Verlag Langgaffe 21
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Freitag» 13. 5lpril 1917.
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Eine Ruhmestat deutscher Seeleute.
28 Deutsche in einer alten Bark von Chile über den Ozean.
(Von unserer Berliner Abieiluug.)
L. Berlin. 12. April. lEig. Drahtbericht, zb.)
88 junge deutsche Seeleute sind nach einer wunderbaren abenteuerlichen Fahrt mit einer alten Lar. von Chile glücklich über Norwegen nach der Hermar gelangt. Einem von ihnen, einen prächtigen .Jüngling, dem die Seeleutnantsunisarm zn weiteren Eyren führen wird, sahen wir heute. Er erzähltem „Wrr waren 28 deutsche Männer. Angestellte des Norddeutschen Lloyd und andere, die auf dem Meere zu Hause sind, und denen das Warten m Chue, wohin sie verschlagen wurden, gar unerst.iglich war. Wir wählten uns einen Führer und berieten iiber einen Weg, auf dem wir, der feindlichen Kontrolle zum Trotz, nach Deutschland zurückgelangen konnten. Em Schrst wurde gefunden: Es war der „TintoZ eme chile- nische Bark mit 64 Bruttoregistertonnen. mit der wir in 124 Tagen die 1200 Seemeilen lange Reise von Calbuco nach Drontheim znrücklegten. Das Schiff gehörte einem in Chile ansässigen Deutschen. Landsleute streckten uns für den Ankauf 80 000 Pesos vor, mit der Bestimmung, diß wir ihnen diese Gelder ln-i ch t zurückecstatten. sondern den „Tinto" nach der iLandüng weiterverkaufen und den Erlös dem ld e u t s ch en Roten Kreuz überweisen sollten. Um *im§ und der chilenischen Regierung keine Ungelegen- theiten zu bereiten, wurde der „Tinto" von einem Lloydoffizier nur gechartert. Aber deren g tische Konsul hatte Wind von der L-rche be- kommen, um auf die Regierung Chiles einen Druck auszuüben, weil wir angeblich beabsichtigen sollten, mit der Brrk deutsche U-Boote an der chtlernschen Küste mit Brennstoff ufw. zu versorgen. Da eme Untersuchung eingeleitet wurde, stiegen wrr schließlich alle zusammen in den Schoner „Scho la", der iebenmlls dem Besitzer der „Tinto" in Calcutta gehörte, >und fuhren davon. Der „Tinto". der später mit einer .chilenischen Besatzung auslief chllte uns in der Bückt ' ion Corcovado aufnehmen. Am 3. Tage wurde unser schöner von einem heftigen Nordsturm erfaßt, so daß wir abtrieben. Als endlich wieder Südwind uud leichterer Nordwind einsetzten, hatten wir bereits Wassermangel an Bord. Zwei Angehörigen unserer Gruppe besorgten iinZ schwimmend mit einem Floß bei Schneetreiben neuen Wasservorrat. Dann kamen wir endlich dem von einem Schlepper gezogenen „Tinto" -in Sicht. Nach dem Bordwechsel hieß es „möglichst schnell das Weite gesucht", da es nickt ausgeschlossen schien, daß ein chilenischer Re- gierungsdamvfer nach uns fahnden würde. W'r gingen in etwa 50 Grad Süd. hatten mit einem ziemlich starken Stnrnr. aber mit sebr gutem Wind zu fahren und gelangten in die Nähe der FaIkIands- inseln, die durch die ruhmvolle Seeschlacht berühmt wurden. Unser Funkendienst an Bord begann zu arbeiten. Die erste feindliche Meldung, die wir anffingen, kam von der englischen Station auf den Falklandsinseln. Sie, enthielt eine Warnung vor einem deutschen Hillskreuzer, der, wie wir später erfuhren, die „Möwe" war. Unser» Ber pflegung an Bord war gut. Wir hatten frisches Mehl an Bord, mit dem uns ein Koch des Bremer Lloyd täglich frisches Brot backte Auch hatten wir sHülsenfrückte. 5 übende Sckweine, eine Ziege, em jSchaf, sowie Hühner und Enten. Wir kamen damit so Ifrut aus. daß wir ein Schwein lebend bis zur norwegi schen Küste brachten. >vo das letzte Schlachtfest abge halten wurde. Auch von den vortrefflichen chilenischen Pfirsichen hatten wir einen Vorrat in. Konserven mit. Au 15 Tonnen Trinkwasser singen wir unterwegs vier Tonnen Regenwasser auß was ebenfalls kür die Fahrt nusreichte. Nur einmal kamen wir mit Land in Be- Rührung. Wir liefen die St. Paulinsel an. zur Kontrolle unserer Chronometer, von deren richtigem Gang die Genauigkeit unserer Fahrt abbmg. Dann unterhielten wir uns auck einmal mit der Besatzung eines holländischen Dampfers, von dem wir erfahren wollten, ob der Krieg noch fortdauert. Als uns dies bejaht wurde, herrschte große Zufriedenheit an Bord, da wir alle die weite Fahrt machten, um noch unseren Anteil am Krieg zu haben. Ganz ge mütlich war es nicht in unseren Kojen, da das Deck etwas leck war und durch das alte Holz der Regen in unsere Betten träufelte. In 40 Grad Nord auf der Höhe der Azoren hatten wir einen großen S t u r m dnrchznmachen, bei dem fast unser Achtermast über Bord gerissen worden wäre. Schon waren die Seile gerissen, die ihn befestigen halten, es gelang aber, ibn erneut anzuziehen. Glücklicherweise hotten wir sehr gute Segelmasten und ausreichend Ersatz fege! an
Morgen-klusgabe.
Bord, sonst wäre die Fahrt unmöglich geworden, da wir beinahe jede Woche einen Tag Sturm hatten. Der letzte Teil der Reise mußte nach aller Voraussicht der aufregendere werden. Bis etwa 60 Grad Nord^waren. wir gut durchgekommen. Auf der Höhe der Shetlandsinseln und um Nordengland herum trafen wir fünf Dampfer, darunter einen norwegischen und einen holländischen. Mit unserer Funkenanlage stellten wir ungefähr eine englische Sperr!inre fest, kamen aber hindurch. Am 25. März, vormittags, entdeckten wir zwei Rauchsäulen, und die Masten eines englischen Kreuzers, sowie eines englischen Hilfskreuzers. Ter Engländer hielt uns an und fragte nach unserer Herkunft. Seine Boote aussetzen, konnte er nicht, da die See zu bock, ging. Wrr hatten unserem Schiff die äußeren Zeichen der not wegischen Flagge gegeben und signalisiert, seien die norwegische Bark „E v a". Der Name/Vva war auch, schön gemacht, an Heck und Bug zu lesen. Wir kämen aus Liverpool und führen nach Ehristiansund. An Bord des Engländers prüfte man wohl im Register di? Angaben über die norwegische „Eva" und da wir ihr glichen, wollte man nur wisi-n, an welchem Tage wir von Liverpool ausgefahren waren. Dazu konnten wir die Antwort vorenthalten, da wir inzwischen voneinander abgekommen waren. Doch schon bald darauf kam ein britischer Kreuzer rn Sicht, der nach Norden dampfte und von uns kerne Notiz nahm. Unsere F n n k e n st a t i o n hatten wrr über Bord geworfen, da der Engländer nichts bemerken durste Am anderen Abend kam Norwegen in Sicht. Ungünstige Winde verspäteten die Landung. Endlich nach Drontheim eingebracht unter chilenischer Flagge, wieder mit dem Namen „T i n t o", begaben wir uns in unser Konsulat, und da wir Eile hasten, trat--n die Leute von uns sogleich die Weiterfahrt nach Deutschland an." In der Heimat sind die 28 mit gebührender Freude empfangen worden. Auch unser junger Erzähler, der das Eiserne Kreuz trägt, will sich im Kriege noch ein doppeltes verdienen.
Nr. 186. . 65. Jahrgang.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Bei B r od y, an der Bahn Zl oc z ow - T arnopol und beiderseits des Tnjestr rege russische Feuertdtrgkelt.
An der
Front des Generalobersten Erzherzog Joseph und bei der ,
Heeresgruppe des Generalseldmarschalls v. Mackensen keine wesentlichen Ereignisse.
Mazedonische Front.
Die Lage ist nicht verändert.
Der erste Generalquartiermeister: Ludendorsf.
österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 12. April. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 12. April, mittags:
Östlicher und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Im Görzischen drangen gestern abend Sturm- Patrouillen der Infanterieregimente!: Nr. 71 und 76 in die feindlichen Gräben östlrch von Unter-Vertorsda ein, nahmen 4 Offiziere und 135 Mann gefangen und erbeuteten zwei Maschinengewehre und drei Minenwerser. Der Artillerie- und Mrnenkamps war an einzelnen Stellen der küstenlä irdischen Front zeitweilig sehr lebhaft.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalftabs: v. Höfer, Feldmarschallentnant.
Starke Angriffe der Engländer <m der Scarpe abgeschlagen.
In der Champagne mehrfach Trommelfeuer. Wieder 24 feindliche Flugzeuge vernichtet. Rittmeister Fehr. v. Richthofen schoß seinen 4V. Gegner ab.
ver Tagesbericht vom 12.51pril.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 12. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Auf dem Nordufer der S r a r p e wurden bei hes - tiger Artilleriewirkung Angriffe der Engländer auf B i m v und bei Fampoux abgeschlagen.
Südlich der Bachniederung führte der Gegner starke Kräfte znm Stoß gegen unsere Linien vor. Nach mehrmals gescheitertem Ansturm ging uns Moncho verloren. Nördlich und südlich des Ortes brachen englische Angriffe, an denen auch Kavallerie und Panzerkraftwagen teilnahmen, v e r l u st reich zusammen.
In den Kämpfen bei B u l l e c o u r t wurde ein A n - s a n g s e r f o l g des Feindes durch G e g e n st o ß ausgeglichen. Dabei blieben 25Offiziere, über 1000Mann und 27 Maschinengewehre in unserer Hand.
Ans einem Gefecht bei Hargicourt, östlich von Peronne, wurden mehr als 100 Gefangene uud 5 Maschinengewehre eingrbracht.
St. Quentin wurde auch gestern stark beschaffen.
Heeresgruppe deutscher Kronprinz.
Bon Soissons bis Reims hat sich der Feuerkampf zn äußerster Heftigkeit gesteigert. Einzelne Frontstücke lagen mehrfach unter Trommelfeuer.
In der westlichen Champagne ist gleichfalls der Artillerietampf im Wachsen.
Erkundunqsvorstöße französischer Infanterie wurde» abgewiesen.
Armee des Generalseldmarschalls Herzog Alb recht von Württemberg.
Gefechtstätigkeit nur in beschränktem Umfang.
Troh Sturm waren die Flieger fehr tätig. Der Feind verlor in LuftkämPfen 23, durch Jnfanterie- f e u e r 1 Flugzeug.
Bombenabwürfe -ruf feindliche Truppenlager und Munitionsftapel im Beste- und Suippes-Tal verursachten beobachteten Schaden.
Rittmeister Frhr. v. Richthofen schoß den
4 0. Grguer ab.
Die militärische Lage.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 12. April. (Gig. Drahtbericht. zb.) Die Eng- länder haben nach ihrem Erfolg vom 8. April am 10. u.nd 11. April trotz weiterer heftiger Teilangrisse keine Veränderungen von Bedeutung in der Frontyeftnltung erzielen können. Südlich des Scarpeftühchens wurde tun 10. unsere Linie bei Roeux-Vancourt südöstlich Arras in breiter Front mit hohein Verlust angegriffen. Tagsüber wurde hart gekämpft. Monchy ging nach schwerem Ringen und ausdauernder Abwehr verloven. Sehr starke Vorstöße wurden gegen den Abschnitt Bnllecourt-Queant südöstlich Arras gerichtet und größtenteils vor unseren Gräben abgewies«-n. Wo der Feind eindrang, wurde er im Gegenstoß geworfen. Bei diesen Angriffen haben die Engländer 15 Tanks eingesetzt, von denen nicht weniger als neun durch unser Ge- schützftuer vernichtet wurden. In dieser Gegend machten unsere Truppen (wie genreldeti auch über 1000 ^Engländer zu Gefangenen, darunter 25 Offiziere', ferner wurden 27 Maschinengewehre eingebrrcht. Östlich von Peronne wurde bei tzavaicvnrt gefochten. In dieses Dorf eingedrungene Eng- .ander wurden beim Gegenangriff geworfen und etwa 100 Gefangene zurückbehalten. Aus unseren Stellungen ber St. Quentin und den Anscklußlinien lag am 11. sowie an .den Tagen vorher starkes feindliches Feuer. ^An der Aisnc- rront dauert seit n-.ehreren Tagen das Feuer schwerster Artillerie andauernd an. Am 11. wurde eö an einzelnen Stellen zun: Troinmelfeuer gesteigert; wo Erkundungsabtei- l rügen des Feindes vorgingen, wurden sie von den Graben- besatzunyen abgewiesen. Dtehr Mich bis m die Gegend von Auberive östlich Reims herrschte ebenfalls reges Artillerie-, fcuer — Im Osten unterhielten dre Ruisen lebhaftes Feuer bei B r o d p. — In Dkazedonien nichts von Bedeutung. — Anr der itol-enische'st Front bei besserer Witterung in mehreren 2ibschnitten Austlärungsarbeit der Flieger.
Die «ngliiche» Berichte vom U. April (nachmittags).
Die Lage entwickelt sich gemäß dem allgemeinen Plane günstig. Tas Dorf und die Anhöhen von Manch»- ie-Preu; und Labargwurden frühmorgens von uns geno-nmen. An den anderen Teilen der Schlachtsront wurden befriedigende Fortschritte gemach,.
11. April (abcndsl.
Den ganzen Tag über ist andauernd dichierSchnee gefallen, der die Beodamtung unmöglich machte und die Operationen stark behinderte. Ein Gegenangriss in der Nachbarschast von Monchv- lc-Preux wurde erfolgreich abgeschlagen. Bei Monchv eingebrachtr Gesungene erkläiten, daß st: Befehle hatten, das Dorf um jeden Preis zu halten. Weiter südlich gelang es unseren Truppen, in die deutschen Stellungen bei B u l l c c o u r t einzudringen, wobei sie eine Anzahl Gefangene machten. Mittags wurden sie durch einen von starken feindlichen Kräften ausgesührten Gegenangriff oe-wuvgen. fick aus die eigenen Linien z n r u ck z u z i e h e n. Die angreisenden feindlichen Truppen wurden den unserer Artillerie wirksain unter Feuer genommen und erlitten schwere Verluste. Unsere Flugzeuge waren gestern wieder tätig und verrichteten trotz starke» Westwindes und hä'afiger Schneestürnr- im Zusammenwirken mit der Infanterie wertvolle Arbeit. Es wurden nur wenige feindliche Flugzeuge gesichtet. All- unsere Flugzeug« unbertefirt zurück.
