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Verlag Langgaffe 21

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13 Ausgaben.

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Mittwoch, 9. Mai 1917.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 235. * 65. Jahrgang.

Heue französische Angriffe gescheitert!

Eine neue schwere Niederlage der Zeinde in Mazedonien.

Ver Tagesbericht vom 9. Mai.

YV. T.-JB. Großes Hauptquartier, 9. Mai. (Amtlich,)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Bei ungünstigen Witterungsverhältntffen war das Ar- tillcriefeuer nur an wenigen Stellen lebhafter.

Bayrisch-fränkische Regimenter, die gestern morgen Frenoh mit großem Schneid gestürmt hatten, hielten den Ort gegen neue feindliche Angriffe und brachten weitere hundert Gefangene ein.

Teilvorftötze der Engländer bei Roeux und Bullecourt wurden abgeschlagen.

Heeresgruppe deutscher Kronprinz.

Zwischen dem Winterberg und der Straße C o r - denn- Berry an Bac schritten abends frisch eingesetzte französische Kräfte nach Trommelfeuer zum Angriff. In heißem Ringen wurde der Feind teils durch Nahkampf, teils durch Gegenstoß zurückgeworfen.

Im übrigen war auch an der Aisne- und Champagne- Front die Gefechtstätigkeit, beeinflußt durch das schlechte Wetter, geringer als an den Bortagen.

Dir mazedonische Front

war gestern der Schauplatz erbitterter Kämpfe. Nach starker Artillerievorbereitung führte General S a r r a i I seine verbündeten Truppen zwischen P r e s p a - und D o i r a n - See an zahlreichen Stellen zum Angriff. Besonders erbittert wurde im C z c r » a - Bogen gekämpft, wo Tag und Rächt wiederholte feindliche Anläufe unter schwersten Verlusten für den Gegner vor unseren Stellungen vollkommen zusammcubrachcn. Das gleiche Schicksal hatten Angriffe des Feindes bei G r a d e s n i e a, am Wardar und östlich des Doiransees. Deutsche nud bnlgarischc Divisionen haben dem Feinde eine schwere Niederlage bereitet.

Der erste Grneralguartiermeiftcr: Ludcudorss.

Der Reichskanzler und unsere Rriegsziele.

Wir warnen vor der Vorstellung, daß der Reichs­kanzler, wenn er demnächst die beiden Friedensinter- pellationen beantworten wird, eine genaue Auf­zählung der Kriegsziele geben werde. Der Reichskanzler wird allerdings um eüi Erhebliches deutlicher als bisher sein müssen, aber wir halten es für ausgeschlossen, daß er sich entweder die von rechts oder die von links ausgestellten Ziele aneignet, hie von rechts nicht, die von links aber auch nicht so, daß die Sozialdemokrat!:" erklären dürfte, Herr von Bethmann Hollweg sei ihr Mann. Es wird vielfach ifo dar gestellt als mache die Reichslertung ihre Pläne pon Zufälligkeiten der Ereignisse abhängig, als habe sie eigentlich noch gar keine festen Ziele, sondern Erwarte deren Formulierung von irgendeinem beson­ders entscheidenden Ereignis, selbstverständlich ist gerade im Kriege vieles im Fluß, und so wäre es nur natürlich, wenn sich der Reichskanzler nicht vor­zeitig auf Ziele sestgelegt hätte, die sich, wofern die Umstände das gestatten, erweitern liehen oder hinter die man, wenn es geboten sein sollte, zurückzugehen hätte, ohne zugleich hinter sckwn ausgesprock^nen Ab­sichten in verstimmender Weise zucückbleiben zu müssen. Für uns ist es schlechterdings undenkbar, daß die Männer, denen unsere Geschicke anvertraut sind, die bürgerlichen und die militärischen Berater des Kaisers, nicht längst genau wissen sollten, was sür uns erreich­bar sein wird und um was wir den Kampf sortsetzen müssen, wenn Ehre, Dasein und Entwicklungsfreibeit des Vaterlandes gewährleistet sein sollen. Aber das gerade auszusprechen, davor allerdings hat sich der Kanzler bis dahin gescheut. Wird er jetzt den Zeitpunkt für gekommen erachten, um klarer zu werden? In dem Sinne, in welchem die Interpellan­ten von beiden Seiten diese Klarheit fordern, wird sie nach unserer Vermutung wohl nicht gewährt werden, jedoch wird der Reichskanzler keinesfalls umhin können, die R i ch t u n g s l i n i e n unserer Kriegsziele zu zeichnen, wobei freilich immer noch reichliche Gelegen­heit zu Ausdeutungen und auch Mißdeutungen gegeben sein wird. Die starre Formel, mit der die Sozial­demokraten dem Reichskanzler die Pistole auf die Brust

setzen werden (keine Eroberungen und keine Entschädi­gungen), wird der verantwortliche Staatsmann zu­rückzuweisen haben, und gegen die ebenso scharf umschriebene Forderung von der Gegenseite wieder sich zweifellos wehren und wahren. Der Ton aber, in welchem jenes wie dieses geschehen wird, mag alsdann merken lassen, wo nunmehr die wirklichen deutschen Kriegsziele zu suchen sein werden. Die Sozialdemo­kraten legen begreiflicherweise starkes Gewicht aus die wiederholt in Wien ausgesprochene Friedensneigung, und sie stellen es so dar, als habe Graf Ezernin, so oft er neuerdings das Wort nahm oder durch offiziöse Blätter sich vernehmen ließ, mindestens im Einklang, vielleicht sogar auch auf Ersuchen der deutschen Regie­rung gesprochen. Ist das aber auch wahr? Äußerlich angesehen, könnte es wahr erscheinen, jedoch bedarf schon die Stellungnahme Österreich-Ungarns, nach wel­cher in Wien keine Absichten auf russisches Gebiet bestehen, einer notwendigen sinngemäßen Auslegung. Mit dieser Stellungnahme ist doch nicht gesagt, daß auch für Österreich-Ungarn alles beim alten bleiben soll. Nur von der Beziehung zu Rußland hat Graf Czernin gesprochen, dagegen hat er in bezug auf die Balkanfragen bisher nichts gesagt, woraus sich fol­gern ließe, daß nach dieser Richtung hin ebenfalls die Politik des früheren Zustandes statthaben soll. Seien wir doch offen irnd geben wir es zu: Die Donau­

monarchie hat, abgesehen von dem zum künftigen Königreich Polen- gehörigen Gebiet an der Weichsel, kein rusiisches Gebiet in Händen, wohl aber stehen die Russen immer noch in O st g a l i z i e n und in der B u k o w i n a, so daß der Verzicht aus Land- erwerbungcn nach Osten hin uniereni Verbündeten wahrlich so schwer nicht fallen kann. W ir aber haben Livland und Kurland und darüber hinaus noch ein gut Stück der Westprovmzen Ruß- lands besetzt. Gewiß können wir uns aus diesen Gebieten zurückziehen, und zwischen uns und Rußland anhängige Fragen stehen heute ja auch wesentlich an­ders als zur Zeit der z a r i j ch e n Herrschaft, aber ein deutscher Verzicht würde etwas anderes bedeu­ten, als es einer unserer Freunde an der Donau jemals bedeuten könnte, und er Iväre der ganzen Sachlage nach wohl nur möglich, wenn wir zugleich die Sicher­heit erhielten, daß unsere Kriegsziele im W e st e n durch eine Verständigung mit Rußland gefördert wer­den könnten. In mancher Richtung trifft' Ähnliches auch auf das Donaureich insofern zu, , als man in Wien und Budapest doch nicht wollen wird, daß Ser­bien wieder zmn Sturinbock Rußlands gegen Öster­reich-Ungarn werden soll, oder daß Rumänien in den früheren Zustand zurückversetzt ivird. Es wäre denkbar, daß man an der Donau in dieser Hinsicht schon die Aussicht auf rusiisches Entgegenkommen gewonnen zu haben glaubt, und in der Tat ließe sich vorstellen, daß die neuen Machthaber in Petersburg durch ihren politischen R ü ck z u g von den Balkan Problemen die Durchsetzung der österreichisch-ungarischen Ansprüche dort zulassen würden. Es bedarf nur eines an der Newa zu fassenden Entschlusses, damit auf dem Ballan die Bahn für eine politische Neuordnung frei werde. Dagegen werden sich England und Frankreich, so wichtig fiir beide auch die Bewahrung des Zusam­menhangs mit Rußland sein muß, ihre Kriegsziel­politik nicht -so leicht von Petersburg her vorschrerben lassen, und je höher wir nach dem Maße unserer u n- verlierbaren Interessen unsere Forderungen nach W e st e n hin spannen, um so schwieriger mag es alsdann sein, die russische Geneigtheit zur Verständigung am Leben zu erhalten. Der „Vorwärts" und Herr Scheidemann denken sich die Aufgabe, die der Reichsleitung gestellt ist, unver­gleichlich viel leichter als sie ist. Mit der bloßen Erklärung, daß wir aus Eroberungen und Entschädi­gungen verzichten, würden wir weder England noch Frankreich dem Frieden näherllringen, iveil man in London wie in Paris aus solcher Erklärung nur herauslesen würde, daß w i r a m Ende u n s e r e r Kr ä f t e sind, und daß es deshalb nur noch eines l e tz- ten und verstärkten Drucks aus uns bedürfe, um uns auf die Knie zu bringen. Solange unsere Feinde im Westen nickt gesagt haben, daß sie den Standpunkt ihres russischen Verbündeten einnehmen wollen, solange bleibt uns nichts übrig als sie zu Wasser und zu Lande zur Gefügigkeit zu z w i n- gen. Gelingt uns das aber, und alles spricht dafür, daß das geschehen wird, dann ist nicht einzusehen, warum wir vorzeitig und ohne Not eine Politik der Entsagung betreiben sollen, die auch unsere Verbündeten von uns nicht werden beanspruchen kön­nen. Der „Vorwärts" behauptet zwar. Flandern und das Erzbecken von Longwy und Brieh,sei für Österreich-Ungarn nicht die Knochen eines einzigen kroatischen Landstürmers wert, aber unsere Stel­lung in der Welt, unsere politische Festi- gung, mutz den Verbündeten an der Donau dies und

noch beträchtlich mehr wert sein, weil Österreich- Ungarn nur in der Anlehnung an ein st a r k e s Deutschland seine eigene Stellung behaupten kann. Auf jeden Fall wird es eine große und entscheidende Stunde sein, in der der Reichskanzler über Kriegsziele sprechen wird. Die deutsche Welt :veiß, daß es sich um m e h r noch als uin Krieg und Frieden nach außen hin handelt, daß zugleich die Entscheidung darüber fallen soll, ob unsere inneren Verhältnisse friedlich sort- zuentwickeln sein werden,, oder ob ein scharfer Riß, wie ihn gewisse Leute wollen, durch unsere innere Front gehen und die Dinge auf Biegen oder Brechen stellen soll. Was sich jetzt im V e r f a s s u n g s a u s s ch uch vollzieht, das ist mehr als Politik, das rst lebendige Geschichte. Man weiß, welchen Angriffen der Reichs­kanzler ausgesetzt ist, man erkennt immer deutlicher, daß Organe, deren sich die Reichsleitung bis dahin be- dienen konnte, unter dem Einfluß der Schwer­industriellen immer mehr Front gegen den verantwortlichen Staatsmann machen und sich sogar schon Verhöhnung statt zorniger Vorlvsirfe er­lauben zu dürfen glauben. Was der Reichskanzler sagen wird und wie er es sagen wird, das wird b e- stimmend sein nach innen wie nach außen.

ver Tauchbootkrieg.

wieder 27500 Tonnen im Atlantischen Ozean versenkt!

W.T.-B. Berlin, 9. Mai. (Amtlich.) Neue IlBvotoersolge im Atlantischen Ozean: 27 500 Brutto- registertonncn; darunter u. a. dir bewaffueten englischen Dayipfer „Rio Luges" mit 6000 Tonnen Zucker »ach England und „Troilus" (7562 Tonnen) mit Stückgut von England, der englische Dampfer „Heaperides" (3393 Tonnen) mit Fleisch nach Eng­land, ferner zwei unbekannte englische Dampfer, beide mit Kurs nach England.

Ter Chef des Admiralrstabs der Marine.

Weitere Versenkungen.

YV. T.-B. Kopenhagen, 8. SP* xi. Das da irische Mi niste- rium des Äußer,, gibt oek.-nnt, daß der dänische Dampfer ..O d e n s e", auf der Reise van Südwestafrtka nach Däne­mark über England, mit einer Ladung Erdnüssen in der Nord>e: owsenkt worden ist. Ferner wurde der Drcimast- schoner „H e l g a", aus der Fc.brt vc n England nach Däne­mark, mit einer Kohlenladnng, in der Nerdscc versenkt.

„Die Lage ist wirklich sehr ernst."

Die wachsenden schwere« Sorgen in England.

W. T.-B. Berlin, 8. Mai. „Daily News" vom 27. April hat wenig Zweifel, daß die Mfttciluug vou der plötzlichen und furchtbaren Zunahme in der Ver­senkung englischer Handelsschiffe mehr als amtliche Erklärungen gewirkt habe, um dem Volk den E r n st der Lage nahe zu bringen. Dre Lage ist wirklich sehr ernst. Aber solange Tonncngehalt und Ladung der versenkten Schiffe g e b e i m gehalten werden, bleibt das Volk völlig im Dunklen über den Umfang der Ver­luste. Es ist möglich, daß die Geheimtuerei unvermeid­lich ist. Aber dann sollte man nicht vorgcben, daß «ichts verschwiegen würde. Dadurch wird nur Miß­trauen und Unruhe erzeugt. Die Lage ist sehr eruft und sollte von der Regierung wie vom Volke mit Ernst behandelt werden. Wir nähern uns vielleicht einer Krise ohnegleichen in unserer Ge­schichte, und wenn sich nicht etwas gänzlich Unerwar­tetes ereignet, so wird die nahe Zukunft Ungemach und Leid bringen, wie sie das Land setzt vielen Geschlechtern nicht erfahren hat Dst pkation hat jedoch ein Recht zu verlangen, daß die Regierung und besonders die Admiralität die äußerste Anstrengung macht, um der Bedrohung unseres Daseins wirksam zu begegnen. Es ist eine von niemand bestrittene Tat- fache, daß die Admiralität in ihrer gegenwärtigen Zu­sammensetzung versagt hat. Möglicherweise hätte ein anderer nicht mehr ausgerichtet als Sir Edward Carson. Aber Sir Edward Carso» hat versagt.

Ein deutscher Frieden durch den U-Bootkrieg oder ein Krieg von langer Dauer?

Aus der „Westminster Gazette".

YV. T.-B. Amsterdam, 9. Mai. (Drähtbericht.) Die „West- minster Gazette" sucht das Recht Amerikas nochzuweisen, einen Krieg von langer Dauer vorzubereiten, und schreibt: So lange die Deutschen glauben, mit Hilfe der Un­terseeboote die Oberhand zu gewinnen, oder doch so weit Er­folg haben, daß unsere militärischen Anstrengungen in Mit­leidenschaft gezogen werden und die amerikanische Hilfe vei- binder: wird, die Kampflime zu erreichen, so Tange werden die Deutschen Frieden zu Bedingungen machen, die wir nicht annehmeu können, und fortfahren, von Annexionen und Ent­schädigungen zu sprechen. Der Gebrauch, den die deutsche Re-

Östlicher Kriegsschauplatz.

Nördlich ton Kirlibaba und südlich der B a l e p u t n t« Straße würben Vorstöße russischer Kompagnien leicht abge-W wiesen.