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Zrettag» 4. Mar 1917.

Kbend-ktusgabe.

Nr. 22b. . 65. Jahrgang.

Ein neuer engl. Vurchbruchsversuch von X6—17 Divisionen gescheitert.

Unübertreffliche Haltung unserer Truppen. Gestern über 1000 Engländer gefangen!

Ver Tagesbericht vom 4. Mai.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 4. Mai. (Amtlich.)

Weltlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rnpprecht.

An der Arrasfront ist zwischen Acheville und Llueant aus 30 Kilometer Breite ein neuer enslischer Durchbrnchsver- such von 16 bis 17 Divisionen nach Mrkster artillerist­ischer Kraftvntsaltuug gescheitert.

Bon Tagesanbruch bis spät in die Rächt brache« die wiederholt gesührten Angriffe der Engländer vor unseren Linien und in unseren Gegenstößen zusammen.

Rur in B r e s n o i ist der Feind eiugedrnngen. Bei Bvllecourt sind ihm Neine Teile unseres vordersten Trabens verblieben. Der Kampf geht heute früh weiter.

Die Haltung unserer Truppen war wieder u u ü b e r - trefsbar.

Außer schweren blutigen Verlusten büßte der Feind über 1000 Gefangene ein.

Die Bereitstellung starker englischer Artillerie südöstlich vvn A r r a s zeigt, welche Hoffnungen die Engländer auf diesen Angriff gesetzt hatte«.

Heeresgruppe druff-sier Kronprinz.

Nördlich der Linie Sois so » s -ReimV ist die Ar­tillerieschlacht in vollem Gange. Zu besonderer Hef­tigkeit steigerte sie sich zwischen der Aisue und dem Primont. Durch unsere Batterien wurden die hier angefüllten feind­lichen Gräben unter BernichtungSfener genommen. Laon wurde erneut durch die Franzosen beschaffen.

Bei und westlich Re i m s sowie am Winterberg (westlich von Craonne) brachen mehrere französische Angriffr im Feuer unserer Infanterie und Artillerie verlustreich zu­sammen.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Herzog Albrecht von Württemberg.

Keine besonderen Ereignisse.

Bei günstiger Witterung herrschte ans dem westliche« Kriegsschauplatz rege Fliegertätigkeit. Batterir- stellungen, Bahnanlagen. Lager und Munitionsdepots bei Arras und südlich der Aisne wurden durch unsere Flieger erfolgreich mit Bomben belegt. Der Feind verlor zehn Flugzeuge.

LMicher Kriegsschauplatz.

In den Karpathen griffen 3 russische Bataillone ohne jeden Erfolg unsere Stellungen nördlich des Susitales an.

Mazedonische Front.

Zwischen Prvspasee und der Czerna» beiderseits des W a r d a r und an der Struma lebte die Artillerie- tötigkeit zeitweise auf.

Der erste General quartier meister: Ludendorss.

Die erste Sitzung der versaffungr- ausschnffer.

(Bon unserer Berliner Abteilung.)

. L. Berlin, 4. Mai. (Eig. Drahtbsricht. zb.) Der Ver- foffungsausschuß des Reichstags trat heute vormittag unter dem Vorsitz des Abg. Scheidemann (Soz.) zusammen. Von der Reichsregrernng waren anwesend der Stellvertreter des Reichskanzlers Staatssekretär Dr. Helfferich und der Chef der Reichskanzlei Staatssekretär W a hnschaffe. Der Vorsitzende gab der Hoffnung aus gute und schnelle Arbeit im Verfaffungsansschutz Ausdruck. Es entspann sich darauf eine Erörterung über den Arbeitsplan. Ein Zentrumsabge­ordneter wünschte, daß zunächst über die vorhandenen gemein­samen Anträge der Fortschrittlichen Volk-Partei, der National- liberalen und des Zentrums beraten werden möge: Artikel 17, Absatz 2 derBersaffung so zu fassen, daß durchs die zurGülltig- keit der kaiserlichen Anordnungen und Verfügungen erfor- derliche Gegenzeichnung des Reichskanzlers oder seiner Stellvertreter diese die Verantwortlichkeit gegenüber dem Renntag übernahmen. Neneingeschaltet werden soll fol­gender Artikel 36a: „Während der Dauer eines

Krieges gilt der Reichstag als ununterbrochen versammelt." Artikel 63, Absatz 1, soll folgendermaßen gefaßt werden: „Die Kriegsmarine des Reichs ist eine Einheit unter dem Oberbefehl des Kaisers. Die Organisation nnd Zusammensetzung derselben liegt dem Kaiser ob, welcher Offiziere und Beamte der Marine unter Gegenzeich- «nng d«S Sbaabsf^kretärs des Retchsmari»e-

a m t s ernennt und für welche dieselben nebst den Aiann- schaften eidlich in Pflicht zu nehmen sind." Am Absatz 3 dieses Artikels soll folgender Zusatz eingesügt werden: „Der Staats­sekretär des Reichsmarineamts rst für die Verwaltung der Kriegsmarine dem Reichstag peranfwortlich." Neu­eingeschaltet soll folgender Artikel 66a werden: „Die Er­

nennung der Offiziere und Malitärbeamten eines Kontin­gents erfolgt unter Gegenzeichnung des Kriegsministers des Kontingents, welcher, ausgenommen der Kriegsminister des bayerischen Kontingents, dem Reichstag für die Kontingents- Verwaltung verantwortlich ist." Und im Artikel 71 soll ein­gefügt werden, daß die Bewilligung der Besoldung und son-, ftigen Gebührniffe für Heer und Kriegsmarine im Frieden und im Krieg aus Gruud der reichsgesehlichen Vorschriften erfolgt. Endlich soll der Reichstag um baldigste Vorlegung eines Gesetzentwurfs ersuchen, durch welchen die Verantwori- lichkett des Reichskanzlers wegen Verletzung seiner Amtspflichten durch einen Staatsgerichtshof geregelt wird.

Die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft wollte zuerst die dem Ausschuß vom Plenum überwiesenen Resolutionen zur Verhandlung gebracht sehen, welches Verlangen ein Kon­servativer unterstützte. Es ist das die bei d»r zweiten Lesung des Etats eingebrachte Resolution der Arbeitsgemeinschaft, in der verlangt wird: Ein Gesetzentwurf, wonach zum Ab­schluß von Bündnissen Gwie zur Kriegser­klärung und Friedensverträgen die Zustim­mung des Reichstags erforderlich sein und der Reichs­kanzler entlassen werden soll, wenn der Reichstag es fordert; Hinwirkung auf schleunigen Abschluß eines Friedens ans Grundlage des Verzichts auf Annexionen jeder Art durch alle kriegführenden Staaten; Verhältniswahlsystem für Reichstags Wahlen unter Aufhebung der einzelnen Wahlkreise, Wahlberechtigung mit dem 20. Lebensjahr, aktives und passives Fräuenwählrecht, Wahlrag Sonntag oder Feiertag; reichsgesetzliche Vorschrift, daß in jedem Bundesstaat eine nach dem Reichstagswahlrecht gewählte Vertretung bestehen muß, unter Aufhebung der Ersten Kammern; Aushebung aller gegen einzelne Parteien, Schichten oder Klassen der Bevölkerung gerichteten Aus­nahmebestimmungen; Sicherung der jtaatsbürgerlichen Rechte gegen militärische und polizeiliche Eingriffe unter dem Be­lagerungszustand und Aufhebung sämtlicher wegen politischer Delikte ergangenen Strafen. Die zweite Resolution ist die der Volkspartei auf unverzügliche Schaffung kon­stitutioneller Verfassungen in allen Bun­desstaaten mit einer auf dem allgemeinen, direkten, gleichen und geheimen Wahlrecht beruhenden Volksvertretung.

Ein Sozialdemokrat stimmt den gesamten Anträgen der Fortschrittlichen Volkspartei, Nationalliberalen und des Zentrums zu, legt aber Wert darauf, daß man zu de: Be­schäftigung mit dem Reichstagswahlrecht und dem Wahlrecht in den Bundesstaaten übergehe. — Ein fortschrittlicher Ab­geordneter will auch die Frage, des Reichsvereins­gesetzes und ähnliche Arterien in die Arbeit des Aus­schusses einbeziehen, zunächst aber die gemeinsamen Anträge erlogen und dann die W ah l kr e i s e i nt e i lu n g im Reiche besprechen. — Von konservativer Seite wird Wider­spruch dagegen erhoben daß der Ausschuß sich mit anderen als den vom Plenum überwiesenen Anträgen beschäftigt. Die Konservativen verlangen, daß die gemeinsamen Anträge zuerst im Plenum verhandelt werden. — Von der sozial­demokratischen Fraktion ist die Empfehlung von Gesetzent­würfen beantragt, die enthalten sollen: Reichstagswahlrecht für alle über 20 Havre alten'Reichsangehörigen ohne Unter­schied des Geschlechts nach dem Verhältniswahlsystem, ebenso die Wahl für die Volksvertretungen in jedem Bundesstrrt nnd in den Reichslanden, Aushebung des § 154 der Reichs- Gewerbeordnung. Aushebung des Jugendparaqravhen des Reick-Svercinsgesetzes und Aushebung aller Koalitionsvecbote gegen Dienstberechtigte ur.d Dienstverpflichtete.

Noch weiterer Debatte über den Arbeitsplan beschließt der Ausschuß mit großer Mehrheit gegen die Stimmen der Rechten, zunächst iiber die gemeinsamen Anträge der drei Parleien zu verhandeln in Verbindung mit dem ersten Teil der Resolution der Arbeitsgemeinschaft, betreffend Zu­stimmung des Reichstegs zu Bündniffen, Kriegserklärung;» und Friedensverträgen, und Verantwortlichkeit des Reichs­kanzlers. Zuvi Berichterstatter für diese Gebiete wird der Abgeordnete Gröber ^Zentr.) bestimmt.

Oie Caqe im wetten.

Mindestens 300000 Mann franz.-engli)che Gefamtverluste bei der neuen Offensive.

47 französische, 34 englische Divisionen, davon 6 zum zweiten Male, eingesetzt.

W.T.-B. Berlin, 3. Mai. Die ganz außer­ordentlich schweren Verluste der Franzosen im Raume vor Reims wurden durch eine ergänzende Mel­dung erhärtet. So wurden allein östlich oon Berry- au ° Bac am 30. April vor einem einzigen schmalen feindlichen Divisionsabschnitt 1000 tote Franzosen und 600 getzffleve Ruüen gezählt, die der Gegner bei seine»

nutzlosen Teilangriffen auf die Höhen östlich von Berry- au-Bac liegen ließ. Diese Zahlen sind noch unvoll­ständig, da nicht alle Gefallenen in der ganzen Tiefe des dortigen GefechtsstreifenZ gezählt werden konnten, son­dern nur die unmittelbar vor den deuffchen Linien Liegenden. Bei niedriger Schätzung verlor der Gegner auf diesem einen Gesechtsstreifen mindestens 2000 Tote, was einem Gesamtverlust von 8000 Toten und • Ver­wundeten entspricht. An anderen Abschnitten erlitt der Gegner ähnliche, zum Teil noch höhere Verluste, Da die Franzosen allein bis zuni 28. Zlpril mindestens 47 Divisionen, die festgestellt wurden, eingesetzt haben und auf der ganzen breiten Front non 60 Kilometer ganz ltngewöhnlich hohe Verluste bei den gescheiterten Massenstürmen erlitten, so dürften die französischen Gesamtverluste in den ersten 14 Tagen der großen französischen Offensive bereits die Ziffer von 15 0 000 erreichen, wenn sie sie nicht über­schreiten.

Ähnlich hoch stellen sich die c n g l i s ch e n V e r- l u st e. Die Engländer, die ams einer viel schmale­ren Front von 20 bis 30 Kilometer Ausdehnung au- stürmten, setzten bis zum 28. April allein 3 4 Divi­sionen, davon 6 zum zweitenmal, ein.. Die Zahl der eingesetzten englischen Sturmttuppen ent­spricht infolge der erheblich größer;» Stärke der engli­schen Divisionen der der französischen. Bei der dichte­ren Massierung der englischen Angriffstruppen waren die englischen Verluste entsprechend höhe r. Unter Berücksichtigung der hohen französtschrn und'englischen Verluste in den Kampftagen vom 28. April bis 3. Mai müssen die Gesamtverluste der Engländer und Fran­zosen seit Beginn der Doppeloffensiv; auf m i n d c- stens 300000 Mann veranschlagt werden.

Die vortrefflichen Leistungen der Ballon- beobachter.

Mein 46 Angriffe aus die deutschen Ballonlinie» vom 6. April bis Monatsende.

W, T.-B. Berlin, 3. Mai. Wie aufgefundene Be­fehle bsweisen, sollten vor Beginn der großen Offensive die deuffchen Ballone von den Franzosen und Englän­dern sämtlich heruntergeschosssn werden. Der erste große feindliche Fliegerangriff auf die Fesselballons er­folgte am 6. April. Die Angriffe wiederholten sich täglich. Am 16. April stießen zahlreiche ftanzösische Geschwader gegen die deutschen Ballonlinien vor. Die deuffchen Ballone wurden zum Teil an den Trommeln n i e d e r g e w u n d e n, während die Ab­wehrgeschütze und die Maschinengewehre das Feuer zur Bekämpfung der feindlichen Geschwader aufnahmen, gegen die auch sofort die deutschen Kampfgeschwader in Aktion traten. Augenblicklich gingen die Ballons mit den Beobachtern wieder hoch, so daß die Beobachtung kaum einen Augenblick unterbrochen wurde/ Vom 6. April bis zum Monatsschluß linterriahmen allein die Franzosen an der Aisn; und in der Chainpagne 46 Ballonangrfffe. bei denen es ihnen nur gelang, fünf Ballone zu vernichten. Fn allen fünf Fallen gelang es den Beobachtern, mit dem Fallschirm abzu­springen iind zu landen. Di; duttschen Ballou- beobachter, die vom frühen Morgen bis spat in die Nacht hinein vom schwankenden Korbe aus die feind­lichen Bewegungen verfolgten, haben nicht gerin­gen Anteil an dem deuffchen Erfolge rn der Ab­wehrschlacht im Westen. Die deutsche Überlegen­heit in der Ballonbeobachtung wie im Angriff auf Ballon; ist nur ein Teil der allgemeinen Über­legenheit auf k r i e g s t e ch n i s ch e m Gebiete, die wir der i n t e n s i v e n H e i m i r & e 1 1 tut letzten Winter verdanken. Ans der Erde wi» in der Luft haben sich die Verhältnisse seit den Sommekämpfen von Grund aus geändert. Im April wurden 30 Fesselballons der Entente von den deutschen Fliegern an der Westfront a b g e s ch o i s e n, zu denen noch 6 Ballons in« Mai kommen.

Nene Verletzungen der Schweizer Grenze durch französische Flieger.

# Bern, 3. Mai. (zb.) Die französischen Flngze-r^ haben in den letzten Tagen des April wiederholt die Grenzen der Schweiz verletzt. Am 28. April überflog ein französischer Zweidecker schweizerisches Gebiet bei A j o t e, während am 29. April ein Geschwader von drei Flugzeugen ebenfalls den nördlichsten Grenzstreifen der Ajoie überkrenzte. Die fran­zösischen Flugzeuge wurden von den fchweizrrffchen Sooqz. Posten ohr-e Erfolg beschossen.