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Mittwoch, r. Mai 1917 .

6bend-klusgabe.

Nr. 222. . 65. Jahrgang.

vie Lage im wetten.

Die neue schwere französische Niederlage in der Champagne.

W. T.-B. Berlin, 1. Mai. Der unter schweren Verlusten für die Franzosen gescheiterte neue große Angriff in der Champagne am 30. April wurde durch schwerstes Artillericfeuer vorbereitet und mit mehreren Tcilvorstößen gegen den Hoch- und Kerlberg eingeleitet, die indessen alle blutig abgewiesen wurden. Die mit Sturmtruppen aufgefüllten französischen Gräben wurden an vielen Stellen dieses Front­abschnittes unter stärkstes Vernichtungsfeuer genommen, so daß die Franzosen schon vor dem Hauptangriff schwere Verluste hatten. Nach einer erneuten Feuerwelle von größter Heftigkeit er­folgte nachmittags um 2 Uhr der geschlossene französi- sche Hauptangriff gegen die Höhenstellungen nördlich von Prosnes bis westlich von Vaudesincourt. In einer Breite von 11 Kilometer gingen frische französische Kräfte mit st a r k e r Wucht gegen unsere Stellungen vor. Durch unsere Feuer wirbel wurden die Sturmkolonnen an vielen Stellen schon während des Vorgehens z usam men g etro mm elt, v e r n i ch 1 c t und zur Umkehr gezwungen. An anderen Stellen, wo die Franzosen in unsere Stellrin­gen einzudcingen vermochten, wurden sie im N ah- . kampfe mit Handgranaten und durch Gegen- ' st d ß e sofort wieder geworfen. Im ersten Anprall der kräftig vorstoßenden französischen Massen war der vier Kilometer nördlich von Prosnes gelegene Höchberg verloren gegangen. Unsere Kolonnen gingen zum s o- fortigen Gegenangriff rioer und nahmen dem sich v e r z w e-i f e I t wehrenden Gegner den Hochberg - wieder ab. Sie trugen den Gegenangriff über die eigenen Stellungen hinaus und brachten dem Gegner blutige Verluste bei. Auch am Poehlberg ' erlitten die Franzosen eine schwere Niederlage. Nach wiederholten wütenden Feuerwellen versuchte der Franzose am späten Abend und in der Nacht durch Ein­satz rasch herangeführter frischer Kräfte das Schick­sal des Schlachttages zu seinen Gunstei: zu wenden.

] Trotz großer blutiger Opfer und unge­heurem Munitionseinsatz scheiterten auch diese Angriffe vollkommen. Nach erbitterten, hin- und herwogenden Kämpfen ist unsere Infanterie in v o l l e m Besitz ihrer bisherigen vorderen Linie. Auch dieser neue französische Angriff endete mit einer schweren Niederlage der Franzosen. An der Aisne zer- flatterten die ftanzösischen Angriffe in Teilkampf. Handlungen, die für uns erfolgreich verliefen.

Wachsende Sorge französischer Militär­kritiker.

# Berlin, 1. Mai. (zb.) DaL Abflauen der engUsch- ftanzösischen Offensive macht den französischen Mrlitär- kritikern ständig wachsende Sorge. Durch die Presse gebt übereinstimmend ein Klagelied über den Still­stand der Kämpfe, und der Ruf nach Aufnahme der Kampftätigkeit auf den an deren Fronten, der sich besonders an die rusiische und die italienische Adresse richtet, wird immer lauter. — „Libre Parole ' schreibt unter dem 24. April: Die Lage an der italienischen und an der russisch - rumänischen und an der Saloniki- Front ist weiter ruhig, nur die Westfront ist einzig und allein der Schauplatz eines aufs höchste gesteigerten Kampfes. Das Blatt begnügt sich zum Schlüsse mit dem mageren Drost, dag die Situation im allgemeinen zufrieden­stellend sei und dag die Entente die Initiative an sich gerissen habe. — Auch „Le Journal" bedauert aufs höchste, daß man vergeblich die Verwirklichung der Einheits­front erwartet habe. Überall bätten sich zwar vereinzelt interessante Bewegungen bemerkbar gemocht, aber sie hätten allzuiehr den Charakter vcn Improvisationen getragen. — In einem stack zensurierten Artikel sagt das „Journal du People" unter dem 24. April: Sicherlich lsaben die Deutschen Verluste erlitten, aber sie find nicht aroß genug, um die Möglichkeit eine? Gegenangriffes ganz außer Frage zu stellen.

Die englischen Verluste am 28. u. 28. April.

W. T.-B. Berlin, 1. Mai. Im Raum von Arras un­ternahmen die Engländer am 30. April keine größeren An­griffe. Unser wirks-imes BernichstunMeuer hielt die engli­schen Sturmlolonnen in ihren Gräben nieder. Rur gegen unsere Stellung bei Avion drang eine starke feindliche $krttcmCe unter dem Schutz von Rauch und Qualm vor. Sie tzvurde blutig abgewiechen. Desgleichen wurde ein jchsiyäch-

licher Versuch der Engländer nördlich von M o n ch y, in un­sere Grälen einzudringen, durch Gegenstoß vereitelt. Rach diesen nutzlosen Besuchen flaute das Feuer auf der ganzen Arrasfront ab. Es bestätigt sich, daß ^>ie Verluste des Feindes am 28. und 29. April außerordentlich s ch w e r gewesen sind. Allein in dem schmalen Ab­schnitt zwischen den Dörfern Oppy mutz nach Zählung der Toten, die das Kampfgelände bedecken, der Verlust der Eng­länder an Toten und Verwundeten die Zahl von 20000 übersteigen. Bei Bullerourt machten inr Lauf des Tages unsere immer wieder voriiotzenden Aufklärungspatrouillen mehrere Gerangene. Auch gegen Abend blieb die feindliche Artillerietätlgkeit geringer als in den Vortagen, um in der Nacht wieder lebhafter zu werden.

Die fortgesetzte hervorragende Mitwirkung unserer Flieger.

W. T.-B. Berlin, 1. Mai. Bel zunehmendem !Monü und klarer Witterung herrschte in letzter Zeit an der ganzen Westftont auch rrachts rege Fliegerttätig- k e i t. Besonders zahlreich waren die feindlichen Bombenangriffe in der Nacht vom 29. zum 30. April. Unsere Gegenmaßregeln zwangen jedoch die nächtlichen Angreifer zu meist vorzeitiger Umkehr. Der tatsächliche Schaden blieb überall weit hinter der vom Feind beabsichtigten Wirkung zurück. Deutsche Flieger griffen in der Nacht vom 29. zum 30. und wiederholt am 30. im Laufe des Tages den Bahnhof und die Hafenanlagen von D ü n k i r ch e n cm, desgleichen die Flugplätze an der flandrischen Front, sowie französische Truppen- ilnd Geschotzlager bet Cornicy Cler- ur o n t und C o in b l e s. Ein Geschwader belegte mit 6700 Kilo Abwurfmunitivn die Bahnanlagen und die Geschotzlager bei Mournsen und St. Hilaire Haut Teinplc. Ein anderes bewarf den Bahnhof Epernay mit 164 schweren Bomben, Banvesrourt und Vzente-dy mit ' zusammen 132 Sprengboinben. Zahlreiche Brände und Explosion e n bezeugten den Erfolg des Unternehmens. Bei A r r iu< stellte die Luftauf­klärung erneut d e: e i t g e st e l l t e englische Kavalleriemassen fest. An der Aisne und in der Champagne überwachten die Flieger den ganzen Tag über den Verkehr weit hinter seiner Front. Ebenso wurden alle Maßnahmen und Bewegungen der feindlichen Infanterie dauernd aus der Luft beobachtet und gemeldet. Drei unserer Kampfflieger griffen eine Gruppe von fiuff französischen Ballons an, die bei Gnyencourt standen. Der Angriff hatte vollen Erfolg. Sämtliche fünf Ballons stürzten in Flammen gehüllt zur Erde. Außerdem verlor der Feind im Luftkampf 21 und durch Flackfeuer 3 Flugzeuge. Ein weiteres Flugzeug wurde in der Nacht, bevor es Bomben ab- werfen konnte, zur Landung gezwungen.

Das Versagen der französischen Offensive auch in der Lust.

Das wirksame Maschinengcwrhrfrurr unserer Flieger aus 200 Meter Höhe.

W. T.-B. Berlin, 1. Mai. Gefangene Offiziere des 1. wird 5. Armeekorps klagen darüber, daß an dem Angriffstag des französischen Durchbruchsversuchs keine französische.: Flieger zu sehen waren, während die deutschen Flieger aus einer Höhe von 200 Metern die ftanzösi­schen Angriffswellen mit Maschinengewehren beschaffen. Auch Gefangene des 2. Kolonialkorps berichteten über empfindliche Verluste, die sie durch Maschinengewehr- fener aus der Luft erlitten hatten. Ein Gefangener berichtet vcn 20 Toten und Sckwervcrwundeten an einer Stelle durch Fliegerfeuer. Ein zweiter an einer anderen Kampffront sagt aus, daß von seinem 40 Mann starken Zug 15 durch Maschi­nengewehrfeuer ans der Luft gefallen sind. Die französisch" englische Offensive versagte auch in der Luft. Die deutschen Kampfgeschwader halten die Luft über den deut­schen Linien frei.

Panzerwagen mit dem Roten Kreuz!

Der Ausgang eines neuen französischen Völkerrrchts- bruchs.

W. T.-B. Berlin, 1. Mai. Das Versagen der Tanks in der Arrasschlacht hat die Franzosen an der Aisne zu einem neuen Völkerrechtsbruch veranlaßt. Sie haben Tanks mit dem Roten Kreuz-Ab­zeichen versehen und als angebliche Sanitätsautos vorgeschickt. Bei Juvincourt, wo den Franzosen das Vordringen über den ersten Graben geglückt war. sah die Bedienungsmannschaft einer Batterie sechs wiche Ungetüme mit dm Roten-Kreuz-Abzeichen Heran­rollen. Nach der ersten Verblüffung erkannte die Mannschaft den Betrug. Ans 1000 Meter Ent­fernung eröffnete sie sofort das Feuer gegen die Tanks. Bereits der dritte Schutz war ein Volltreffer in den Führertank. Schwerfällig versuchten die übrigen umzukehren und auszuweichen, was aber keinem gelang. Alle sechs Panzerkampfwagen mit dem aufge­malten Raten Kreuz liegen zerschossen vor Juwin- court.

Starke Truppenattsammlungen hinter der französischen Sundgaufront.

Nr. Karlsruhe, 2. Mai. (Erg. Drahtbericht. zb.) Wie die „Basler Nachr." melden, vollziehen sich gegenwärtig hinter der ftanzösischen Sundgaufront starke Truppenansamnilun- gen, besonders in der Umgegend von Besancon.

Die Politik der Sündenböcke in Frankreich.

Herve über die Hauptursache der „nervösen Mutlosigkeit".

(Drahtbericht unseres Kr.-Seuderberichtersiatters.)

Kn Genf, 2. Mai. (zb.) Die Lyoner Presse erfährt aus Paris, daß weiter wichtige Veräuderungen im fran­zösische u Kommando bevorstehen; die Absetzung einiger Generale sei bereits beschlossen worden. „Petit Parisien" sagt dazu, die Neuorgamsierung mehrerer Kom­mandos, die versagten, sowie die anderweitige Verwendung mehrerer Führer, die sich nicht auf dem richtigen Platz be­funden, werde für nwrgen angekündigt. — Herve bekämpft in „La Mctoire" die Schwarzseher, die überall Ge­rüchte über eine Panik wegen ter riesigen Verluste, die das Heer bei der letzten Offensive erlitten, ausstreuten. Diese Gerüchte seien die Hauptursache der nervösen Mut­losigkeit.

# Genf, l. Mai. (zb.) Tie der Ernennung Petains gewidmeten Besprechungen im „Temps" und in anderen Pariser Blättern lassen erkennen, daß die von dem Abgeord­neten Dalbiez und Genossen gegen den Kriegsminister er­hobenen Vorwürft des Mangels an Initiative aus Furcht vor der varlamentarischen Verantwortlichkeit, der Hauptbe- weggcund der Berufung Pctains gewesen ist. Dieser wird nach englischem Beispiel selbst eine opferreiche Ini­tiative kleinen Kampfhandlungen vorziehen. Die Haupt­sache sei, das Versäumte rasch nachzuholen. Die frühestens im H e r l> st eintceffende amerikanische militärische Hilfe dürste nicht allzu hoch eingeschätzt werden. Das Kiiegsministerillm genehmigte alle auf die Personalveränoe- rungen im Großen Hauptquartier abzielenden Vorschläge Petains. Tausend amerikanische Ärzte und Chirurgen wer­den im Juni an 2er ftanzösischen Westftont erwartet.

Lloyd George nach Frankreich.

W. T.-B. Londi'i, 2. Mai (Drahtbericht, Meldung des Reuter-Bureaus.) Lloyd George ist gestern abend» nach Frankreich abgereist.

Englische Fliegerbomben auf eine holländische Stadt.

(Drabtbericht unseres H-Sonderberrchterstatters.)

U. Rotterdam, 1 .Mai. (zb.) Ein unbekannt gebliebener Flieger warf in der Recht zum Montag gegen 2y 2 Uhr sechs Bomben auf das südholländische Städtchen Zierikzee ah. Ein Haus wurde zerstört: seine Bewohner, ein Mann, dessen Frau und Kind, gelötet. Viele Häuser wurden be­schädigt. DoS ausgebrochene Feuer wurde bald gelöscht. Nach großer Panik herrschte allgemeine Trauer über die Opfer und Entrüstung über das Attentat unter der Bevölkerung. Wahr­scheinlich war d:r Flieger ein Engländer, va, wie nun liier sagt, die geographischen und topographischen Kenntnisse der Engländer nie glänzend gewesen find.

17. Rotterdam, 1. Mai. (zb.) Dem „Nieuwe Rotterd. Courant" wird aus Zierikzee gemeldet: Die Untersuchung

ergab, daß die auf die Stadt cbgcwcrfenen Bomben eng­lischer Fabrikation sind.

Br. Haag, 1. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der englische Bomlenangriff aus dis holländische Städtchen Zierilsee hat nach vorläufiger Schätzung mindestens 100000 Gulden Schaden angerichtet. Etwa 100 Häuser sind be­schädigt wo-den. .

Br. Rotterdam, 2. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der ..Neue Rotterd. Courant" meidet: Rach weiteren Berichten über das F l i ege r b om ba r dem e n t des Städtchens Zierikzee verbrachte ein Teil der Bevölkerung die Nacht auf der Straße, und auch am Hofen hatten sich dichte Bolks- moffen angesammelt, die unausgesetzt den Himmel beobachte­ten, wo man in weiter Entfernung eine Anzahl Flug­zeuge bemerkte, »velche an der flandrischen Küste in ein schweres Gefecht verwickelt waren.

Sur preußischen Wahlreformsrage.

Die Wirklichkeit rückt näher, daß die preußffche Staatsregierung darauf verzichtet, das unmittelbare und geheime Wahlrecht durch ein gekünsteltes System zu beeirtträchttgen, wodurch es den Charakter des gleichen Wahlrechts eiichüßen würde. Die Schwierig­keit, ein M e b r st i nt nt e n r e ch t auszuarbeiten, das den Vorwirrf der ungerechten Abstufung ausschließen würde, erweist sich in der Tat bei jeder näheren Be­trachtung als kaum überwindbar. Wie soll das Mchr- stimmenrecht beschaffen lein, um denjenigen, die es nicht bekommen werden, den Stachel einer unzulässigen unterschiedlichen Behandlung zu nehmen? Die- Merk­male der Bildung sind unsicher, die der höheren Steuerleistung haben geradezu etwas Aufreize», deL. Man kann ja noch eine ganze Reihe von Schein»