeit alle Kümpfe übertreffen mag, die auf diesem Teile des Kriegsschauplatzes bis jetzt stattge- sunden haben. Mit -größerer Schonungslosigkeit als im ersten Abschnitt der 10. Jsonzaschlacht Waffen die Italiener vorgestern di: zum Teil frisch aufgefüllten Regimenter gegen unsere Front. Tag und Nacht brandeten die tiffgeglre- derten Massen des Feindes gegen unsere Stellungen heran. Aber Welle um Welle zerschellte am ehernen Widerstand unserer heldenmütigen Truppen, die ihre stellenweise völlig eir^eebneten Gräben mit beispielloser Zähigkeit verteidigten. 8ln ihrer Tapferkeit scheiterte die Übermacht, welche die Italiener mehr irvch als je zuvor in die Wagschale zu werfen versuchten, um den Erfolg an sich zu reißen. Alle ihre Anstrengungen blieben vergeblich: wir behaupteten auch vorgestern -rll: unsere Stellungen mit Ausnahme des schmalen Stückes bei I a m i a n o, wo unsere Truppen aus der vordersten Linie ungefähr um einen Kilometer zurückgenommen wurden.
In dem Raume nördlich von Tolmein beschränkte sich der Feind auf starke Artillerietätigleit. Seine Infanterie ließ er dort nicht in ?lktion treten. Dagegen war die ganze Front, von Plava bis zum Meere hinab, der Schauplatz erbitterter I n f a n t e r i e sch l a ch t en, denen auch die Nacht kein Ende zu setzen vermochte. Im 81b- schnitt Ku k- V o dice und Monte Santo steigerte der Feind sein Ariilleriffeuer von den frühen Morgenstunden an stetig. Um die Mittagszeit schwoll es zur Stärke von Trom- meffvuer au. Alle Kaliber, vom Feldgeschütz bis.zum schweren
