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Sonntag» 6. Mai 1917.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 229. . 65. Jahrgang.

Zusammenbruch ueurr feindlicher An­griffe an der Siegstied-zrant.

Oer Tagesbericht vom 5. Mai.

W. T.-B. Großes Hat-Vtouartter, 5. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Rach dem blutigen Zusammenbruch der englische-i An­griffe an der Arrasfront !am es gester« nur bei Bulle- court zu größeren Jnfnnteriekämpfen. Beider­seits des Dorfes angreifende dichte englische Massen wurde« »rrlustreich abgewiefen. Schwächere Bor­stöße bei Lens und Frenois schlugen fehl. Die Ge- faugeueuzahl erhöhte sich auf IN Offiziere »«rd 1225 Eng­länder; mindesleus 35 Maschinengewehre sind erbeutet.

An der siegreichen Abwehr des vierten englischen Durchbruchsversachs haben besonders hervorragen­den Anteil Gardekruyyen, Bayer«, Wnrttemberger, Sachsen und Badenser sowie Regimenter aus Ostpreußen, Pose«, Schlesien, Hannover und Rheinland.

Nördlich von St. Quentin hatten Bvefeldkämpse füc uns gnnstigen Ausgang.

Heeresgruppe deutscher Kronprinz.

An der A i S n c f r o n t bätk die Artillericschlacht unter größtem Munitionseinsatz an. Starte feindliche Er- knl'duugsverstößr wurden m» nrehreren Stelle.: nbgewiesei'. Um de« Besitz des W i v t e r b e r g s westlich von Craonnr habe» sich Kämpfe entwickelt, die noch nicht abgeschloffcn sind.

Zwischen der MS«« «nd de» B r i m o n t brachen gestern morgen durch tagetangcs «uSgirdigstes Artillerirfeuec vorbe- rettete Angriffevo«4fra«zösrschen Divisionen zusammen. Wie aus erbrntrtrn Papieren hervorgeht, lag das Ziel des Angriffs mehrere Kilometer hinter der vorderen Linie. Dank dem zäbenAusbalten unserer Truppen ist es dem Feinde aber nur an einer varspringeu- den Ecke gelungen, sich im ersten Graben festzusetzrn. Östlich von La Reuvillr wurden vorübergehend eingedrungeae Frarzosen unter Berlust von 5GO Gefangenen und mehrere«. Maschinengewehren wieder zurückgewvrfea. Süd­lich der AiSne in den Abendstunde« erneuerte Angriffe konnten an der Niederlage nichts ändern.

Nördlich von PeosneS mißglückten emente fran­zösische Versuche, sich mit mehreren Divisionen in den Bcfin unserer dortigen H ö h e n st c l l n n g e n zn setzen. Mit schweißen Verlusten e,kauften die Franzosen vorübergehend südöstlich von Ranroy geringen Gcländegewinn. Gegen­angriffe brachten unsere Infanterie wieder in den vollen Besitz ihrer bisherigen Limen, über 100 Gefangene wurden zurückgeführt.

Heeresgruppe des Geueralsrldmarschalls Herzog Albrecht von Württemberg.

Außer beiderseitiger Erknndertätigkeit keine Ereignisse von Bedeutung. .

Der Feind verlor gestern 7 Flugzeuge und 1 Fefsel- bnllon. Durch Fliegerangriff anf Ostende wurde eine größere Anzahl Belgier getötet und verwundet. Mili­tärischer Schade« ist nicht ungerichtet

HMieher Kriegssrhauplatz.

Lebhaftes russisches Fener zwischen K o w e l und Stanislau veranlaßt entsprechendes Bcrgeltungs- fchi eß en.

Mazedonische Front.

Fm Cernabogeu, westlich des Doiran-Zees und in der Struma-Riederung lebte die Artillerre- rätigkeit zu emzelnrn Tagesstunden auf.

Der erste Generalquartirrmeister: Ludendorff.

*

Eine neue Schlacht im Sange an der Akne.

Der Kbendberichl vom 5. Mai.

IV. T.-B. Berlin, 5. Mai, abends. /Amtlich. Drahtbericht.)

? !>«* Höhen nördlich der Aisne ist eine neue Schlacht im Sange.

Jeder Brunn auf deutscher Seite eine Festung. ‘ !.■

W. T.-B. London, 6. Mai. (Meldung des Reutersrhen Bureaus.) Der Berichterstatter der „Daily Mail" beim briti­schen Hauptquartier meldet: Die Soldaten, die in das Ge­hölz von Opph eindrangeii. hättsio den Eindruck be- tommen, daß jeder Baum in eine Festung verwandelt ist. Noch nie vorher ist in so ausgiebigem Motze von den Bäumen für Mchchinengewehcstellungen Gebrauch gemacht worden. Als die Kartätschen durch den Wald sausten, waren die Schützen auf Lettern, die an den Stämmen angenngcll waren, chtttter den Bäum«, verborgen.

ver Tauchbootkrieg.

Die offizielle Irreführung Englands hinsichtlich der Tauchboot-Berheerungen.

Erbitterte Verurteilung der Seelords-KriegSführnng durch die „Daily Mail".

W. T.-B. Bern, S. Mai. In einem „Keine Entschuldi­gungen, sondern Ergebnisse" über schrie denen Leitartikel greift die „Daily Mail" die das Land hinsichtlich der Tauchboot- Verheerungen irreführende Admiralität aufs hef­tigste an. Die Zeitung verurteilt die Seekriegsühruntz des Seelords als eine des passiven Widerstands und versichert, baß die tatenlose Defensive, gleichviel, w>e man sie beschönige, zum Verderben führen müsse. Das Land, sagt die Zeitung, bedarf keiner Versicherungen, daß die beste» Köpfe sich mit der Tauchbootfrage beschäftigen. Wir wollen Erfolge sehen, und sind es müde, baß erwachsene Männer mit Goldborten papageiartig wiederholen, gegen den Tauchbootkricg gebe es kein Radikalmittel. Im Krieg gibt es ein Radikalmittel gegen alles, nämlich kämpfen. Die Seeherrschaft ist kein Mysterium, das sich auf den in der Sicheöheitszone gehaltenen Grotzkampfschisfen bergen läßt, sondern eine Macht, die in den Händen derer bleibt, die von ihr Gebrauch machen.

Ein englischer Zerstörer durch Minen- explosion gesunken.

W. T.-B. London, 5. Mai. Die Admiralität teilt mit: Ein Zerstörer alte» Typs ist am Mittwoch im Kanal auf eine Mine gestoßen und gesunken. Ein Offizier und 61 Mann werden vermißt.

Die Beschießung der befestigten italienischen Hafenstadt Zuara durch ein deutsches Unter­seeboot.

W. T.-B. Berlin, 5. Mai. Auf der Reede von Zuaca lag am 11. April, umgeben von einer Dkenge kleiner Boote, der bewaffnet: italienische Munitionsdompfer „Eandia" und ivar mit dem Vonbordgeben seiner Munition beschäftigt. Ein wohlgezielter Torpedoschutz tes untergetauchten und un­bemerkt herankommenden deutschen Unterseebootes traf den Dampfer mittschiffs und mit einer geradezu ungeheaecliche.i Detonation flog das halbe Schiss in die Luft. An Land, nu: ungefähr 500 Meter ab, versammelte sich eine gcotzc Men­schenmenge, die Zeuge dieses grandiosen Schauspiels ward. Das Unterseeboot drehte etwas ab, tauchte dann auf und begann nun die Beschießung der militärischen Anlagen der Stadt. 2500 bis .T^O Meter vom Strande entfernt, waren die beiden Ferts, die Fliegerschnppen und die grohen Kasernenanlagen mit der Funkenstation auf dem Dache und mit vielen davor sich bewegenden Soldaten deut­lich ausznmachen. Es konnte bald festqeftellt werden, datz die Beschießung auhcrordentlich wirkungsvoll war; ebenso wurde beobachtet, datz die Moschee, die deutlich zu sehen war, nicht beschädigt wurde. Die feindlichen Batterien erwiderten inzwischen das Feuer; die Geschosse schlugen bald in nächster Nähe des Unterseebootes ein. Daher tauchte das Boot, nachdem etwa 40 Granaten verfeuert waren, und nahm seinen Kurs wieder seewärts. Bei dieser Unternehmung wurden von dem Unterseeboot ausserdem noch versenkt' der tunesische Segler .Abel Razik", die italienische:, Segler „Cinquc Ottobre", „A l le ssi o" und „Cecco ebenso in der Nacht, von Tripolis kcir.mend, ein großer voll- beladenee Leichter, der von dem italienisch:., Schleppe: „Brogesso" nach Zuuru geschleppt werden sollte. Der Schlepper hatte zunächst die Absicht, davonzulauscn. Als aber das Unterseeboot längsseits ging und den Schlepper ausforderte, zu stoppen, versuchte die Besatzung in dem be­reitgehaltenen Boct in der Dunkelheit zu entkommen. Die Besatzung wurde feftgehalten und an Bord geholt. Sämtliche Italiener hatten sich ous Unterseebootsangst sinnlos b e - trunken und flehten um ihr Leben. Sie durften wieder in ihr Boot klettern und erhielten die Erlaubnis, an Land zu rudern.

Bevorstehende Veränderungen in der englischen Admiralität.

(Drahtbericht unseres 17-Soüberberichterstatters.)

U. Rarterdam, 3. Mai (zb.) Die „Times" meldet, daß eine neue große Organisation in der Admiralität bevorstehe. Die Hauvtsache sei die Ausgestaltung des Marineftabs, der von der Berwaltnngsarbeit bcfteit und durch einige aktive Seeoffiziere vermehrt werden müsse. Di: 'Abteilung für die Bekämpfung der Unterseeboote- werde erweitert werden. So Hesse man, erfolgreich den deut­schen Unterseebootskrieg bekämpfen zn können.

— Berlin, 5. Mai. Ob Carfon seinen Posten be­halten, oder ob er ihn aufgeben mutz, bleibt sich nach der Meinung von L. Persius im „Berl. Tagbl." für die Sache ziemlich gleich. Der Erste Lord der Admiralität

spiele eine geringe Rolle, falls er nickt der Mann sei, dessen Hirn das A l l h e i l m r t i e l gegen die U-Bootsgefahr vorfinde. ■

AmtSmüditzkeit des englischen Ministers des Ernährungsamtes.

(Drahtbericht unseres 17,-SonderberichterstatterS.)

17. Rotterdam, 5. Mai (zb.) „Daily Telegraph" zufolg: reichte Bathurst, der Ünterminister des Ernährungsamtes, sein Entlassungsgesuch ein. Es werde darüber nicht eher entschlichen werden, bis Lloyd Gerrge vom Kontinent zurück sei.

Der König von England als Kartoffclbauer.

W. T.-B. Bern, 5. Mai. (Drahtbericht.) Der „Daily Mail" zufolge arbeitet der König von England allwöchentlich zwei bis drei Tage bei gutem Wetter auf einem Kartoftcl- feld ini Schloß garten von Windscr, ekenso Prinzessin Marl) und Prinz Henry.

Das neue Rutzland.

Scharfe Erklärungen des Arbeiter- und Soldatenrats gegen Miljukows und Gutzschkolvs ttricgsziele.

Br. Stockholm, 5. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb,) Der Arleiter- und Soldatenrat gibt folgendes bekannt: Milja- k o w erklärte am 22. April dem Berichterstatter des „Manchester Guardian", Rußland müsse den Bosporus und die Dardanellen erhalten mit dem Recht, sie zu be­festigen; er erKärte ferner, datz Rußland Österreichs Aufteilun.g verlange und die Selbständigkeit der slawi­schen Völker in Österreich Herstellen werde. Der Arbeiter­und Soldatenrat sieht sich gezwungen, zu erklären, daß die russische Demokratie mit diesen M i l j u k o w s ch e n Zielen nichts zu schaffen hat, im Gegenteil wird Rußlands revolutionäre. Demokratie in Übereinstimmung mit den einstimmigen Beschlüssen 'ihrer -Vertreter nicht zn» lassen, daß Blut für ein derartiges oder ähnliches Ziel ver«zoffeii wird. Weder Eroberungen noch die Teilung Öster­reichs brldsn das Thema der Beratungen des Arbeiter- und Soldatenrats oder des Soldatenkongresses. Unterzeichnet S k o b el e w.

Ferner teilt der Arbeiter- und Soldatenrat mit: Kriegs- Minister Gutschkow äußerte sich in Jassy am 23. April gegen den Frieden ohne Schadensersatz und für Öster­reichs und Deutschlands vollständige Zer- t r ü m m c r u n g und fügte hinzu, „der Arbeiter- und Sol­datenrat handelt im allgemeinen im Einverständnis mit uns". Gegenüber derartigen Auslassungen, muß der Arbeiter- nnd Soldatenrat erklären, daß Rußlands revolutio­näres Volk und Armee keineswegs Österreichs und Deutschlands vollständige Zertrümmerung zum Ziel hat, im Gegenteil Ij-a&cn sie einstimmig in ihren Beschlüssen sich für einen Frieden ohne Eroberung und ohne Schadensersatz geäußert. Unterzeichnet Skobelew.

Rücktritt Miljnkows?

(Drahtbericht unseres ,17.-SonderberiLterstatterS.)

17. Rotterdam. 5. Mai. '(zb.) .Daily News" meldet aus Petersburg: Hartnäckige Gerüchte besagen, daß Miljukow als Minister des' Auswärtigen ^zurücktreten wird.

Ein LtoalitionAminifterinmk'

\\. T.-B. Petersburg, 5: Mm. (Drahtoericht.

Petersburger Teiegraphen-Agentlir. Verspätet einge- troffen.) Bis spät abends fanden zahlreiche 51 und - gedungen zugunsten der provisorischen Rcgierwig statt. Vor derji Palaste 'des 'Ministerrates sprachen eine Reihe von.Rednern zu der gewaltigen Volksmenge, insbeson­dere die Minister'Mitj'ukow und Tschingarew solvie der Dumapräsident. R o d z i a n k o. Miljukow erklärte, er, der mit Gutzkow der Veranstalter der Re- . volution gewesen' wäre, der einen Sturmer entlarvte, werde niemals der Verräter an seinem Vaterland sein und seinen Posten Nur. durch Gewalt verlassen. Die Rdde fand großen Beifall. Rvdzianko sprach von dem Feinde, der das freie Vaterland bedrohe und ermahnte das Volk, den Krieg bis zu einem siegreichen Ende zu fühlen, der des großen russischen Volkes ivürdig sei. Die Ermahnungen aller Redner haben warme Aus­nahme gefunden. Nachmittags wurde eine Sitzung des'Rates der Arbeiter und Soldaten abqehalten. Man kant aber •' zu keiner Entscheidung Die Beratungen a sollen morgen wieder aufgenoinmen iverden. Bis jetzt scheint sich eine Neigung zugunsten der Bildung eines Koalitionsministerinms zu zeigen. Im Laufe der Nacht wohnte der ausführende Ausschuß der. Arbeiter und Soldaten einer Sitzung der provisorischen Regierung bei..