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Sonntag, 20. Mai 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 254. . 65. Jahrgang.

Das wettreimezr mit dem Code.

Unser U n t e r s e e b o o t s k r i e g hat sich langsam, aber sicher zu immer stärker anwachsenden Erfolgen entwickelt, die setzt so gewaltig sind, daß im stolzen, einst als seegewalttq geltenden Albion Heulen und Zähneklappern herrscht. Während im Jahre 1915 die monatliä>e Einbuße unserer Gegner und der sich in ihren Dienst stellenden Neutralen an Handels­schiffen erst im August aus über 160009 Tonnen stieg und auch das Jahr 1916 zunächst mit einem nicht wesentlich größeren Ergebnis einsetzte, wuchs die Ver­senkungsziffer im Laufe des Voriah res bereits ganz erheblich. Januar und Februar 1916 hatten zusammen 238000 Bruttoregistertonnen gebracht. Im März- April stieg die U-Bootsbeute auf 432 000, um dann zu- nächst wieder zu sinken, nämlich im Mai-Juni auf 219 000 und Juli-August 273 779 Tonnen. Ab Sep- tember begann dann der große Ausstieg: der Monat

brachte 254 600, der Oktober 393500, der November 408 500 und der Dezember 415 500 Tonnen. Der erste Monat des Jahres 1917, der zugleich der letzte vor dem verschärften U-Bootskrieg war, schloß die milde Phase dieses Krieges mit 439 500 Tonnen ab. Mit dem am 1. Februar verkündeten Einsetzen des uneinge­schränkten Unterseebootskrieges schnellte dann die Bernichtungskurve gewaltig in die Höhe. Der Februar ergab 781500 Tonnen, der März 925 000 und der April nach den bisherigen Meldungen, die vor- aussichtlich noch durch einen Nachtrag ergänzt werden, bereits über eine Million Tonnen. Seit dem Kriegs- beginn bis zum Anfang des uneingeschränkten U-Boots- krieges, also bis zum 31. Januar 1917, waren im gan­zen 4 004 500 Tonnen feindlichen Handels- schisfsrailms verloren gegangen. Dazu haben sich in den ersten drei Monaten des verschärften U-Bootskrieges 2 706 500 gesellt, macht zusammen 677100 0 Tonnen. Der Löwenanteil der Verluste aber kommt aus England, das bisher etwa 24 Prozent, also nahezu den vierten Teil seiner gesamten Handels­flotte verloren hat.

Zahlen beweisen, und es ist angesichts dieser Zif­fern begreiflich, wenn ein englischer Fachschriftsteller den U-Bootskrieg als einWettrennen mit dem Tode" be­zeichnet. Der gewiß unverdächtigeManchester Guar­dian" hat ausgerechnet, daß. wenn die Verluste der Handelsflotte in dieser Weise weitergehen,am Ende des Jahres nur noch sehr wenige britische Handels­schiffe schwimmen, soweit wir nämlich die Verluste durch Neubauten nicht ersetzen"., Zurzeit aber, meint er, könne England nur eine Million Tonnen im Jahre bauen. Doch auch bei zwei Millionen Tonnen Neubau­ten und bei möglichst günstiger Schätzung der englischen Verluste kommt das Blatt zu dem Ergebnis, daßder Feind die Hälfte des britischen Schiffsraums in zwölf Monaten vernichtet". Die hier ausgemachte Rechnung ist, wie gesagt, eine voin englischen Standpunkt aus optimistische, und die doppelte Lebensgefahr, von der das Britenreich bedroht ist, nämlich das Schwinden des Frachtraums und die Nahrungsmittel­not, wird dadurch naturgemäß verstärkt werden, daß die Neutralen angesichts der gewaltigen Erfolge unserer Unterseeboote wohl immer mehr die Neigung verlieren dürften, ihre Haut, nämlich ihre Schiffe, kür England zu Markte zu tragen.

Deshalb bemerkt ein englischer Publrzist ganz zu- treffend, daß die Zeit, die früher Englands Verbünde­ter gewesen sei und dann neutral wurde, jetzt zum ge- jährlichen Gegner geworden sei. Freilich wird aus New York berichtet, daß Edison mit 75 Jngemeuren eifrig im Schweiße von 76 Angesichtern arbeitet, um ein Mittel gegen die U-Boote zu finden. Das erinnert sehr an jenen Mmisterrat, der die soziale Frage lösen wollte und wenn die Beratung die ganze Nacht dauere. Der amerikanische Marineminister Daniels freilich be­kennt seufzend, er habe eine Unmenge Erfindungen er- proben lassen, aber keine habe das Problem gelöst, und die bis vor kurzem noch so großmäuligenTimes" klagen, daß England keine Hoffnung habe, den Verheerungen der Tauchboots und Minen bald ent­rinnen zu können.

Das ist ja der wahre Grund, weshalb Eng­länder und Franzosen jetzt wie unsinnig und doch hoffnungslos gegen die deutsche Front, gegen diese stählerne Wand anrennen, iveil sie erken- nen, daß ihre Zukunft nicht mehr auf dem Wasser, son- dern unter dem Wasser liegt. Und weil wiederum die Franzosen erkennen, daß sie bei diesem wahnwitzig bluff gen Ansturm das letzte Blut der französischen Nation verspritzen, so ermahnen sie, wie jetzt wieder der Rappell", die englischen Bundesgenossen, doch nun endlich ihre Kriegsflotte einzusetzen. Daran denkt das perfide Albion aber nicht, weil es mit der Flotte seinen I e tz t e n T r u m v f aus der Hand geben würde, und weil es eben die Selbstvernichtungstaktik, an hör es die Bundesgenossen, die Trabanten zwingt.

nicht restlos niitmachen will. Wie lange aber wird es die Selbstvernichtung seiner Handelsflotte treiben? Wir wissen das nicht, können es jedoch in Ruhe abwarten, können abwarten, bis die Ohnmacht des seiner einstigen Seeherrlichkeit entkleideten Britenreiches seine Verbün­deten, deren Selb st er kennt nis, wie vor allem das russische Beispiel zeigt, starke Fortschritte macht, vollends darüber aufklärt, daß sie die unge­heuren Opfer, die sie in diesem vcrnichtungs- fchwangeren Weltkriege brachten und bringen, für fremde Rechnung gebracht haben, für die Rechnung des perfiden Albion.

Seit 1. zebruar 2772000 Taimen versenkt.

W. T.-ß. Berlin, 19. Mai. (Amtlich. Drahtbericht.) Nach endgültiger Feststellung sind im Monat April an Handelsschiffsraum insgesamt 1001000 Brutto­registertonnen durch kriegerische Matznahmen der Mittelmächte vernichtet worden, darunter 822 000 Brutto­registertonnen feindlichen Schiffsraums, und von diesem 664 000 Brutto« egistertonncn englisch. Hiervon wurden 80 000 Bruttorcgistcrtonncn vonII 3 5" (Kommandant Kapitänleutnant Arnault de la Periere) während einer Un­ternehmung versenkt.

Seit Beginn des uneingeschränkten U-BootSkriegs sind insgesamt 2 272 000 Brnttoregistertonnen Handelsschiffsraum infolge kriegerischer Matzuahmen der Mittelmächte verloren gegangen. Davon waren 1707000 Bruttoregister» tonnen englisch.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

327 feindliche und neutrale Schiffe vom 1b. Kpril bis 13. Mai versenkt.

Eine holländische Feststellung.

W. T.-B. Amsterdam, 19. Mai. (Drahtbericht.) Die Versicherungsfirma Blom und van der Aa vrr- öffentlicht eine Liste von feindlichen und neutralen Schiffen, die in der Zeit vom 16. April dis 15. Mai durch Kricgshandlungmen verloren gegangen sind. Danach sind in diesem Zeitabschnitt 195 Dampfer, 84 Segler, 47 Fischerfahrzeuge und 1 Schlepper, zusammen 327 Schiffe gesunken.

Ein sehr erfolgreiches U-Boot.

W.T.-B. Madrid, 19. Mai. (Drahtbericht. Ver­spätet eingetroffen. Funkspruch des Berichterstatters des Wiener Korr.-Bureaus.) Nach offiziellen, in den Blättern veröffentlichten Meldungen iorpedicrte am 11. April ein Unterseeboot bei Portosa den be­waffneten französischen PostdampferMe d j e r d a" auf dem Wege von Oran nach Port Vendves. Der Untergang des Schiffes erfolgte unerwartet und plötzlich. Die an Bord befindlichen 450 Mann Kolonialtruppen sind fast alle umgekom- men. Vorgestern versenkte das U-Boot nach einem kurzen Kampf bei Portosa den bewaffneten englischen DainpferCameronia" (6000 Tonnen) mit 5000 Tonnen Kohlen von NewCastle nach Genua. Der Wert des Schiffes samt Ladung wird mit 3 Millionen Pesetas eingeschätzt. In derselben Gegend versenkte das U-Boot den griechischen DampferSephosya" mit 2000 Tonnen Schwefelsäure und 400 Mann von Valencia für Frankreich bestimmt.

Die briffsche Meldung über die Versenkung des TruppenttansportdampsersCameronia".

W.T.-B. London, 19. Mai. (Drahtbericht.) Amt- liche Meldung. Am 1l. April wurde der britische TransportdampferCameronia" mit Truppen an Bord im östlichen Mittelmeer von einem feindlichen U-Boot torpediert. Ein Offiziere und 1.28 Mann von den Truppen, zwei Offiziere und neun Mann der Be- satzung werden vermißt.

Die Versenkung des englischen 11 V0«-Tonnen-Dampfers Rotorua".

W. T.-B. Rotterdam, 19. Mai. (Drahtbericht.) Im englischen Oberhaus erklärte am 10. Mai Lord Meath, daß der DampferRotorua", ein Schiff von 11140 Tonnen, am 22. März im Kanal versenkt worden ist. Der Dampfer hatte 100 000 Stück geschlachtetes Vieh und andere Nahrungsmittel an Bord. Er lau- dete in Plymouth 250 Passagiere und fuhr nach einem anderen Hafen, um feine Ladung zu löschen. Dabei wurde er von einem deuffchen U-Boot torpediert.

Weitere Versenkungen.

W.T.-B. Madrid. 19. Mai. Meldung des VertretwS des Wiener Korr.-Bureaus. Einer Mitteilung desJmparcial" zu- folge ist neun Meilen nordöstlich von Valencia d:r französische SeglerGrallnoise (270 Tonnen) mit einer Wein- und Orangen- ladung von Altcant? naä Marseille unterwegs, von einem Unter­seeboot versenkt worden, ebenso südöstlich von Almeria der italie. nrsche Segler Independent" (183 Tonne»).

Die Furcht der englischen Kriegsschiffe vor den deutschen U-Booten.

Madrid, 19. Mai. Einer Meldung desABC" zufolge traf in San Sebastian die Mannschaft des vor 14 Tagen von einem Unterseeboot in der Nähe der englischen Küste versenk­ten spanischen MineraldampfersAllumendi" ein. Nach Aus­lagen der Mannschaft kommen in Cardiff täglich Schiffbrüchige aus aller Herren Ländern an. Die eng­lischen Zerstörer verlassen aus Furchtbar den Unterseebooten kaum noch die Heimathäfen; in den« Ärmelkanal sei kein englisches Kriegsschiff zu sichten. Da Wirkung des verschärften U-Bootkriegs mache sich in England so stark fühlbar, daß in Cardiff und London die Seeleute Hunger leiden.

Die Unsicherheit der Schiffahrt im nördlichen Eismeer.

W.T.-B. Kopenhagen, 19. Mai.Berlingske Tidende" meldet aus Christiania: Es stellt sich nun heraus daß die Schiffahrt im rundlichen Eismeer nicht sicher ist. Ern nor­wegischer Fangdampfer stieß bei der Bärenrnsel, die zwischen Spitzbergen und der rwrwegischen Küste liegt, auf eine Mine urid sank.

Zortdauer der neuen Zsonzoschlacht.

österreichisch-ungarischer Tagesbericht,

W.T.-B. Wien, 19. Mai. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 19. Mai, mittags:

östlicher Kriegsschauplatz.

An einzelnen Frontabschnitten löste ruffrsche Ar­tillerittäff gkeit unser Ver g e ltu ugsf c u er aus.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Der gestrige siebente Tag der 10. Jsonzoschlacht war wieder von heftigen Kämpfen erfüllt. Süd­westlich von A n z z a bemühten sich die hier am linken Jfonzoufer eingenistcten Italiener vergeblich, ihre Stellungen zu erweitern. Unsere Linien westlich des Engtalcs Plava-Salcano standen andauernd unter feindlichem Geschützfeuer aller Kaliber. Die italienische Infanterie, deren schwere Verluste unaus- gesetzt durch den Einsatz neuer Truppen ausgeglichen wird, richtete in diesem Raum ihre Anstrengungen vor- uehmlich gegen die Höhen von Vodicr, gegen die sie zu wiederholten Malen in dichten Kolonnen Sturm liefen. Jeder dieser Anstürme brach bei der helden­mütigen Haltung der von ihrer Ar- tillerie und der am Kampfe teilnehmenden Flieger kräftig unterstützten Verteidiger blutig zusammen. Besonderes Lob gebührt Abteilun­gen des Kassner Infanterieregiments Kaiser Wilhelm II. Nr. 34, dem von dem tapferen Obersten Perner geführ­ten wcstgalizischen Landsturm - Jnsaittcriercgiment Nr. 32 und dem k. und k. Landsturm-Bataillon Nr. 40. Östlich von Görz versuchten die Italiener neuerdings mit einem ohne Artillerievorbereitung angesetzten Massenstoß durchzndringen. Das Ergebnis dieses Versuches war kein anderes wie am Vortage. Unsere Stellungen wurden ausnahmslos behaup­tet. Geplänkel, das in diesem Abschnitt nachts herrschte, brachte 150 Gefangene ein, darunter 2 Offi­ziere

Unsere Flieger schossen im Luftkampf zwei feind­liche Flugzeuge ab; ein drittes wurde bei Bertojca durch Kleingewchrfener herabgeholt.

Das bisherige Ergebnis der nun schon eine Woche aussüllenden Kampfe'gegen unsere tapferen Jsonzo- truppen besteht für die Italiener lediglich in einer kaum zwei Kilometer im Umkreis betragenden Erweiterung ihrer Brückenkopfstellung bei Plava.

Im Flitsch er- und Pl ö ck en- Gebiet sowie an mehreren Abschnitten der Tiroler Front wuchs das Geschützfcuer beiderseits zu beträchtlicher Stärke au. In Südtirol bei La q i i und auf dem B o r c o l a - Paß drangen unsere Erkundungs«ibtcilungen in die feindlichen Stellungen ein und nahmen die Besatzun­gen gefangen. s

Südwestlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: v. Höf er, Feldmarschakleutnant.

Der deutsche Kbendbericht vom 19. Mai.

W. T.-B. Berlin, 19. Mai, abends. (Amtlich. Drahtbe-

richt.) In der Champagne nachmittags zunehmende Artillerietätigkeit, sonst im Westen und Oste», keine be­sonderen Ereigniffe.

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