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übernommen

Donnerstag» 12. KprU 1917.

Kbend-Kusgabe.

Nr. 185. 65. Jahrgang.

Rur «och drei Tage bi; zum Zcichnungrjchluh!

Deutschlands Staatseisenbahnen sind feste Stütze seiner Volkskraft, seines Wohlstandes.

Durch so gewaltige Werkzeug« unseres Wirtschaftslebens mitgesichert, bieten die deutschen Kriegsanleihen stärkste Ge­währ dauernden Wertes.

Daher die letzte Mar! dem deutschen Vaterland! o. Breitenbach,

Staatsminister und Minister der öffentlichen Arbeiten.

»

Um den Krieg abzukürzen, führen wir den uneinge­schränkten Unterseebootskrieg. Um dessen Kosten aufzubria- geri, muh die Kriegsanleihe die nötigen Gelder bereibstellen. Wer sie zeichnet, Hilst also mit zu beschleunigter Herbeifüh­rung eines siegreichen Friedens.

v. Capelle,

Admiral, Staatssekretär des ReichsmarineamtS.

Jedermann steht vor Stirnen; wir stehen vor der letzten großen Entscheidung. Die immer engere Einschnürung Eng­lands und seiner Verbündeten zur «See, die gewaltigen Ereig­nisse der letzten Tage in Rußland lasten erkennen, daß die Ringmauer, die der Feind um unser Brterlcnd gezogen hat, ms Wanken gerät. Es gilt ein letztes Durchhalten. Versagen wir jetzt, txum sind die yiößten Schlachten der Weltgeschichte umsg-ust geschlagen, find die unveraleichlichen Leistungen vor. Heer, Flotte und Heimat, find auch die schweren Entbehrun­gen dieser Jahre vergeblich gewesen. Der Sturmlauf des Geldes, der entscheidende, gegen den wankenden Feind be­grünt; darum-Freiwillige vor zum Sturm!"

Michaelis.

Wirklicler Geh. Rat, Staatskcmmiffar für Volksernährung

vie neue russische Nriegsziel- proklamation.

Ein offiziöser russischer Kommentar zu der Regierungserklärung.

W. T.-B. Petersburg, 10. April. (Meldung der Peters­burger Delegraphen-Agentur.) Das BlattR j e t s ch", das die Meinung des Ministers des Äußern widerspiegelt, be­spricht denErlaßderRegierungüberdieKriegs- ziele und betont die Notwendigkeit, vor allem das Land zu verteidigen. Die Wahrheit müste all« Parteien einigen. Einige große extreme Parteien begehen einen schweren Fehler, indem sie alle natürlichen Bestrebungen der Sicherheit nach außen, um die wirtschaftliche Entwicklung Rußlands zu gewährleisten, als Imperialismus bezeichnen. Jndeni die provisorische Regierung das Ziel abweist, die Macht Ruß. lands auf Kosten anderer Länder und Völker zu vergrößern, gestattet sie keineswegs die Möglichkeit einer Erniesrigung des Vaterlandes und eine Verringerung seiner Lebenskraft und seiner unveränderlichen Rechte. Gleichzeitig bestätigt die Regierung, daß sie in vollem Umfang alle ihre "Ver­pflichtungen gegenüber den Alliierten einhalten wird. Eine Aufgabe dieses Gedankenganges würde die russische Demo­kratie mit Selbstmord bedrohen. Die konkreten Frie­densbedingungen werden von dem Volke in enger Ver­bindung mjt den Alliierten aufgestellt werden.

Falsche Gerüchte über angebliche Friedens, Verhandlungen in Kopenhagen.

Keine Reise Scheidemanns und Dr. Adlers nach Skandinavien!

Br. Kopenhagen, 12. April. (@Hg. Drahtlericht. gib.) Das .hiesige Bureau des norwegischen RevderblatteSHandels Og Sjoefarts Tidende" veröffentlichte ausführliche Meldungen über angebliche Frisdensverhandlungen, die zwischen deut­schen und russischen Sozialdemokraten in Kopenhagen stattgefunden und ein bestimmtes Programm der deutschen Liertirter ergeben hätten. Diese Erfindungen veranlaßten das weitere Geiücht, daß Scheidemann noch den skandi­navischen Hauptstädten begriften sei, um an den Verhandlun­gen in Stocklwlm oder Kap-nhagen mit den Führern der rufst- scheu Sozialdemokratie teilzunehmen.

W>« das hiesige BlattSozialdemokraten" dazu mitteil:, entbehren die Gerüchte von einer solchen Reise und von siechen Verhandlungen jeder Grundlage. In ü b e r - «iuftlmmung mit dieser Mitteilung des ^Sozialdemokra­ten" schrchbt der BerlinerL o r w ä r t s", daß Dr. Adler sich jpxjtif in WScheide»»»» i» Berti» besuche.

Das demokratische Rußlandein noch sicherer Verbündeter" als das kaiserliche? Drei Ministerreden auf dem Kongrest der Partei der nationalen Freiheit.

W. T.-B. Petersburg, 10. April. Im Verlaus der dritten Sitzung des Kongreßes der Partei der nationalen Freiheit hielt der Minister des Äußern Miljukow eine Rede, in der er u. a. sagte:Erst jetzt habe ich begriffen, welch ungeheure organisatorische Roll« di« Partei der nationalen Freiheit .m Leiben Rußlands zu spielen berufen ist. Nicht nur Rußland, sondern die ganze Welt hört auf die Stimme dieser Partei. Den Beschluß, den sie gestern bezüglich des Kriegs angenom­men hat, wurde von den Vertretern unserer Alliierten m>t großer Begeisterung ausgenommen. Diese Entschließung wird die Unruhe, die die ersten Tage der russischen Revolution England und Frankreich einfläßten, vollkommen zerstreuen. Unsere Alliierten gewannen nunmehr die Sicherheit, daß sie in dem demokratisch en Rußland noch sicherere Verbündete besitzen, als in dem kaiserlichen Ruß­land". Was den Krieg anbelangt, drückte Miljukow das feite Vertrauen aus, daß der Sieg des freien Volkes über den reak­tionären österreichisch-deutschen Militarismus völlig gesichert sei. Diese Worte wurden mit begeistertem, langem Beifall ausgenommen. Mrljukow charakterisierte darauf die Tätigkeit der Parteien der Linken, wobei er, wie die Petersburger Telegraphenagentur sich ausdrückt, so vollkommen unparteiisch war, ihnen die Ehre an der Revolution und der Organisation in den ersten Tagen nach dem Sturz der alten Regrerunzs- form zuzuerkennen.Die übrigen Gruppen", sagte der Minister,schlossen sich der Revolution bedeutend später an, so daß die Parteien der Linken sich ganz allein der verant­wortungsvollsten und wichtigsten Arbeit, der Ausarbeitung einer Organisation Rußlands, unterziehen mußten. Sie er­füllten chre Ausgabe ehrenvoll, wie es die ideale Ordnung bei der Besetzung der Revolutionsopfer beweist."

Nach Miljukow ergriff bet Verkehrsminister Rekrasow das Wort. Er betonte gleichfalls, daß, wenn es nicht zur Anarchie gekommen sei, dies der umfaflenden organisatorrsche-.i Tätigkeit der Parteien der Linken und ihrem Organ, dem Ra t der Arbeiter- und Soldatenvertreter zuzu- schreiben fei. Bezüglich der Beziehungen zwischen der provi­sorischer Regierung und dem genannten Rat zerstreute Nekra- sow die Be'orgnis, als bestehe gleichsam «ne Zweiteilung der Macht, indem er erklärte, davon könne keine Rede sein. Die bestehenden Reibungen zwischen der Regierung und die­sem Rot hätten niemals einen ernsthaften Charakter uno könnten immer ausgeglichen werden. Jedenfalls würde die provisorrsche Regierung Rußland nicht ohne die Unterstützung des Rats regieren können. Die Regierung s:i augenblicklich autokra tische r, als unter der gestürzten Dynastie, und mäste infolgedessen unbestreitbar ein ihre Handlungen kon­trollierendes Organ haben.Obgleich es gegen un­sere Überzeugungen ist", erklärte Nekrasow,werden wir soh nicht leickt vor einem Stotz der extremen Strömungen die Macht aufgehen. Wir werden unser Amt nur niederlegen, wenn wir unsere Machtlosigkeit emvrinden und bei keiner Ge- sellschafisgrnppe Rußlands Unterstützung finden werden."

Landwirtschaftsminister Sckingarew besprach die Verproviantiert ngsfrage und betonte, welch schwere Erbsch-il die alte Regierung ihm hinterlassen habe. Er erwähnte gleiche zeitig, daß Rußlar d eine große Menge Getreide und ander»." Produkte airsgespeichert habe. Der Minister forderte die ganze Bevölkerung auf, den Transport dieser Erzeugnisse nach dea Eisenl'ahnstotionen zu organisieren und besonders ihre An­strengungen auf möglichst umfassende Aussaaten zu richten.

Das Abrücken der Negierung von Miljukows Kriegszrelen.

(Drahtbericht unseres ^-Sonderberichterstatters.)

U. Rotterdam, 12. April, (zb.) DemNieuwen Rotterd. Courant" zufolge nieldetDaily New" aus Petersburg: Nachdem verschiedene Minister der pro­visorischen Regierung Miljukows Erklärung über Ruß­lands Kriegsziele abgelehnt und die öffentliche Meinung, ja sogar die gemäßrgten Blätter dagegen protestiert hatten, mußte die Regierung zwischen M t I- j n kow und dem russischen Volke wählen. Sie wählte gegen Miljukow und erließ ihr? auffehen- erregende Erklärung, Rußland werde auf Erobe- r u n g s v e r s u ch e wie auf Unterwerfung fremder Pölkr verzichten. Diese Erklärung entspricht der Forderung des Arbeiterkomitees, das bezweckt, die in Deutschland vorhandenen Strömungen gegen Annerionen zu stärken, damit demnächst ein realer Friede möglich sein wird.

Der Sieg der radikalen friedenswilligen Elemente über Miljukow.

# Stockholm, 11. April, (zb.) Die rasche Auseinander- folge der offizielle» Stimmen aus Rußland wird hier als bedeutungsvoll angesehen. Es ist kein bloßer Zufall, daß aus die Veröffentlichung der Miljukowschen Erobe­rungspläne unverzüglich die Absage K c r e n s k i s und die gestrige Proklamation der provisori­sche n Regierung erfolgten, die, wieExtrabladet", de-- herrschende« Aufsagung folge»-, sagt, den Mi nister des

Äußern in eine Situation bringt. >n der sein Verbleiben im Kabinett nur noch eine Frage der Zeit sein läßt. Das Blatt fährt fort: Die radikalen Elemente haben in Ruß­land den Sieg davongetragen und die ganze demo­kratische Welt wird es mit Dank begrüßen. Mit der Prokla­mation des Fürsten Lwow ist der Friede seiner Verwirklichung näher gerückt.

Englands Schrecken über den Miljukowschen Berjicht auf Konstantinopel.

-st- Haag, 11. April. Holländisch Nieuw Bureau be­richtet aus London- DieDaily Mail' erklärt, daß die Proklcwition Miljukows Erklärung dementiert, die die russische Herrschaft an den Dardanellen, dem Bos­porus und die Eroberung Konstantinopels fordert. Das Blatt bemerkt- Die Staatsmänner der Entente täten gut daran, festzustellen, ob Rußland Konstantinopel will oder nicht.

Der Arbeiter- und Soldatenausschust verlangt sofortige Friedensverhandlungen.

# Amsterdam, 11. April, (zb.) In dem Beschluß de? Petersburger Arbeiter- und Soldotenausschusses heißt e§: Wir fordern die sofortige Eröffnung von Friedensverhand- lungen zwischen allen Kriegführenden und eine Propa­ganda unter den Massen zur Beendigung des Krieges, der nur der Bourgeoisie zugute kommt.

Grundlage der Friedensgeneigtheit: keine Gebietsabtretung und keine Kriegs­entschädigung!

Petersburg, 7. April. (Meldung der Petersburger Tele-

graphen-Agentur.i Der Pollziehungsausschuß der Arbeiter­und Soldatenabgeordncten sprach sich gegen alle Strömungen aus, die das Gefüge der Armee erschüttern könnten. Cr nahm nach langen Erörterungen eine Entschließung folgenden Inhalts an: Die provisorische Regieruüg möge der Welt er­klären, dqK Rußland » u r zu setner Verteidigung den Krieg so lange fortseben werde, als Deutschland und Österreich nicht erklärten, auf Eroberungen verzichten zu wollen und zu Friedensverhandlnngen ebne Forderung einer Gebietsabtretung oder einer Kriegsentschädigung bereit zu sein.

Die mit Recht zurückbaltende Beurteilung in der deutschen Presse.

if Berlin, 11. April. Zu der n e u e st e n E r k l ä r u » g !> e t russischen Regierung weisen die Morgenblätter jetzt darauf hin. daß ein Gegensatz zu den früheren Crklärnngen Miljukows bestehe.

DerLok.-Anz." schreibt: Da Miljnkow anf das Kriegspro- x r a m m der Entente volllominen emgescvworen ist, mußte der Versuch unternommen werden, von diesem eine B r ü ck c zu schlagen : |U dem StandpunktKerenskis. Und diesem Versuch ver- tankt das Programm seine Entstellung. Daher die unvereinbare o w i e s v ä l t i b I e 1 1 ihres Inhaltes. Auf der einen Seite soll der sonterüne Wil'le des russischen Volkes ilher alle Kriegs- und Friedensfragen entscheiden, dabei aber an d»e Ge­meinsamkeit mit den Alliierten gebunden jetit.

In d>rVossischen Zeitung" heißt es: Das Mllsukowsche Seelenleben hat wieder einen Ruck nach links geniacht. Seme Kriegszielc von heute sind bereits bescheidener z e w o r v e it als du hochtrabenden von gestern. Er nähert sich unter dem Dr'tck des Arbeiter- und Soldatcnaueschustes sichtbar den D> u n s ch e n der Rad'kilen. Noch immer aber hat er i ie tatsächliche Krieg?- läge nicht erkannt. Er fordert Verlorenes zurück, ohne mit Gegen­werten zu kmnnien. Er wird also noch weitere Wandlungen durch- zamachcn haben, bevor er für jenen Frieden ohne Demüti­gung, din der Ncichskanzler vor einiger Zeit angevoten hat, reif und mit den Hoffnungen der weitaus überwiegenden Maste des russischen Volkes eins z-worden ist.

DiePost" schreibt. Eine gewisse Klarheit beginnt allmählich das Dunkel zu durchdrnigen, das bisher über den Vorgängen in Rußland lag. Zwei Richtungen gehen nebeneinander yer und suchen sich einander den Rang abzulanfen, der verkappte Kriegs­wille der provisorischen Regierung «nv der offen ansgesprcchene Friedenswille der Arbeiterpartei. Wie stark beide Strömungen jetzt sind und wie sich ihre Kräfte in Zukunft Bahn brrchrn werden, kann man noch nicht avsehen. Jeden­falls aber muß die Friedensbewegung eme erhebliche Macht hinter sich stehen haben, wenn sie so unbehti-dert zutage trernr rar' und die Regierung zu Zugeständntssen zwingen kann.

Der .Vorwärts" meint: Die Erklärung der russischen Regierung sei ein dtplvmansches Schrislftück, das sich alle Wege offen behalte, aber was es aursprech«, sn ,ebenfalls das Vor­nehmste, was von einer gegnerischm Güte seit Beginn des Krieges ausgesprochen worden ist. Zum erst-nmrck dringe eine offizielle stimme zu uns. die sich njchrstn Feindünv Zer- s chm ett eru n gs wu t heißer geschnen habe.

DieTägliche Rundschau" läßt sich au- Stockholm sorgendes Urteil über die Regierungserklärung drahten: R»rr in einem Punkte droht man nicht die Wabrheir zu sag-m, über die Stimm nng-oer Truppen an der Front. Nach zuwrlässigen Nachrichten hat sich em großer TeU vcnRegimentern von der Front für einen kofortigen Frieden, gleichgültig unter welch»! Bedingungen, ausgesprochen. Um dieser russischen Frledeiisstimmung, die au* tat russischen Volke tagtäglich mehr an Boden gewinnt, ei tgegenzutrcien, Hot die Interimsregierung zn oertwelfetten Mitteln gegrisse» und der Bevalkeruwz llnr und offen Mmeivang gewacht.