Verlag Langgasse 21
„Tazblalihaus".
SOialter-Halle geWhtet von 8 Uljt morgens bi» 7 Uhr «btaM.
wöchentlich
--bestellen und in den ben-chdnnen L-Nbort-N und im Rheing.n di-"b°.7effend-n T°gb,°tt.Triger
«uzeigen-Anxnhme: KürbieAdend-Auig.biSiSUdr - _.. .
uiiitflg»; für die Morgen-Ausg. di» S Uhr n-chmitt-g». Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts:
13 Ausgaben.
Fernruf:
„r«S»l«tttz»Ls" Nr. 6650 SZ.
Bon S Uhr morgens bi» 7 Uhr abends, anher S onn t« 36 .
Arrzeigerr-PreiS für die Heile: iS Pfg. für örtliche Anzeigen im „Arbettsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzform; 20 Pfg. in davon abweichender Satzausführung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen: 30 Pfg. für alle auswärtigen Anzeigen: 1 Mk. für örtliche Reklamen; 2 Mk. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entivrechender Nachlaß.
Berlin W., Potsdamer Stt.121L. Feruspr.: Amt Lütz»w62O2«.62O3.
Dienstag, 15. Mai 1917.
Morgen-klusgabe.
Nr. 245. ♦ 65. Jahrgang.
Der Eauchdootkrieg.
Ein französischer Truppcntransportdampfer im Mittelmeer versenkt.
W. T.-B. Berlin, 14. Mai. (Amtlich. Drahtoericht.) Eines unserer im Mittelmeer operierenden U-Boote (Kommandant Oberleutnant zur See Launburg) griff am 13. April den französischen Transportdampfer „C o l b e r t" (5394 Bruttoregistertonnen) mit Truppen und Schiffsmaterial von Marseille nach Saloniki unterwegs in dem Kanal von Calise an und brachte ihn durch Torpedotreffer innerhalb 5 Minuten zum Sinken.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
England und Deutschland haben die Rollen gewechselt.
W. T.-B. Aus dem Haag, 14. Mai. Der „Nienwe Courant" begrüßt die Wiederaufnahme des belgischen Hilfswerks und rühmt die Erfolge des T a uch bo o t k r i e g s. England und Deutschland wechselten die Rollen. Jetzt beherrsche Deutschland mit seinen Tauchbooten die See. Alle englischen Versuche, sich die U-Boobwaffe vom Leibe zu hatten, seien bisher vergeblich gewesen und die jubelnde Freude des deutschen Reichstags über die Ergebnisse des U-Bootkriegs -und seine Überzeugung, daß England bald werde Frieden machen müssen, könne nicht befremden.
Oer Nbendbericht vom 14. Mai.
W. T.-B. Berlin, 14. Mar, abends. Amtlich. Drahtbericht. Wechselnd starke Artillerietätigkeit an den Kampffronten im Westen. Bei C r a o n n e, Lille, C o r b e» h und Berrh-au°Bac blieben französische Teilvorstöße erfolglos.
*
Reuter kündigt neue Anstrengungen der Entente im Westen an.
Nr. Haag, 14. Mai. (Eig. Drahtkericht. zb.) In der üblichen englischen Wochenübersicht bei Reuter über die Krieg sereigniste heißr es, daß an der Westfront noch umfang, reichere Kriegsh.indlungen zu erwarten sind, da die Alliierten weiterhin Mannschaften und Munition zusammenzieheu wollen, und zwar zu jeder Höhe, die nötig ist, um ihr Ziel zu erreichen.
Das neue Rußland. '
Das Durcheinander in Petersburg.
W. T.-B. Amsterdam, 13. Mai. Reuter meldet aus Petersburg: Eine Bande von etwa 30 Anarchisten aus Petersburg und Schlüsselburg, die mit Gewehren, Revolvern und Bomben bewaffnet war, setzte sich in den Besitz des Hauses des Herzogs von L-euchtenberg in der Nähe des Marientheaters, um darin ihr Großes Hauptquartier aufzuschlagen. Sie weigerte sich trotz einer Weisung des Arbeiter- und Soldatenrates, das Haus zu verlassen. Der ,Bezttksk>-mmandant hat das Haus von Truppen um- stellen lasten. — Nach einer weiteren Depesche hat der 'Kommandant von Petersburg Korniloff seine Ent- jlaffung gegeben.
4P Stockholm, 13. Mai. In den letzten Tagen sind in Stockholm wieder zahlreiche Polen eingetroffen,. darunter frühere Reichsratsmitglieder und sehr maßgebende Persönlichkeiten, die die Lage in Rußland ganz hoffnungslos schildern und die Wiederkehr der Ordnung auf lange Zeit für aussichtslos erklären, so daß sie sich entschlossen haben, das Land für immer zu verlassen. Rußland sei ein wildes Chaos und werde der Schauplatz noch größerer Erschütterungen . iverden. ,
— Berlin, 14. Mai. (zb.) Zur Frage der Koalitionsregierung in Rußland heißt es im „B. T.": Einstweilen hat der Vollzugsausschuß des Arbeiter- und Soldatenrates die Teilnahme an einem Koalitionskabinett mit 23 gegen 22 Stimmen ab ge lehnt; die Generalversammlung kann anders entscheiden. Man versichert, daß die Anarchie nicht durch einen Konflikt zwischen der Regierung uno der Mehrheit des Arbeiter- und Soldatenrates droht, sondern von der extremen Linken. Auch diese Gefahr wird gegenwärtig nicht für akut gehalten, aber ernst genommen. Lemns Stellung soll sich dahin geklärt haben, daß cr für die Fortsetzung des Verteidigungskrieges ist, bis die Gewalt völlig in die Hand des Proletariats übergegangen sei und dessen bewaffnete Diktatur aufgerichtet wird. Borgbjerg sprach in Petersburg mit Kcrenski. Der Letztere meinte, die Friedensfreunde draußen in der Welt jmüffen, bedenken, daß Rußlands Stellung sehr schwierig - ist '/und Gärung im Lande herrscht. „Lassen Sie uns Zeit, jw Ordnung zu kommen." - — V-
Der Rücktritt des Kommandanten von Patersburg.
Nr. Berlin, 14. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der -L-'A." meldet aus Rotterdam: Nach einem Petersburger Drahtbericht^ erklärte der Kommandant der Garnison von Petersburg Kornilow cr habe seine Entlassung genommen, weil eine Anzahl Behörden beanspruchten, die Garnison zu -befehligen, und weil der Rat der Arbeiter und Soldaten alle Befehle des Generals zur Bekräftigung vorg-elegt haben wollte.
«
Kurland will deutsch bleiben.
Die „Stimmen aus dem Osten" geben bekannt, daß die Vertreter der kurländischen Ritter- und Landschaft, des deutschen Bürgertums und der Geistlichkeit dem Chef der deutschen Verwaltung Kurlands folgende Ent- schließung überreicht haben:
„Die kurlandische Ritter- und Landschaft ist sich eben dessen voll bewußt, daß es auch diesmal ihre oberste Pflicht ist, für ihr D e u t s ch t u m die schwersten Opfer zu bringen, um ihre nationale und politische Aufgabe zu erfüllen. Weit weist sie es von sich, als ob durch wirtschaftliche Nöte und Sorgen ihr deutsches Emp. finden eine Einbuße erleiden und ihr politischer Blick getrübt werden könnte.
Die kurländische Ritter- und Landschaft ist eine deutsche und erkennt es klar, daß ihr n u r v o n Deutschland das Heil komnien kann, daß nur durch den Sieg Deutschlands und durch Angliederung Kurlands an das Deutsche Reich sie ihr höchstes Gut, ihr Deutschtum, erhalten kann. Sie spricht hiermit ihre volle und freudige Bereitwilligkeit aus, dieselben Opfer zu bringen, dieselben Entbehrungen zu tragen wie die Bevölkerung des Reichs, in der festen Zuversicht, daß Kurland nach dötn Frieden an das Deutsche Reich angegliedert wird."
Durch diesen Schritt ist das Schicksal der führenden Männer und Schichten-Kurlands, also eines Gebietes so groß wie das Köni grc ich-W ür ttemb e rg samt dem Großherzogtum Hessen, noch mehr als bisher auf Gedeih und Verderb mit dem Siege Deutschlands verbunden. Solchen Männern muß sich beim Friedensschluß eine feste deutsche Hand entgegenstrecken. _
Der Krieg gegen England.
Der König von England ausgepfiffen!
»r. Cbristiania, 14. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Russi. sche Arzte, di« sich längere Z«it in Landen aushrelten, berichten, daß König Georg, als er letzthin mit' dem/ßremier- minister Lloyd George zum DankgottesdienstMur Kathedrale fuhr, mit seinem Begleiter von der Bevölkerung ausgepfiffen wurde. Die Stimmung gegen Rußland nimmt täglich an Erbitterung zu. England droht Rußland immer unverblümter mit dem Einmarsch Japan?, falls Rußland Frieden schließen wollte, und stellt für diesen Fall die Eroberung von K o n st a n t i n o p e l als das e n g -' lische Kriegsziel hin, um hierdurch auf den russischen Kriegswillen im englischen Interesse einzuwirkeu.
*
Chilenische Firmen auf der englische» schwarzen Liste.
Nach den „Mitteilungen des Vereins für dar Deutschtum im Ausland" befinden sich auf der letzten schwarzen Liste, die von den Engländern herausgegeben wurde, unter den zehn angeführten chilenischen Firmen nicht weniger als sechs, die Vollblut-Chilenen, nicht etwa Ebilenen deutscher Abstammung, gehören Ein erfreuliches Zeichen für die Stimmung in der aufblühenden südamerikanischen Republik!
Die Stockholmer „zriedenr'lonserenz.
Die internationale Sozialistenkonferenz in Stockholm, die sich nach der Versicherung ihrer Veranstalter nur mit der Frage beschäftigen wird, „wie kommt man am schnellsten zum Frieden?", sollte nach dem ursprünglichen Programm Mitte dieses Monats.eröffnet werden, aber „höhere Gewalt", nämlich die Uneinigkeit der Teilnehmer bezw. derjenigen, die es werden sollen und nicht wollten, hat es notwendig gemacht, die Eröffnung auf den 10. Juni zu" verschieben. Doch hat die Ouvertüre fcfjon begonnen. Mitglieder des internationalen sozialistischen Bureaus Haber, wie aus Stockholm telegraphiert wird, bereits die erste konstituierende Versammlung zur Vorbereitung' der Tagung abgehalten, und vom 13. Mai ab soll eine Reihe Einzelkonferenzen von Parteivertcetern der verschleieren Länder stattfinden, „um Klarheit über gewisse VerhAtnisse und Richt- linien zu schaffen, so daß alle an der Konferenz am 10. Juni teilnehmen können". Man sieht, es handelt es sich um ein Rennen mit Hindernissen.
Wer wird an ihm teilnehmen? Was die Staaten des Vierbundes betrifft, so werden von deutscher Sette wchl die offizielle Sozialdemokrrttie durch 'Delegierte der Partei,
per Gewerkschaften und -er Reichs tags ftaktion, als auch die
sogenannte Arbeitsgemeinschaft vertreten sein, die sich ch ans einem internationalen Kongreß ganz besonders in ihrem Element fühlt. Desgleichen wird die österreichisch- ungarische und die bulgarische Sozialdemokratie in Stockholm vertreten sein. Von den neutralen Staaten ist bisher nur die Beteiligung der drei skandinavischen Länder und Hollands sicher, während^die der Schweiz infolge des Widerspruchs der sogenannten Zimmerwalver Gruppe rwch ungewiß ist.
Von unseren Gegnern steht nur die Beleilignng der russischen und der italienischen Sozialdemokratie unbedingt fest, doch ist in den letzten Tagen eine, wenn auch bedingte Zusage der Amerikaner eingetrossen. Die englischen Sozialisten haben ihre Teilnahme glatt verweigert, und innerhalb der französischen Sozialdemokratie werden seit etlichen Wochen erbitterte Kämpfe über die Frage ansgefochten. cb man in Stockholm mitmachen soll oder nicht. Der ständige administrative Ausschuß der sozialistischen Partei hat am 8. d. M. mit 13 gegen 10 Stimmen bei einer Stimmenthaltung beschlossen, daß sich die Partei ans der Konferenz nicht vertreten lasse. Dem gegenüber haben aber die Mitglieder der Minderheit den Beschluß gefaßt, von sich aus eine Abordnung zu entsenden. Für den 27. Mai ist eine Sitzung des französischen Parteiausschnffes anberaumt zur „Untersuchung der irtternationalen Ereignisse", und die Minderheit schmeichelt sich mit der Hoffnung, daß sie angesichts der Stimmung in der Partei aus diesem Kongreß als Mehrheit hervorgehen werde. ‘ Ob die Hoffnung berechtigt ist, kann man natürlich nicht beurteilen; eine ber diesen Kämpfen vollzogene Tatsache ist die Spaltung der sozialistischen Partei in Frankreich. Es scheint also, als ob der Weltkrieg überall tvennend auf die Sozialdemokratie wirkt.
Schon das Fernbleiben der englischen und der offiziellen französischen Sozialdemokratie sollte die Drahtzieher dieser „Friedenskonferenz" darüber belehren, daß die ganze Veranstaltnrig uu Grunde recht ,zwecklo s" ist. Daß übrigens die Konferenz den Frieden nicht diktieren kann, geben ihre Einbecufer mit einem Anflug von Selbsterkenntnis zu;, aber die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß sie- nicht nur nicht den Frieden, sondern eiiisn Krieg im Kriege, nämlich ein sehr scharfes Aufeinander- prallen der verschiedenen Gruppen und Strömungen drangen wird. Man kann drei solcher Strömungen unterscheiden. Zunächst die Gruppe Troelstra und Staunt n g, der wenigstens Objektivität zuerkannt toerden kann, ur^d derer Ziel die Verstärkung der Friedensbewegung ganz im allgemeinen ist. Ihr steht scharf die Gruppe B r a n t i n g gegenüber, die ihre Spitze ausgeprägt gegen Deutschland richtet und vor allem eine gründliche Abrechnung mit der sozialdemokratischen Partei Deutschlands halten will, die gegen die Internationale geftevelt habe. Der sattsam bekannte schwedische Sozialistensührer verlangt deshalb, daß die Frage der Schuld an dem Kriege auf der Konferenz erörtert werden soll, und er hat sein Programm hierfür schon fertig; denn die Schuld ttägt nach seiner Behauptung Deutschland, das allein den ganzen Zehn-, Elf-, Zwölf- usw.-Derband überfallen hat! Die dritte Grnvpe cnd- lich ist die sogenannte Zimmerwaldgruppe, welche die Konferenz überhaupt für zwecklos hält, weil „die Entente-Sozialisten noch nichts vom Frieden wissen wollen, da ihre Bourgeoisie noch keinen Befehl zur internationalen Verständigung erlassen hat".
Welcher Wind auf der Stockholmer Konferenz wehen wird, geht deutlich genug daraus hervor, daß zum Vorsitzen- den des internationalen sozialistischen Bureaus der Deut- schenfrester Branting gewählt worden ist. Man wird sich also auf eine Neuauflage des Entente-Lügenfeld- z u g e L gegen Deutschland gefaßt machen können oder wenigstens auf einen Versuch dazu. Denn die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß eine allzu scharfe Durchführung der geplanten Brantingschen Taktik zu einer Sprengung der Stcckhclme^Konferenz führen dürfte, was für die Sache des. Friedens kernen Verlust bedeuten würde. .
* • r
Der Standpunkt der sozialistischen Mehr-heil in Frankreich. j
W. T.-B. Paris, 14. Mai. Die Agenee Hovas mvYrlrf* Dem Nationalrot der sozialistischen Partei, der zum 27. MZ einberusen ist, um über die Haltung ans der internatiomAen Besprechung in Stockholm zu beraten, beschlossen M Angeborigen der Parteimehrheit, einen Antrag Mtz Abstimmung vorzulegen, durch den die Entschließung 2eS Voll» zugsausschustes bestätigt wird. Die Partei wird durmGA keinem französischen Sozialisten eist M ■bat erteilen, die Partei in Stockholm zu vertreten. %u dem Antrag heißt es iveiter: Die sozialistische Par^i willst ein, an der nächsten Zusammenkunft der Intern-atonale test- zunebmen, falls die Einberufung ordnungsmäßig geschcht und die Tagesordnung festgesetzt wird. Die Verantwortlichkeit Deutschlands und Österreich-Ungarns soll festgestellt vnd ihre Regierungen zu Feinden der Jnternario- nale erklärt werden. Die deutschen und österreichischen Sozialisten sollen als Mitschuldige ihrer Regierungen aus der Internationale entfernt werden. Der Antrag schließt mit der Forderung an die Internattonale, die schuldigen Vertreter des deutschen und österreichischen Sozialismus tn den Anklagezuftand zu versetzen.
