Wenn et net mih wär.
O wie eß bat Herz mir schwer,
Weiß net, wie dat eß!
Wenn et noch wie immer wär,
Schrieb e ganz geweß.
Horch, de Hund bellt vir de Dir,
Rasch, et kemmt die Post; - Brejfbot, Brejfbot, Brejfbot hir,
Ob d' en Brejfche host!?
„Grittche, naa, bedaure sehr." —
Hot die Lieb en Reß?!
Wenn et noch wie immer wär,
Schrieb e ganz geweß.
Weiß net, wo de Kopp mir stiht, —
Wenn et net mih wär, hnder noch e Johr vergiht, äg ich en de Ar'.
W. Reuter.
John Brinkmanns Boß und Swinägel.
Eine Tier« und Menschengeschichte.
Es war im Herbst gleich nach Martini an einem nebeligen Morgen, wo der Nordost scharf und kalt über Saat und Brache blies. Das Laub war fast schon von den Bäumen gefallen, die wenigen noch feilschenden Blätter sahen welk und elend aus wie Leute, die weder leben noch sterben mögen. Die hohen Tannen im Wald rauschten frostig und schüttelten die Tautropfen ab, wie der kranke Müller die Blutegel. Stoßweise ging der Wind über die Brache, toll und blind, wie ein mit der eisernen Egge durchgegangenes Pferde- gefpann. Die Saat lag teilweise schon tm Acker, Raps und Rüpsen, Weizen und Roggen waren bereits ausgelaufen. Aus ungeschützten Stellen lagerte der Reif. Als die Sonne den Nebel durchbrach, blitzte und glitzerte die Wiese von Eiskrystallen. Die Luft sah kupferfarben und schwer aus, als ob man schon Schnee erwarten könnte; und die. Sonne blickte so sauer und verdrießlich wie die faule Meierin, die Morgens vor Tau und Tag nach der Kuhregel muß. Es war so still und einsam auf dem Felde, daß die alte hungrige Krähe auf dem Weidenbaum bei der Mergelgrube laut kräcbzte. Der Schäfer hütete seine Herde hinter dem Acier; sem Hund steckte den Schwanz zwischen die Beine und sah nachdenklich von seinem Herrn auf die Schafe, als ob er darüber nachsänne, warum jetzt so zeitig herausgetcieben würde Es war doch genug Bichsutter in den Scheunen, außer den drei Erbsenmieten beim Schafstalk. Der Schäfer war auch ärgerlich, er hatte seit einer halben Stunde versucht, seine Pfeife in Brand zu setzen, hatte sich aber dabei den Daumen blutig geschlagen, aber der infame Schwamm wollte kein Feuer fangen, gleichviel, ob er ihn über oder unter den Stein legte. „Wennt nicht bottern will," sagte er boshaft, denn kämmt kein Botter ut de Melk und wenn een ok rinspigt."
Hinter den Außenschlägen standen lauge, dichte Tannenreiben, in denen ein Krammetsvögeldohnensteig angelegt war. Hier raschelte es, als ob jemand, der nichts gut«? im Sinuc hat, auf Socken die Treppe hinunter schleicht;
das war der Boß, der vorsichtig Umschau hielt, ob ein Krammetsvogel oder eine Wachholderdrossel sich tu den Schnüren verstrickt habe. Die Krammetsvogel waren aber schon weiter gezogen, und weder Meise noch Holzhüher war aus den Leim gegangen. In den Dohnen hingen nur noch einige Vogelbeeren. „Na, wat nu," sagte Boß verdrießlich. Nach kurzem Besinnen spitzte er die Ohren, hielt Kops und rechtes Borderbein in die Höhe und gab Obacht, ob sich aus dem Felde etwas rührte. Als alles still blieb, sah er vorsichtig auf den gepflügten Acker und auf die weit entfernte Schafherde. Kein Laut war hörbar außer dem hohlen Krächzen der hungrigen Krähe. „Dat kann mi passen," sagte der Boß und lief in den Tannenreihen hin und her. Dabei hielt er den Kopi dicht am Erdboden, als ob er eine Spur gefunden hätte. Es dauerte auch nicht lange, bis er seiner Sache sicher war, und nun ging es über den gepflügten Acker in den Weizenschlag hinein. Auf einmal inachtc er sich klein und versteckte sich unter einem großen Rasenstück. Dann hot er unversehens den Kopf und saß mit einem Satz einem in der Furche schlafenden Hasen an der Gurgel. Der erschrockene Hase quickte gefährlich und machte drei Sprünge, um den schlimmen Gast los zu werden. Es half ihm nichts, Boß ließ nicht los, und es dauerte nicht lange, da lag der Hase steif und tot und blutete aus Genick und Gurgel. Boß leckte sich das Maul, grinste häßlich, zeigte dabei alle seine scharfen Zähne und sagte: „Dat schadt di nix, dat di frieren deiht, wurüm hält din Badder di keen Fusthanschen kösst. — slag dir 'n anner Mal mit apen Ogen, Schaps- kopp." Darauf setzte er sich hin und fraß, daß ihm das Maul schäumte. Er hatte guten Appetit und guten Gelaß für das was er hinunterschluckte, ein ganzer Hase war ihm aber doch zu viel. Als er nicht mehr fressen konnte, grub er ein Loch und verwahrte darin die Überbleibsel, Haut, Haare. Eingeweide, Fleisch und Knochen. „Spare in der Zeit, so hast du in der Not, morgen ist auch noch ein Tag," sagte er und schüttete das Loch vorsichtig wieder zu, schleppte ein Rasenstück herbei, sodaß nichts inehr zu sehen war. Zuletzt kratzte er die Blutspuren fort und sagte zu sich: „Vorsicht is tau allen Dingen gaud."
Als er seine Sache nun ordentlich bestellt hatte, war ibm so wohl zu Mute wie einem reichen Mann, der tausend Taler zu fünf Prozent sicher im Stadtbnch hat eintragen lassen. Dann setzte er sich auf ein Hinterbein, blickte nach dem Schäfer hinüber und dachte: Dei Schopergäus, mütten bald fett nog sein. Dai ein gri Gant steckt mi leidig in 'ne Ogen, ik kann em gar nich vergüten. Dei wir wir as sei den Roggen sneden, all ganz gatlich wat dei woll uvstunns punemlich worden rs. Na, wr können ja moren ore aewermore Nacht mal tauseihn, wat sick dorbei daubn lett. Wetten mücht ick blot, wo den Schover sin Hund nachts stapen deiht, dat is 'neu infamtigen Up- Passer. Ich sill man blot so wäl Murr in Tänen un Knacken hälben as min Unkel, de polsche Wolf, ick wull juch wat anners wisen." Ms er das das dachte, kam ein Postwagen über die Landstraße und der Postillon stieß in? Horn. Boß erschrack nicht wenig. Er dachte an Jäger nnd Hunde, das Jagdhorn konnte er durchaus nicht leiden. Schnell war er im nächsten Graben und sah vorsichtig über bi° Grabenkante. Da wurde er gleich gewahr, daß er vor einem Posthorn Reißaus genommen hatte. Der Schreck war ihm aber so in den vollen Magen geschossen, daß er Bauchgrimmen spürte und sich rülpste, bis ihm wieder froh zu Mute wurde. Da sagte er zu sich: „Bäter is bäter, un Unglück slövvt nich! Ick will dat doch man leiwer so maken, as dei Flöh, dei sär: Ost un Weit, tau Hus is't Best! un sprüng von Badder sinen Smerstäwcl in
