Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgasse 21

„Tagdlauh-uS".

6dMlttt«©aOe geöffnet non 8 Uhr morgens bi» 7 Uhr abcnM.

wöchentlich

«ei»gö.PreiS für beide Ausgaben: MI. 1,- monatlich, MI. 8— vierteljährlich durch den Berla, ‘1.05 vierteljährlich durch alle deutschen Poftrnstalten, ausschließlich nehmen außerdem ent^gen: in Wiesbaden die Zwei,stelle BiS- . , . , -n in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Aus­

gabestellen und m den benachoancn Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagdlatt-Träger.

13 Ausgaben.

Fernruf:

,.T«,»lltt>h.ur" Nr. 6630-53.

Ban 8 Uhr morgen» bis 7 Uhr abends, außer ©»ratest

«»jeigen-PreiS für die Zeile: IS Pfg. str örtliche Anzeigen im „ArbettSmarlt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satziorm: Ai Pfg. in davon abweichender Satzausführung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen; 8» Psg. für alle auswärtigen Anzeigen: t MI. für örüiche Reklamen: 2 SH. für auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel UN« viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Lei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwiichenräuaren entivrechender

mittags'w*dieÄmgeu-iiu»g.^di»"slUsi^>achmittags Berliner Abteilung des Wiesbadener TagblntlS: Berlin Vf., P,tsd««er Str. 121K. Fernspr.

or ro-i. Für die«usti«hme von Anzeigen an voraeschrieberren

l Amt Lutzow DäOä u. vsOs. Taqen und Plätzen wird keine Gewähr ubernom»en.

Dienstag. 24. 5lpril 1917.

Kbend-Kusgabe. Nr. 207. . SS. Jahrgang.

„Ohne Annexionen und Entschädigungen."

Die zwölfstündige Beratung der leitenden Staats­männer Englands, Fr a n k r e i ch s und Jt a I i e n s hat, wie aus einer halbamtlicken Pariser Meldung her­vorgeht, der Friedensirage gegolten. Es wird angekündigt, daß weiteMitteilungen erfolgen sollen. Wie diese beschaffen sein werden, haben wir abzuwar­ten. Vorläufig wird erklärt, die Staatsmänner seien sich über den wahren Wert der Bewegung einig ge­wesen. die von Wien ausgegangen sei und sich jetzt hinter den neutralen Skandinaviern verberge. Die Konferenz habe sich eingehend mit den Kriegszielen des Vierverbandes, insbesondere mit den Entschädigungen befaßt, die den Völkern des Vierverbandes und ihrer Verbündeten für die vom Kriege aufeclegten tapfer zu gewähren seien. Vor einigen Wochen hatte davon ver­lautet, daß die Feinde ihre Kriegsziels nunmehr mit größerer Bestimmtheit als in ihrer Note vom 12. Jan. bekanntgebn würden. Vielleicht bringt jetzt die münd­liche Aussprache der feindlichen Staatsmänner die Ver­wirklichung dieses Vorhabens. Was aber auch von der Gegenseite andeutungsweise vorgeschlagen werden mag, so wird selbst die größte Mäßigung, die ja möglich ist. vermutlich aber doch nicht geleistet werden wird, zu Forderungen führen, von denen wir und unsere Ver­bündeten die Gewißheit haben müssen, daß sie für uns unannehmbar sein werden. Oder soll man glau­ben, daß die Feinde mit Bedingungen kommen, unter denen etwa die Herausgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich oder die vorbehaltlose Räumung und Wie­derherstellung Belgiens oder die Abtretung deutschen und österreichischen Gebiets an das zukünftige König­reich Polen oder die Überlassung eines Teiles der öster­reichischen Alpengebiete an Italien oder die Wiederher­stellung Serbiens und Montenegros in den Grenzen vor dem Kreige fehlen werden? Man könnte die Liste noch erweitern, man könnte die Dobrnd^cha, Armenien, Mesopotamien und noch manches andere in sie aufnehmen. Wir wollen uns einmal auf den Stand­punkt stellen, p r o b e r.o e i s e sozusagen, daß die Feinde eine Bescheidenheit zeigen werden die mit ihren bis­herigen Forderungen nicht mehr vereinbar wäre, und auch dann haben wir zu gewärtigen, daß sie Bedingun­gen aufstellen werden, über die wir mit ibn--n nicht w e r d e n u n t e r h a n d e l n k ö n n s n. Es ist ge­wiß noch viel zu früh, die Möglichkeiten durchzuden­ken, die sich ergeben würden wenn der Vierverband und seine Bundesgenossen ihre Kriegsziele veröffent­lichten, aber man muß doch davon sprechen, weil das fortgesetzte Drängen unserer Sozialdemo­kraten nach einem Frieden ..ohne Annexionen und Entschädigungen" dazu zwingt. Der „Vorwärts" hört nicht auf, die außerordentlich bestimmte Forderung zu erheben, daß unsere Regierung den dauernden Welt­frieden verwirklichen muß, „ohne Eroberung-?: und Ent­schädigungswünsche geltend zu machen, ohne ihnen, wenn sie von anderer Seite erhoben werden, entgcgen- zukommen". Haben sich die H internus nu er des „Vor­wärts" wirklich überlegt, was sie mit diesem lärmen­den Rufe anstiften können? Die Stellung unserer Re­gierung kann kaum mehr geschwächt werden, als wenn im feindlichen Auslande die Meinung er­zeugt und bestärkt wird, daß es schließlich io, wie es die Sozialdemokratie verlangt und mit se l t s a m e r Ei n- s ch ä tz u n g ihrer Macht förmlich gebietet, werde kommen müssen, weil hinter solchem Verlangen in der Tat bestimmte Absichten oder vielmehr Verzichte un­serer verantwortlichen Männer ständen. Die Ü n k e- sonnenheit, mit der sich die soziald^mokraiischen Führer in die Vorbereitungen zur Herbeifiihiuno des Friedens mengen, kann nickt anders als schäd­lich wirken, wenn diesen Treibereien nicht durch Erklärungen von leitender Stelle recht­zeitig begegnet wird. Der „Vorwärts" macht p§ sich leicht mit der Behauptung' „Auch die Westmächte wer­den sich zum Schluß zu dem Standpunkt bequemen müssen, daß in diesem Kriege keine Eroberungen zu machen sind und keine Schuldknecht^ckasten verhängt werden können."

Gewiß, das ist auch unsere Überzeugung, aber Eng- land und Frankreich werden den Übergang zu diesem Standpunkt um so schwerer finden, je lebhafter ihnen von einer großen deutschen Partei versichert wird, bei uns denke eigentlich niemand mehr an etwas anderes als einen Verzichtfrieden. Die Behaup­tung ist nicht wahr, sie kann nickt wahr sein, und dcß sie es nicht ist, das muß >'bru gesagt werden. Warum sollte England zaghaft im Fordern sein, wenn es Tag für Tag hört, daß wir ia schlechterdings nichts wollen als die Wiederherstellung des wüheren Zustandes? Die Sozialdemokratie erstrebt, das müssen wir zu ihrer Ehre anueüoren, nweffellos ebenfalls mnen Frieden, der

uns die Sicherheit unseres nationalen Daseins und unserer wirtschaftlichen Entwicklung verbürgt. Unge­schickter aber, als sie es tut. kann sie es nickt an- fangen, wenn sie diese Ziele erreichen will Angenom­men jedoch, die Feinde würden ihre Erobernngsplüne aufgeben, wie kann sich die Sozialdemokratie vorstellen, daß der Vierbund von Zi-len abließe, deren Nicht­ei reichung nicht bloß die Schwächung unserer Stellung, wie sie vor dem Kriege war. verewigen, sondern bis zum Unerträglichen steigern würde? Wir brauchen nur an den Einfluß Englands und Frankreichs auf Belgien zu erinnern, um die Gewißheit zu hoben, daß ein bedingungsloser Rückzug aus diesem Lande nicht etwa den früheren Zustand, der bereits für uns eine Quelle der größten Gefahren war, wieder­herstellen, sondern besonders an England geradezu eine Einladung bedeuten würde die Grenzen seiner Macht bis dicht an d ie Rh ei n pr o v inz vorzu­schieben. Wir wollen ferner nur darauf Hinweisen, daß die Neuordnung der Verhältnisse auf dem Balkan eine unter keinen Umständen zu unterlassende Bedin­gung 'ür die Sicherung des Friedens sein muß, und diese Neuordnung schließt es in sich, daß Serbien und Rumänien Gebietsabtretungen an Bulgarien machen müssen, daß Österreich-Ungarn nickt weiterhin die Fessel der serbisch-montenegrinischen Zentnerlast an seinen in die Adria vorgestreckten Füßen tragen kann und darf. Die Formel „Friede ohne Annexionen und Entschädigungen" ist eine leere Redensart, sie kann unmöglich zur Grundlage von Friedens­verhandlungen gemacht werden, sie wäre gleichbedeutend mit dem Eingeständnis des Vierbundes, besiegt worden zu sein, gleichbedeutend mit der Überlassung der Aufgabe, die Welt nach Wunsch und Willen nuferer Feinde aufzurichten, an die Staatsmänner in Lo n d o n. Dabei sprechen wir noch nicht einmal von den Problemen der Kolonialpolitik. Dem „Vorwärts" und seinen Ein­bläsern ist dringend anznraten, daß sie endlich ein­mal, um es schlicht auszudrücken, Verstand an nehmen. So, wie sie es bisher trieben, bereiten sie uns unend­lichen Schaden.

*

Der Unabhängige Ausschuß für einen deutschen Frieden gegen Scheidemann.

Br. Berlin, 23. April, (zb.) Ter Unabhängige Ausschuß für einen deutschen Frieden veröffentlicht in Berliner Blättern eine Kundgebung, die sich zunächst gegen die be­kannte sozialdemokratische 'Friedensreso­lution wendet, in der ein Frieden „ohne Annexionen und Kriegsentschädigungen" gefordert wird, und die sich weiter gegen eine Äußerung Scheidemanns von den „un- sinnigen Forderungen" des Unabhängigen Aus­schusses richtet:

Der Unabhängige Ausschvß verlangt Sicherung unserer Grenzen nach Osten und Westen. Daß diese nur erreicht werden kann durch die Ausdehnung unseres politischen Wirkungsbereichs noch beiden Richtungen, sieht jeder, der sehen will. Soll Ostpreußen auch in Zukunft der Festungskette Warfchau-Kvwno gegcr.überliegen? Soll Belgien cls Einsallpforte offen bleiber. in unmittelbarer Nachbar- ichaft unserer wichtigsten Industriegebiete, ohne deren sicheren Besitz wir überhaupt nicht den Krieg führen können? Sollen wir erweiterter ländlicher Siedelur.g, deren wir schlechter­dings nicht entraten können, für alle Zeiten entsagen? Die Regierungen der Mittelmächte hoben erklärt, daß sie sich in Rußlands innere Entwicklung nicht eunnischen werden. Es gibt in Deutschland und Österreich-Ungarn niemand, der das nicht billigte. Verträgt sich aber damit die Erklärung der Sozialdemokratie, daß sie „den Sieg der russischen Revolution mit leidenschaftlicher Anteilnahme begrüße"? Kann denn irgend jemand wisseil, ob nicht aus der Revolution russische Zustände hervocgehrn werden, die für den Bestand unseres Volkes im höchsten Grade gefahrdrohend sind? Dieser Lage gegenüber gibr eS für die Mittejmächte in der gegenwärtigen Stunde nur eine Aufgabe: Den Sreg!

Weiter Nord in der Kundgebung zum Ausdruck gebracht, daß cs unstatthaft sei, innerpolitische Ände­rungen. die nicht ohne Kampf erzwungen werden könnten, vorzunehmen, so lange Millionen unserer Besten dem Feinde »hre Brust zu bieten haben. Endlich heißt es in der Aus- lassung' Mir erheben den entschiedensten Widerspruch, wenn es als möglich erklärt wird, „durch Beitritt zu einer über­staatlichen Organisation und Anerkennung einer obligatori- sche.n Schiedsgerichtsbarkeit d^n dauernden Bestand des künf­tigen Weltfriedens sichern zu helfen". Das würde gleichbe­deutend sein mit de: Aufrichtung einer anglo-amertkanischen Weltleitung

Tie Kundgebung schließt mit de: Forderung an d« Regierung, gegen die sozialdemokratische Erklärung offEa Stellung zu nehmen.

vle Lage im wetten.

Die französisch-englischen Niederlagen. Über 1500 Gefangene, 91 Maschinengewehre bei Berry- au-Bac-Aubcrivc in drei Tagen.

W. T.-B. Berlin, 23. April. Während im Abschnitt der Aisne und in der Champagne sich das Bild der in hefttge Einzelkämpfe und teilweise starke Kanonaden zerfallenden Schlacht auch am gesterigen Tage nicht änderte, flammte die durch mehrtägiges gesteigertes Feuer vorbereitete und angekündigte Schlacht im Raume Arras-Loos erneut auf. Der erste englische Anprall, der am 22. April, vormittags 6 Uhr, in der Gegend von Leos erfölgte, brach nach einem mit seltener Erbitterung geführten Kampf unter schweren englischen Veclustei: erfolglos zusammen. Tie Engländer konnten nicht einen Meter unserer Stellung behaupten. Nocdwestlich von Fampoux in der Scarpe- Niederung wurden am 23. April feindliche Truppenansamm­lungen, Kavallerie und Tankgeschwader unter konzen­trisches Vernichtungsfeuer genommen. Am Vor­mittag des 23. April entbrannte die Jntanterieschlacht nach scchstägigem Actilleriekampf auf breiter Front von neuem. Vorfeldkämpfe im Abschnitt zwischen Scarpe und Somme verliefen für uns günstig. Englische Patrouillen, die sich in Trescault und Rennecourt festsetzten, wurden unter empfind­lichen Verlust-n für den Feind verjagt, desgleichen gegen Oisus vorfühlende feindliche Patrouillen. Die ■ Stadt St. Quentin lag abermals unter Artilleriefener. In de: Gegend von Venzeillou und Leuillh wurden erkannte feind­liche Truppenansammlungen durch vernichtendes Granat- und Schrapnellfeucr dezimiert. Ein feindlicher Angriff kam in­folgedessen nicht zustande.

In dem Raume der A'si>e und in der Champagne war bescnders der nachts 11 Uhr südlich von Craonne vorgetragene erbitterte feindliche Angriff für die Franzosen außergewöhn­lich verlustreich. Nachträglich wird gemeldet, daß allein im, Raume B e r r y - a u - B a c bis A u b e r i v e in der Zeit vom 16. bis 10. April 30 Offiziere, 1472 Mann und 91 Maschinengewehre ein ge bracht wurden. Nördlich von St. Hilaice holten unsere Stoßtrupps Ist Fran- zosrn aus dem feindlichen Graben. Pctrouillen des Gegners wurden im Handgranatenkampf algkwiesen.

Ein französisches Drängen nach Entlastung durch Cadorna.

G Genf, 24. April, (zb.) Tie Pariser Fachkritiker fordern Cadorna dringend auf, dem Gegner schärfer zuzu­setzen, damit Deutschland genötigt werde, von seiner Wesffront Truppenteile nach Italien abzukommandiecen. Dies sei der wesentlich st e Dien st, den Jtal'en seinen vor eine überaus schwierige Aufgabe gestellten Ver­bündeten in diesem Augenblick, da Rußland nicht über seine volle Kraft verfüge, leisten solle

Absturz dreier französischer Flieger.

stß Paris, 23. April, (zb.) ,.Temps" meldet aus Toulon- Bei einem Bersuchsflvg mit einem neuen Wasserflugzeug stürzten drei Militärflieger tödlich ab.

Die englischen Verluste.

W. T.-B. Amsterdam, 23. Avril. Die Verlustliste der „Times" vom 16. April enthält dre Namen von 248 Offizieren (77 gefallen) und 1980 Mann.

Die französischen Wirtschaftsnöte.

# Paris, 23. April, (zb.) „Journal" meldet, daß infolge der großen Abholzungen in den Privat- und Staatö- waldungen der französische Kriegsminister die kommandieren­den Generale und Militärgouverneure in einem Rund­schreiben aufforderte, die nötigen Maßnahmen zur Siche­rung der Holzbestände Frankreichs zu treffen.

W. T.-B. Bern, 23. April. Die Pariser Presse meldet, daß vom 1. Mai ab die gesamte Kohlenverteilung nur noch von Staats wegen durch das Berproviantterungs- ministertum erfolgen wird. — „Petit Puristen" meldet: Der Vorsitzende des Kartoffelamtes. Senator Mongeot, richtete an den Ministerpräsidenten Ribot einen sehr pessi - mistischen Brief über den Stand der Kartoffelver­sorgung. Er erklärt, d'ß trotz aller Bemühungen uno Auf­rufe die KartoffelauSsrat durchaus ungenügend erfolge. Die Regierung solle unter allen Umständen die versprochenen Saatkartoffeln rvsliefern, damit wenigstens noch füg den kommenden Winter die allernotwendigsten KartoffÄvor- räte gesichert werden könnten.

Die Notwendigkeit der Flrischcrsstarnis in Frankreich.

W. T.-B. Bern, 23. April. Wie „Petit Parisien" erfährt, beabsichtigt die Regstrung, die gange Bevölkerung durch einm patriotischen Aufruf aufzufordern, n-ur noch ettwml tägüH er m e Zleischfpoife zu genikchgn.