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Verlag Langgaffe 21

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Dienstag» 24. April 1917.

Morgen-ktusgabe.

Nr. 206. . 65. Jahrgang.

Sieg unserer Westfront in der neuen Schlacht bei Arrar.

Zusammenbruch des englischen Knsturms unter schwersten feindlichen Verlusten.

Abendbcricht vom 23. April.

W. T.-B. Berlin, 23 April, abends. (Amtlich. Drahtbericht.) Auf dem Schlachtfelde von Ar ras ist heute der neue englische Ansturm unter schwer­sten Verlusten ergebnislos zttsammengobrocheu.

An der A i s n e »nd in der Champagne zeit­weilig starker Artilleriekamps.

Im Osten nichts Wesentliches.

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Vor der Vollendung der englische» Niederlage.

Englischer Heeresbericht vom 22. April.

Der Kampf dauert westlich und nordwestlich von 2tn 3 zu unseren Gunsten an. Wir machten dort Fortschritte und brachten Gefangene mck> LMaschinengewehre ein.

Die militärische Lage.

<BonunsererBerlinerAbteitung.j

Xu Berlin, 23. April. (Eig. Meldung, zb.) An der Front von A r r a s scheint die zweite Schlacht entbrannt zu sei». Ein starker französischer Angriff östlich von C r a o « n e wurde abgewiesen» ebenso scheiterten feind­liche Teilvorstöße zwische P r e s n e s und A u b e r i v e. Unsere Truppen vermochten an mehreren Stellen Frontver- bessernngen dnrchzufiihrrn, wobei Gefangene gemach: wur­den. An dem Snippeufer wurden bei einer Erkundungs- nnternehmung französische Gefangene eingebracht.

Auf dem italienischen Kriegsschauplatz war die Aufklärung gescheitert. ES herrscht Kälte im Gebirge. Iw Pusta-Bbschnitt wurden Erkundungsabteilungen vorge­sandt, die 40 Gefangene einbrochten.

Zu den türkischen Berichten wird noch gemeldet, daß die Engländer nach ihren mißglückten Angriffen aus Gaza vom 26. und 27. März mit ihren Hauptkräften zwar hinter den Wadi-Gaza zurückgegcngen waren, aber doch Sicherungstrupprn diesseits zurückgelassen hatten, woraus geschlossen werden konnte, daß sie ilwen Versuch wiederholen würden. Unsere Flieger stellte» denn auch bald den A n - marsch starker feindlicher Truppenmasscn auf der Sinaihalbinsel fest. Am 18. April schob sich der Feind gegen die ganze türkische Front vor. Der australische Hreresteil war bestimmt, die rechte Flanke zu decken. Es war vom Feinde eine bedeutende Ai:strengung gemacht worden, diesmal dnrckznd ringen. Auch englisch« Kriegsfaqrzeuge wirkten gleichzeitig von der See aus mit. Den Haupt st führten dir Engländer auf die Höhe südöstlich von Gaza, und dreimal stürmten sie, ohne den Wider­stand der Osmanen brechen zu können. All ihre blutigen Opfer waren vergebens. Die englischen Divisivnen mußten zurück, ohne auch nur im entferntesten ihre» Zweck erreicht zu haben. Bon 8 Panzerwagen, die sie vorge­schickt hatten, lagen 3 zertrümmert vor den türkischen Linien. Nunmehr gingen die Türken selbst zum Angriff über und warfen den englischen rechten Flügel. Zwei deutsche Flieger vollbrachten während des Kampfes eine mutige Tat. Sie übecfldgen die Wüste und zerstörten eine lange Wasserleitung, die von den Engländern durch die Wüste angelegt worden war. Auch zwei englische Flug­zeuge wurden während dieser zweiten Schlacht bei Gaza heruntergeschossen. Die Verluste der Briten sind überaus schwer. Unsere Berichterstattung be­stätigt daß sich die türkischen wie arabischen Heeresteilc sehr gut gehalten haben. ,

*

Zur Berliner Reise des türkischen Grotzwesirs.

Ein türkischer Kommentar.

W. T.-B. Konstautinopel, 23. April. (Drahtbericht.) In eirver Besprechung der Reise Talaat-Paschas schreibt Tanin": Die Reise stellt ein neuerliches Ereignis in der Ge­schichte des deutsch-türkischen Bündnisses dar. Es ist aas erstemal, daß ein Groß webir offiziell Berlin besucht. Diese Reise ist von mehreren Gesichtspunkten ans von Bedeutung und Nutzen. Die Völker Deutschlands und der Türkei, die so unerschütterlich vereint harte Prüswngen durchgemecht laben, werden islelerlei dm Gegenwart und die Zukunft betreffende Fragen zu lösen ha>ben. Das beste Mitte! zu ihrer glücklichen Losung besteht in der Herstellung persön­licher Beziehungen zwischen den beiderseitigen leitend-n Staatsmännern Seit dem Abschluß des i n n i g e n B ü n d - wisses zwischen Deutschland und der Türke: ßiai> solche Reitze:: nostvendig geworden. Jnfoigodeffeu hat

Talaat-Pascha. der hierzu berufenste Iiaiul in der Türkcft seit seiner Srbebang zur Großwesirwürde auf den geeigneter: Zeitpunkt gewartet, um diese Reise zu unternehmen. W'.r wissen, daß Berliner Kreise dei: Großwesir hoch- schätzen, wir wolle« hinzusügen, daß sic :n näherem Ver­kehr mit ihm feststellen können, daß sie sich in ihren Gefühle» nicht getäuscht beben. Talaot gewinnt durch nähere Bekannt­schaft. Daher werben die Berliner Kreise, wenn sie die Be­kanntschaft des Großwesirs gemacht, noch mehr für Tala.it und die Türkei eingenommen fern. Dem Großwesir wird sicher die durch die Reise gebotene Gelegenheit, sich auszu­sprechen mit den Staatsmännern der anderen verbündeten Völker, benutzen. Wir wollen schließlich hervorheben, daß der Großwesir mit ihn stets beseelender fester Hoffnung auk einen für uns siegreichen Ausgang des Kriegs und mit einen: großen Optimismus hinsichtlich der Zukunft des Bierbundes seine Reise angetreten hat. Hoffen wir, daß dieses Vertrauen und d:ese Überzeugung bei seiner Rückkehr noch größere Kraft erlangt haben wird.

Nähern über den gescheuerten stanzsfischen vnrchbrnchsplan.

Aus nufgefundenen feindlichen Befehlen.

W. T.-B. Berlin, 23. April. Aus aufgefuvdenen französi­schen Befehlen, die durch Aussagen von Gefangenen ergänz: wurdcn. ergibt sich immer klarer der groß angelegte französi­sche Durchbruchsplan. Die deuffche Front sollte am 16. April durch einen unwiderstehlichen Ar:prall der französischen Divisionen an der AiSne gesprengt werden. Das 32. Korps sollte am 16. April 12 Kilometer tief auf beiden Ufern der Aisnc bis auf B r i o n n e und P r e u v a i s durchstoßen. Die 27. Division sollte, südlich anschließend, bis zur S u i p p e s vorbrechen nnd dann scharf nach Osten av- schweuken, während die 14. Division den Block B r i m o n t übcrrcnnen sollte. Die Absicht des strategischen Plans ging dahin, die deutschen Truppen im Raum südlich der Biene durch einen wuchtigen Angriff in östlicher Richtung zurückzuwcrfcn, um sic dem am 1). April in der Eh a m - pagne bciAuberive und Moronvillers durch­stoßenden französischen Truppcnsänlcn in die Arme zu trei­ben. Auf den östlich von Reims liegenden 20 Kilometer langen deutschen Frontabschnitt von Betheny bis Pru- nay war ein Angriff nicht angesctzt. Dieses Frontstück sollte durch einen Bor stoß von Brimont nach Osten und durch einen Vorstoß bei Auberivc nach Norden am 16. und 17. April eingekessclt werden. Diese Ein­kesselung konnte indessen nur gelingen, wenn die östlich Brimont vorstoße,iden französischen Kampffäulen schon im Lauf des 16. April, also am ersten Angriffstag, die befohle­nen Linien erreichten.

In einem engen Zusammenhang mit diesen Operationen südlich der Aisne standen die von der französischen Heeres- Iiitung geplanten Operationen nördlich der Aisne auf der Linie Brahc - Cerny - Craonne. Hier sollten die Franzose» mit der Kerntruppe des 20. Armeekorps alS. Hauptstütze 12 Kilometer tief in das Hügel- und Waldqclände südöstlich von Laon Vordringen, um der neuen Siegfried­stellung in den Rücken zu kommen. Durch die breiten Dreschen der auf einer Breite von 80 Kilometer zertrümmerten deut­schen Front sollte die Armee der Poursuite vorjagen. Die Sprengung des Frontabschnittes Aisne - Champagne und die fächerförmige Aufrollung nach Osten und Norden stellen einen großzügigen «nd wohldurchdachten Plan dar, der aber nur Aussicht aus Erfolg hatte, wenn be­reits am ersten, spärrstens am zweiten Schlachttage der Durch­bruch in der befohlenen Tiefe glückte. Gelangen die Ope­ration«» nicht Schlag auf Schlag, so war der Plan zum Miß- lingr» verurteilt. Heute, nach einer Reihe blutiger Schlacht- Inge, sind die kühnen Operationen Nivelles be­reits endgültig gescheitert.

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Enttäuschung in Paris über den Gang der Offensive.

Br. Genf, 23. April. iEig. Drahlvericht. zb.) Da die srnnzüsiich-englffche Offensive übereinstimmend als den übergroßen Erwartungen keineswegs ent­sprechend erkannt wurde, zeigen die Pariser Militär­schriststeller bereits Besorgnisse, daß Hindenburq als geschickter Stratege seine großen Reserven für eine Entscheidungsschlacht aussparen dürfte. Matin" undPetit Pr-risien", dre diese Ansicht vertrete», sind nur nicht über den Punkt einig, w o die deutsche Heeres­leitung zum Gegenstoß e:n setzen wird. Diese An­sicht ist auch in der neutralen Presse vertreten. So schrewt Journal de Geneve": Die öffentliche Meinung Frankreichs sei über den bisherigen Verlaus der Offensive der Verbünde­

ten enttäuscht. Man vergleiche diese mit der Champagirp- schlacht im September 1916, wo gleichfalls nach einem vielver­sprechenden Anfangserfolg ein S t i l l st a n d der Ope­rationen cintreten mußte.

Fravzösiichtt Heeresbericht vom 22. April, nachmittags.

Südlich St. Quentin dauerte der ArtiHecielamPf an, der wahrend der Nacht ziemlich lebhaft war. Zwlschm Aisne und L b c m i >! des Lames machten die Franzosen neue Fori- schritte nördlich Sauotz und Jvuy. Handgranatenkamps in der Gegend von Heurtebise. In der Champagne Patriuillenschcrmützel und Kamps mit Handgranaten westlich Savarin. Au der übrigen Front war die Nacht ruhig.

Flugdienst: Deutsche Flugzeuge warfen gestern

abend niedrere B o m b e n auf das Geb:et von Dünkirchen ab. Drei Personen wurcen leicht verletzt. Der Schade» ist nniwdeutcnd.

Französischer Heeresbericht vom 22. April» abends.

Zwischen Somme und Oise war der Artillerie­kampf während des Tages in d«r Gegend von St. Quen­tin und nördlich von Urvrllers sehr lebhaft. Zwischen Soissons und Reines Arlillerielätigkeit mit Unter­brechungen aus verschredenen Abschnitten. Der Feind be­schoß Reinis heftig, besonders das Viertel der Kathe­drale. In der Champagne war der Tag durch eine Reihe von Gegenwirkungen des Feindes gegen die Höhe, die wir :m Gcbirgsstock von Moromillers besetzt halten, gekennzeich­net. E'.n beftiger Angciff gegen Monthaut wurde nach einem lebhaften Kampfe zunichte gemacht. Unsere Maschinen­gewehre und Gegenangriffe brachten dem Feinde blutige Verluste bei. Ein deutsches Bataillen, dessen Anwesenheit um 5 Uhr nachmittags nordwestlich von Monthaut gemeldet wurde, wurde von uns unter Feuer gencinmen. Es zerstreute sich unter Zurücklassung von Toten. Ein weitere: Angriffs- Versuch gegen die Höhe weiter östlich wurde gleichfalls abge­schlagen. Bon der übrigen Front ist nichts zu melden.

Am 21. April lourden drei deutsche Flugzeuge von unseren Fliegern ebgeschc-fsen.

Belgischer Bericht.

Artilleriekampf, besonders Steenstr ae t e. wo sich ein ledhastcr Bombenkampf entwickelt'..

Dar neue Rußland.

Kongreß der Armeenbgeorbneten von der russischen Westfront.

W. T.-B. Minsk, 23. April. (Drchtbericht. Petersburger Telegraphen-Agentur.) In der ersten Sitzung des Kongreßes der Abgeordneten der Armee an der Westfront hielt Duma- präsident Rodzianko eine Rede, in der er sagte: Glück­licherweise ist die Rückkehr zur Vergangenheit unmöglich. Das verbürgt der Wille des russischen Volkes. Vergeht nicht, daß die große Freiheit euch große Pflichten auferlegt. Vergeht nicht, daß das Vaterland in Gefahr fft. Ich weiß, daß jetzt die Westfront eine unzerstörbare Kampfkraft besitzt. Mit Freuden werde ich es im Hinterland verkünden.

Abgeordneter Roditschew lud dann alle Anwesenden ein, sich zu einer starken Macht zusammenzuschließen, um nicht nur den ausländischen Feind, sondern auch den der V v l k s frei h e i t zn besiegen. Roditschew ries: Laßt uns den Gegner vernichten!

Darauf bestieg der französische Oberst Raston, früher Kommandant eines Regiments vor Verdun, die Tribüne. Er sagte u. a.: Vergeht nichr, Soldaten, dctz ihr die Armee des Kaisers vor euch hobt. Wellt ihr daher die Freiheit befestige::, so sei» tapfere und gehorsame Krieger, treibt weniger Politik, aber erfüllt wehr eure Soldaten- pfiichten. Erinnert euch daran, daß in der französischen Revolution die große Armee keine Politik trieb.

Dann nahm ein englischer Major das Wort und forderte die Soldaten auf, die Freiheit zu lieben und alles für sie zn tun.

x General Gurko, der Kommandant der Wesffront, sagte: Wenn die Soldaten nicht große Anstrengungen machten, die junge Freiheit zu retten, wird sie untergehen. Der deutsch« Militarismus, der eine ewige Bedrohung des Welt- ftiedcns darstellt. muß vernicklet werden.

Vielleicht die Schicksassstunde!"

W T-B Petersburg. 22. April. Meldung der Petersburger Telegrapheu-Ageutur. Mnnstcrpräsident Fürst Lw ow unv Kriegs­minister Eutjchlow haben er:, die für die Armee tätigen Ar­beite: eine,- Aufruf gerichtet, in welchem ste erklären:Die letzte Stunde unserer Prüfungen ist gekommen, viel­leicht die Schiclsalsstuude, die uns aus inimer glücklich und frei- machen oder uns unsere nationale Ehre rauben und uns ru die alte Sklaverei zurückschleudwn wird. Mehr als jemals werden wir unser Glück erzwingen. Das Schicksal der gewonnenen Frühesten ist in unserer Hand,"