Seite 4. Dienstag. 8. April LS17.
Wiesbadener Tagblatt.
Morgen-Ausgabe. ErsteS Blatt. Nr. 17«.
— Nachahmenswert. Da cs vielen armen Leuten nicht nwtzlich sein wird, das in nächster Zeit auf sie entfallende größere Fleischquantum zu kaufen, haben sich die Herren Ottc und Karl Henkell bereit erklärt, vom 1. April d. I. ab monatlich 200 P f u n d F l e i s ch für arme Familien der Stadt Biebrich kostenlos zur Verfügung zu stellen. D:e Stadt Biebrich soll die Zuweisung an die Bedürftigsten in die Hand nehmen, und die Spender hoffen, daß noch andere Wahl, halbende Biebricher diesem Beispiel folgen mögen.
— Bon der Fischerei im Regierungsbezirk Wiesbaden. Unter dem Vorsitz des Geheimen Regierungs- und Farstrats E l z e fand Sonntag die 32. ordentliche Generalversammlung des F : sche re iv e r ei n s für den Regierurgskezirk Wiesbaden statt, die recht gut besucht war. Der Vorsitzende berichtete zunächst über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahr. Daß der Fischererverein in volkswirtschaftlicher Beziehung gerade jetzt von großer Bedeutung ist, zeigt nicht nur die Zunahme der Mitglieder, sondern auch die Tatsache, daß die Pacht für, einzelne Fischereien in verschiedenLn Gegenden gestiegen ist von 63 M. auf 2300 M.. von 32 M. auf 1052 M. und von 470 M. auf 1200 M. Die im Vorjahr begonnene kriegsmäßige Bewirtschaftung der Fischerei in der L ihn hat sich 1916 gut bewährt. Der minderbemittelten Bevölkerung an der Lahn kennten Fische zu einem mäßigen Verkaufspreis zugängig gemacht werden. Das Verfahren soll tcrtgesetzt weiden, Ta der Hecht im hiesigen Bezirk, seitdem der Lachs fast ganz verschwand, der wertvillste Flußfisch ist, wird mit der Aussetzung von Brut und Setzlingen fortgefahren. Aalb'ut ist des Kriegs wegen leider fast nicht mehr zu: habe«; die Beschaffung muß auf später verschoben werden. Tie Gemeinden sollen angehalten werden, nicht nur Weiher und Dorf'teiche anznlegen, sondern sie auch mit Karpfen und Schleien zu besehen. Die Anlegung und Besetzung von Fischweihern hct für Wiesbaden der Vorsitzende selbst in die Hand genommen. Nach dem Muster der Stadt Straßburg fallen Weiher unterhalb der Klärbeckenanlage angelegt werden, die das nahrungsreiche Abwasser aufnehmen, und mit Karpfen und Schleien beseht werten sollen. D'e Vorarbeiten sind bereits :m Gange
— Personal-Nachrichten. Dem Oberstaatsanwalt Geh/ Ober- stlstizrat Dr. H u p e r tz -n Frankfurt a. M. ist die nachgesnchtc Dienstentlassung erteilt worden.
— Klein« Notizen. Am 1: April waren es L5 Jahre, daß Herr Kanzlist a. D. Klemens B r ö m m e l tz a n s in dem Hause Kastellstraße 6 wohnt. — Frau Pcinz-snn Elisabeth zu Schaumburg. Lippe hat die Protektion des von der hiesigen Konzertsänger», Frau Gussv Aloff gegründeten „Wiesbadener Frauen, chores" übernommen. — In -ine- der letzten Nächte wur>-'t ans einem Kellen aume an der Dotzheimer Striße zwei graue Stallhase n entwendet. — Das grüne V i ko r i a r a d , Fabril- nummer 306 223, das unlängst als gestohlen bezeichnet wurde, ist an der Ecke der Oranien- und Herderstroße wiedergeninden worden. Gestohlen scheint das Fahrrad nicht gewesen zu sein. — Der „Cäcilienverein" benachrichtigt in, heutigen Anzeigenteil uu.eres Blattes seine Abonnenten von der notwendig gewordenen Vcischiebung seiner dritten Aufführung von Karfreitag auf Anfang Mai, Wegen d:s herrschenden Kohlcnmangels mußten die Proben dazu längere Zeit ausfallen.
vorbe-kchte Aber Kunst, vortrSge und verwandte».
* Königliche Schauspiele. Leute, gebt ^Abonnement O) „Die Eudin mit Fräulein Enqlrrth ln- her Titelrolle ;n Szene/ Die Partie des „Eleazar" wird zum erstenmal Herr Schubert singen. Anfang 6% Uhr. ' < ' '
aas dem vereinsleben, vorberichte, vereinsoersaminlungsn.
Frau:no weine Wiesbadens veranstalten heute m großen Sarle der Tunigesellschast einen .Das Thema lautet: „Das Kriegslied einst Schüler des Königlichen Gtzpryasiums werden ^ suhrnngen (Knabenchörei, Gedichte und Por- inschanlichen.
* Die vereinigten Dienstag, 514 Uhr, ii vaterländischen Abend, und jetzt". Lehrer und durch musikalische Aust ttäge das Thema verc
Wiesbadener Vergnügungs-Sühnen und Lichtspiele.
* Trunusstraß- 1, bringt ab Dienstag
mnen nochrschen Kunstsüm, und zwar einen Künülerroman Die Fee m Monde". Auf vielfachen Wunsch bl-ibt die große Somme- schlacht noch e,n!ge Tage auf .dem Spielplan, während Aufnahmen aus Norwegen das gute Programm beschließen. ’
flus dem Landkreis Wiesbaden.
== Ssnnenbrrg, i. April Am Samstag fand im „Kaisersaal" vaterländische Abend des Rhcin-Ma mischen Verbandes für BolkSmtdnnq statt, perr Direktor Decker cröfsiiete die Veranstaltung mit einer Ansprache, die in der ernsten Mahnung an die Zuhörer: „Den Kopf hoch und das Herz warm!" gipfelte. Der unterhaltende n.e,t der BeranstalMng hatte durchweg ernstes, patriotisches Gepräge. In einer eingehenden Rede wurde sodann aus die not-
wendige Beteiligung eines -eben an der Kriegsanleihe hinqewiesen. Leider konnte der vatriotische Abend an den, zuerst anberaumten Zeitpunkt nicht itattfinden. sondern musste noch in letzter Stunde verlegt werden, so daß die Veranstaltung nicht genüqriw bekannt war. Der Besuck, war dementsprechend Gide: ein mäßiaer. Es war dies bei der Fülle des. Gebotenen und im Jnteresie der Sache recht zu bedauern. — Die Einbrüche mehren sich hier in den letzten Tagen in schlimmer Weise. Ein äußerst verwegener Atb bat es dabei namentlich auf Nahrungsmittel abgesehen. Besond/re Vorliebe scheint er dabei für solche Häuser zu hoben, bei denen die Einbrnchsstelle durch - Überbauen der Kellerfenster mit Balkonen gesichert ist. In solchen Fällen ist deshalb gegenwärtig besondere Vorsicht zu empfehlen.
Provinz Hessen-Nassau.
Regierunqsbesrrb Wiesbaden.
Naffauischer Raisfeisenvcrband.
ht. Frankfurt a. M, 1. April In der ..Alemannia" traten am Samstag die Ortsvereine des Nasfauischen Raiffeisen- Verbandes zu einer KriegStaaung zusammen, die sich in erster Linie mit der Werbearbeit fiir die sechste Kriegsanleihe oe- schöitiate Berb rndsdirektar Dr. N o st d e n - Frankfurt a, M. oer- l-reitet« sich in einem Werchevortraa über die ..Zeichnuna/Pslistt" und teilte hierbei unt-r lechchaftem Beifall mit. daß ans landwirtschast. lichen Genossenschaftskreisen chisher zwei Milliarden für die Kriegsanleihen oezeickmet s-ien. Für die sechste Anleiche chache die Land- tvirtschastliche Zeniraldarlehnskasse 75 Millionen Mark gezeichnet. Eine Entschließung, die i»dem Einzelmitgliede des Verbandes zngestellt wird, wurde einstimmig angenommen. Sie lautet: „Zeichnet entsprechend Eurer wirtschaftlichen Krott und Eurer Erkenntnis, daß alles, was Ihr seid und habt, getragen und verbürgt ist allein und emsig durch die Sicherheit und dcn Bestand des Vaterlandes! Vollzieht Eure Anleihezeichnungen bei Euren Vereinen, damit man im Endergebnis klar erkenne, in welch grobem Maße die deutsche Landwirtschaft, die unser He:r und Volk ernährt, auch mit der sechsten Kriegsanleihe den S:eg erringen helfen will!"
Sport und Luftfahrt.
* Der Wiesbadener Rennklub hat dcn Termin seines zweiten Renntages dahin geändert, daß derlrfb' nutmebr an, Dienstag, den 2 2. Mai, stottfmdsi. Gleichzeitig gibt der Ksiib die Präpositionen für seine ersten beiden Tage bekannt. Das Programm des ersten Tages. 20. Mai, setzt sich ins sivei Flachrennen, einem Hürdenrennen und vier Jagdrennen zusammen, am zweiten Tage kommen fünf Jaadrennen und je ein Hürden- und Flachrennen zum Austrag. Insgesamt sind für das Meeting 4 5«»» M auSge- loorfen. f- daß die Rennen eine A n { 6 c , ’ •: r ii ti p van 15 400 Mark gegen das Vorjahr erhalt:n brben. An? die -Hindernisrennen entfallen van abia-r Summe 30 400 M.. ans die Flachrennen 0000 M. Van der Ausschreibuna besonders wertvoller Rennen ist an diesen beiden ersten Tagen Abstand genommen worden.
Neues aus aller Welt.
Dir ersten Bircmarken. Dresden. 1. April. Bon e,nem großen Restaurant in Dresden sind die ersten Biermarken cin.geführt worden. Jeder männliche Gast erbält beim Betreten des Lokals zwei Marken für zwei Glgs Bier, während die Damen zwei Marken für kleinere Gläser erhalten. Ohne Macken wird kein Brer mehr ausgeschenkr.
Ermordung etnes Nachtwächters. YV. T.-T3. Berlin, 2. April. (Etg. Drahtbrricht.) Dcr „L-A." meldet ans Schöneweide: Der Nachtwächter Ritz wurde heute morgen mit Schußwunden in Kopf und Brust tot auf der Steiße vor der Gemetndeschule aufgefunden. Vom Täter fehlt jede Spur.
Gras Kwilecki als Fe'dgrauer. Berlin, 2. April. Eine früher viel genannte Persönlichkeit dcherberst zurzeit die Stadt Glogau in der Person des jungen Grafen stosepb v. Kwilecki, des ans dem langwierigen Prozeß bekannten M.ijoratserben von Wroblewo. Der junge Graf, der in Breslau seine Gymnasiiilzeil beendet hat, wird bei einem Glogauer Truppen:»! eintrcten.
Handelsteil.
Berliner Börse.
$ Berlin, 2. April. (Eig. Drahtherirht) Bei stillem Geschäf: bröckelten.im freien Börsenverkehr die Kurse auf fast allen Gebieten mäßig ab, da die ■Spekulation wegen der unmittelbar bevorst Vaend endgültigen Gestaltung unserer Beziehungen zu Amerika sich ahgabelustig zeigte. Eine Ausnahme von der schwächeren Allgemeinhaltung machten chemische Werts, Georg-Miu'ien-Hütte, VogtlAa- dische Maschine i imd einige andere Nohenwerte sowie russische Bankaktien und Eisenprioritäten. Der Anleihemarkt zeigte ein gut behauptetes Aussehen,
Banken and Geldmarkt.
* 3pro?. österreichische SUdbalin-Obliyitioneji (Serie X). Eer April-Kupon gelaugt in Deutschland vom 2. April ab bis auf weiteres mit 530 M. zur Einlösung.
Verlosungen.
W. T.-B. Braunschwelger 2(j-Taler-Seriea-PrSmien- ziehung. 1146 hr. 34 130 000 M., 3407 Nr 23 15000 M., 8846 Nr. 8 6600 M., 873 Nr. 34 3000 M, 1*46 Nr. 41 285 M., 1975
Nr. 30 285 M., 3407 Nr. 35 380 M, 4199 Nr. 27 385 M„ 4719
Nr. 16 285 M, 4787 Nr. 49 285 M.. 8245 Nr. 22 285 M„ 6675
Nr. 15 285 M„ 8847 Nr. 8 285 M, 9893 Nr. 46 385 M., 542
Nr. 32 210 M., 873 Nr. 33 311 M., 3557 Nr. 8 20 M., 7744 Nr. 25 210 M., 8846 Nr. 27 210 M., 3675 Nr. 45 210 M. (Ohne Gewähr.)
Industrie und Handel.
W. T.-B. Ludwig Loewe u Co, A-G. Berlin, 2. April. (Eig. Drahtbericht) Der sinkst.-bisrat der Ludwig Loewe u. Co, A.-G. schlägt 32 Proz. Dividende vor.
= Konkurse im 1 Vierteljahr 1917 Die Anzahl der neu eröffneten Konkurse hat ira März eine kleine Steigerung gegenüber dem Vormonat erfahren, die indes nur der größeren Anzahl von Werktagen entspricht. Es sind nach einer Zusammenstellung der Pinanzzeitschvift „Die Bank“ 140 Konkurse gegen 123 im Februar und 232 im März 1916 eröffnet worden. Die Zahl dev im 1. Vierteljahr 1917 neu tröffnetea Konkurse beträgt insgesamt 382 gegenüber 744 im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres
* Warnung vor einem Versuch englischer Handelsspionage In verschiedenen Zeitungen wird ein Aulruf betreffs „Gründung eines Te’dilklubs der in England internierten Deutschen auf der Isle o: Man“ verbreitet, in dem um Übersendung von Lehrbüchern, Garn- und Warenproben und Maschine iskiz:en für Web- und Wirkwaren für eine angeblich in einem Kriegsgefangenenlager in England be- giündete Textil-Faenschule ersucht wird. DTe Vermutung liegt nahe, daß es sich hier um einen Versuch der Engländer handelt, sich in den Besitz von Kenntnissen über unsere T^extilindustrie zu setzen, so daß ausdrücklich davor gewarnt wird, derartigen Wünschen in diesem sowie in ähnlichen Fällen zu entsprechen.
Weinbau und Weinhandel.
IN. Niersteiu a. Rh, 1. April. In der hier abgehaltenen Naturwein-Versteigerung von Georg Schmitt, Niersteil,, Weingutsbesitzer, in den mittleren bis besten Lagen von Nierstein, Schwabsburg und Dienheim, gelangten 62 Nummern 1915er Weine, für deren Naturrein heit der Versteigerer Gewähr leistet, zum Ausgebot Alle wurden zu- gefrhlagen und erreichten bis zu 6600, 3740, 6800, 6840, 7200, 8300, 10 320 und 11 560 W. für das Stück Im übrigen kosteten 24 Stück 4220 bis 1930 M, 36 Hai »stück 2420 bis 4150 M., 2 Vierfelstück 2580, 2890 M. Durchscnuittlich brachte das Stück 5182 M. Der ganze Erlös stellte sich auf 220 220 M. ohne Fässer.
Marktberichte.
W. T.-B. Berliner Produktenmarkt Berlin, 2. April. (Eig. Drahtbericht.) Dia Erwärmung der Temperatur scheint weitere Fortschritte zu machen. Wenn auch die Nächte noch kalt sind, so lauten die Berichte vom Lande bezüglich der Feldarbeiten doch hoffnungsvoll Im hiesigen Verkehr herrschte wiederum wenig Leben. Hafer, sowohl für Saatzwecke als auch gegen Bezugsschein, war nur wenig ungebeten. Klee und Gras, Sämereien, machten sich äußerst knapp und sind in verschiedenen Sorten vollständig geräumt Die Tendenz für Seradeila hlieb gut behauptet. Luzerne ist gefragt und es kommt auch manches Geschäft zustande. Die Umsätze in Saatwicken sind beschränkt. Die meisten Geschäfte zerschlagen sich an zu hohen Preisen. '
ftus unserem Leserkreise.
gkcht verwendet« Einjendungen können weder »urückgelnndt, noch ausdewnhrt werden.!
* Der von der Schnmannsträtzenach der 'ttouoIIörauerer und Dietenmühle führende, die kürzelte und beite Verbindung zwischen dem nordöstlich^n Stadtteil und b<rn Semitenberger Tal und Park darstellende Feldweg ist wegen lein« lehmigen Be- schaffenheit bei schlechtem Wetter wieder oolltg n n Pa s s r e r b.a r geworden. Der Magistrat würde den genannten Stadtteil zu Dank veibinden, wenn er. einiqe Fuhren Schlacke von der Müllver- brennnngsanstalt dort aufbringen lassen wollte. L.
Die Morgen-Ausgabe unrfatzt 12 Setten
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