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Verlag Sanggaffe 21

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Dienstag, t. Mai 1917.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 220. ♦ 65. Jahrgang.

Die Stockholmer Nebelhaftigkeiten.

Noch läßt sich keineswegs mit Sicherheit sagen^datz die Internationale Sozialistische Konferenz in Stock­holm Zustandekommen wird. Im Vollzugsausschuß der französischen Sozialisten stimmten 13 Mitglieder gegen, 11 für die Beschickung der Konferenz, und die russischen Sozialisten scheinen, wenn die betreffenden Meldungen aus Stockholm zntreffen sollten, ebenfalls nicht mehr geneigt, in die schwedische Hauptstadt zu gehen, um mit den Genossen aus den anderen kriegführenden Staaten und aus den neutralen Ländern das mühsame Werk der Friedensvorbereitung anzubahnen. Dre Stockholmer Berichte iiber die Stellungnahme der russischen radikalen Parteien sind ztoar noch ziem­lich unklar und widerspruchsvoll, aber darin stimmen sie überein, daß die anfängliche Bereitwilligkeit zu Be­ratungen mst den Parteivertretern anderer Länder wesentlich nachgelassen hat. Lenin, der Führer der äußersten Linken, soll Bedenken haben, an den Stockholmer Beratungen teilzunehmen, nachdem der Vers:»ch, die sozialistischen Minderheitsparteien Deutsch­lands und Frankreichs zur Konferenz heranzuziehen, als mißlungen zu betrachten sinn ^oll. Zunächst käme es wohl gar noch dahin, daß in Stockholm die N e u- tralen die Hauptmasse der Teilnehmer bildeten, dre skandinavischen und die lwlländischen Sozialisten, wäh­rend sich die Abgeordneten aus Deutschland und Öster­reich-Ungarn vergebens nach den Genossen aus dem feindlichen Mächteverband umsehen würden. Vor Ende Mai soll die Stockholmer Konferenz ja iiber- hanpt nicht eröffnet iverden, alw rechnen auch diejeni­gen, die sich von dieser Veranstaltung etwas versprechen, mit einem langen Zeitraum, mit einen: um so längeren, je selbstverständlicher es sisin ivird, daß die dortigen Be­ratungen. auch wenn es sich um kein von vornherein zur Ohnmacht verurteiltes Rumpfparlament Endeln sollte, unmöglich schon im Beginn ein Ergebnis liefern könn- ten. Vielmehr würde es wiederum wertere W o ch e n dauern, ehe eine Versiändig'.ing zu erzielen wäre. Nehmen wir den günstigsren Fall an also den, daß die Schwierigkeiten der Beschickung durch sozialistische- Ver­treter aus allen kriegführenden Staaten doch noch überwunden werden, so kann in keinem Falle damit gerechnet werden, daß diese Stockholmer Besprechun­gen ein nahes Ende des- Krieges verheißen. Während des Monats Mai kann die Konferenz über­haupt keinen Einfluß am den Krieg ausüben, in den Wochen darauf aber auch n i ch t, da sie alsdann ja erst die Grundlagen einer Frsiedensmöglichkeit schaffen soll, was unter allen Umständen eine geraume Frist bedingen wird. So ergibt sich die schlichte Tat- sache, daß die mannigfach an die Bemühungen der Sozialdemokratie geknüpften Erwartungen, als werde der Friede in verhältnismäßig schnell-r Frist wenig­stens anznbahnen sein, sogar nach der Meinung der Sozialdemokratie selber übereilt sind. Dar­aus folgt, daß nichts zu trm bleibt, als eben den Krieg fortzusetzen, ihn mit aller Kraft weiterzu­führen und auf den Schlachtfeldern den Feinden die Überzeugung beizubringen, daß sie sich in das un­abänderliche Schicksal der Unmöglichkeit, uns zu be- zwingen, fügen müssen.

Aus unfern Darlegungen könnte geschlossen Iverden, daß wir den sozialdemotratischen Bestrebrmgen einen sehr großen Wert beigelegt haben und nun enttäuscht seien. So liegt es aber nicht, sondern es war nur einfach notwendig, die Tatsachen angemessen zu beleuch- ten und sachgemäß festzustellen, daß von jener Seite her das Heil nicht kommen wird. Die Gewiß- heit, daß es so steht, haben wir immer gehabt, jedoch war nun einmal der Glaube verbreitet, daß in Stock- Holm der Friede geboren werden könnte, und diesem Glauben, den wir freilich vomcksirgerweise nicht völlig und unbedingt für irrig erklären dürfen, inuß denn allerdings begegnet werden. Offenbar hat sich auch Herr Scheide mann die Sache beträchtlich leichter gedacht, als sie ist. Man kennt sein Programm, das auch das der kaiserlich-köniqlicken Sozialdemokratie von der Donau ist, aber man hat inzwischen genügend er­fahren, daß die Sozialisten nicht bloß in Frankreich sondern auch in Rußland anders über die Sache denken als Scheidemann und Viktor Adler. Es ist schließlich dankenswert, daß die französischen Genossen ohne überflüssige Umschreibung erklärt haben, die Rück- gäbe von E l s a ß - L o t b r i n g e n werde nicht unter den Eroberungsbegriff Zöllen, sondern die freie Selbstbestimmung der Völker, die habe weder mit Eroberung.noch mit Entschädigung etwas zu tun. sie sei lediglich die Wiedergutmachung eines begangenen Unrechts. Wie mag sich Scheidemann wohl die Mög­lichkeit vorstellen, seine französischen Freunde von ehe­mals dazu zu bringen, -Vife sie die deutsch-französische Grenze von 1871 als eine unantastbare Tatsache an- erkennen, über die eine Erörterung zuzullcheu von

jedem deutschen Standpunkt aus undenkbar ist? Die Voraussetzung, ans der sich der Optimismus rmserer rmd der österreichischen Sozialdemokraten auf­baut, besteht darin, daß von den -Sozialisten der feind­lichen Länder angenommen wird, sie würden und müß­ten unsere ungeheuren militärischen Er­folge anerkennen und daraus folgern, daß sie auf je­den Anspruch zu verzichten hätten, der nur durchzusetzen wäre, wenn wir statt Sieger Besiegte sein ivürden. Es ist ja gleichsam probeweise denkbar, daß Gruppen von Sozialisten so denken, wie sie es denn in Rußland auch wirklich tun, in Frankreich bisher allerdings nicht oder doch höchstens in so geringer Zahl und mit so geringen: Gewicht, daß sie gegen den Starrsinn der Mehrheit ihrer Genossen nicht aufkommen, die bis heute weder gewagt haben noch anscheinend innerlich dazu bereit sind, die Forderungen ihrer Regierung und der unge­heuren Mehrzahl ihrer Volksgenossen zu bekämpfen. Auf die französischen Sozialisten wollen Elsaß-Lothrin­gen wiederhaben, nicht, wie gesagt, als „Eroberung", sondern in der bescheidenen Form einer „Wiederheraus- gabe". Könnten Scheidrinann und Adler es zustande­bringen, daß dieser törickste Standpunkt erlassen wird, so wären war damit dem Frieden vielleicht um einiges nähergerückt, aber was ncch ubrigbliebe, wäre so viel und so schwierig, daß die geringe Erleichterung der Lage noch nicht Entscheidendes bedeuten könnte. Nun hat der russische Arbeiter- und Soldatenrat der franzö­sischen Abordnung, die in Petersburg weilt, den Ver­zicht Frankreichs auf Elsaß-Lothringen nahegelegt und das ist immerhin ein nützliches Beginnen. Aber wenn dH französischen Genossen den Mut nicht finden, diesem Rat nachzukommen, was nützt alsdann der Rat? 11ns erwächst unter allen Umständen die Pflicht, die Füh­lungnahme der Sozialisten und die noch völlig ivebel- hasten Stockholmer Vorbereitungen kritisch, zu betrach­ten, uns um sie zunächst eigentlich gar nicht zu kümmern und dafür den Krieg m i t a l l e r Macht fortznsetzen, damit diejenigen, die nickt hören wollen, fühlen, was ihnen bevorsteht, wenn sie auch in Zukunft durchaus nicht hören wollen.

Eine berechtigte Kundgebung des Klldeut «den Verbandes gegen die sozialdemokratische Zriedensresolulion.

Die Hauptleitung des Alldeutschen Verbandes ver­sendet an die Ortsgnippen-Vorslände und Vertrauens­männer des Alldeutschen Verbandes folgenden Aufruf:

Der Partei-Ausschuß der deutschen Sozialdemo­kratie hat unter dem 21. April eine „Friedensresolution" 'veröffentlicht, in der er erklärt, im Einverständnis mit dem Kongreßbeschluß des russischen Arbeiter- und Sol­datenrats einen „gemeinsamen Frieden ohne jeg­liche Annexionen und Kriegsentschädi­gungen" vorbereiten zu wollen, und es als wichtigste Pflicht der sozialdemokratischen Partei Deutschlands darstellt, die „Nachrträume eines ehr­geizigen Chauvinismus" zu bekämpfen und so rasch wie möglich entscheidende Friedensverhandlun­gen auf dieser Grundlage herbeizusühcen.

Dies das „Kriegsziel" der deutschen Sozialdemo- kratie!

Es will einen Frieden von Gnaden und zugunsten der Herren Scheidemann und Genossen gegen­über einem deutschen Hindenburg- Frieden.

Es will einen Frieden, erzwungen von der „Inter­nationale" unter Vergewaltigung aller deutschen, nationalen Notwendigkeiten der näheren und weiteren Zukunft!

Es bedeutet restlosen Verziäst auf alle und jegliche Schutzmaßnahmen, die zur Sicherung des Reichs, zur freien und gesunden Entwicklung unseres Volkes un­erläßlich sind.

Es bedeutet in seinen Folgen Schutzlosigkeit des Deutschen Reiches. Verkümniernng und Verelendung des deutschen Volkes.

Es ist ein „Kriegsziel", das unausbleiblich auf den Weg zum Untergänge führen wrrd.

Demgegenüber müssen unverzüglich alle nationalen Kräfte entschlossen auf den Plan treten.

Es darf nicht sein, daß draußen bei Verb ün- deten. Neutralen und Feinden die verderb­liche Kundgebung des sozialdemokratischen Partei-Aus­schusses als W i l l e n s m e i n u n g und damit Bankerottserklärung des deutschen Vol- k e s ausgefaßt wird.

Es darf nicht sein, daß daheim das, was ernste deut­sche Männer, getrieben von nichts anderem als von der Sorge um eine gesicherte Zukunft, von Reich unk Volk fordern, als „Nachtträunv eines ehr­geizigen Chauvinismus" nieder^uschrei^r versucht wird.

Entschiedener denn je ist die Tatsache festzu- stellen, daß die sozialdemokratische Partei nicht d i e Mehrheit des deutschen Volkes, nicht einmal die Mehrheit der Arbeiter darstellt, daß aber selbst bis tief in die Reihen der Sozialdemokraten hinein ein Friede, der die geopferten Ströme von Blut und Berge von Gut ohne Entgelt an Ersatz und Sicherheiten ließe, nicht gewollt wird.

In der Gegenwirkung gehen den sozialdenrokrati- schen Versuch, die öffentliche Meinung unseres Volkes zu verfälschen, muß dargelegt iverden, worum es sich am letzten Ende in diesem Kriege handelt, und dies verlangt, daß die dem Schuhe deutscher Zukunft dienen­den Kriegsziele kraftvoller denn je verfochten werden müssen. Dies sind Ziele, die wir in Gemeinschaft mit allen großen, nationalen und wirtschaftlichen Verbän­den vertreten, Ziele, hinter denen also Millionen deut­scher Volksgenossen stehen, Ziele die auch nicht in ihrem kleinsten Stücke ans Nachtträumen, Eroberungssucht oder Beutegier heraus geboren sind, sondern einzig und allein aus der Sorge um die Sicherheit deut­scher Zukunft.

Tie Hauptleitung des Alldeutschen Verbandes for­dert hie Ortsgruppen - Vorstände und Vertrauens­männer auf, im ganzen Reick>e Versammlungen zu ver­anstalten, aus denen entschiedene Vertvahrung und kraftvoller Einspruch gegen die v o l k s v e r d e r b- l i ch e V e r z i ch te rk l ä r u u g der sozialdemokrati­schen Partei auf jegliche greifbare Sicherstellung der deutschen Zukunft erhöhen, untere Kriegsziele dargc- legt und entschlossen und warm als das verfochten wer­den, was sie einzig sind- Notwendigkeiten zur freien und gedeihlichen Entwicklung des Deutschen Reiches und Volkes. Die Hauptleitung empfiehlt die Versamm­lungen in Entschließungen gipfeln zu lassen, welche den unerschütterlichen Willen kundgeven, für die Erringung dieser Notwendigkeiten nach wie vor alle Kr äste einzusetzen, und das unwandelbare Vertrauen zu den Führern und Kämpfern zu Lande wie zur See zum Ansdruck bringen, daß ihre Taten und Opfer uns un­zweifelhaft dem nicht mehr fernen Tage entgegcnführen, wo voller Sieg die Erfüllung jener Notwendig­keiten gewährleistet.

Die Hauptleitung des Alld-'utschen Verbandes.

C l a ß, Rechtsanwalt. Freiherr v. Gebsattcl, General der Kavallerie z. D. v. G r a p o w. Admiral 3 . T. Dr. ing. e. h. Kirdorf. Geh. Kommerzienrat.

Dr. T b o in s e n, Senatspräsident a. D.

Oie Lage im Welten..

Die Ermattung an der englischen Kamrpf- front am Montag.

W. T.-B. Berlin, 30. April. Infolge der schweren Ver­luste, die die Engländer in der Schlucht am 28. April er­litten, machte sich in ihrer gestrigen Kampftätigkeit im Raume von Arras eine starke Ermattung geltend. Das Plan­mäßige äußer ft heilige englische Artilleriefencr hielt jedoch den ganzen Tag über an. Besonders aus den: Nordslügel der Schlachtfront, in der Gegend von Achewlle und Öppy, war der Artilleriekampf außerordentlich stark, auch südlich der Scarpe. Wo das feindliche Feuer vormittags nachgelassen hatte, belebte es sich wiederum im Laufe des Tages. Der Brennpunkt der I n f a n t e r i e k ä m P f e war das Dörfchen O v p v, in der Mitte zwischen den in den Vor­tagen beiß umstriltenen Dörfern A r l e u x und Gavrelle gelegen. Viermal sandte der Engländer Sturmhausen gegen Opvy vor. Mermal wurden sie von den Verteidigern teils in heftigen Nahkämpfcn unter schwer st en- eng­lischen V e r l u st e n z v r ü ck g e w o r f e ii. Ein Teilan­griff der Engländer nördlich des Bahnhofes Rooax wurde ebenialls in kräftigem Gcgenitoß abgewiesen, wobei eine Anzahl Gefangener in unserer Hand blieb. Zu weiteren Infvirterieangriften konnte sich der Feind am 29. April nicht oufraften. Nur westlich vcn BulleScourt versuchte eine eng­lische Patrouille vorzudringen; sie wurde verjagt. Im Laute der Nackt wurden narfvhlende feindliche Patrouillen an mehreren Stellen der ArraSfront zurückgewiesen und mehrere Gefangene eingebracht. Das starke Ariilleriefeuec steigerte sich im Verlause der Nacht und gegen Morgen in der Gegend von Loos brs südlich der Srarpe zu besonderer Heftigkeit.

Die weltgeschichtlich bedeutenden Grotz- . kampftage der zweiten Aprilhalfte.

Stark erschütterte Zuversicht bei den französische» Truppen.

W. T.-B. Berlin, 30. April. Das Scheuern des frarrzö- siscken Durckbrucbsversvches im Norme von Reims am 16. April und die außerordentlich hohen Verluste haben die Zuversicht der französischen Truppen si a r I c c • schüttert, wie erneut aus Gefai genenauc lagen der 66. Infanteriedivision hervorgebt, die nur ans Jäger- l ataillonon besteht und erst nach dom Hanptcmgrrff zur Ab­lösung südlich von Eorkeny, 9 Kilometer nordwestlich von Berry-au-Bac, Singesetzt wurde. Die Mannschaften dies«