Verlag Langgaffe 21
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Berliner Abttilm.« »eS Wirs tz-d-n« To.Utttts: «erlm^ P.tSd.«« Str.lLIK. 6202«. 6203. KÄSSSSÄS
' Sonntag, 22. Slpril 1917.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 203. * 65. Iahrgang.
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Han an den Feind!
W. T.-B. Berlin, 21. April. (Amtlich. DrahlErlcht.)
Leichte deutsche Streitkröfte für» in der Nacht vom 20. zum 21. April in den östlichen Kanal und gegen die Thcmsemüa- dung vorgestoßen. Die Festungen Dover und Calais wurden auf nahe Entfernungen mit insgesamt 650 Schuß wirkungsvoll unter Feuer genommen. Calais war unbewacht. Ein vor Dover angetroffenes Borpostcnfahr- zeug wurde vernichtet. Als auf dem Rückmarsch kein weiterer Gegner gesichtet wurde, machten Teile unserer Streitkröfte unter Führung des Korvettenkapitäns G a u g i e r Kehrt und nahmen nochmals Kurs aus den Kanalausgang. Hierbei stießen sic östlich von Dover aus eine größere Anzahl von englischen Zerstörern und Führerschiffen. Es kam zu scharfen Gefechten auf nächste Entfernungen. Ein feindliches Führerschiff wurde durch Torpedoschuß versenkt, mehrere andere durch Artillerietrcffer schwer beschädigt. Wabrschrinlich ist von den letzteren ebenfalls eins gesunken. Bo« unseren Torp^obooten sind „6 85" und „G 4 2" aas diesem Gefecht nicht zurückgekehrt. Sir müssen als eerloien gelten. Alle übrigen Boote sind ohne Beschädigung «der Verluste wieder eingelaufen.
Ein südlich der Themsemündung vorgestoßen« Teil vnserer Stieitkräfte traf kein Kriegsfahrzeug des Gegners an und konnte nur einige Gefangene von einem Handelsschiff einbringen.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Unangebrachtes Orangen.
Sowohl die „Nordd. Allg. Ztg." wie das Wiener Korrespondenz-Bureau haben bekanntlich die Friedensbereitschaft der Mittelmächte Rußland gegenüber in sehr weitgehender Form bekundet. Sie beabsichtigen nicht, wie es in der „N. A. Z.' wörtlich hieß, Ehre oder Freiheit des russischen Volkes anzutasten und wollen das russische Volk aus dem Kampfe weder erniedrigt noch in seinen Lebensbedingungen erschüttert hervorgehen lassen. Für sich selbst aber erstreben die Mittelmächte nichts anderes als die Sicherung des Daseins, der Ehre und der Entwicklungsfreiheit ihrer Völker. So überaus maßpoll und entgegenkommend diese Kundgebung der Mittelmächte ge>ienüber Rußland war, der sozialdemokratischen „Internationalen Korre- spondenz" genügt sie inrmer noch nicht. Das genannte Organ der sozialdemokratischen Mehrheit und diese selbst nach dem in der letzten Abendausgabe mitgeteilten Parteiausschußbeschluß „bestehen" vielmehr darauf, daß Deutschland auch die Formel der russischen Arbeiterklassen annimmt und sich ausdrücklich zu einem Frieden ohne Eroberungen und Entschädigungen grundsätzlich bereit erklärt. Die „Internationale. Korrespondenz" verspricht sich von einem derartigen Verfahren Deutschlands folgende Wirkungen:
„Liegt diese Zusage von Deutschland vor, so bleibt es den übrigen Ententeregierungen überlassen, ob sie die gleiche Gesinnung bekunden wollen — .dann könnte eine Friedenskonferenz sofort znsammentreten — oder ob sie ihre als Freiheitsziele verkleideten Eroberungs- pläne fortsetzen wollen — dann würde uns die russische Arbeiterklasse die Hand zu einem Sonderfrieden entgegenstrecken können, ohne ihren Verbündeten untreu zu werden."
Die Vorstellung, als ob die Entente, die sich soeben mit den Vereinigten Staaten verbündet hat, sofort auf jede Eroberunqsabsicht verzichten würde, wenn Deutsch, land die fragliche Erklärung adgäbe, nruß nach allen mit der Entente gemachten Erfahrungen als jeder tat- sächlichen Begründung entbehrend zurückqewiesen werden. Auch mit der zu einem Sonderfrieden entgeg-en» gestreckren Hand der russischen Arbeiterklasse ist Deutschland erst dann praktisch gedient, wenn jede Klasse die auswärtige Politik Rußlands maßgebend beeinflußt. Will aber die russische Arbeiterklasse den Frieden mit Deutschland so ernstlich, wie die neuen Kundgebungen der Mittelmächte es in bezug auf Rußland an den Tag legen, dann bedarf es keiner weiteren deritschen Ver- sicherung»n mehr, sondern nur der Ankündigung wirk- sicher Friedensverhandlungen. Deutschland den grundsätzlichen Verzicht altf irgendwelche Entschädigung gegenüber sämtlichen Feinden zumuten, heißt nicht nur
den frevelhaften Übermut dieser Feinde belohnen und anstacheln, die Opfer der Vergangenheit umsonst gebracht sehen, sondern auch für die Zukunft das deutsche Volk und in erster Linie die deutschen Arbeiter mit ungeheuren Lasten beladen. Mußte die „Internationale Korrespondenz" aus diesem Grunde ihre Forderung für sich behalten, so ist es noch unüberlegter, daß sie mit dem Gedanken der Ablehnung künftiger Kriegskredite durch die Sozialdemokratie mit nachstehender Begründung spielt: ,Un'ere Kriegskreditbewilligung vom
4 . August war von vornherein ausdrücklich dahin befristet, daß sie solange erftlgen werde, bis die Feinde zum Frieden bereit sind. Diese Voraussetzung ist nun für Rußland oder wenigstens für den Arbeiter- und Soldatenrat erfüllt" Ganz abgesehen davon, daß der russische Arbeiterrat auch jetzt nicht niit Rußland identisch ist, erscheinen sozialdemokratisch.'. Äußerungen wie die vorstehende und Entschließungen wie die mitgeteilten nur zu sehr geeignet, die Feindeshoffnung auf innere deutsche Uneinigkeit zu stärken und dadurch kriegsverlängernd zu wirken. Von der „Internationalen Korrespond-nz" sollten Auslassungen, die solche Folgen haben können, eigentlich nicht erwartet werden.
*
Die hellsichtigen Äußerungen eines englischen Arbeiterführers über die Kriegs» ziele der Entente.
W.T.-B. Berlin, 21. April. (Drcbtbericht.) Interessant: Einzelheiten über die Redendes englischen Parlamentsmitgliedes S. W. I o w e t t auf der diesjährigen Konferenz der unabhängigen Arbeiterpartei werden durch den „Manchester Guardian" veröffentlicht. Fowett sagte u a.: Wenn in den Jahren vor dem Kriege die englische Regierung sich ebenso bemüht hätte, wie Präsident Wilson, die Nation über die Angelegenheiten des Staates uiüeriichtet zu halten, so waren wir niemals an die jetzt gestürzte russische Regierung gebunden worden, und hätte dieses Band nicht bestanden, so wäre die bestechliche russische Regierung schon lange in den Stauo gesunken. Ihre nunmehrige Vermietung rechtfertigt aber den Krieg nicht und unendliche Menschenleben wären erspart Worten. Bor neun Jabren haben wir dem russischen Volk seine Revolution versagt, wie Frankreich sie früher versagte. Ich glaube, daß auch jetzt die englische Regierung chm die Revolution verboten haben würde, wenn lies möglich gewesen wäre. Lei der Besprechung des Eingreifens Amerikas sagte Jowett: Amerika erklärt, es verfolge keine selbstsüchtigen Zwecke und wünsche keine Eroberungen und keine Kolonien, es suche keine materielle Entschädigung für die Opfer, die es gern bringen werde. Die Enteiste beabsichtigt dagegen nicht, eine solche Erklärung abzugeben. Daher geht der Krieg weiter, nicht etwa für Belgien und Frankreich, auch nicht etwa für ern freies Polen oder die Lösung der elsoß-lcchringischen Frage, sondern lediglich um die deutsckien Kolonien zu erwerben und Ott erreich - Ungarn und die Türkei zu zertrümmern, damit die Ententestaaten auf Kosten dieser Staaten Eroberungen machen können.
Oie feindlichen Niederlagen im Westen.
Br. Berlin, 21. April. (Eig. Drahtbenicht, zb.) Von der Westfront wird dem „B. T." von feinem Kriegsberichterstatter gemeldet: Auch der gestrige Tag brachte überall das Resultat, daß sämtliche Jnfanterieangriffe großen Stils, wo solche wirklich zur Entfaltung kamen, restlos unter blutigsten Verlusten fei.ndlicherseits nredergekämpft wurden. Seitdem der 16. April ihnen nicht auf den ersten Anhieb, wie sie es zuversichtlich erhofft hatten, trotz des wahnsinnigen Massenfeuers den ersten großen Erfolg gebracht, mußten die Franzosen sich dazu entschließen. die Angriffslinie um viele Kilometer von der Aisne aus in die Champagne auszu dehnen. D.,s bedeutet für sie enffchieden eine Schwächung ihrer Angriffs- kräfte, die sich nun auf verschiedene neue Brennpunkte des gewaltigen Ringens zu verteilen hoben. Bei C r a o n u e brachen in dchlesten Massen starke Angriffe vor und wurden sofort von unserer Artillerie vernichtend empfangen Nur an einer Stelle kam es zum Nahkampf, de: den Fernd völlig zurücksiieß. Ebenso erging es den sehr starken Angriffen, die nachmittags und abends auf dem Abschnitt Aisue-Nord-Reims Men unsere Stellungen
vorgetragen wurden. Die Franzosen, mehr aber noch die jetzt hier eingesetzten russischen Regimenter, mußten sich mit vngebeuren Verlusten zurückziehen.
Die Ereignisse der letzten Tage lassen den Schluß zu, daß die feindliche Offensive sich weit schneller als die an der So ui me verbluten wird. Danken können wir das in erster Linie dem neuen Prinzip der Ober st e n Heeresleitung, die von dem starren System der Verteidigung zu einer Elastizität der Front übergegangen ist, die unser Mannschaftsmaterial nach Möglichkeit schont, sodann aber auch miedecura der alten zähen Widerstandskraft unserer Truppen, die die Front der vereinigten Gegner zertrümmern.
Oer Kbendbericht vom 21. April.
W. T.-B. Berlin, 21. April, abends. (Amtlich. Drahtüe-
richt.) Bei A r r a s starker Feurrkampf nördlich der Scarpc. An der Ais^ne-Champagne-Schlgcht- front im ganzen geringere Tätigkeit, die bei Braye» Hurtebisc Fe. vnd nordwestlich Auberive zeitweilig zunahm.
Im Osten nichts Neues.
»
Frivol gezüchteter französischer „Enthusiasmus".
W. T-B. Ler», 21. April. Im Bord« «und all« Besprechungen der französischen Presse steh! die m s l i r ä c i s ch « Lage. Die Presse rst sehr eu 1 huNasiifch und gibt ihr« großen Zuversicht in die Entwicklung Ausdruck. B«ei«;elte Blatt«, darunter da- „Echo de Paris", machen allerdings daraus austuerk- sam, daß die Beschaffenheit des Geländes, besonder» an d« Atsnc, den Franzosen noch große Schwievigkeiten bereiten vürfte. Man müsse die Erwartungen mäß'gcn.
Die dänische Meinung über das Scheiter« der französise^n Offensive.
W. T.-B. Kopenhagen, 21. April. (Drahtbcricht.) „Politiken" stimmt im Anschluß an die heutige Kriegsubersicht devr deutschen Heeresbericht dahin zu, daß die Franzosen an keiner Stelle nur annähernd hre taktischen, geschweige denn ihre sirategischen Ziele erreichten. Das Blatt fahrt fort: Es
scheint ab« rm sranzöslschcn Angriff ein« Kraft zu liegen, die auf „i e tz t oder niemals" hindcutet. Manches spricht dafür, daß die nun «»geleitete große Schlacht für den Krieg von Ent- s ch e i d u u g sem laim.
Oer Tauchbootkrieg.
Versenkt!
w. T.-B. Madrid, 21. April. (Funkspruch des Vertreters des Wiener Korrespondenzburvaus.) Da» Blatt „Jmparctal" meldet aus Granada: In Mortll landete die Mannschaft des griechischen Dampfers „Jndia" von 2033 Tonnen, der mit e:ner Koblenladung von Cardiff nach Oran unterwegs war und am 12. April 30 Seemeilen von Mortil von eine»! Unterseeboot versinkt wurde. Der vor kurzem in der Nähe vou Barcelona versenkte italienische Dampfer „Alba-- gue" von 3000 Tonnen hatte Ko bleu von England n.rch Italien an Bord. In der Rähe von Almeria strandete der englische Dampfer „Heglement" van 3700 Tonnen, mit Gerste. Reis und Zwiebeln von Indien nach England unterwegs. In der Nähe von Port Bour wurde der französische Dampfer „Esteral", von Adkar (?) nach Marille unterwegs, von einem Unterseeboot versenkt.
Zum Untergang des spanischen Dampfers „Tom".
W.T.-B. Madrid, 21. April. (Drabtbericht. Funkspruch des k. k. Korrespondenz-Bureaus.) Die Blätter bringen Einzelheiten über den Untergang des spanischen Dampfers „Tom" infolge einer Explosion. Der Dampfer wrr am vergangenen Donnerstag nachts von Bilbao im Konvoh mit einem spanischen, einem norwegischen und 4 engltschen Dampfern abgegangen. Die Dampfer liefen den französischen Hafen St. Ivan de Lunz an, wo sich neue Handelsschiffe verschiedener Nationalität anschlossen Am Samstagftüh erfolgte 40 Seemeilen südlich von Bordeaux auf dem „Tom" eine heftige Explosion und dos Schiff ging in wenigen Minuten unter. Ein Teil der Mannschaft wurde durch Fischdampfer gerettet. Die Mannschaft berichtet, daß nicht festgestellt werden konnte, ob der Damvser dnrch eine Mine oder den Torpedo eines Unterseebootes versenkt worden ist. — Einer Meldung des „Imverial" zufolge hieß der kürzlich 3 Seemeilen von Tanger von einem Unterseeboot versenkte britische Dampfer „Odyssee" und hatte 2130 Tonnen.
