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Samstag» S. Mai 1917 .
Kbend-klusgabe.
Nr. 228. . 63. Jahrgang,
Sin neuer vrller deutscher Sieg bei Arrar.
Ganz unerhörte Verluste der Engländer!
W.T.-B. Berlin. 4. Mai. Mit dem Aufwand« eines gewaltigen Heeres von 300 000 Mann versuchten die Engländer abermals vergeblich in verzweifelter Riesenschlacht den Durchbruch zu erzwingen. Ein Geschwader von Panzerwagen, starke englische Kavalleriemassen und Reserven an Infanterie waren bereit gestellt, um in dem Augenblick nachzustoßen, da die deutsche Verteidigungsmauer durchbrochen war. Mit ungeheuren blutigen V e r l u st e n, über 1000 Gefangenen und einer großen Anzahl zerschossener Panzerwagen und vernichteter Batterien be- zahlte der Feind den völlig ergebnislosen Angriff. Die gesamte deutsche Front wurde behauptet. Nur auf dem Nordflüqel vermochten die Engläriüer östlich von Arlenz einige hundert Meter aus Fresnoy vorzudringen. Vormittags mit Tausenden von Geschützen schweren und schwersten Kalibers und einem Hagel von Minen versuchten die Engländer die wieder und wieder vergeblich bekannte deutsche Stellung sturmreif zu trommeln. Um 5% Uhr vormittags brachen die ersten massierten feindlichen Sturmhaufen geführt von Tankwagen auf einer Breite von rund 30 Kilometer von Acheville bis Queant beiderseits der Scarpc gegen unsere Stellungen vor. Die ersten An- grifssmassen erlitten in dem ratenden deutschen Feuerwirbel ganz unerhörte Verluste, die die Engländer durch rasch herangeführte Divisionen wieder auf- zusüllen versuchten. Im ersten wütenden Anprall gelang es dem Gegner sich in Fresnoy und Roeux festzusetzen, während er an anderen Stellen, wo er vorüber- I gehend in unseren vordersten Gräben ei «drang, im G e g e n st o ß sofort wieder geworfen wurde. An einzelnen Frontabschnitten wurden die Angreifer mit Handgranaten zurückgetrieben. Um die Stellungen dicht nördlich der Chaussee Arras-Cambrai bis westlich Cherisy tobte am Vormittag ein erbitterter Kampf. Auch weiter südlich waren am Vormittage die Kämpfe um die erste Linie noch im Gange. Dieder und wieder zogen die Engländer abgekä moste und zusammengeschossene Divisionen zurück und warfen neue in die Schlacht, während die deutsche Infanterie in den erbitterten Anstürmen aus eigener Kraft ohne herangeführte Unterstützungen und Reserven trotzte. Schon am Vormittag blieben mehrere hundert Gefangene in rmserer Hand. Mittags: Die
j Schlacht tobte noch auf der ganzen Front mit größter Heftigkeit. Abends: Der neue große Durch
bruchsversuch der Engländer ist abermals vollkommen gescheitert. Die englischen Verluste übersteigen jedes schätzbare Maß. In Fresnoy wurde noch bis spät in die Nacht hinein gerungen. Wo aus einzelnen schmälsten Stellen in der vordersten Linie sich noch Engländernester befanden, wurden erfolgreiche Gegenangriffe unternommen. Vor Einbruch der Nacht setzte der Gegner zum fünften großen Angriff ans das Dorf Oppy an irnd erlitt dort abermals eine neue blutige Niederlage. Um Mitternacht bekannten die Engländer nochmals das Dorf Cderisy. Zum Teil einqrdrunqea wurden sie in nächtlichem Handgranatenkampf unter schweren blutigen Verlusten wieder hinausgeworfen. Die heiß umkämpften Dörfer Opvy. Roeux und Cherisy find in unserer Hand. Auch werter südlich blieben nächtliche Teilangriffe erfolglos. Um 4 Uhr 30 Min. entbrannte bei der Säuberung eines EnqländernesteS in der Gegend von Bullecourt nach heftigem Trommel- feuer dort abermals aufs neue der Kamps, der noch nicht abgeschlossen ist. Der neue gewaltige Schlachttag ist ein voller Sieg der deutschen Waffen, msbejondere der Infanterie.
AialreuischeÄ Nnbehageu über die englisch- fra«j3fUd|tn Mißerfolge.
# Rm», 4. Mai. „Giornale d'Jtalia" erklärt zur miütärifcheo Lage au der W e st f r ont. Vorderband hält
sich St. Quentin immer noch, das nach den Nachrichten der Alliierten bereits vor M o n a t s f r i st hätte kapitulieren müssen. Dies beweise, daß die Franzosen sich zuviel auf die Allmacht der technischen Mittel und der Artillerie verlassen hätten und damit die strategisch-takttsche Lage zu lösen versuchen, die nur das moralisch-menschliche Mittel zu lösen vermöge. Me Lösung sei durch die bewundernswerte Haltung der deutschen Infanterie, was auch vom Feinds anerkannt werde, verhindert. Auf diesen Augenblick der Lage sei die Krise im französischen Oberkommando znrückzuführen.
Lloyd Georges dringende Reise zur englischen Front.
— Berlin, 0- Mai. Die plötzliche Reise Lloyd Georges wurde, wie die „Vossische Zeitung" berichtet, infolge dringender Forderungen des Generals H a i g unternommen. Die von Haig verlangten Ersatztruppen sind nicht vorhanden, Transportverluste verursachten Nahrungsmittelmangel im eng- lischen Heer. Frankreich sei überfüllt mit Verwundeten, weil der Abtransport nach England schwierig sei. _
Der Tauchbootkrieg.
Re«e 58 000 Tonnen Schiffsraum versenkt.
W. T.-B. Berlin. 4. Mai, Neue Unterseebootsersolge: 18 Handelsschiffe mit insgesamt .08 000 Brutto registertonneu. Daven wurden 8 mit 2t500 Bruttcregiftertonnen im englischen Kanal oersenkt Unter den vernichteten Schiffen befanden sich it. a. fvlgevte: Ein dnrch Zerstörer ge
sicherter großer Transportdampfer von etwa 11 000 Tennen, der a.-n 25. Avril südlich von Lizacd versenkt wurde: die englischen bewaffneten Dampfer . Bleinah", mit 8800 Tonnen Kohlen nach Italien, und „Afalfa", mit 4060 Tonnen Kohlen für die englische Mittelmeerflotte; die englischen Dampfer „Towergate" (3697 TonnenY mir einer Ladung Baumwolle; „Abcsso" (7782 Tonnen), auf der Fabrt nach England; der englische Tankdampfer , San Hilario", mit 18 000 Tonnen Schmieröl von Amerika nach Englind; die englischen Segler „Ellen Harri- son". mit Kohlen ffir Frankreich, und „Hermaid"; der englische Fischkutter .Pr-rsue"; der französische Dreimast- schmier „Marie Blanche"; die ruffischen Barken ..Andynüon" (1345 Tonnen) und .August' (1896 Tonnen), mit einer Ladung Holz nach England; ein unbekannter großer ab- geblendeter Tankd-rmpfer niit dem Kur? nach Le Havre, der nördlich von Bacfleur uud einem Geleitzug herans- gescbcffen wurde und in wenigen Sekunden unter einer schweren E r, o I o f i v n ir. die Lust tlog. Der K a v i t (i n des englischen Dampfers „San Hilario", der gegen das Unter- seekoot ein längeres Artillericgefecht geführt hatte, wurde gefangen genommen
Zu den früher bekarntgigedenen Unterseebootserfolgen sind nock> folgende Ciuzelbiiten nachzutragen, - Der englisch. DamvKr „Avozet" (1219 Tonnen), mit Kork von Ameriki nach England: .Surrt ", mir 3600 Tonnen Mais von Balti- n ore nach Glisgaw; „Diadem" (Neubau von 4800 Tonnen), mit 6200 Tonnen Mais von Rangoon nach London; „Oswald" mit etwa 7000 Tonnen Schn ekel vcn Amerika nach England; ,Dykland" (429. Tonnen), mit Holz von Halifax nach Fak- moulh. und „Sanmore" (6373 Tonnen).
Der Ehef des Admiralstabes der Marine.
Weitere Versenkungen.
W. T.-B. London, 4. Mai. (Reute rmeidang.) Zw» Unterseeboote griffen den Dampfer „Rockinghaui" an Nach geschicktem Manövrieren verwichte der Kapitän einige Zeit auszuweichen, schließlich aber wurde der Dampfer von einem der b-eiden Unterseeboote eingebolt. Der Torpedo trff ihn an Steuerbord in der Nähr deö Maschinenraums. Ein Hilfsmaschinist wurde getötet, ein Heizer verwundet, ein Rettungsboot zertrümmert. Die Besatzung verließ das Schiff in drei anderen Booten. Der Dampfer sank binnen W Minuten.
Sehr vessinristisesie Veurteilvng der Wirkung des Tnnehbootkrieges in England.
W. T.-B. Ehristiania, 4. Mai. Die ententefreund, liche norwegische Zeitung „Tidens Tegn" bringt eine Meldung ihres Londoner korrespc »Renten, wonach die über, -uregende Medrz-rhl de« englischen Publikum» di» Wirkung des UnterseebvotSkriegeS sehr pessimistisch beurteilt.
Edison soll helfen!
Berlin, L Mar. (zb.) Rach dem „&4L“ arbeiten Edison and 7V ander» der gelehrtesten Techniker der Bereinigten
Staaten uvuntrrbrichei Tag und Nacht, um Mittel gegen die Unterkeeboots ;u finden. Sic wollen an Bord der angegriffenen Schiffe derartige elektrische Wellen erzeugen können. d.rß entweder die Torpedo» rus ihrer Richtung g-bcacbt werden oder ihre Explosion bewirkt wird, bevor ffe das Ziel erreichen. Der „L.-A." bemerkt .azr: Die Furcht erfindet Märchen, die Hoffnung schmückt ge ncch aus De- neue Edison-Apparat gehört tu ein Mujoam kür kraukha fte K ciege pb av ta s reu.
Das neue Rutzland.
Die russische Regierung in Mißkredit bei der gesäurten Armee?
Kundgebungen für den Frieden und gegen die englische Einmischung.
(Drahtbe.richt unseres L.-SonderberichterstattcrS.)
8. Stockholm, 6. Mai. (zb.) In hiesigen russischen Kreisen erwartet man, daß die provisorische Regierung gegen das Vorgehen des Arbeiterrats sofort einen Schachzug unternehmen wird. Vielfach wird erwartet, daß sie Petersburg verläßt und nach Moskau ü b e r s i e d e l t, da sie sich in Petersburg selbst seit dem Übergang der Regimenter ins Lager des Arbeiterrats nicht sicher fühlt. Ferner wird die Veränderung des Kabinetts, aus dem einzelne besonders unbeliebte Elemente, wie Miljukow und Gutzkow cusscheiden sollen, angekündigt. Das Petersburger Straßenbild zeigt bereits seit 8 Tagen wiederum gänzlich Anarchie. Die Kundgebungen sind jetzt ausschließlich gegen den Krieg, gegen die provisorische Regierung und gegen die englische Einmischung gerichtet. Tag und Nacht kommt es zu lebhaften Unruhen und Ausschreitungen. Die wesentliche Veränderung in der Lage ist. daß die provisorische Regierung jetzt von der gesamten Armee fallen gelassen wurde. Falls die Regierung Petersburg verläßt. hält man es für möglich, daß der Arbeiterrat sich selbst als Regierung erklärt. Große Erbitterung erregt es in den Arbeitermassen, daß nrehrere An- Hänger Lenins, als sie ans der Straße für de» sofortigen Friedensfchluß agitierten, verhaftet! wurden.
Oiänwg unter den Petersburger Truppen wegen Milsukows Rote!
— Berlin» 5. Mai. (zb.) Die Gärung unter den Petersburger Soldaten, die sich schon in der teilweisen Weigerung, im die Front abzugehen, zeigt, ist, wie die Blätter meinen, anscheinend durch d:e neueste, an die Entente gerichtete Note Miljnkows zum Ausdruck gekommen. Die Soldaten sollen rote Fahnen mit iich sichren und den Rücktritt Miljukows fordern. Wie die „Kreuzztg." sagt, ist die Not? offenbar auk Bestellung von London oder Paris, wo man wegen der immer itarier werdenden Friedens- strämuna ernstlich besorgt sei, verfaßt und abgeiandt worden. Nene? wird darin nicht gesagt und man kann in Ruhe a!, - warten, wie die Dinga in Rußland sich weiter eiitwickelu, und wie lange Miljukiw sich ncch halte» wird.
Deutsches Keich.
Aus der heutigen Reichstagssitzung.
T. Berlin, 5. Mai. (Gig. Drcrhtbericht. zb.) Zu Beginn der heutigen Reichstagssitzung teilte Staatssekretär Helfferich mit, daß der Kanzler sich bereit erkläre, die eingebrachten Interpellationen über die elsaß- lothringischen Fragen innerhalb der vorgesehenen Frist von 14 Tagen an einem mit dem Präsidenten noch näher zu vereinbarenden Termin zu beantworten. Nach Annahme der Vorlage über den Gebührentarif für den Kaiser-Wilhelm- Kanal in dritter Lesung setzte das Haus die zweite Beratung des Etats des Reichsheeres fort.
Beschlüsse des Perfassirngsausschusses.
I*. Berlin, 6. Mai. (Eig. Drahtbericht. zh.) Der Ver- fasiungsausschuß des Reichstags beschloß zunächst unter Widerspruch der Konsewativen, einen Unterausschuß zu bilden, dem die Anträge Gröber (Jentr.), Hausmann (Dpt.), Müller-Meiningen (Vpt.) und List (natl.) überwiesen werden sollen. Es handelt sich dabei um Abärrderung der Reichsverfaffung, betr. die Rechte des Reichstags, und zwar, daß der Reichstag Erörterungen über Beziehung des Reichs zu auswärtigen Staaten in nichtöffentlicher Sitzung besprechen kann. Ferner sollen die Retchstagsabgeordneten das Reckst haben, über ihnen anvertraute Tatsachen sowie über Personen, d e ihnen dies« anvertraut haben, das Zeugnis zu verweigern. Schließlich soll der Reichstag die Ver- bängung von Schutzhaft sowie die Ausübung des Abgeordneten berufs beeinträchtigender Aufenthaltsbeschränkungen befckiließen dürfen. Darauf begann der Ausschuß mit der Weiterberatung der gemeinsamen Anträge de« Zentrums, der Fortschrittspartei und der NottonaUiberalen, wonach der Reichstag während der Dauer des Kriegs u n u n - terbrocken als versammelt gilt. Seitens der Regierung erklärte Ministerialdirektor Dr. L e w a l d, daß er sich nicht mit diesem Antrag einverstanden erklären könne, da er eine Beschränkung der Rechte des Kaisers darstelle. Von allen Parteien wurde dies bestritten, nur die konservativen erklärten sich mit dem Ministerialdirektor eines Sinnes Schließlich wurde ein Abänderungsantrag Müller-Meiningen, Gröber, v. Richkhofen angenommen, der die Bedenken der Regierung abstellen soll, und zwar soll dem Artikel 26 der Reichsverfassung hinzugefügt werden: Während der Dauer eines von dem Deutscheu Reich geführten
