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13 Ausgaben.

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„TagdlatthauS" Nr. 6650-53.

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Lamstag» 21. Kpril 1917.

Morgen-klusgabe.

Nr. 201. * 65. Jahrgang.

Fortgang der Dopprlschlacht an der Airne und in der Lhampagne.

Die Einnahme der neuen Siegfried­stellungen nunmehr beendet.

Ver Tagesbericht vom 20. 5!pril.

W. T B. Graßes Hauptquartier, 20. April. (Amtlich.)

Westlicher KiieySschauPllrtz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Aus dem Kampsfelde tum ArraS nimmt täglich die Feuertätigkrit zu. Bei St. Quentin schwankte ihre Stärke.

Heeresgruppe deutscher Kronprinz.

Die am 16. März begonnene Einnahme der vor l a n g e r Hand ausgebauten Zone der Siegfried stell» »- gen hat gestern nordöstlich von S o i s s o n s ihren A b -- f chl ii st gefunden durch Aufgabe des Aisneufers zwischen C o n d e und S o u p i r. Der Feind folgte zögernd.

Die D o p p e l s ch l a cht an der A i s n e und in der Champagne nimmt ihren Fortgang. Längs o Chemin des Dames - Rückens dauert der starke Artilleriekampf an. Bei B r a >, c. 6 e r n y und unter großem Masieneinsatz beiderseits von C r a o n n e mühten sich frisch herangej jrte französische Regimenter vergeblich ver­lustreich ab. den Höhenkamm zu gewinnen.

Den schon am 16. April ohne Ergebnis versuchten An­griff zur Umfassung des Brimont-Blocks von Nord­westen und Norden erneuerte der Franzose gestern nachmittag. Bor unseren Stellungen am Aisne -Marne-Kanal brachen die fünfmal a n l a u ? e n d e n S t u r m w e l l e .i neu eingesetzter französischer Divisionen blutig zusammen. Avch die Russcn wurden wieder vergeblich ins Feuer geschickt. Unsere dort fechtenden Divisionen sind Herren d er Lage. - . .

In der Champagne ist den ganzen Tag über im Sstaldg'birt zwischen der Straße Thuizy-Nasroy uns dem von uns freiwillig geräumten Anberive heftig sy; kämpft wirden. In einem vortrefflichen Gegen­au g ri f f drängten wir den vorgestern vorwärts gekommenen Feind und seine zur Ausbeutung des Gewinnes ins Gefecht geworfenen frischen Kräfte zurück und erreichten die benb siichtigten Stellungen. Der zweite französische D u r ch b r n ch s v e r s u ch in der Champagne ist dadurch iv e r e i t e l t.

Bisher hat die französische Führung mehr als 30 Divisionen auf beiden Schlachtfeldern eingesetzt. Sie jwurden nach Beendigung der Som ckäm.pfc für den Durch- chruchsangrif? und die erhofften Birfolgungsmärsche sorg- jfältig ansgcbildet. Die daran geknüpften Hoffnungen haben dich nicht erfüllt.

Heeresgruppe des Generals'Idmarschalls Herzog Albrccht von Württemberg.

Keine Ereignisse von Bedeutung.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Das russische Artilleriefeuer hat sich auch gestern in mehreren Abschnitten ans bedeutender Höhe ge halten. Jnfanterietätigkeit ist nicht gemeldet worden.

Mazedonische Front.

Auf der Crvena Stcna sind französische An­griffe zum Rückgewinn der am 17. April verlorenen Stellungen von deutschen und bulgarischen Truppen abge­wiesen worden; auf einer Kuppe hot der Feind wieder Fuß gefaßt.

Der erste Grneralquartiermeister: Ludendorff.

vextschland und seine Verbündeten.

O Berlin, 19. Avril.

Es gibt immer noch besorgte Beurteiler, die aus den in Berlin und Wien zur Friedeussrage abge­gebenen Erklärungen schließen wollen, daß die ver- kündeten Regierungen nicht in jedem Punkte das­selbe meinen. Man muß offen über diese Dinge 'prechen. Unterbleibt es, so besteht die Gefahr, datz sich eine vorgefatzte Anschauung weiter festsetzt und später schwieriger zu widerlegen wäre als heute, wo solche Gerüchte und Ansichten immerhin erst im Wer­den sind. Wir behandeln diele Mirage in der Über­zeugung, daß die behauvteten Verschiedenheiten nur in einer grundlos mißtrauischen Vorstellung wurzeln, datz sie in Wirklichkeit nicht vorhanden sind. Es ist gesagt worden, Graf Cz? rnin wünsche einen Sonderfrieden mit Rußland, während Herr v. Bethmann Hollweg die Möglichkeit einer Verständigung gleichzeitig ausgedehnt sehen möchte auf Friedensverhandlungen auch nnt den anderen Sünden. Aber eine dieser Meinnnaen braucht die andere nicht ausznschließen. Ein Friede init Ruß-^ land wäre in natürlicher Folge gleichbedeutend mit dem nahenden Ende des Weltkriege-, weil beim Ausscheiden des Riesenreichs weder England nach Frankreich dar­auf vertrauen könnten. Latz üe aus einen et Krait

die verstärkte deutsche Macht zu bezwingen ver­möchten. Andererseits würde die Einleitung von Ver­handlungen mit der ganzen bunt zusammengesetzten Gruppe unserer Feinde einen Sonder frieden mit Rußland teils in sich enthalten, teils überflüssig machen. Indessen richtet sich das Augenmerk der kritischen Son- dierer ans diese mehr formale Seite der Frwdensmög- lichkeit nicht so sehe wie auf die Frage, ob die Krieg s- ziele des Tonaureichs auth die nn'rigen, ob unsere Ziele auch die Österreich-Ungarns sind. Was da an Bedenken angedeutet oder sogar offen ausgesprochen worden ist, das möchten wir hier schon durum nicht wiederholen, weil es uns schlechterdings unvorstellbar erscheinen will, datz Besorgnisse irgendwelcher Art auch nur die Spur einer Berechtigung haben könnten. Es kann als gewiß angenommen werden, daß zwi­schen Berlin und Wien jederzeit das engste Einvernehmen über die Kri eg szie le statt- >st das d--r Fall, so darf es als aus­geschlossen gelten, daß die neue Lage, die durch den Umschwung in Rußland herbeigeführt worden ist, dis Grundlagen dieser Gemeinsamkeit verschoben haben sollte. Es ist wahr, der W u n s ch nach Frieden nimmt in Wien und in Budapest zuweilen Formen an, die sich, wenn man mit äußerstem Scharfsinn nach- prüst, weniger Einschränkungen als die parallelen deut­schen Bekundungen aufsrlegen, und es könnte hiernach scheinen, als erstrebe Österreich-Ungarn weiter nichts als die vollkommene Rückkehr zu dem früheren Zu­stands der Gebistsverteilung, besonders aus dem Bal­kan. Gleichwohl müssen wir es als eine gegebene, weil durch die Interessen des Donanreichs lind durch den Kriegsverlauf wohlbegründete Gewißheit ansehen, daß die Balkanpolitik unserer Verbündeten darauf gerich­tet sein muß, sich feste B ü r g s chaft en gegen eine Wiederkehr der früheren Unterwühlungsarbeit zu ver­schaffen. Wie diese Bürgschaften im einzelnen auszn- sehen haben werden, ww besonders das Verhältnis zu Serbien und Montenegro »mgestaltet werden soll, das sind Einzelfragcn. au'die. sich heute selbstver­ständlich nicht antworten läßt: aber daß es nickst blei­ben kann, wie es vor dem Kriege war. das ergibt sich schon ans den berechtigten Ansprüchen Bulgariens, das ans Nisch seine starke Hand gelegt hat, das Mazedonien nicht wieder aus seiner Botmäßigkeit entlassen wird, das die Dobrudscha nicht in ganzem Umfang in Besitz genommen hat, um sie wieder hsrailszugcben. Ter Ge­danke sodann, daß zwischen Österreich-Ungarn und Bulgarien, und zwar auf dem Wege über Nisch eine ungehinderte Landverbindnng hergestellt werden mutz, kann gewiß nicht aus den Kriegszielm desDonaureichs ausgcschaltet worden sein. Mit allen diesen Problemen liegt es zugleich so, daß sie nicht bloß solche unserer Verbündeten an der Donau sind, sondern daß sie uns selbst mit Rücksicht auf unsere Orientpolitik sehr nahe angehen. Ebenso aber kann es kein deutsches Anliegen geben, das, wenn es nach unserer Über­zeugung ein Lebensinteresse von Reich und Volk be­rührt. nicht auch von Österreich-Ungarn im eigen­sten Interesse vertreten werden müßte. Das ist ja gerade das Wesen der mitteleuropäischen Gemein­schaft daß sis eine organisch? Z u sa m m e n- oebörigkert ausdrückt. Untere Stellung zu Eng­land, das Maß unserer Forderungen mit denen wir Leben und Gedeihen unseres Volkes daheim und drau­ßen in der Welt sichern wollen und müssen, dies geht Österreich-Ungarn nicht weniger an als uns. Ein mit ungeschützten Grenzen aus dem Kriege her- vorqehendes Deutschland, ein feiner Kolonien und seiner weltwirtschaftlichen Entwicklung beraubte? Reich wäre für die habsburgiiche Monarchie ein ebenso ge­schwächter Bundesgenosse, wie es für uns ein Öster­reich-Ungarn wäre das nicht mit politischem und moralischem Gewinn aus dem Kriege hervorginge. Man scheut sich beinahe, disse Selbstverständlichkeiten auszusprechen, aber es ist nötig damit, um es zu wiederholen, die falsche Auffassung zerstreut wird, die aus einigen Verschi'denheiten des Tones in den Ber­liner und in den Wiener Kundgebungen voreilige und keineswegs ungefährliche Schlüsse zieht. Ungefährlich sind solche darum nicht, weil unsere Feinde ja nur daraus lauern, irgendwo einen Riß ir» mitteleuropäi­schen Gefüge zu entdecken und ihn nachhelfend zu er­weitern. Wir dürfen unt der Sicherheit getrosten, daß die verbündeten Kaiser und ihre Staatsmänner am besten wissen, wie verkehrte Wege ein Argwohn geht, dessen Beweggründe ja anerkennetzwert fein mögen, weil sie ans ehrlicher Sorge entspringen, die^ aber darnni nicht weniger schädlich wirken können. Sobald es zu Friedensverhandlungen komnit (wann das ge­schehen wird, kann zur Stunde niemand sagen), wird sich sofort zeigen, daß die deutsch-österreichisch- ungarische Frorst u n e r s ch ü t t e r t dastellt, und daß arrcki die bulgarisch en und die türkischen Inter­essen in keine bessere Einheitlichkeit als in die der Mittelmächte neneben sein können- *»»» ou^i„iaita

wird das Bild wohl nicht so einheitlich 'ein. Denn was England anstrsbt, das nimmt das neue Rußland nicht irrehr in fsrnen Willen aus, und diesen Bruch wird keine diplomatische Geschicklichkeit der englischen Staatslenker und keine ihrer glatten Lügen und Ver- drehunzen verdecken können.

*

Der bulgarische Gesandte in Bern über Bulgariens Kriegsziele.

Nr. Bern, 20. April. (Eig. Drohtbericht. Zb.) Zu einem Mitarbeiter des „Berner Tcgblatrs" äußerte sich der bul­garische Gesandte in Bern il' a s s a r o w über Bulgariens KriegZziele wie felgt- Wir verlangen Mazedonien, btc Tobrudscha und bis serbische Moravatal, weil sie bulgarisches Land sind. Tie provisorische russische Regie­rung hat in ihrer Proklamation erklärt, sie wünsche einwi dauerhaften Frieden aus Grund des S e l b st b c.sti w - mungsrechts der Völker herzustellen. Mit diesem Grundsatz ist die bulgarische Regierung einverstanden. Die Bewohner Mazedoniens, i'er Tehrudscha und des bisher ser­bischen Moravatales sollen in freier Abstimmung selbst darüber entscheiden, ob sie Bulgarien augehöreii wollen oder nicht Die bulgarische Regierung kennt die Wünsche der be­freiten Gebiete und weiß, daß der Ausfall der Wahl nicht zweifelhaft sein kamt, denn nur ein Ideal Hai alle Bul­garen seit Jahrhunderten beseelt: die Errichtung eiues vereinigten, unabhängigen, demokratischen Bulgarien.

piqcholcg sches zur russischen «evoiunon.

Was an Nachrichten über die Unuvälzung m Peters­burg zu uns gelangt, genügt immer noch nrckrt, um ein wirkliches Pstö von den Vorgängen in Rußland zu er­halten. Dagegen kann Man immerhin einige wertvolle Gesichtspnnkke zur Beurteilung der Lage gewinnen, wenn man gewisse Eigenschaften der russischen Volks­seele in ihren verschiedenen Ausprägungen zur Grund­lage der Betrachtung macht.

So läßt sich mit einiger Sicherheit schon heute Voraussagen: setbst, wenn alle beteiligten Parteien sia: über Ziele und Ausdehnung der Bewegung einigen sollten, werden die Wirren noch geraum? Zeit dauern. Denn für einen großen Teil der russischen In­telligenz — nicht nur iür die Studenten, sondern auch für bedeutend ältere Jahrgang? ist eine Revolu­tion nicht ein Mittel zur Erreichung politischer Zwecke, sondern ein um ihrer selbst willen zu erstrebender Zustand. Dieses lang und heiß ersehnte Glück muß daher erst einmal bis zur Neige unsgekostet werden. Dis reiferen Elemente der zeitweiligen Re­gierung wükden diesem Treiben natürlich lieber heute als morgen ein Ende machen. Aber sie brauchen jene Leute zur Beeinflussu.ng der Massen. Sie selbst, Ver­treter des Großgrundbesitzes, der Kriegsindustrie und der Börse, haben keine direkten Beziehungen zu deit Arbeitern und Bauern. Sie müssen daher sehr auf ihrer Hnt sein, uni nicht das Mißtrauen der Maffen herauszufordern. Überhaupt sind in der neuen Regierung ja foviel Richtungen vertreten, daß nur ein großartiger patriotischer Schwung sie alle, zu- sammenhalten und zu fruchtbarer Arbeit vereinigen könnte. Nun fall man die V a t e r l a n d s l i e b e d e r Russen gewiß nicht unterschätzen. Immerhin hastet ihr wie allen Äußerungen des russischen Wesens ein unverkennbarer Zug von Passivität an. Der Russe kann f ü“ sinn Vaterland unendlich viel lei­den. Verlangt abe>'. wie heute, die Lage von ihm vor allem harte, zäh? Arbeit, um das ganze Staats- Wesen neu ausznbanen und gleichzeitig ois Kriegs­maschine in Gang zu halten, so sind das Ausgaben, denen der russisthe Palriaiismus nicht gewachsen sein dürste. Erlahmt er aber, geht auch die Eintracht innerhalb der Regierung in die Brüche.

Eine Zeitlang schien ->s, als wollten die Kadetten und O k t o b r i st e n den Großsüriten Nikolai N i k o l a j e w i t s ch zu Hilfe rasen. Er schien auch nicht abgeneigt, die Rolle d-s Retters der bürgerlichen Demokratie zu übernehmen. Und er konnte ein be­trächtliches Gewickit in- die Vng'chale werfen! d-^s-.Ver trauen des Heeres. Die Soldaten lieben ihn. wegen seiner brutalen, offen zur Schau getragenen Rücksichts- losiakeit gegen die Offiziere, und weil er nicht weniger rücksichtslos die Verpsleanng des Heeres durchsetzte unter vollständiger Preisgabe der Bedürfnisse der übri­gen Bevölkerung. Die G e f a h r. die hier drohte, haben aber die S o z i a l i st e n rechtzeitig er­kannt und es durchgesetzt, datz alle Groß­fürsten ihrer Kommandos enthoben wnr- den. Daß die Oktobeisten und Kadetetn in ihre»