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Nr. 177. . 65. Jahrgang.
Samstag» 7. slpril 1917.
Morgen-Ausgabe.
Srotzer Erfolg an der Ostfront.
130 Offiziere, über 8500 Mann gefangen, 15 Gefchütze, 150 Maschinengewehre und Minenwerfer, sowie viel Kriegsgerät erbeutet.
Gesteigerte Krtillerietätigkeit an der Westfront.
Französischer Gegenangriff an der Aisne abgewiesen. — Gin englisches Fliegergeschwader vernichtet.
Der Tagesbericht vom 6. April.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 6. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Der Artillerickampf an der Artois- Fr out hat sich in den letzten Taqen bedeutend gesteigert. Besonders von Angrew biS zum Südufer der Scarpe lag gestern in Zeitwetten starkes Feuer aller Kaliber auf unseren Stellungen. Mehrfach vorstoßende englische Erkundungsabteilunge» wurden von unserer Grabenbesatzunq zurück- geschlagen.
An der Ais n efro nt kam cs im Anschluß an unser gestern gemeldetes, in dem beabsichtigten Umfange voll geglücktes Unternehmen bei S a p l g n e u l, nördlich von Reims, zu lebhaftem Feuerkanlps. Wir haben dort 15 Offiziere, 827 Mann gefangen, vier Maschinengewehre ni,d 10 Minenwerfer mit viel Mtnition erbeutet Ein französischer Gegenangriff zwischen Sapigneul und La Neuville ist abgcwirseu werden.
Auf dem W e st n f e t der Maas schwoll in den Mittagsstunden das Gcschützsrner vorübergehend an.
Klares Wetter führte bei Tag und bei Nacht sehr reger Aufklürungs- und Angriffstätigkeit der Flieger und zahlreichen Luftk,impfen. Ein bei Douai vorgedrnngenes englisches Geschwader von vier Flugzeugen wurde durch eine unserer Jagdstaffeln angegriffen und vernichtet. Alle vier Flugzeuge ließen hinter unseren Linien. Oberleutnant Freiherr von R i ch t h o f e n hat dav»n zwei, seinen 35. und 3 k». Gegner, abgeschossen. Außerdem verlor der Feind acht Flugzeuge im Luftkampf, zwei durch Abschuß von der Erde. Bo» uns werden drei Flugzeuge vermißt.
östlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bavern.
Südlich von Riga, bei Jllnxt, Tobolh, an der Zlota Lipa sowie südlich von Stanislau setzte die russische Artillerie beträchtliche Mengen von M u n i - tion zur Wirkung gegen unsere Stellungen ein. Ein nach Minensprengnng gegen die Höhe Pupielicha (südwestlich von Brzezany) vorbrechender Angriff der Ruffcn scheiterte.
Bei Wegnahme des Brückenkopfes von T o h o l V am Stochod am 3. Avril fielen in unsere Hand 130 Offiziere, über 9000 Mann, 15 Geschütze, etwa 150 Maschinengewehre und Minenwerfer, sowie viel Kriegsgerat aller Art.
Front des Generalobersten Erzherzog Joseph
Nichts Neues.
Heeresgruppe des Generalseidmarschalls d. Mackensen
Die Lage ist unverändert.
Mazedonische Front.
In der Osthälfte des Cernabogens nahm zeitweilig die Artillerietätigkeit zu.
Im Wardatale wurden durch Bomben.rbwurf unserer Flieger umfangreiche Munitiouslager zur Entzündung gebracht.
Der erste Generalquartiermeister: Ludendorsf.
wieder 134000 Tonnen versankt!
W. T.-B. Berlin, 6. April. (Amtlich. Dcahtbericht.)
Seit den am 30. März veröffentlichten U-Bootsersolgen sind nach den bis heute cingeqaugenen Sammelmel- dnngeu weiterhin insgesamt 134 000 Bruttorcgister- tonnen von unseren U-Booten versenkt worden.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die zunehmende Bewaffnung der feindlichen Handelsschiffe ohne Einfluß auf die U-Boote
^ W T.-B. Serltn, 6. April. (Drahtbemchr.) Wie wir an zuständiger Stelle erfahren, hat die Bewaffnung
der feindlichen Handelsschiffe weiter zu genommen. Die Erfolge unserer U-Boote haben jedoch hierunter in keiner Weise gelitten.
Amtliche deutsche Zurückweisung einer norwegischen Verdächtigung unserer U-Bootsleute.
IV. T.-B. Berlin, 6. April. (Amtlich. Drahtbericht.) Ende Januar berichtete „Verdensgang ff Norwegische Seeleute, die von „U 4 8" ausgenommen worden sind, hatten an Bord des U-Bootes verschiedene Silberwaren gesehen, die aus dem Privateigentum der Bemannung der versenkten norlvegifchen Dampfer „B o r g h o I m" und „T h o l m a" herrührten. Die eingeleitete Untersuchung ergab die Unwahrheit dieser Behauptung. Wahr ist folgendest Auf dem U-Boot war infolge des iL"eqangs ein großer Teil des Gchchircs zerschlagen. Aus diesem Grunde wurde aus der Ausrüstung des Dampfers „Borgholm" eine ganz gewöhnliche Teekanne, sowie mehrere Teller und Tassen geborgt und an Stelle des zerschlagenen Geschirrs aut dem U-Boot in Gebrauch genommen. Von dem Dampfer „Tholma" wurde kein Geichirr über-' nommen.
Den norwegischen Seeleuten ist bei ihrem Aufenthalt auf dem U-Boot das Vorhandensein des Geschirrs zugute gekommen; sie haben gesehen, daß die geborgten Gegenstände zur Ergänzung der Ausrüstung des U-Bootes benötigt wurden. Das hat sie nicht gehindert, aus dem Geschirr Silbcrwaren zu machen und derart zu berichten daß „Verdensgang" meinte, die norwegische Sprache habe leider für das Benehmen der U-Bootsmannschaft kein anderes Wort als Diebstahl. Wird „Verdensgang" nach dieser Aufklärung ein richtiges Wort für das Benehmen feiner Gewährsleute finden?
Nachträgliche Bekanntgabe des Verlustes eines französischen U-Boots.
Br Genf, 0 April. (Stet. Drahlbericht. zb.) Ncchträglich wird in Paris u. a. vom „Temps" bekanntgegeben, daß das französische U-Boot „Monge" im Dezember 1915 von einem österreichAchen Kriegsschiff im Adriatischen Meer gerammt und gesunken sei.
Die Überlebenden des „Alwic Castle".
W. T.-B. London, 4. April. Meldung des Rentcrschen Bureaus. Ein weiteres Boot des cngl'scheir Dampfers „Alwic Castle", der am 19. März torpeditrt worden ist, wurde niit 19 Überlebenden nnfgefunoen. Sie wurden in New Zork gelandet. Bon den an Bord des Dampfers befindlichen Personen lind zusammen 116 gerettet, 15 Personen wurden getötet »nd 25 werden vermißt.
Der deutsche Abendbericht vom 6. April.
W. T.-B. Berlin, 6. April, abends. (Amtlich. Drahtbericht.) An der Oise-Front und in niehreren Abschnitten der Ais ne-Front st a r k e r A r k tilleriekampf.
In Reims aufgestellte Batterien, jdort 'py/ kannte Befestigungsarbeiten und Verkehr sind von uns wirkungsvoll beschossen worden.
Im Osten rege russische Feuertätigkeit.
vre Lage im wetten.
Schwere Verluste der Engländer.
W. T.-B. Berlin, 6. April. Der englische Angriff auf Henin Eroiselles am Morgen des 2. April wurde von mehr als einer Division durchgeführt. Der Angriff war durch schwere Artillerie vorbereitet und wurde blutig abge- wiesen. Bei dem zweiten Angriff, den die Engländer mit massierter Infanterie versuchten, erlitten sie aller- schwerste Verluste, vornehmlich durch Maschinen gewehrfeuer. Die englischen Toten, die allein bei Henin liegen, werden aus 1200 Mann geschätzt. Auch die gemachten Gefangenen berichten von der Größe der erlittenen Verluste. Die in dem deutst>en Heeresbericht vom 5. April erwähnten Angriff- nördlich der Straße Peronne Cambrai begannen nachmittags um 3 Uhr mit einem Angriff gegen Metz en Couture und den Wald ton Gouceaueonrt in Stärke von mindestens 4 Bataillonen. Noch ihrer blutigen Abweisung setzten die Engländer gegen Abend starke Kräfte ein, deren Angriff d-e deutschen Abteilungen befehlsgemäß auswichen. Um 5 Uhr 20 Min. nachmittags versuchten die Engländer beiderseits oer Straße Fine Gouze einen i'lnyrisf, der im deutsche n Artilleriefeuer unter schweren Verlusten zusammen- br ich, desgleichen wurden gegen Reujsoy vorgehende Gegner durch Feuer vertrieben, während andererseits deutsche Stoßtrupps in die feindlichen Linien westlich von St. Quentin e:n- drar-gen. dem Gegner im Handgranatenkompf schwere Ve> lu'te zufügten and Gefangene zurückbrachten. Außer der im Heeresbericht erwähnten Explosion eines Munitionslagers südlich von Verl resse, bei der eine 300 Dieter hohe Stichflamme
beobachtet wurde, fanden starke Explosionen auch in dem von dem Gegner besetzten Vrcmcourt und St. Leger statt.
Ein englisches Eingeständnis.
«Drahtbericht unseres ^.-Sonderberichterstatters.)
U Rotterdam, 6. April, (zb.) General Robertson behauptete in einer Rede, die Deutschen hätten sich an der Westfront -war unfreiwillig zurückgezogen, seien aber noch ungeschlagen. Das deutsche Heer wäre jetzt eine Million ft ä rke r als 10 ! 6 .
Aus der französischen Kammer.
W. T.-B. Bern, 5. April. Lyoner Blätter melden aus Paris: Die Kammer nahm das Gesetz über die Requirierung der Kriegswerkstätten einstimmig an. Die Deputierten Molle, Ancel, Lebouq und Pusch interpellierten sodann über das Einfuhrverbot und dessen Folgen, die für gewisse ftanzösische Industrien, wie die Seiden- und Weberindustrie, sehr ernst feien. Handelsminister Elemente l erwiderte, indem er die Folgen des Kriegs für die Getreide- und Kohlenversorgung tennzeichnete und aus den Fr achtraummangel hinwies. Trotz aller erschwerenden Vorschriften sei die Einfuhr nach Frankreich niemals zurückgegangen. Deshalb mußten allgemeine Verbote erlassen werden. Als England dem französischen Handel verschlossen wurde, habe man in Frankreich zu Gegenmaßregeln greisen müssen, um allen unnützen Verbrauch eiuzuschränken und den Wechselkurs sowie die inner« Produktion Frankreichs zu heben. Die Regierung mußte brutal Vorgehen, weil sie von England vor die Vollender« Tatsache gestellt wurde, um die Spekulation um jeden Preis zu verhindern. Frankreich wolle die Ausfuhr nur regeln, nicht ober unmöglich machen. Nach längeren Erörterungen ging die Kammer zur Tagesordnung über und sprach hierauf der Negierung das Vertrauen aus, daß die FtÄgen des Einfuhrverbots durch neue Maßnahinen niöglichst gemildert würden. Fskianzminifter T h i e r r y verlangte sodann namens der Regierung einen Kredit für eine Volkszählung angesichts der Einführung des K a r t e ns v sie m s für Brot und Kohlen, und vielleicht der Hilfsdienst- Pflicht, Die Kummer nahm den Kredit an.
Vertagung -es französifchen Senats.
Paris, 6. April Der Senat hat sich dis zum 16. Mai, die Kammer bis zum 2 2. Mai vertagt.
Joffre mit einem japanischen Orden bedacht.
# Berti, 5. April, (zb.) Lyoner Blätter melden aus Paris: Der japcnische Gesandte Mataui übergab I o f f r e den Großkordon des Sonnenordens.
Renitenz der Elsaß-Lothringer gegen Verwelschung ihrer Namen.
V/'. T.-B. Bern, 4. April. Dem „Watin" zufolge weigern sich die bei Creuzot und in der Umgebung beschäftigten Elsatz- Lorhrir.ger, ihren Namen französisieren zu lassen. Sie erklären, die Elsaß-Lothringer hätten für Frankreich genug Dierste geleistet, um eine solche Maßnahme überflüffig zu machen.
Der Megzznftand mit Amerika.
Wilsons falsche Spekulation auf das deutsche Volk.
Eine halbamtliche deutsche Kundgebung.
W. T.-B. Berlin, 5. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Auf einen bestimmten Zug in der Rede Wilsons mutz besonders hingewiesen werden. Unserem Volk in seinem schweren Ringen uni Leben und Freiheit will sich der Präsident als Bringer der wahren Freiheit darstellen. Welche Knechtsseele vermutet er in dem deutschen Volk, wenn er meint, es ließ:' sich von außen seine Freiheit zumessen? Die Freiheit, die uns die Feinde zugedacht haben, kennen wir zur Genüge. Nomens der Freiheit will England uns in die alte Ohnmacht zurückwerfen. Namens der Freiheit will Frankreich uns Länder deutschen Blutes nehmen. Namens der Freiheit schleppte ihr Verbündeter, der Zur'smus, deuttche Greise, Frauen und Kinder, in die russische Gefangenschaft. Das deutsche Volk wurde in dem Krieg scharfsichtig. Es sieht in den Wilsonschen FreiheitÄvorteu nichts als den Versuch, das feste Band zwischen Fürsten und Volk in Deutschland zu lockern, damit wir eme leicktere Beute der Feinde würden. Wir wissen selbst, daß uns zur Befestigung unserer äußeren Macht und Freiheit a.»h im ynnern wichtige Aufgaben zu lösen bleiben. Die Worte, die der Kaiser in jenen denkwürdigen August- tageg 1911 int Reichstag sprach, enthielten bereits ein Programm, Pas sich mehr und mehr gestattete. Die Reden des Reichskanzlers umschrieben es immer fester. Im Drang >es Kriegs wandte der Kaiser niemals seine Aufmerksamkeit von Fragen der inneren Neuordnung ab. Wenn kürzlich im Reichstag gute Worte von dem sozialen Königlum <$•> sprochen worden sind, so waren auch sie ein Zeichen, das Vertrauen zwischen Volk und Küfer ist. Nicht den Autokratismus, wie Wilson meint, sanderri das V o l k s k v n i g t u m der Hohen zollern fest in deutscher Erde zu verwurzeln, dah:n geht der gemeinsame Weg für Kaiser und Volk, dazu wuchs uns im Sturm die Kraft.
