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Donnerstag» 3. Mai 1917.
Oer Krieg gegen England.
Ein „dramatischer Zusammenbruch" Deutschlands wird in England nicht mehr erwartet.
# Berlin, 2. Mai. Wie sehr nach dem Scheitern des Durchbruches bei ArraS die englischen Erwartungen zurückgesteckt wurden, läßt ein Leitartikel der „Daily i Mcnl" erkennen, in dem es heißt: Befestigte Linien, wie die j Linien östlich von Arras können nicht einmal m einem , Monat, geschweige denn an einem Tage durchbrochen werden ' Und dies ist die Ausgabe unserer Truppen, denen noch fortdauernde Kämpfe bevorstehen. Ein dramatischer Zusammenbruch Deutschlands kann nicht erwartet werden. Darum nrofe man Sir Douglas Haig alle Truppen geben, deren er bedarf, um unsere Verluste, die schwer fern müssen, wieder auszugleichen.
Engländer-Frechheit trotz der nahen Katastrophe.
TT>A. Berlin, 2. Mai. Das führende englische - Reederblatt „Fairplay" schreibt u. a.: .Wir brauchen keinerlei Vereinbarungen über die Bedingungen, unter denen de'.itsche Handelsschiffe in die englischen Häfen einfahren können: denn wenn wir mit Deutschland fertig sind, wird es gar keine Flotte mehr haben, und es wird lediglich unsere Sache .sein, zu bestimmen, ob es in Zukunft ei e haben wird Inder nicht. Wir werden den Deutschen die Hände lassen, mit denen sie arbeiten können, und den Mund, mit dem sie essen können. Das alles aber zu unserem Vor- teil, nicht zum Vorteil der Deutschen oder der Neutralen. Die Deutschen müssen als Verbraucher, wie als Hersteller unter unserer Kontrolle stehen, und der Schlüssel zu ihrem Syeiseschrank muß im Gewahrsam der Verbindsmächte sein.
Tie ReairrunaÄcrkläruna bezüglich Irlands wegen plötzlicher Fahrt Llovd Georges nach dem Kontinent verschoben.
Bv. Amsterdam, 2. Mai. (Eig. Dvahtbericht. z,b.) Bonvr Law teilte in der gestrigen NnterbauÄidung mit, daß die angekündigtc Erklärung der Regierung bezüglich Irlands ■ auf die folgende Woche verschoben werden muffe, da Lloyd 'George aufs neue nach dem Kontinent gerufen sei, unter Umständen, die nicht vorauszusehen gewesen wären.
Rücktritt Earsüns von der Admiralität?
Wichtige Veränderungen in der Marine.
W. T.-B. London, 2. Mai. (Drahtbericht.) Meldung des Renterschen Bureaus- Die „Times" glaubt zu wissen, daß Carson bald die Admiralität verlassen dürfte, wegen der Angriffe anf ihn. Diese bezogen sich jedoch auf politische Streitigkeiten, und keineswegs auf wie Marine. E? bestehen auch keine Meinungsverschiedenheiten zwischen Carson und seinen Kollegen in der Admiralität. Die „Times" fügt hinzu, daß die Regierung wahrscheinlich die Veröffentlichung der !S ch i f f s v e r l u st e in der gegenwärtigen Form auf- gibt, was im N n t e r h a ii Z allgemeine M i ß- Billigung gei'"'Am hat. — Nach der „Daily Mail" steht Premiermi .er Lloyd George rm Begriff, die Marineverwaltung umzuändern. Wichtige Änderungen traten bereits in Kraft.
Die bevorstehende Lebensmittel- Rationierung in England.
(Drahtbericht unseres ^.-Sonderberichterstatter».»
U. Rotterdam, 2. Mai. (zb.) Im Unterhaus teilte -Minister Bathurst mit, tie örtliche Rationierung fei vorbereitet worden, um die unbedingt nötige bessere Lebensmittelverteilung dem Volke sichern zu können. Auch die Haferrationierung werde eingeführt werden. Es gebe jetzt noch 4000 Rennpferde, die täglich je 14 Pfund Hafer fressen. Einen krctlosen Tag einzuführen, sei nicht zi. empfehlen, und selbst fleischlose Tage würden keinen Erfolg Bringen, weil sie nur den Brrtverbrauck. steigern würden.
Englische Zollfragen.
W. T.-B. Bern, 2. Mai. I Drahtbericht.) Bonar Law teilte am 27. April int Unterhaus mit, das Reichskriegskabinett nahm einstimmig den Grundsatz an, daß jeder Einzelstaat des Reiches unter anqezeigter Rücksichtnahme auf die Interessen der Verbündeten Großbritanniens den Erzeugnissen der anderen Einzelsiaaten eine besonders günstige Behandlung und Erleichterung gewährt wird. Er fügte auf Befragen hinzu, Austra- lien sei'bislang dem Grundsatz nicht beige tre- t e n. Eine Änderung des derzeitigen Zustandes während des Krieges sei nicht beabsichtigt. Die Ent- Schließung umfasse keinerlei Lebensmittelsteuertt.
Ein wichtiger Posten für General Smuts?
Br. Haag, 2. Mai. (Eiq. Drahtbericht, zb.) Die „Central News" erfahren, daß dem General Smuts binnen kurzem ein wichtiger Posten als £ berkommandieren- b e r ungebeten werden soll. Man glmi&l, daß er ihn nicht auescklcaen werde« wird.
Morgen-klusgabe.
Oer Abendberichl vom 2. Mai.
XV. T.-B. Berlin, 2. Mal, abends. (Amtlich. Drahtbericht.! Air den Kampfsrarten starker Feuerkamps.
Im O st en nichts Besonderes.
im Westen wechselnd
österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 2. Mai. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 2. Mai, mittags:
Östlicher Kriegsschauplatz.
Im Raume nördlich der Ditazstt'atztz wurde ein Vorstoß russischer Abteisüy^ü restlos ab- gewiesen. Sonst teilweise lebhaftere Artillerie- tätigkeft.
Italienischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist lmverändert.
Der Stellvertreter des Chets des Generalslabs: v. Höf er, Feldmarsclialleutnant.
Ereignisse zur See.
Am 30. April, abends, griffen unsere Seeflng- zeuge die ^asenanlagen von V a l o n a mit sichtbar gutemErfolge an und kehrten trotz starker Gegenwirkung vollzählig zurück.
Fl o t t e n k o m'« a n d o.
Der neue österreichisch-ungarische Wariueministcr.
W. T.-B. Wien, 2. Mai. (Drahtbericht. St. u. L Korr.- Bur.) Kaiser Karl hat den Admiral Njedgovan unter Belastung auf sewem Posten als Flottenkommandamt zum Chef der Marmssektivu ernannt.
Große Besorgnis in Frankreich über die Ü-Bootserfolge.
W.T.-B. Bern, 2. Mai. (Drahtbericht.) In den frauzöstschen Zeitungen spiegelt sich die große Bewrg- uis über die stündlich zunehmende Anzahl d^r Schiffe, dre dem U-Bootskrieg zum Lpfer fallen und die den Alliierten hieraus erlvachfenden Schwierigkeiten in der Lebensmittelversorgung wider. Clemenceau verlangt bereits ein e i n h e it- liches Rationierungssystem für die Entente.
Der Abschutz des englischen Luftschiffs „E. 17".
W. T.-B. Berlin, 2. Mai. Zu dem Abschuß des eng. lischen Luftschiffes „C. 17" am 21. April durch zwei unserer Kampfeinsitzer erfahren wir noch folgendes: Auf die Meldung, daß ein ieiudlick>es Luftschiff gesichtet worden sei, stalsteten zlver unserer Sec-Kampf- einsitzer. Der erste griff das Luftschiff sofort aus gleicher Höhe an und begann es aus 50 Meter Entfernung zu beschießen. Er erhielt dabei Maschinenqewehrfeuer und streute seinerseits den Ballon und die Gondeln mit 400 Schuß ab. Als er auf etwa 20 Meter heran war, be- gann das Luftschiff achtern zu brennen. Der Flug- zeugführer warf seine Maschine nach rechts herum und als er das Luftschiff wiederiaü, bäumte es sich auf und stürzte dann brennend in das Wasser. In 250 Meter Höhe verschwand die Gondel in einem Meer von Flammen. Die Reste des Luftschiffes brannten noch etwa drei Minuten auf der Wasseroberfläche. Das zweite Flugzeug sichtete das Luftschiff in etwa achthundert Meter Höhe und verfolgte es. wobei es sich in der gleichen Höhe hielt. Kurz vor dem Angriff, der sich ebenso wie der des ersten Flugzeuges in äußerst kurzer Zeit abspielte, überstieg es das auf etwa 500 herunter- gegangene Luftschiff ein wenig und beschoß es aus allernächster Entfernung mit etwa 150 Schuß. Nach einer Wendung sah dieser Flugzeugführer ebenfalls ein Auf- däumen des Luftschiffes und seinen Absturz. Das Luftschiff war etwa zehntausend Kubikmeter groß und vom Astra-Torres-Typ. Die langgestreckten vierkan tenen Gondeln hatten vorn und achtern je einen vier flügeligen Zug- und Druck-Propeller.
Massenhafte Desertionen an der russischen Front.
W. T.-B. Stockholm, 2. Mal. (Drahtbericht.) Die „Nowoje Wremja" führt in erner ihrer letzten Ausgaben bittere Klage über die massenhaften Desertionen cm der russischen Front und führt dies natürlich auf deutsche Machenschaften zurück.
Der Zwiespalt unter den russischen Sozialdemokraten.
W.T.-B. Petersburg 2. Mai. (Drahtbericht. Meldung ter Petersburger Telegrapben-Agentur.) Da der Rat der
Nr. 223. ♦ 65. Jahrgang.
Arbeiter- und Soldatencbgecrdneten das Auftreten des Revolutionärs Lenin als gefabidrehend für die russisct!-! Freiheit erklärt hat, erschien Lenin, um sich zu v e r a n t Worten, aber nach Anhörung seiner Erklärungen hielt Ver Rat es nicht für nötig, seine Avffosiüng zu lmdern.
Der Uriegrzustand mit Amerika.
Lebhafte Bewegung gegen die Truppenaushebung in den Bereinigten Staaten.
W.T.-B. Bern, 2. M». (Drahtbericht.) Nach
Blätterberichten aus Äiuerika am 1. Mai hat tu den Vereinigten Staaten oon Amerika eine lebhafte Be wegung gegen die beabsichtigte Truppenaushebung ein gesetzt. Vor allen Dingen sind es die Anhänger oer radikal - sozialisttschen und pazifistischen RMung, welche beschlossen haben, den an sie ergehenden Gestellungsbefehlen keine Folge zu leisten.
Wilsons ganz englische Erpresserpolitii gegenüber den Neutralen.
— Berlin, 2. Mai (zb.) Wie da Ltreuzztg." aus dom Haag meldet, kann es keinem Zweifel unterliegen, daß Wilson dem strengen Er gland nachgebe und den Neutralen geger.über eine regelrechte Erpresserpolltik zu üben sich ankchicke. Wenn Hnllar.d mcht Amerikas Verbündeter rm Kriege gegen Deutschland werke, lause eS Gefahr, von Amrrita kein Getreide zu erhclten. Ebenso wie Holland will Wilson Skandinavien und Spanien durch di: Aushungerung in den Weltkrieg hrneiutreibeu.
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Brasiliens Neutralität nach dem Bruch mit Deutschland.
W. T.-B- Ri» de Janeiro. 3. Mai. Meldung der Agence Havas. Wegen der Spannung zwischen Brasilien und Deutschland soll der demnächst zusammentretende Kongreß über die Las: beschließen. Ein Erlaß des Prastz. deuten schärft den brasilianischen Behörden em, btf Neutralität zu beobachten, solange nicht das Gegenteil besohlen wird.
Deutscher Reichstag.
(Eigener Drahtbericht des »Wiesbadener Tagjblattr".)
# Berlin, 2. Mai.
Am Bundesratstisch: Reichsschc tzsekretär Graf v. Roedec» und Staatssekrtür des ReichspostomtL Kraetke.
Präsident Dr. Karmpf er äfft et die Sitzung um 2,16 Uhr. Er führt aus- Meine Herren! Ter Zahl unserer Feinde hat stch ein neuer mächtiger Gegner zugesellt. Präsident Wilson hat im Kor.gretz erklärt, er führe gegen Deut'chland Krieg cm Interesse der Menschlichkeit und aus Gründen der Gerechtigkeit. Das Recht, dies zu versichern, hat er verloren, nachdem er keinen Finger gerührt hat, um England in den Arm zu füllen, das gegen Teutfchlarw den Aushunqerur.gskrieg angekündiyt und ins Werk gesetzt hat. (Hört! Hört!) Cr hat dieses Recht verloren, cls er den deutschen Vorschlag ablchnte, für bestinimte Seewege das Leben amerikcmisck>er Bürger auf amerikanischen Schissen jicherzustellen, wenn sie keine Bannware führten. Als wehrloses Werkzeug stellt Präsident Wilson 2 i3 deutsche Volk hin, das in diesen Krieg getrieben worden sei durch Ehrgeiz. Er erzählt aler nichts von den E i n k r e i s u u g S - Machenschaften, nichts den dem Vernich tuug s- willen unserer F ein de, an deren Seite er sich jetzt offen stellt.
Nur zum Verteidigungskämpf hat sich das deutsche Volk am 4 . August 1914 erbeben wie ein Mann. «Sehr richtig!) Wir wellen auch heute nur die Verreidigunr unserer Unabhängigkeit. (Bravo!) . Weiter sagt Präsident Wilson. Amerika habe keinen Strei: mit dem deutschen Volke, sür dieses Volk hätte Amerika nur Sr,m pathie und Freundschaft. (Lachen.', Seine Smidlung steht da mit nicht im Einklang.
Will Wilson Zwietrachr in Deuljchiai-.d siirn, jo nt es meine Pslickt ols Präsident des deutschen Reichstags, der durch das freieste Wahlrecht der Welk gewählt worden ist, ffu erkläre», daß dieses Ben-ühen an dem Willen unseres Volkes scheitert und Wilson damit auf Granit beißen wird.
(Ledhrftes Bravo') Wir haben das deutsche Kaisertum mit dem teuersten Blute errichtet — mit dem teuersten P r- l k s b l u t e kämpftn wir jetzt für Kaiser und Reich. (Bravo') Wie der oberste Beamte des Deutschen Reiches ec- klä'.t bat, milcht sich Deu.tschlar>d nicht in die inneren Ange- lcgrnbciten unserer Nachbarn ebenso verbitten wir uns von f-d.'.- fremden Regierung, welche immer cs se,. jedes Eingreifen in unsere inneren Angelegenheiten. (Lebhaftes Bravo') Wir sehen unfe.v tapferen todesmutigen Truppen unerschütterlich stand halten gegen den wütenden Ansturm unserer Feinde, mir sehen unsere Tauchboote mit ihren heldenmütigen und todverachtendeu Besatzungen England zeigen, welche Veraeltuna Deutschland zu führen vermag gegen den
