Gebet.
Gib Liebe mir und einen frohen Mund,
Daß ich, dich, Herr, der Erde ine kund;
Gesundheit gib bei sorgenfreiem Gut,
Ein frommes Herz und einen festen Mut.
Gib Kinder mir, die aller Mühe wert;
Verscheuch die Feinde von dem trauten Herd.
Gib Flügel dann und einen Hügel Sand,
Den Hügel Sand im lieben Vaterland;
Die Flügel schenk dem abschiedschweren Geist, Daß er sich leicht der schönen Welt entreißt.
Llldw. Achim von Armin (1781—1831).
Das königliche Essen.
Eine Geschichte von einem, der es nicht zu gut haben wollte.
Es wird so viel vom Essen geredet, daß man nicht so eine Geschichte erzählen ,octle, wie ich ,le icyt aus- schreiben will, ore zuin Kern- nno Mitletpurnl ein Butler- brot mit Schinren har. Erst recht nicht so eine Geschichte sollte ich eigentlich lagen. Denll es gcvl Leure in Menge, die sich vei dem otogen Geoancen oaran, oaß es früher so etivas gav, so ausregen rönnen, dag man für ihren Verstand fürchten mocyre. lind doch will ich die Geichrchte erzählen; uno gerade für solche Leute wul ich es tun, die üver dein vielen Reden üoex all die „Gntveyrungen", ore der Krieg mit sich bringt, ganz vergessen, weshalb und wofür er gesührt iviro, — um Lenlschicaiws Ehre, Freiheit und Leben. Grade für solche Leute, ore es sür viel schrecr- licher halten, dag sie Erorohlraven essen müssen, als all das, was unsere Soldaten drangen tun und rewen mnsten.
Es ist so schrecllich, dies ewige Jammern und K.agen über das Essen, oder vielleicht auch das Richle>jen, dies Stöhnen uno Lamenrieren, die chararterloje Sin,sehnen nach Dingen, die man doch nun einmal nicht haben rann, dag eö einem geradezu zum Ekel wird. Selost die freudige Zuversicht zu unsern ii-Bovren kann dieses Gespenst nicht bannen, und uou Hrndeudurg über ^schlnerarbekter uild Lpen ist nur ein Schritt zuui alten Gesprächsstofs von Kohlraben und Weigerüben. . , , .
Darum ist es nicht nur nützlich und lehrreich, sondern herzerquickend, von einem zu hören, der von dem „königlichen Essen" nichts wissen wollte, so gut es ihm auch geschmeckt hatte, weil es gegen seine Grundsätze ging.
Wenn einer Grundsätze hat in Friedenszeiten, dann weiß er, was er will und tut, was er soll. Wie gut und nötig wären die Grundsätze erst in der Kriegszeit.
Aber unsere Geschichte spiett noch zur Friedenszeit, lvenn sie auch erst zur Kriegszeit uns zur Kenntnis kam, es mögen fast zwei Jahre her sein. .
Das Mädchen kam herein und sagte: „Es i>t ein
„Es ist gut, ich komme gleich," sage ick „
Da geht Die Tür noch einmal auf, und der „Mann steht drin, groß und breit und glatt rasiert, und em gute» Lachen ist aus seinen, Gesicht.
„Guten Tag, kennen Sie mich noch? ^ A . ,
Cb ich ihn noch kannte! Und wenn ich hundert Jahre statt zehn von dein alten Wohnort weg wäre, und wenn ich alle andern vergessen hätte — aber ich kenne noch o viele! - den Mann hätte ich nicht vergessen. Denn
ich wußte, daß er ein Mann war in seinem ganzen Wesen und in allem, was er tat. _ t 3 „ . 0 ..
Gr tarn vom Besuch seines sohnes, der im Lazarett lag dort war der Geoante dieses Besuches bei ihm aus- aetauchl. Und nun saßen wir beieinander und sprachen von den vergailgenen schönen Zeiten, und wie es ;etzt so ganz anders sei, und wie der Krieg noch lange dauern würde; wie der Städter es so schwer habq, aber der Bauer doch noch mehr, der nicht mehr Herr sei über seine Lach, wo doch die Buben draußen wären und keine Geipanne da, und das Futter so knapp.
Uno dann brachte das Mädchen den Kaffee.
Da packte oer alte Freund aus seinem Rucksack em Klümpchen Butter und bot es mir an, wenn es mir nicht zu wenig iväre. Er hätte es seinem Sohn im Lazarett geben wollen, aber der hätte es nicht genommen, weil das sonst so aussäh, als bekäme er da nicht genug zu essen und wäre nnzusrieden. . .
Natürlich nahm ichs. Es kam auf ein Lchalchen, und ich nötigte dann znzugreifcn. Da langte er aber aus dem Rucksack em gut Stück seines schwarzen Bauernbrots heraus und einen duftigen Ranren Schinken iind sagt«: »Mit Verlaub, lassen Sie mich meine Sach da essen; ich verachte Fhrc» gewiß nit, aber es hat doch keinen Sinn, das da trocken und hart werden zu lassen oder mit heimzunehmen, uno es Ihnen «nzubieten ist es zu wenig und auch angeschnitten."
Da aß er denn sein Eigenes, und ich verstand, wie er es meinte und tietz es ruhig zu. Stur wollte ich, daß er Butter auf sein Brot unter den Schinken schmieren solle.
„Stein", wehrte er ab, „das tu ich nicht. Das gehört sich nicht. Meine Mutter hat das me gelitten."
Ms er mein verwundertes Gesicht iah, lachte er und sagte: „Ach, das wissen Sie doch noch von früher her, daß es uns auf die Butter nit ankommt. Ob da die Woch vier oder sechs Psund gegessen werden, das ist doch ganz gleich. Und Butter und Schmierkäs und Latwerge, das mache wir ja immer. Aber unter den Schinken gehört ker Butter."
„Das essen Sie nicht gern?!" .
„O doch, ich täts schon gern essen, das ist ein königliche» Essen, aber es gehört sich nit." Und dann kam die Geschichte.
„Sie wissen doch, daß ich früher unserm Doltor — er ist leider Gottes gesallen und sein Sohn auch, es ist mir leid für alle zwei, es waren brave Leut' — also daß ich ihm Helsen mußt', Pferde lausen. Und er hat oft gewech,elt. Öfters, als es nötig war. Ich hab's ihm ost gesagt, aber da hatte er seinen eigenen Willen.
Also einmal schickt er, ob ich mit wollt nach Frank- furt. Da Hab ich natürlich nit „nein" sagen können, und da sind wir auf Frankfurt gemacht. Pferde haben wir auch gesunden, zwei kapitalische kleine Gäulchen, und blllrg. Nachher gingen mer dann in ein Hotel und wollten ein Glas'Bier trinken. Echtes natürlich. Wenn man doch einmal in Frankfurt is, dann will mer auch einmal nobel leben. Frankfurter Bier habe mer ja auch daheim. AUo wir gehn da hinein und der Doktor sagt: „Heut sind mein Gast." Aber ich sagt' drauf: „Herr Doktor em andermal gern, aber heut nit; oas war ein Freundschaftsdienst, den läßt mer sich nit bezahle. Also das nächste Mal"
Da lacht' der Doktor, der kannt mich doch und sagt: „Gut, dann machen wirs auf ein andermal."
Das erste Krügelchen tranken wir zwei so enunter, so durstig waren mer. Beim zweiten sagt' der Doktor: „Letzt es; ich was." Und dann rief er dem Kellner zu: »Bringen Sie mir ein Kote.ett." Der läuft fort, daß die Rockflngel flattchern.
