Verlag Langgaffe 21
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Dienstag, 8. Mai 1917.
Kbend-ktusgabe.
Nr. 233. . 65. Jahrgang.
30000 Tonnen neu versenkt.
Darunter ein vollbejetzter englischer Drnppentransportdampfer.
ll'.br. Berlin, 8. Mai. (Drahtbericht. Amtlich.) Im Mittelmeer sind 12 Dampfer und 2 Segler mit über 50 000 Tonnen neu versenkt worden, darunter am 3. April der bewaffnete englische Dampfer „Ardgask" (4540 Tonnen) mrt Stückgütern von England nach Frankreich, am 4. April der bewaffnete englische Dampfer „Parkgate" (3232 Tonnen) und ein unbekannter, tief beladener englischer Dampfer der „City"-Klasse von etwa 7000 Tonne», am 6. April der bewaffnete englische Dampfer „Maglewood" (3239 Tonnen) mit Eisenerz von Tunis nach England, am 8. April der italienische Dampfer „Alba" (1639 Tonnen) mit Kohlen für Italien, am
10. April der bewaffnete französische Dampfer „Efterel" (2574 Tonnen) mit Baumwolle, am
11. April der bewaffnete englische Dampfer „Cyfarthfa" (3014 Tonnen) mit 3850 Tonnen Hafer uud 5000 Hektoliter Wein von Oran nach Saloniki im Drcnste der französischen Regierung, am 12. April der bewaffnete englische Dampfer „Glencniffe" (3673 Tonnen) mit Kohlen für Italien, am 15. April der vollbesetzte englische Trup- pentra ns Portdampfer „Arcadian" (8939 Tonnen) im Ägäischen Meer, der wenige Minuten nach dem Torpedotreffer sank und den grössten Teil aer Truppen mit in die Tiefe ritz.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Wettere Versenkungen.
W. T.-B. Haag, 7. Mai. Das Korrespondenzdureau erfährt, daß am Leuchtschiff Doggerbank Nord die Besatzung des Fffcherfahrzeugs „W. L. 98" in zwei Booten angekommen ist. Das Fischerfahrzeug ist in der Nordsee versenkt worden.
W. T.-B. Dmuiden, 7. Mai. Hier wurde die Besatzung des dänischen Diern-astschoners' „H elf e", der am Donnerstag von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden ist, gelandet. Der Schleppdampfer „Perseus", der eine Bark geschleppt hatte, die sich in sinkendem Instand befand, ist ohne die Bark hier angekommen. Schlepper und Bark waren von einem deutschen U-Boot angegriffen worden, worauf, der Schlepper die Schlepptaue kappte.
Im Kampf mit einem U-Boot schwer beschädigt.
W. T.-B. Rmn, 7. Mai. „Nouvelliste de Lyon" meldet aus Bordeaux: Der Dampfer „Njemen", vom Senegal kommend, sei infolge Kampfes mit einem U-Boot am 24. und 28. Aprrl schwer beschädigt dort eingetroffen.
Lord BereSfird iiWr die Verschleierung der „enorm zunehmenden^ Verluste.
Bern, 7. Mai. In einer Ansprache im Baltic Exchange in London hat Lord Beressord die irreführendcii Admiralitätslisten über di« wöchentlichen Ein- und Ausklarierungen und Versenkungen von neuem angegriffen und die Angabe der Tonnenzahl der versenkten Schiffe verlangt, ohne wekhe die Verluste nicht richtig eingeschätzt werden könnten. Er führte aus, die Liften umfaßten die Versenkungen von neutralen Schiffen nicht, wohl aber deren A n - k ü n f t e, und bemerkte, bei der starken Inanspruchnahme der britischen Schiffe durch die Kriegsmaterialverschiffungen machten die Lebensmittel nach England bringenden neutralen Schiffe etwa achtzig Prozent der Ankünfte aus. Ferne: sagte er: Carson hat im Unterhaus erklärt, daß die Schiffs- Verluste zugenommen hatten^ ich bedaure sehr, daß er nicht gesagt bat: Sie haben enorm zugenommen! Ich glaube, die Verluste sind entsetzlich.
Die Erschütterung der englischen Siegeszuversicht.
— Berlin, 8. Mai. (zb.) Im „Roten Tag" beißt eü: Die h:rrc nagendsten Marinescchtx rständigen und Techniker zerbrechen sich seit Jahren den Kevf darüber, durch welche >ieue Erfindungen man die Unterseeboote vernichten könne.' Die öffentliche Meinung in England begnügt sich nicht mehr mit der Gedankenarbeit in den Laboratorien, sie wird ungeduldig und vill endlich Ergebnisse und Taten sehen. Wie die französischen predigen die englischen Blätter jeden Tag, daß die G-.nahr der Aushungerung gerade in den nächsten Monaten am größten werde. Der englischen Regierung hat sich eine große Nervosität bemächtigt; sie fühlt, um im Bilde Churchills zu spreL>en, die deutsche Faust an der Gurgel und fürchtet das Aussetzen der Herzschläge.
Die Verluste der norwegischen Handelsflotte hu April.
W. T.-B. Kopenhagen, 8. Mai. (Drahtbericht.) „Rational Tidende" meldet aus Christiania' Die norwegische Handelsflotte hat im April 7 2 Schiffe verloren. Bei Anrechnung des Zugangs von 22 Schiffen ermäßigt, der tatsächlich-: Verlust auf 50 Schiffe mü zusammen 98 531 Tonnen.
Was die Überfahrt von England nach Holland jetzt kostet.
W. T.-B. Amsterdam, 7. Mai. Nach dem „Middelburgischen Courant" loird sür die Überfahrt von England nach Holland mii den Dampfern der Zeeland-Gesellschaft der außerordentlich hohe Preis ton 250 holländischen Gulden gefordert. Das Blatt schreibt, angesichts der jetzt bestehenden Schwierigkeiten und Gefahren sei der Preis nicht zu hoch.
Das Leven und Treiben auf unseren U-Booten.
Berlin, 7. Mai. Über das Leben und Treiben auf den deutschen Tauchbooten machte Kapitänleutnant Freiherr v. F o r st n e r Vertretern der Pr-sie gegenüber Mitteilungen, denen wir folgendes entnehmen:
Das Tauchboot konnte erst zu einer wirksamen Waste umgestaltet werden, nachdem es gelungen war, einen Motor zu schaffen, der mit einem betrrebsicheren fetten Ql und Petroleum bestreitbar war. Die nisbrfachcn Unfälle, die unsere jetzigen Gegner mit ihren ersten Tauchbooten erlebten, sind fast ausschlreßlich darauf zurückzuführen, daß die Motore mit leichten Ölen, wie Gasolin und Benzol, betrieben wurden. 1907 gelang es uns, einen solchen betriebssicheren Motor zu schaffen und damit das erste Tauchboot „U 1" als tadelloses Tauchboot in Dienst zu stellen, dessen Typ sich bis heute noch glänzend bewährte. Bis heute ist in unserer Marine nur ein Betriebsunfall vorgekommen, der mit dem Motor zusommenhing. Er betrat das Tauchboot 3; auch dieser forderte verhältnismäßig wenig Opfer; drei Mann. Nicht zu vergessen ist, daß gleichzeitig mrt der Fertigstellung des effien brauchbaren Tauchbootes auch das Hebeschiff „Vulkan" m Dienst gestellt wurde, das erstmalig bei dem Unfall des „U 3" mitwirkte, dem die Rettung der übrigen Mannschaft von 28 P-ffonen gelang. Seitdem hatte das Hebeschist keine Gelegenheit, in Tätigkeit zu treten.
Der Redner schilderte dann die Einrichtung des Tauchbootes, in besten engem Rohre die Räume für den Kommandanten, die Offiziere, die Unteroffiziere und Mannschaften sich nebeneinander befinden Zwischen ihnen ist der Maschinenraum. Jedes Winkelchen und Eckchen seren zurzeit mit T o r p e d o s und Granaten aus- gefüllt; letztere würden sogar von den Mannschaften mit in die Kojen genommen, um nur Platz zu schaffen. Wahrend des Dienstes ist nur die Wache in Tätigkeit, die ganze übrige Mannschaft benutzt dir freie Zeit ausschließlich zum Schlaien. Gleiche K o st genießen Offiziere und Matrosen. Jede Unterhaltung im Schiff wird von allen Leuten gleichmäßig vernommen. G-beinmisic gibt es nicht. So bringt das Zusammenleben in einem engen Raum — man denke an die RKordfahrten von 55 Tagen, jenes kameradschaftliche Vertrauensverhältnis zustande, das die Voraussetzung für unsere Erfolge ist. Während der ganzen Fahrt bleibt die Mannschaft fast ausschließlich unter Deck. Es gibt Leute, die während der ganzen Fahrt nicht c, n m a l die Sonne sahen. Auf der Kommandobrücke dürfen sich nur die allernötigsten -eute anf- balten, damit beim Untertauchen des Bootes keinerlei Schwierigkeiten entstehen. Die Lust des Jnnenraumes ist wohl für einige Stunden durchaus erträglich. Aus großen Flaschen wird der benötigte Sauerstoff se nach Anzahl der vorhandenen Mannschaften in den Raum aeblasen. Ost freilich muß die fehlende Menge durch andere Chemikalien ersetzt werden. Es ist schon vorgekommen, daß die Mannschaften in hoher Not die in den Torpedos enthaltene komprimierte Luft eingesogen hat, bis das Boot „wieder an die Oberfläche gelangen konnte.
Der Redner durchslocht seine Schilderung mit einer großen Anzahl Einzelerlednissen. Er erzählte von der peinlichen Ulerraschung der Feinde über das effte Austauchen des Tauchbootes im Mittelmeer, dem es gelungen war, durch das Netz an der Meerenge von Gibraltar zu schlüpfen, dem Er- i-aunen des englischen Kapitäns darüber, daß auf unseren Tauchbooten der Alkoholgenuß verbeten ist, und der auch nickst begreifen konnte, wie deutsche Seeleute sich an den Zeichnungen der Kriegsanleihe beteiligen konnten. Zur Schilderung der Lebens- m i t t e l n o i in England gab Forstner den Bericht eines spanischen Kapitäns wieder, der in England nur für einen Tag Proviant erhielt und für seine weitere Fahrt erst ,n Frankreich Lebensmittel c innehmen mußte.
Der Redner schilderte u. a. noch die Beobachtung eines heran- nahenden feindlichen Schiffes. Sobald rtai 4 die M o ft spitze von der Brücke des Tauchbootes gesichtet iWv, taucht das Boot unter und sucht nun das Schiff durch das Periskop zu finden. Oft vergehen Stunden größter Spannung, ebe das Borhaben gelingt. Groß ist aber der Jubel, wenn das feindliche Schiff durch glückliche Treffer abgetan ist. Denn auch an bangen Stunden fehlt cs den Tauchbootleuten nicht, aber schnell dricht sich immer wieder der nicht nur in der Marine, sondern im ganzen Heere herrschende Humor durch.
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Die Reichskonferenzbeschlüsse ohne Rücksicht auf die Alliierten.
— Berlin, 8. Mai. izb.i Die „Germania" bespricht sie Berichte über die britische Reichskonferenz und sagt: Wenn die Verbündeten Englands die Entwicklung des Krieges mit gesunden Augen verfolgen, werden sie mit Schrecken erkennen, daß man in London sich selbst vor den wirtschaftlichen Folgen des Krieges zu sichern suckit, während man Italiener und Franzosen auf die Dauer s i ch s e l b st überlassen wirs.
Me schwere französische Niederlage vom 5. Mal.
200 000 Mann im Kamps! — Die ganz außerordentlich schwere,» Verluste der Franzosen.
W. T.-B. Berlin, 7. Mai. Die französische Niederlage am 5. Mai stellt sich nach ergänzenden Meldungen als weitaus schwerer heraus, als sich anfangs übersehen ließ. Die Franzosen haben nach einer Feuervorbereitung, die alles bisher Erlebte wett überragt, gcaen den Höhepunkt des Themin des Dames
in der ersten Linie über 16 Divisionen eingesetzt und waren infolge der unerhört blutigen Verluste gezwungen, i m m e r mehr R e s e r v e n in den Kampf zu iverfen, die sie von allen übrigen Teilen ihrer Front eiligst heranzogen. Ein Riesenyeer von 2 0000 0 Mann sollte den entscheidenden Schlag führen. Schwerste Verluste mld minimale ö'rt- l i ch e Erfolge waren das Resultat der lmgeheuersten Anstrengung, zu der Frankreich alle verfügbaren Kräfte zusanrmengerafft hatte. Am Vorabend des 6. Mai trat - eine Kampfpause ein. Das französische Feuer blieb, abgesehen von dem Abschnitt Braye bis Hurtebise-Ferme, matt. Erst iin Laufe des Tages wurde es wieder kräftiger, und es setzten Kampfhandlungen von wechselnder Stärke ein. Nach schwerster Artillerievorbereitung erfolgte östlich Mennjean ein feindlicher Angriff, der in unserem Feuer blutig z u s a ni in c n b r a ch. Im Gegensatz dazu hatte ein von Rheinländern und Westfalen unternommener Vorstoß nordwestlich von Mennejean Erfolg und brachte uns wieder in den Besitz verlorengegangener Grabenstücke. Um 3 Uhr nachnnttags griffen die Franzosen zwischen M a l m a i s o n und F r o i d- m o n t Ferme erbittert an. Sie wurden unter schwersten Verlusten adgewiesen. Das französische Feuer lag mit andauernder großer Heftigkeit ans dieseni Frontabschnitt. Beiderseits der Rohere Ferme fanden >vilde Nahkämpfe von Mann gegen Mann um den vordersten Graben statt.
Auf deni Ostflügel der Kampffront wurde um den Winterberg vom Vormittag bis spät in die Nacht mit äußer st er Erbitterung gerungen. Nachmittags 6 Uhr nahmen die deuffchen Truppen im Sturm einen verlorengegangenen Graben wieder zurück und behaupteten ihn gegen sechsmalige feindliche wütende A n st ü r m e. Die Franzosen hatten hier ganz außerordentlich schwere V e r l u st e und mußten sich ans den -Südhang zurückziehen. Das Plateau selbst ist neutrales Gebiet. In den Kämpfen uni den Winterberg wurde eine größer? Anzahl Gefangener eingebracht. Neue Meldungen bestätigen die außerordentlich schweren Verluste der Franzosen, die namentlich vor der Mitte der Süd- front, wo neben Regimentern der Wasserkante Thüringer, Magdeburger. Hallenser und Gardetruppen mit großer Tapferkeit kämpften, ungeheuer sind.
Eine südlich von Landricourt offen auffahrende feindliche Batterie wurde durch unsere schwere Artillerie mit fünf Schuß in Trümmer geschossen.
Gegen Mend raffte der Franzose n o ch m a I s alle verfügbaren Kräfte und Reserven zusammen, um nochmals in einem gewaltigen Ansturm auf acht- zehn Kilometer Breite in der Linie Sanoy-Ailles vor- xustoßen, aber auch diese gewaltige Anstrengung aller Kräfte brach unter den s ch w e r st e n B e r l u st e n in unserem Sperr- und Mnscksinengeweyrfeuer und im Nahkampfe zusammen. Ebenso erfolglos blieb ein heftiger Angriff zwischen Vauxaillon und Lafsreux.
Die Kämpfe des 6. und 6. Mai gehören zu den s ch w e r st e n und für den Feind blutigsten aller bisherigen französischen Offensiven. Sie werden für alle Zeiten zu den stolzesten Ehrentagen der kronprinzlichen Armeen an der Arsne und in der Champagne rechnen.
Die englische Front an» 7. Mai.
W. T.-B. Berlin, 7. Mai. Die vierte Arrasfchlacht ist xu Ende und brühte den Engländern trotz eines Massen - austvandes von Menschen und Material auf der 30 Kilo- meter breiten Front keine anderen Erfolge als die Trünimerstätte des Dorfes Fresnoy nördlich der Scrrpe.
Am Abend des 6. Mai drangen deutsche Patrouillen wesi- licki Hulluch bis zum dritten feindlichen Graben vor, dessen Besatzung im Handgranatenkampf fiel. Ösüich Loos wurden feindliche Ansammlungen unter Vernichtungsfeuer genommen. Beoeitstellungen westlich von Acheville und Fresrwst wurden durch unser zusammen gefaßtes Feuer tnedergehalten. Nördlich von Arcas starkes Artilleriefeuer, das sich allmählich auch südlich der Scarpe geltend machte und in der Nacht zum 7. Mai in großer Stärke anhielt. Zwischen Fon t ä ine und Queant steigerte es sich in den früheren Morgenstunden des 7. Mai ?mn Trommelfeuer. Feindliche Angriffe sind bisher nicht erfolgt.
Im Raume nördlich vcn Quentin ermatteten die ec- folglrfen Angriffe in der Gegend von Gonnelien, die die Engländer erhebliche Verluste kosteten. Ein nächtlicher englische- Vorstoß gegen die Vorposten zwischen Villeret und Quentin wurde verlustreich abgewiesen. Quentin wurde abermals rücksichtslos beschossen. Nachmittags w-rrde das Gewölbe der Katbedrale durch französische oder englische Volltreffer schwer beschädigt. Abends und nachts hielt das lebhafte Feuer in mehreren 'Abschnitten an. Bei Villers-Plouich wurde eine Anzahl Engländer durch unsere Patrouillen gefangen genommen und Matorialbente eingebrncht. Westlich Griccurt vorgehende fsiudliche Patrouillen wurden abgcwüsen.
