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Wiesbadener Tagblatt.

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Mittwoch. 25. Hprtl 1917.

Kbend-klusgabe.

Nr. 209. . 65. Jahrgang.

weitere 143500 Tonnen versenkt!

W. T.-B. Berlin, 25. April. (Amtlich. Draht, bericht.) Seit de» »m 19. April belanntgepebeneu U-Bootsersolpen sind nach bi« znm 24. April eingrgan- geneu Sammrlmeldungeu weiterhin insgesamt 14350V Bruttoregistert,unen feindlicher «nd neutraler Handelsschiffe durch unsere U-Boote im englischen Kanal, im Atlantischen Ozean und in der Nordsee versenkt worden.

S5et1cnf4!

W. T.-B. Amsterdam, 25. April. (Drahkbericht- Nieder­ländische Telegraphenagerttur.) Der niederländische Dampfer „M i n i st e r P a l", mit gemischter Ladung von Hüll nach Hurling, ist M.ntrgm.cht 4b Diesten westnordwestlich Dmutden torpediert worden. Die gang« Besitzung ist wohlbehalten in Dmuiden gelandet.

W T.-B. Ymuidrn, 24. April. (Reederlandsch Telegviof Agentschap.) Die Besatzung eines englischen Fischtrawlers, der in der Nacht in Dmuiden ankam, teilte mit, daß der englische F'schtran Sportdom pfer ^Martin 2* vermutlich infolge eines Znsammeldstotzes mtt einem anderen Dampfer gefunken ist. Ran wetß mcht. »Mt miA ba Be­satzung geworden ist.

Oie bittere Erkenntnis des Endes der britischen Oberherrschaft zur See.

Die sich zugunsten Deutschlands neigende Wagschaie.

TDA. Berlin, 24. April. Dl« „Mornndg Post" bringt einen sehr pessimistischen Artikel über den Ernst der wirt­schaftlichen Lage Englands. Unser Land, so heißt es darin, hat den Belagerungszustand auSzuhalten. Nach der dent» scheu Ansicht werden die fortgesetzten Verluste der S andelsmarine in der ganzen Welt uns so schwächen, daß wir gezwungen sein werden, Frieden zu machen. Vom logischen Standpunkt aus ist diese Ansicht berechtigt, denn auf die Dauer würden durch die Lahmlegung des Transporthandels alle Länder ausge­hungert werden, die aus Zufuhren angewiesen sind. Deutsch, land kann auch weiterhin U-Boote m großer Zahl herstelle-.r. Man muß sogar damit rechnen, daß es dies in weit größerem Umfang vermag, als man gemeinhin glaube. Es kommt also einerseits auf das Verhältnis zwischen U-Bootverlusten und U-Bootbauten, und andererseits auf das Verhältnis unse-er Schiffsneubauten zu alleren S ch i f s s v e - - lüsten an. Die einschlägigen Zahlen müssen der Regie- rung lekannt sein. Sie werden von ihr geheimgehal- t e n. Aber es ist offensichtlich, daß di« Wage sich augenblick­lich zuaunsten Deutschlands neigt und in arithmetrischer Progression aucl, weirerhin neigen kann. Dies ist eine höchst uningenehme Lage. Wir wissen nunmehr, daß wir die absoln te Herrschaft zur See nicht mehr aus üben können.

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2lnda«ernde Besprechungen in Madrid.

W. T.-B. Bern, 25. April. (Drahtbericht.) Der Spezialkorresvondent des „Petit Journal" in Madrid meldet: Die Minister haben sich eingehend mit den

neuen Torpedierungen beschäftigt, der König hat andauernd Besprechungen mit den hervorragendsten Politikern. _

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Di? Wahrheit über den Ausgang des Leetresfens zwischen Dover und Calais.

W. T.-B. Berlin, 24. April. (Amtlich.) Die britische Admiralität hat in ihrer amtlichen Veröffentlichung vom 22. April über die durch unsere Streitkräft« in der Nacht vom 20. zum 21. April durchgeführte Beschießung von Dover und Calais die Behauptung ausgestellt, daß auf englischer Seite kein Materialschaden eingetreten und der Verlust an Menschenleben sehr gering sei. Demgegenüber wird folgendes festgestellt: Das Sinken des in unserem amtlichen Bericht vom 21. April erwähnten feindlichen Z e r st ö r e r s ch i f f s ist von den Besatzungen einer ganzen Gruppe unserer Torpedoboote einwandfrei beobach­tet worden. Das feindliche Fahrzeug wurde durch »rs Torpedo, eines unserer Torpedoboote in die Mitte getroffen und sank wenige Minuten nach einer schweren Detonation mit dem Heck zuerst. Fünf Minuten spater erfolgte aus einem anderen englischen Zerstörer eine schwere Explosion mit Flammenbildung, wahrscheinlich infolge Torpedotreffers eines unserer n-cht zurückgekehrten Torpedcbocte. Auch dieser Vorgang ist von den Besatzungen mehrerer Torpedobocte einwandfrei beobachtet worden. Noch der

Schwere der Explosion zu urteilen, ist dieses Fahrzeug mtt hoher W.lhrscheiiAichkeit ebenfalls gesunken. Ein dritter englischer Zerstörer, der unmittelbar am Heck eines unserer Torpedoboote vorbeisuhr, erhielt durch die Arttlleri« unserer Streitlräste an di« Backbordselte des Vorschiffes ein großes Loch. Seine Kommandobrücke wurde derartig zer­schossen. daß sie nach der Seite ubechurg. Sein Hinter­schiff brannte. Ern werteres Zerstörerschiff, das erwa 20 Meter hinter einem unserer Fahrzeuge Hindurch­broch, erhielt zwei Artillerietrefser im Vorschiff un­mittelbar hinter der Kommandobrücke. Ein fünfter eng­lischem Torpedobootszerstörer wurde unter oer K»o mandolrücke getroffen. Auf die Behauptung der britischen Admiralität über di« Geringfügigkeit der P e r - sovälverlvstc näher einzugehen, erübrigt sich. Es ge­nügt, auf die englischen Schisfsvecluste und auf die den engli­schen Fahrzeugen beigebrachten Arttlleri etresfer sowie aus die von der Auslandspreis« gebracht« Mitteilung hinzuweisen, wonach in der Fischhalle von Dover neben unseren Gefallenen ein« größer« Anzehl eriglrscher Gefallener ausgebahrt war.

Zur Beschießung von Calais.

W. T.-B. Bern. 25. April. (Drahtbericht.) Der „Pettt Partsten" giW über die Beschießung von Calais bekannt, daß zahlreiche Häuser in vielen Stadtvierteln von den Deutschen dejchcssrn. getroffen und schwer beschädigt worden sind Die Opfer m der Zwilbevölkerung betragen 7 Tote, di« Zabl der Verwundeten ist überaus groß. Hauptsächlich sind Verletzungen duich Emitter und Herabsallen von Steinen verursacht worden. Über di« Zahl der militärischen Opfer wird naeb wie vor nichts veröffentlicht werden. Der Rest der Meldung nimmt ein« Zensurlücke ein.

Reichrregierung und Kriegsjiele.

W. T.-B. Berlin, 24. April. Die .Rcrdd. Allg. Ztg." schreibt:

An die Reichsleitung wird erneut von zwei Seiten die dringende Aufforderung gerichtet, in dem Kampf der Mei­nungen über die Kriegsziele Stellung zu nehmen. Anlaß zu dieser Aufforderung hat die Erklärung der sozial­demokratischen Partei gegeben, dir sich in Wiedec- hclung der früheren Erklärungen für erneu Frieden ohne Stnnexionen und Kriegsentschädigungen ausspricht.

Von dieser Seite wünscht mon. daß die Regierung sich (liefen Inhalt der Resolution zu eigen macht. Die Gegen­seite veilangt, daß der Reichskanzler entschieden die sozial­demokratische Erklärung bekämpft.

Seit der Freigabe der Kriegsziclerörterungen hat unsere Öffentlichkeit die weitestgehende Möglichkeit, ihre Ansichten zum Ausdruck zu bringen. Die Grenze, innerhalb deren sie sich halten will, muß durch ihr vaterländisches Gewissen be­stimmt uerden. Tie Negierung hat. was von ihr über tie Kriegsziele gesagt werden kann, mitgeteilt und kann gegenwärtig keine weiteren Erklärungen geben. Sie wird unbeirrt durch das Drängen von beiden Setten den Weg weiterqehm, den ihr Gewissen und Verantwortung vor dem Lande vorschreibcn. Ihre Ausgabe ist es, sobald wie möglich den Krieg za einem glücklichen E n d c zu bringen Dem stehen vor allem die Wahnwitzigen Krtcgszielforderunqen unserer westlichen Feinde entgegen — die feindliche Presse schreivt unzweifelhaft unter strengen Bindungen. Aber trotz­dem bleibt es doch bemerkenswert, daß sie weder in der Frag- der Annexion noch in der Frage der Kriegsentschädigungen die geringsten Abstrich- von ihieu. unsinnigen Forderungen gemacht hat.

AuS den englischen und den französischen Blättern kann man sich täglich überzeugen, daß die militärische Offensive mit einem Trommelfeuer auf der ganzen feind- lichen Pressefront begleitet wird. Lloyd George zieht die „Hindenburglinie" am Rhein, und die französischen Blätter sonnen sich in dem Gedanken, daß Wilson ihnen helfen wird, die Rheingrenze zu gcninnen. Wir haben noch kein Wort amerikanischen Widerspruchs ge­hört. Auch in der Aufstellung ,brer Entschädigungsideen sind die Franzosen nicht faul. 16 Milliarden jährlich lat sich der „Matin" herausgeicchr>ct, da? sind aber Zahlen, die von anderen Blättern lär gst überholt sind. In dem weit­verbreiteten „Journal' verurteilt jemand das deutsche Volk zu langjähriger Sklavenorkert. damit Frank­reich wirtschaftlich alles wieder hereinocinge. was es ourck, den Krieg verloren hat. Wir erinnern daran, daß dieser Gedanb- schon vor einer Reihe von Monaten mit wiffenschaft- li.hem Ernst in englischen Zeitschriften erörtert worden ist. Glauken di? deutschen Sozialdemokraten, gegen diese Ideen unserer Feinde im Westen durch ihre Formulierungen auf­zukommend Si" werden Enttäuschin.gcn erleben. Aach in Rußland, wo die Verhältnisse noch im Fluß sind, fehlt es keineswegs an Krieqszieläußcrungen. in denen man den Ein­fluß der "»r estlichen Bundesgenossen erkennt.

Ur.sere Feinde sehen alles, was bei uns geschieht, darauf­hin an. ob es zur A >r f m u n t e r u n g ihrer eigenen schwer leidenden Bevölkerung ausgenvtzt werden kann. Die Ur­heber der sozialdemokratischen Resolutrou haben dies be,

ihrem Beschluß, ourch den sie den Frieden fördern wollten, nicht in Rechnung gestellt. Wenn nun aber in einem Berliner Blatt von einem Abgrund geschrieben wird, vor dem wir stehen und in den uns die sozialdemokratische Partei hinern- reitzen will, kann diese Tonart nur Sch aden anrrchten. Sv stchcn d'e Dinge in Deutschland nickt, und in solchem Lichte sollte man sie auch vor dem Ausland nicht erscheinen 'affen. Eine stack zum Siege führende Polittk verlangt E i n b e i t im Innern, und in dem starken Willen zu iegreicher Verteidigung des Vaterlandes ist sie vorhanden.

Die b'lltigste Niederlage der ganzen weltlriegr.

Nähere Einzelheiten über den Gang der gewaltigen zweiten Schlacht bei Arras.

W. T.-B. Berlin, 24. April In der ueu entbrannten Schlacht bei.Arras am 23. Apoll haben die Engländer die blutigste Niederlage und die schwersten Verluste des ganzen Krieges erlitten. Ihre Absicht, die deutschen Linien beide':- setts der Scarpe und beiderseits der Straße Arras- E a m b r a i zu durchbrechen, ist cm der erprobten Tapferkeit der deutschen Truppen in dem glänzendsten Zusammenwirken von Artillerie, Infanterie und Flrgdiensr zuschanden ge­worden. Auf der ganzen, 30 Ktton vier langen Angriffsfront zw,sch<-n Lens und Bulleccurt liegen die von der Äranaten and Kug-in hingemäbten Sttrmbanfen der Eng­länder verstreot.

Am «v.-mitta, de« 2». »veil, nach alleeschwerstem »nb mehrstündigem Trommelfeuer»

entbr.rrrnt; die Schlacht auf breiter Front. Westlich und südwesttich von L-ns scheiterten olle englischen Ä-igeifse unter den 'chwersten Verlusten für den Feind, teils in blutigen» Nahkampfr. Bei Avion gelang es dem Feind, vorüber­gehend e'nzndringen. Er wurde indessen durch einen mäch­tigen Geaenstaß augenblicklich wieder aewcrfen. wobei ec Ge­fangene in unserer Hond ließ. Zwischen Gab re lle und der Trarve war nach stärkster Feucrvclbereitung das Gelände durch Rauch und Cui!nt unüberbrückbar geworden. Jned» Wolke ton Ranch und Staub vermochten die Engländer unter Verwendung von Tankgelck wadern in unsere Linie einzudringen. G e g e n c » g r i f f e wurden noch am Boc- miitai, angeietzt Südlich der Scarpe wurden alle unsere Stellungen, so heftiz der Feind sie auch benannte, behauptet. Wo die Engländer an einzelnen Stellen vorübergehend ein- zud"ngen vermochten, erfcloten die sofortigen Gegenauzttsft, die °ür uns günstig verliefen. So wurde der Feind aus der Linie Hcnnrel - Vin - en - Artois unter schweren Verlusten geworfen und unsere Linie dort restlos zuvück- eiobcrt. Um die Trümmerstätte des dicht an der Straße Arras-Cambcai liezenden Doofes Cuemappe wird ge­kämpft Gegen den ivestlich von Fontaine vorgedrungene a Gogner ist ein Gegenangriff iw. Gange. Sieben feindliche Tanks wurden an dem Vormittag zerstört.

Nachmittags und vbrrdL.

Die Schlacht nimmt dank der Hilden! often Haltung uirserce Truvven einen günstigen Fortgang. Nachmittags erneuerte der Gogner seinen Angriff auf Avion, der oerlnstreich in unserem Feuer zasammenbrach. Westlich von Lens schwoll das feindliche Feuer wiederum zum stärksten Trommelfeuer on. Der Ostteil von Gavrelle, in welches Dorf der Gegner am Vormittag unter dem Schuhe von Qualm ein­zudringen vermocht batte, wurde durch einen umfassenden Angriff von Norden und Osten noch gründlicher wicksamer Artiverievocöereit mg von uns wieder gestürmt. Auch die Höhe 6. südlich Gavrelle. wurde wieder genommen. Desgleichen wurde das Dörfchen R o e u x dicht an der Scarpe im schneidigen Gegenstoß zurückeiobett. Sämtliche Vorteile, die der Engländer am Vcimittag hatte erreichen können, wurden ihm wieder entrissen. Auch südlich der Scarpe tobt: am Nachmittag und Abend des 23. der Kampf mit deo- gleichen Heftigkeit wie vonuittags. Wieder und wieder ivacfm die Engländec di« Sturmhaufen rnS Feuer, um einen ent­scheidenden Durchbruch südlich der Scarpe zu erzwingen, nachdem ihnen die erreichten Vorteile nördlich der Scarpe wied-r entrissen worden waren. Unsere Truppen wiesen alle erbitterten englisch-n Aogriffe blutig zurück und hielten un- erschütterlich die ganze Stell,mg. Beiderseits des Örtchen? Hancourt, dicht bei dem Doife Guemappe, entrissen ur.sere todesmuiig vorgehcnden Sturmkolonnen trotz des ver­zweifelten feindlichen Widerstandes den Engländern den ersten Anfangsqewinn. Sie brockten niehr als 500 Geftrnqenc aus neun verschiedenen Divisionen ein. Die Trümmerstätt: des Dorfes Guemapve überließen wir den Engländern.

Gegen Abend steigerte sich das feindliche Trom­melfeuer ruf den beiden Seiten der Scarpe von Oppv bis ''üblich Fontaine abermals zu nie gekannter Stärke, ^ie Engländer süh-ten wiederum neue Reserven Herrn, dir das Schicksal in den für England unglücklichen Schlachttagen in letzter Stunde noch wenden sollten. Aber auch diese mit grober Zähigkeit vorstürmenden Ergländeilaufen blieben tu» Feuer liegen und vermochten die Niederlage des 23 April nickt zu ändern. Bei Avion, wo sich am Nachmittag ru-ch ein .kngländerhausen rn dem Abschnitt unserer Stellun­gen hatte festklammern können, wurden unsere Gräben biL auf den letzten Feind ge'äubert. Jetzt sind wir in jener legend wieder in dem völligen Besitz unserer alten Stellung.