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Donnerstag» 10. Mai 1917.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 236. . 65. Jahrgang.

Staatssekretär v. Capelle über unseren Tauchbootskieg.

In der gestrigen Sitzung des deutschen Reichstags nahm anläßlich der Beratung des Mariueetats Staats­sekretär v. Caper-. das Wort, um zunächst dem Haupt­ausschuß und seinem Berichtentatter Dank auszu­sprechen für die Anerkennung, .dre non dieser Seite unseren U-Booten nnd den anderen Seestreitkräften gewidmet wurde. Er bemerkte unter lebhaftem Beifall, sie werde den Beteiligten ein neuer Ansporn sein, die Erwartungen, die das ganze deutsche Volk auf seinen U-Bootskrieg setzt, zu erfüllen, und fuhr, dann fort:

Voll Begeisterung sind untere U-Boote an die große Aufgabe herangetreten, Schulter an Schulter mit un­serer siegreichen Armee, um den Schlußkampf dieses gewaltigen Völkerkriegbs herbeizuführen.

Ich kann die Versicherung abgeben, daß die U-Boote bis zum Ende durchhalten werden. Es ist alles vorhanden, was dazu erforderlich ist: U-Boote,

geschultes Personal, Torpedos, Sprengstoffe und alles sonstige, was noch dazu gehört. (Lebhaftes Bravo!) Aber nicht nur das. Im ganzen deutschen Vaterland rühren sich Tausende und Aber­tausende von Händen, immer neue Untersee­boote und neues Material, Torpedos und Minen zu schaffen. (Bravo!) Nicht nur in der Zahl werden die U-Boote zunehmen, sondern immer bessere Typen werden erbaut und immer noch mehr Leistungsfähigkeit wird erreicht. In der Marine selbst drängen sich Offiziere. Unteroffiziere und Mannschaften znm Dienst auf den U-Booten. Natür­lich treten auch Verluste ein. Die A b w e h r m i t t e l der Gegner nehmen quantitativ wie qualitativ zu, aber ein Radikalmittel gegen die Unterseeboote gibt es noch nicht.

I» England ist man jetzt schon soweit, daß man sagt: Wir muffen die Stützpunkte der U-Boote

ausräuchern! Das ist das einzige Mittel, an die U-Boote heranzukommen. Mögen sic nur kommen! (Lebhaftes Bravo!) Sie werden auf Granit beißen!

(Lebhaftes Bravo!) Aber auch unsere U-Boote rech­nen, nachdem ihnen der ungehemmte U-Boots- krieg eröffnet ist, auf ihre Leistungsfähigkeit, die dauernd zunimmt. Die U-Boote sammeln immer größere Erfahrungen, namentlich in besserer Bewaffnung und Ausrüstung. Im englischen Parla­ment wird viel geredet; entscheidend aber sind die Tat­sachen, die dauernde Zunah nre unserer, U-Bootserfolge Monat zu Monat, eine Zu­nahme, die wir anfangs kaum erwartet haben. Die Angaben der Feinde über die Zahl der uns verloren gegangenen U-Boote sind falsch. (Lebhaftes Hört! Hört!) Unsere Verluste sind gerin­ger, als wir selber erwartet haben. Die Verhältnisse werden sich in den Sommermonaten noch bessern. Die U-Boote, welche ausfahren, werden von dem B e- wußtsein getragen, daß es jetzt ums Ganze geht, und drei Monate Kriegserfahrung sind mehr wert, als drei Jahre Friedenserfahrung. Nach einer einzigen Feuerunternehmung kommen die Boote zurück mit einer Besatzung, die allen Anforderungen gewach­sen ist. Wir rechneten darauf, daß wir eine durch­schnittliche Monatsbeute haben würden von 660 000 Tonnen, oder in drei Monaten von 1,8 Millionen Tonnen; in Wirklichkeit beträgt das Ergebnis in drei Monaten 2,8 Millionen Tonnen oder 65 Prozent mehr, als wir erwarteten und unseren Ent­schließungen zugrunde gelegt hatten.

Rund eine Million Tonnen und 560 Schiffe sind bis jetzt versenkt pro Monat, in den drei Monaten 1325 Schiffe.

(Hört! Hört!) Wie lange das so weiter gehen wird, ist Sache unserer Gegner. Unsere U-Boote bürgen dafür, daß wir aushalten, und wir haben schon lange den Eindruck, daß die Stimme Eng­lands heute schon ganz anders klingt, als vor zwei Monaten. Ich möchte sagen, daß man in England viel bescheidener geworden ist. (Sehr rich- ffg!) Heute sieht man auch in England ein, daß der ll- Bootskrieg, wie das rmmer behauptet wurde, kein Schlag ins Wasser gewesen ist; es ist viel- mehr ein wuchtiger Schlag gegen das Lebenszentrum unseres erbitterten Feindes.

Die ganze Marine hat den eisernen Willen zum Sieg. (Lebhaftes Bravo!) Wir haben das felsen­feste Vertrauen, daß wir die Aufgabe, die uns ge­stellt ist, auch lösen werden. (Bravo!) Vom Flottenchef bis zum lebten Heizer sind wir alle durchdrungen davon: Wir halten durch nnd lassen nicht locker, bis wir gesiegt haben! (Brausender Beifall und Händeklatschen.)

Bekundung des Stolzes auf unsere Marine im Hauptausschust des Reichstags.

W. T.-B Berlin, 9. Mai. (Drahtbericht.) Im Haupt- ausschuß des Reichstags stellte am Mittwoch bei Beratung «bei Marinefragen ein Zentrumsabgeordneter als Er­gebnis der bisherigen Erörterungen fest, daß wir bezüglich des U-B o o t b a u s anderen Nationen weit voraus seien. Auf die Ausführungen des Zentrumsredners stellte der Staats­sekretär des Reichsmariueamts fest, daß gewisse Waffen erst während des Kriegs auf ihre große Höhe gebracht werden konnten. Wenn man die lange Dauer des Kriegs hätte voraussehen können, hätte man gewiß die eine oder andere Waffe noch mehr, als dies geschehen sei, auö- zubauen sich bemüht. Der Staatssekretär wies nochmals nach­drücklich darauf hin, daß vor diesem Krieg niemals und von keiner Seite von dem Tanchboots-Wirtschastskrieg in der jetzigen Weise gesprochen worden sei. Ein konservativer Red­ner betonte, ohne die Hochseeflotte hätte der U-Boot- krieg nicht in einer erfolgreichen Weise geführt werden können. Der Marineverwaltung gebührt Dank und Aner­kennung für ihr Vorgehen. Ein Vertreter der Nationallibe­ralen meinte, die Marineverwaltnng verdiene Anerkennung dafür, daß sie alles getan habe und noch tue, was mög­lich sei, um unsere Waffe gegen die Feinde zu stärken. Ein sozialdemokratischer Redner führte aus, jetzt bandele es sich einzig darum, durch Ausgestaltung unserer Waffen das baldige Ende des Kriegs herbeizuführen. Kein Wort der Bewunderung fei stark genug, die Anerkennung dafür auszusprechen, was die Flotte, die Offiziere und Wannschaffen in der Schlacht am Skagerrak geleistet haben. Ein Fortschrittler bezeichnete die Schlacht am Skagerrak als eine Ruhmestat unse­rer Marine. Er untersuchte die Wirkungen der Schlacht aus dre Sees p e r r e. Der Redner wünschte eine größt­möglichste Förderung des Baues der scharfen Unter seebootswaffe.

Siegreicher Kampf eines deutschen U-Boots mit bewaffneten feindlichen «Handelsschiffen.

Le Genf. H. Mai. (zb.) Tic Havas-Agentur meldet aus San Sebastian: Am 4. Mai, vormittags, wurden

mehrere französische und spanische Scbifse, darunter die beiden Dampsboote „Verdun" rr«d ..Marne", im Hafen von St. .Jean de Luz durch ein deutsches Untersee­boot 20 Meilen nirdtv'.stlick vcn San Sebastian ange­griffen. Die beiden Schiffe , Verdun" und Marne", die mit kleinen Geschützen ausgerüstet waren, eröffneten das Fen er aus das Unterseeboot, dos untertauchte, in gebörigec Entfernung wieder aurtaucbte und den Kampf nochmals aufnahm. Nach einstüudigein Kampf sanken die beiden Schisse „Verdun" und „Marne". Sieben Mann der Besatzungen gingen mit unter. Es sollen auch zwei spanische Fahczeuge versenkt werden sein. Auch unter ihren Besatzungen soll es Tote und Verwundete geben.

Eine Milliarde Dollar zur Überwindung der U-Bootsgefahr.

W, T.-B. Washington, 9. Mai. (Drahtbericht. Reuter.) Vom Kongreß wird die Bewilligung einer Milliarde Dollar verlangt, die zum Bau einer amer'kanischen Handels­flotte dienen soll, mit denen man die U-Bootsgefahr über­winden will.

Die Erfolge unserer ruststreitkäste im Monat April.

W. T.-B. Berlin, 9. Mai. (Amtlich.) Im Monat April haben unsere Gegner auf allen Fronten im ganzen 362 Flugzeuge und 29 Ballons verloren. An de« 362 außer Gefecht gesetzten feindlichen Flugzeugen ist die Westfront allein mit 350 Flugzeugen betei­ligt. Die Summe setzt sich im einzelnen folgendermaßen zusammen: 299 Flugzeuge wurden im Luftkampf, 52 durch Fliegerabwehrkanonen abgeschofsen, 11 mutzten aus anderen Gründen hinter unseren Linien landen. Von diesen Flug, zeugen sind 171 in unserem Besitz, 187 sind jenseits unserer Linien erkennbar abgestürzt, 10 jenseits der Linien zur Landung gezwungen worden.

Welchen Umfang die Luftkämpfe angenommen haben, und mit welcher Erbitterung um die Luftherrschaft gerungen wird, erhellt aus der Tatsache, daß die deutschen Luftstreit­kräfte in dem einen Monat April fast halb so viel feindliche Flugzeuge vernichtet haben, wie im ganzen vergangenen Jahr, 362 im Avril 1917 gegen 784 in« Jahre 1916, und fast dreimal so viel wie in dem erfolgreichsten Monat des Vorjah­res, 362 gegen 133 im September 1916.

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Der Erfolg der Karrrpftätigkeii unserer Luftftreit- kräfte im Monat April erfüllt uns mit stolzer Freude.. Er übertrifft alle früheren Le ist ungen, die eigenen wie die feindlichen, um ein vielfaches. Besonders hervorgehoben sei die hohe Zahl der durch unsere Flieger-Abwehrkanonen abgeschlossenen Flug­zeuge. Aus einem anfangs wenig beachteten Abwehr- mittel sind sie durch den Eifer unserer Artilleristen und die Erfmdungäsads unserer Technik zu einem

wirkungsvollen VernichtungsWerkzeug geworden. Seit Wochen herrscht in England große Erregung über die hohen Verluste an Flugzeugeir und Fliegeroffizieren. Nach einer unwidersprochenen An­gabe eines Abgeordneten im Unterhaus sind vom 1. bis 23. April 319 englische Flieger- offiziere gefallen, verwundet und ver- m i ß t. Der Leitrmg des Flugwesens rvrrd dauernd in den schärfsten Angriffen vorgeworfen, daß sie Flug­zeuge an die Front schicke und dort belasse, die den deutschen Flugzeugen nicht gewachten seien. Anzeichen ähnlicher Mißstimmung sind trotz der strengen Zensur auch in,Frankreich erkennbar.

Die Erfolge unserer Luftstreitkräfte im Monat April berechtigen zu der Überzeugung, daß der hin- und herwogende Streit um die Überlegenheit in der Luft gegenwärtig durchaus zu unseren Gunsten ent­schieden ist. Und wenn die Engländer ihre hohen Verluste mit der Behauptung zu erklären suchen, daß unsere Flieger nur selten über die feindlichen Linien Vordringen, die Engländer dagegen bei ihren Angriffs­und Erkundungsflügen bis iveit in unser Gebiet hinein Vorstoßen so weiten wir demgegenüber auf die Tatsache hin, daß von den 362 vernichteten f e tn d- lichen Flugzeugen 181, also genau die Hälfte, jenseits unserer Linien über dem feindlichen Gebiet abgeschossen worden sind.

Gewiß haben auch wir schwere Verluste gehabt. Der Kampf gegen eine fo große zahlenmäßige Überlegen­heit, wie wir sie im Westen uns gegenüber finden und gegen einen so tapferen und zähen Gegner, wie es der Engländer zweifellos ist, ist schwer und fordert hohe Opfer. Aber wie in dem Kampf auf der Erde, den die' Gegner durch die Übermacht ihres Materials zu ge­winnen dachten, so bringt auch, im Kampfe in der Luft letzten Endes der Mensch und nicht die Maschine die Enffcheidung. Und da dürfen wir ohne Sorgen sein: der Gei st Volkes ist in unseren Fliegern noch lebendig._

Oer Kbendbericht vom 9. Mai.

W. T.-B. Berlin, 9. Mai, abends. (Amtlich. Drahtbericht.)

Bei FreSnoh und Bullecourt scheiterten englische Angriffe. Das Feuer war bei Arras und an »er AiSu« nur stellenweise lebhafter.

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Die Wiederervberung von FreÄnoy.

Englischer Heeresbrricht vom 8. Mai, abends.

Heute früh machte der Feind starke Gegenangriffe gegen unsere Stellungen in der Nachbarschaft von F r e s n o y. Er halte zuerst Erfolg und faßte nordöstlich des Dorfes in unseren Gräben Fuß. Bald darauf gewannen wir den verlorenen Boden durch einen Gegenangriff zurück. Später am Bormittag unter- nahmen zwei frische deutsche Divisionen östlich von FreSnoy einen zweiten mächtigen Angriff. Die rechts auf unserer Front angreifen- dcn feindlichen Truppen wurden mit schweren Verlusten zurückge- wiejen und wir behaupteten erfolgreich unsere Stellungen, auf der Unken Seite wurden unsere Truppen nach einem heftigen Widerstande gezwungen, sich aus dem Dorf Fresnoy und dem Gehölz zurückzuziehen.

Die erfolglosen Angriffe der Sarrail-5lrmee im Lerna-vogen. Der amtliche bulgarische Bericht.

W. T.-B. Sofia, 8. Mai. Generalstabsbericht. Maze­donische Front: Zwischen Ochrida- und Pres Pa­see gegen Einbruch der Nacht heftiges Geschützfeuer. Ein darauf folgender Angriff wurde durch das Feuer von Bomiben- und Maschinengewehren abgeschlagen.

■ Auf der Eerwena Stena und auf der Höhe 1248 nördlich von Bitolja (Monastir) lebhaftes Gefchützfeuer, das in manchen Augeirblicken sehr heftig wurde. Im C e r n a - bogen machten nach zweitägiger heftiger Vorbereitung durch Geschütz- und Minenwerferfeuer, das heute in den Vormittagsstunden vom frühen Morgen an mit größter Hef­tigkeit tobte, gegen 8 Uhr vormittags die Franzosen, Russen und Italiener einen heftigen Angriff, der durch das Sperrfeuer 'der Artillerie und Minenwerfer abgewiesen wurde. Feindliche Jnfanterieabtei- l u n g e n, die an manchen Stellen etwas lveiter vordringeir konnten, wurden durch unser Gewehr- und Maschinengswehr- feuer vernichtet. Das feindliche Geschütz- und Minen­werferfeuer dauerte darauf noch heftiger fort. Gegen 4 Uhr michmittags erfolgte ein zweiter heftiger Angriff; auch dieser wurde durch Gefchützfeuer erstickt. Nach artilleristischer Vorbereitung erfolgte ein dritter A u - griff, der gleichfalls durch Feuer und teilweise durch Gegenangriff blutig abgeschlagen wurde. Nachts wurde ein vierter Angriff angefetzt, der auch erfolg­los blieb; weitere Angriffe werden erwartet.

Östlich der Cerna und in der Gegend von M o g l e n a schwächeres tziefchützfeuer und Feuerwechsel zwischen den vor­geschobenen Abteilungen. . Mehrere feindliche Gruppen ver-