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Donnerstag» 12. April 1917.
Morgenausgabe.
Nr. 184. ♦ 65. Jahrgang.
Dem Frieden näher!
Eine Erk^rung der provisorischen Negierung in Rußland.
W. T.-B. Petersburg, 11. April. (Dralstbericht.) Die
Petersburger Telegraphenagcntur trllt folgende Erklärnug der provisorischen Regierung mit:
Ruch de>^ Prüfung der militärischen Lage des russischen Staates hat die provisorische Regierung entschieden, der Pflicht gegen das Land zu genügen und dem Bolk offen und direkt die ganze Wahrheit zu sagen.
Die jetzt gestürzte Regierung ließ das Land in einem Zustand sch wer st er Unordnung. Durch ihre sträfliche Untätigkeit und ihre ungeschickten Maßnahmen brachte sie Unordnung in unsere Finanzen, in das Ber- pflcgungs- und Transportwesen, sowie in die Munitionsversorgung der Armer. Sie erschöpfte unsere ganze wirtschaftliche Organisation. Dir provisorische Regierung verwandte mit lebhafter Unterstützung des ganzen Volkes alle Kräfte dazu, um diese schlimmen Folgen des alten Regime s zu beseitigen. Aber die Zeit drängt. Das Blut zahlreicher Söhne des Vaterlandes floß im Verlauf dieses langen 2Jahre dauernden Kampfes. Trotzdem steht das Land immer noch einem mächtigen Gegner gegenüber, der ganze Lander unseres Staats besetzt bölt, und gerade jetzt, in den Geburtstage» der russischen Freiheit, uns von neuem bedroht.
Die Verteidigung unseres eigentlichen nationalen Vaterlands nm jeden Preis und dir Befreiung d e S Landes von dem Feind, der über unsere Grenzen dringt, bilde» die hanptsächlichsten und wichtigsten Aufgaben unserer Kr-rgcr, die die Freiheit des Volkes verteidigen. Die provisorische Regierung überläßt es dem Willen des Volkes, in enger Gemeinschaft mit unseren Verbündeten alle diese den Weltkrieg und seine Beendigung betreffenden Fragen endgültig zu entscheiden, hält es aber für ihr Recht und ihre Pflicht, schon jetzt zu erklären, daß d a S freie Rußland nicht das Ziel hat, andere Völker zu beherrschen, ihnen ihren nationalen Wettbe« vrrb zu nehmen und gewaltsam fremdes Gebiet zu besetzen, daß es vielmehr einen dauerhaften Frieden auf Grund des Rechts der Völker, ihr Schicksal selber zu bestimmen, herbeiführen will.
Rußland erstrebt nicht eine Steigerung seiner äußeren Macht auf Kosten anderer Völker. Es hat nicht das Ziel, irgend ein Bolk zu unterjoche» oder zu erniedrigen. Mit dem Namen Gleichheit entfernt es die Ketten, die auf dem polnischen Volke lasteten. Aber das russische Bolk wird n i ch t z u g e b e n, daß sein Vaterland aus dem großen Kamvf erniedrigt und erschüttert in seinen Lebensbedingnu- gen hervorgeht. Diese Grundsätze werden die Grundlage der äußeren Politik der provisorischen Regierung bilden, die den Volkswillen unmittelbar zur Ausführung bringt und die Rechte unseres Vaterlandes schützt, wobei sie die Verpflichtungen, dir wir gegen unsere Verbündeten ein» gegangen sind, einhält.
Die provisorische Regierung im befreiten Rußland hat kein Recht, dem Bolk die Wahrheit vvrznci thalten. Das Vaterland ist in Gefahr. Alle Kräfte müssen angespannt werden, nm eS zu retten. Möge das Land auf diese Wahrheit nicht mit ei,:cr unbrauchbaren Niedergeschlagenheit nnd nicht mit dem Zustand der Entmutigung antworten, son dern mit Schwung, um einen einheitlichen nationalen Willen zu schossen. Das wird uns neue Klofte für den Kamvf verleihen und wird ans das Heil bringen. Möge die Stunde harter Prüfung das ganze Land kräftig genug finden, um die eroberte Freiheit zu sichern, nm sich einer unermüdlichen Arbeit zu widmen, zum Woble des freien Rußland.
Die provisorische Regierung, die den feierlichen Eid abgelegt hat, dem Volke zn diene», hat die feste Überzeugung, daß sie mil der allgemein bisher anerkannten Unterstützung aller Welt imstand- sein wird, ihre Pflicht gegen das Land biS zum Ende zu erfüllen.
Ter Präsident des RinistrrratS: Fürst Lwow.
*
Die russische Arbeiterschaft und die Kundgebung der deutschen Sozialdemokratie.
Drahtbericht unseres 8.-Son>devberichterstatters.
8. Stockholm, 11. April. (zb? Das Telegramm der deutschen S> zialdemokretie hat nach den Kommentaren der russischen bürgerlichen Presse in der russischen Arbeiterschaft den st ä r k st e r. Eindruck gemacht. Die Agitation für die Beendigung des Kriegs wurde dadurch scharf angeregt. Die ..Ncwoje Wvemja" scheint infolae diese: Wendung geradezu fassungslos. Das deutsche Telegramm hatte nienialS in die Hände der russischen Sozialisten fallen dürfen. Die einzige russische Behörde, die lwrech.tigt sei, mit dem Ausland in politischen Angelegenheiten in Verbindung zu treten, sei di« provisorische Regierung. Daß der dänische Minister Stauning dies nicht beachte, sei eine ^beispiellos« Dreistigkeit", di« unter leine« Um
ständen geduldet werden dürfe. Die dänische Regierung müsse Stauning maßregeln Die provisorische Regierung sucht die Fr .edensbestrebu ngen setzt gewaltsam zu unterdrücken. Sie nimmt in vielen Gouvernements Maskenverhaftungen vor. In Wiatka wurde der Vorsitzende des Avbeiterrats Merslakoff verhaftet, in Odessa wurde der gesamte Vorstand des Aibeiterkomitees, in Soroki die Geistlichkeit wögen Friedensagitation festgesetzt. S^ets wurde hierb'- ^er lächerliche Vorwand gebraucht, die Verhafteten seien P-rvokatoren der Ochrana.
Die Friedensbestrebungen der russischen Sozialdemokraten.
W. T.-B- Amsterdam, 11. April. (Eiz. Drchtbericht.) Nach einem hiesigen Blatt meldet die „Times" aus Petersdnrg: Der
Ausschuß der Arbeiter ab geordneten veröffentlicht in seinem offiziellen Organ eine Anzahl von Brschlüssm und kündigt die Bildung einer Kommission für ruswllr>'ge Beziehungen an. Die Kommission soll durch einen Kommissar bei der Petersburger Teiegraphenagentur vertreten sein, der die Mitteilungen an die ausländische Presse zu macken unv alle Berichte, welche die Agentur versendet, zn kontrollieren hat. Der Ausschuß erklärt, daß er «ne aktive Defensive nicht verwirft, daß er aber dar Recht habe, eine Agentur in Stockholm cinzurichtcn, nm nnzensierte Briefe und Telegramme zu entsenden und eigene Kuriere nach dem Ausland zu schicken. Des Bulletin des Ausschusses sagt weiter- „Wir fordern d r c Kontrolle des ausfllhrend-.n Ausschusses der Soldaten über die Tätigkeit des Departements des Staates." Der Berichterstatter der „Times" sagt schließlich; Ter Führer des Arbeiterausschusies sei ein jüdischer Advokat namens S t e k l o w , der ebensowen:g wie Tschehidzc das Recht habe, tut Namen Rußlands zu sprechen. Der Berichterstatter meint, es wäre hohe Zeit, daß die russische Inden öffentlich von ven Demagogen abrücken.
Scheidemann nnd Adler in Stockholm.
Br. Wien» 11. April. (Erg. Drabtbericht. zb.) Der sozialistische Abgeordnete Dr. Viktor Adler ist nach Stockholm gereist. Dort bef'ndet sich gegenwärtig auch der Führer der reichsdeutschen Sozialdemokratie Scheidemmm.
Die Streiks in Rußland.
Immer weitere Ausbreitung der Friedenspropaganda auch in bürgerlichen Kreisen.
(Drabtbericht unseres 8.-Sonderberichterstatters.)
8. Stockholm, 11. April, (zb.) Die Lage in den russischen Fabriken wird immer kritischer. Trotz der Einführung des achtstündigen Arbeitstage? wird weitergcsircikt. Der als optimistisch geltende „Rjetsch" schildert ebenfalls die Aussichten in düsteren Farben. Die Munitionsfabriken, so scheint es, stehen jetzt schcn seit einem Monat, andere sogar seit iy 2 ; Monaten still. Wenn die Arbeiter nicht sogleich den Streik gänzlich einstellen, wird die Armee im kritischsten Augenblick des Krieges an Munitionsmangel leiden. Tie Friedensagitation nimmt auch in den bürgerlichen Kreisen einen immer breiteren Raum ein.
Wieder einmal anaebliche deutsche Friedensbedingungen.
kDrahtber'cht unseres 8.-Sonderberichterstatter».!
8. Stockholm, 11. Av-il. lzb.) „Utro Rosste" be- hauptet. dis dsutschen Friedensbedingungen seien die folgenden-
Elscist-Lothringsn bleibt deutsch. Bel> qien uncibhöngig, doch ohne eigenes Seer, die süd- slawischen Völker werden als autonomer Staat mit Österreich vereinigt, doch ohne Polen, das selbständig wird, aber ohne Armee bleibt, Kurland wird deutsch, Armenien unabhängig unter dem Protektorat der Türkei, Rumänien wird wiederhergestellt, die Dardanellen werden neutralisiert, verbleiben aber der Türkei. ^
Blutige Niederzwingung eines Aufruhrs verhafteter Offiziere und Mannschaften.
Im Arrestgebäudr dar Petersburger Kommandant«».
Pr, Stockholm, 11. April. (E:g. Drabtbericht. -,v.) Am vorigen Freitag sind im Arrest« :baudo der Petersdnrgcr Kommandantur, wo mehrere hundert Offiziere und SV0V Soldaten auf Besetz! der neuen Regier»», gefangen ge. halten werden, ernste Unruhen ausgebrochen. Der neue Oder- besehlshaber dis - Petersburger Militärbezirks, General Gorni- I o w, beorderte sofort dorthin 5 Bataillone ver Regimenter Preobraschenski. Wolhynien und der Reservegarde, die tn vns rrrrest- grhäude eindrangcn und 8 Offiziere sowie 32 Soldaten n i e d e r m a ch t e n. Zwei Stunden darauf erschien Genera! Kornilow selbst in der Kommandantur und dankte den revonittongren Soldaten für die schnelle Wi ckerderstellung der Ordnung.
Beschlagnahme des Zarenbesitztums.
W. T.-B. Petersburg. 11. April. (Drahtbericht. Meldung der Petersburger Telegraphcn-Agentur.) Ein Erlaß der provisorischen Negierung verfügt, daß den zuständigen Ministerien die Kapitalien, Grundstücke, Minen, Fabriken und An-
logen zuzuweisen seien, die de» früheven Zaren gehörten.
1000 Engländer gefangen genommen.
Der deutsche Abendbericht vom 11. April.
W. T.-B. Berlin, 11. April, abends. (Aintlich. Drahtbericht.) Bei F a m p u r. nördlich der Scarpe, sind englische Jnsanterieangrisfe, bei Roeux mehrere Kavallrriea tta ckcn ge scheitert. »
Bei Mo»chy und Wancourt auf dem Südufer der Scarpe tagsüber für uns günstig ver lausene Kämpfe.
östlich von Bullescourt und bei Hargi c o u r t, nordwestlich von St. Quentin, wurden 10 0 0 Englä»der mit 25 Maschinengewehren gefangen genommen.
Von Soissons bis Reims sehr starker Feuerkampf.
Im Osten und in Mazedonien nichts Besonderes.
Die Freilassung der verschleppten Ostpreußen von der provisorischen Regierung Rußlands angrordnet.
Drabtbericht unseres ^-Sonderberichterstatters.
8. Stockholm» 11. April, (.ch.) Die Petersburger Tele- grapbenogentur teilt mit, daß die provisorische Regierung auf Vorschlag des Ministeriums des Äußern und des Wirtschaftsministeriums die Freilassung der fett den Einfällen in Ostpreußen 1914/15 unrechtmäßig nach dem Innern Rußlands verschleppten deutschen Reichsangehörigen an geordnet hat Tie betreffenden Zivilgefangenen sollen mit Unterstützung!er Regierung nach der Heimat entlassen werden. Die Prüfung der Einzelfällc liegt einem besonderen ouH Vertretern verschiedener Ministerien zusammengesetzten Ausschuß ob.
ver Tauchbootkrieg.
Einzelheiten über üie am 6. ftpril veröffentlichten U-vootserfolge.
W. T.-B. Berlin, 11. April. (Amtlich.) Zu den am
k. April veröfirntlichte-, Unterseebootserfolgrn sind nach de» bisher eingegangcneu eingehenderen Meldungen der Unter serboote folgende Einzelheiten nachzutragen. Unter den versenkten Schiffen befunden sich: die bewaffneten englischen Dampfer „Swowdon Range" (4062 Tonnen-, mit 75051 Tonnen Getreide, Früchte und Haferflocken, „Wyenwvow <1084 Tonnen), mit 2800 Tonnen Kohlen für die englisch- Flotte; ein unbekannter Dampfer von 1800 Tonnen; die englischen Dampfer „Fairearn" (582 Tonnen), mit Kohlen, „Enntstown" (700 Tonnen-, „Ardenwen" (3798 Tonnen-, mit 5000 Tonnen Zucker, „A r d g l a tz" (778 Tonnen), mit Stahlplatten» .Cannizar," <6113 Tonnen), der Kohlendampfer „S o m m e" (1800 Tonnen), „H o l g a t e" >2604 Tonnen), mit Eisenerz, der Kapitän wurde gesangen genommen; ein Passogierdampfer vom Typ „Meganato" <14 878 Tonnen); dir englische Segler „Howe" mit Kohlen, „Brandon" mit Stahlplattrn, „Eastern Belle" mit Pech; die englischen Fischerfahrzeuge „Prince of WaleS". „Galatia', „Meulmern", „Petrel", „Median", „Aefflys". „Judustria". „Ervedient"; daS englische Feuerschiff „South Arklow" (Ostküste Irlands); die französischen Segler .Brühsre" mit Terröl, „Fri gante" mit Kohle». „Eugene Pergelinc" mit Nickel; die französischen Fischrrsahrzeuqe „C 707", „C 709", „C 775" und zwei unbekannte französische Fischkutter; der russische Segler „Lay m a r"; die norwegischen Dampfer ,.K o r s n e tz" und „Dan. gali Grenmar" mit Kchlen, „Nova" mit Kohle», „Sandvik" mit Eise'r, „Tizone" mit Koks, „Marschall" mit Kohlen, „Consul Persson" mit Er^ .Havldst" auf der Fahrt rach England; der norwegische Segler „SiriuS" mit Weizen; der dänische Dampfer „Bergerhus" mit Stückgut, der Segler „Ebenezer": der griechische Dampfer „Pos-sidon" mit Eisenerz; ferner acht Dampfer, darunter zwei Tankdampfer, und vier Segler, deren «amen nicht fcstgrsirllt werden konnten.
Der Chef des AdmiralstabeS der Marine.
„Wahrscheinlich unterpeaaniirn."
W. T.-B- Kopenhagen. 10. April. Nach Mitteilung des Mwisterwmt des «ußern ist di« da««icke Sö 3«ct fe tiflfl , Jocrgrn Larsen". die feit Monaten vermiet wird, wahrschemNch untergegangen. Ein Boot der Brigg .vurd: in ser Älordsee treibend aufgesunden und nack Middelsborough gebracht. Das Schiss, war mit Kohlen von England nach Dänemark unterwegs.
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über die Kaperfahrt des „Seeadler".
Br. London, 11. April. (Gig. Drahtberichl. sW Über die Streifen des deutscknm Hilfskreuzers „Seeadler" im Atlanüschen Ozean meldet die „Times" ßal-
