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Dienstag, 3. Rpril 1917.
klbend-klusgabe.
Nr. 171. ♦ 65. Jahrgang.
Dar erneute Zriedenrangebot.
. O Berlin, 2. Avril.
Wir und Österreich-Ungarn haben den Feinden ein neues Friedensangebot gemacht, und Bulgarien hat sich bereits angeschlossen, die Pforte wird es ohne Zweitel demnächst auch tun. Diesmal ist ein anderer Weg als im Dezember gewählt worden. Graf Czernin hat durch das „Wiener Fremdenblatt" Rußland sagen 1 Ioffert. was die Mittelmächte erstreben, und in derselben unde>. ländlichen Weise (vielmehr sie ist, auf die Form hm angesehen, noch unverbindlicher) hat man in Berlin die Eröffnungen des österreichisch-ungarisä>s.r Staatsmanirs grstgeheißen und sich zu eigen gemacht. Die feindlichen Negierungen brauchen aus die Erklärungen aus Berlin und Wien nicht zu a n t w o r- jten, wenn sie nicht wollen. Es ist ihnen offiziell nichts eröffnet worden, sie können an der Kund- lgebung des Graten Czernin wie an derjenigen ,deut- jscher politischer Kreise" nach Belieben Vorbeigehen. Mer in diesem Kriege, der so viel Altes und Überliefertes umgeworfen hat, geht >vohl auch die 'Diplomatie aus anderen Bahnen als zuvor, sie 'demokratisiert sich, wenn sie es für nützlich erachtet, und was jetzt aus den beiden mitteleuropäischen Hauptstädten in die Welt gegangen ist, das bedeutet hiernach, auch wenn es nicht die feierlich? Einkleidung von Noten hat, genau soviel, wie wenn sic es täte. Die Mittelmächte wiederholen, man muß das betonen, ihr Friedensangebot, uird es ist auch nicht möglich, daß es ahne Antwort bleibt. Man kann sogar sagen • Dies Friedensangebot ist bereits die Antwort auf den Umschwung in Rußland, und ans Rußland wird denn auch die Erwiderung auf diese Antwort kommen. Prüft man die Mitteilungen des Grafen Czernin an den Chefredakteur des „Fremdenblatts" find.sodann die vom Wolffschen Bureau verbreitete entsprechende Stellungnahme unserer Reichsleitung, so treffen.wir auf eine, freilich als selbstverständlich.zu er- ' löarten gewesene Übereinstimmung im Grundig ed a n k'e n. Graf Czernin erklärt als Zweck des uns aufgezwungenen Verteidigungskrieges die gesicherte, freie und ungestörte Entwicklung der Donaumonarchie, er fordert Bürgschaften für deren Bestand und Taseins- möglichkeit, und wenn die Gegner von ihrein Zer- schmettelungswahn ablassen, kann über den beiderseitigen ehrenvollen Frieden verhandelt werden. Das steht, und ungefähr mit denselben Worten, auch in der Berliner Kundgebung, zugleich aber steht in dieser doch auch einiges andere. Es wird nämlich kräftig betont, daß wir m'.nmehr abznwarten haben werden. ob die Gegner, ebenen ja schon seit dein t.2. Dezember unsere Ansichten bekannt sind", verhandeln wollen. Graf Czernin hält den Vorschlag zur Beschickung einer Friedenskonferenz aufrecht, in Berlin ge'chieht das. Nämliche, je- idoch eben mit der Hinzusügung, daß jetzt dre Feinde .zu erklären haben, wie sie über di sie Sacks denken. /Das ist im Grunds genommen selbstverständlich und wer österreichisch-ungarische Staatsmann erneut ja auch nicht den Konferenzvorschlag in feft umschriebener 'Form, so daß die Verbandsmächte unmittelbar gefragt werden, ob sie sich ihre Ablehnung vom 12. Januar nicht ^nochmals überlegen möchten. Immerhin ist ein leiser 'Unterschied zwischen den beiden Kundgebungen wahrzunehmen: die deutsche ist betonter. Das trifft auch auf die Schlußworte der deutschen Erklärung zu Während es in der aus Wien kommenden beißt daß. wenn die Gegner ihre unerfüllbaren Ideen fallen lassen, über einen „für sie wir für uns ehrenvollen Frieden" verhandelt werden kann, wird unsererseits 'zwar das Wort vom „ehrenvollen Frieden" wiederholt, jedoch mit dem kräftigen Zusatz: „der wirklich die ungeheuren Opfer werr ist, die wir gebracht haben". Disie Verschiedenheit bedeutet gewiß nicht, daß bei uns und in Wien verschiedene Grund» anffassungen über den künftigen Frieden herrschen. Davon kann schon darum keine Rede sein, weil sich Grat Czernin unmittelbar nach seinen Besprechungen mit dem Reichskanzler und dem Staatssekretär Zimmermann durch den Leiter des asfiziösen Blattes mit der Öffentlichkeit in Verbindung gesetzt hat. was asio bedeutet daß seine Kundgebung der Niederschlag der in Berlin ansgetauschten Meinungen nmd Pläne ist. Was Graf Czernin und der Reichskanzler soeben der Welt mitzuteilen hatten, das batten lsie in ihren Unterhaltungen zweifellos vereinbart. Sollte also irgendwo im feindlichen Verbände die Ansicht obwalten daß aus dem Umwege über die anscheinend mildere Richtung der österreichisch-ungarischen Politik ein Druck aus die Berliner Auffassung ausgeübt werden könnte, so ist nichts qeivisser. als daß derartige Erwartungen empfindlich fehlgehen würden. Wie die Mittelmächte während des ganzen Krieges unerschütterlich nebeneinander gestanden haben so tun sie es auch in der Friedens- ,frage, und es ist schlechterdings nicht vorstellbar, daß
die beiden Regierungen nicht längst schon eine volle Verständigung über die Friedensbedingungen, die sie gemeinsam mit den beiden anderen Verbündeten zu stellen haben werden, erzielt haben sollten. Schlüsse darauf, was nach d-r verschieden abgestuften Sprache der beiden Kundgebungen Österreich-Ungarn fite sich, unsere Reichsleitung für uns erstrebt, müssen wir uns ersparen, so verlockend die Ausgabe auch ist. aus der Gesamtlage der beiden Reiche die Folgerungen für die Zukunft zu ziehen. Aber daran darf kein Zweifel iein. daß alles, was die Verbündeten für sich erstreben, nicht erst unsere Zustimmung zu jucken hat, sondern sie bereits gefunden haben inuß, und es kann ebensowenig bezweifelt werden. daß in Wien und Budapest volles Verständnis für die Forderungen herrschen muß, die wir unsererseits erhebe-', lverden damit der Friede „wirklich die ungeheuren Opfer wert ist, die wir gebracht haben". Worin di? gegenwärtigen Forderungen bestehen sollen. das wird nicht gesagt, dos kann noch nicht gesagt werden, aber wir wieder- holen, es ist bestimmt nbzulveisen, daß irgendeine unserer Forderungen nickt schon die Zustimmung der Staatsmänner an der Donau gefunden haben wll Der Ton drüben und bei uns mag in einigen Punkten ein anderer sein, in der Sacke kann es keinen Unterschied geben und gibt es auch keinen.
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Ein politischer Tag ersten Ranges.
lBonunsererBerlinerAbteikung.)
I-. Berlin, 3. April. (Eig. Drahrbericht. zb.) Der heutige Tag gilt als politischer ersten Ranges. Mit der üblichen V e r s ch w i c g e n h e i t, die sich die deutsche Presse auserlegt, weuu cs sich um Ereiguisse Handelch, die mit militärischen Fragen verknüpft' sind, hatte man auf die frühere Wiedergabe einer Nachricht verzichtet, die indessen in Berlin ein öffentliches Geheimnis war.und über die zunächst allein der offiziöse „L o k a l a n z e i g e r" Andeutungen machte. Der vorn Grasen Czernin ausgesprochene Gedanke, den Zusammentritt einer Friedenskonfe-, renz vorzuschlagen, wird bei Gelegenheit des erwarteten Besuchs „eiiier hochgestellten Persönlichkeit aus der Aionarchie" wohl eine besondere fei erliche.Fa ssung finden. Man verspricht sich davon eine Wirkung im O st e n, wobei betont werden dürfe, daß ein neues Angebot an die Feinde ebenso aufrichtig gemeint ist, wie das erste, und daß der Wille, wenn es ab e r m a l s z u r ü ck g e - wiesen wird, um so kräftigere militärische Schläge zu führen, sich ebensowenig als Bluff erweisen wird wie einstmals, als wir die rumänische Aktion durch-führten. Ein neues Friedensangebot wird jedenfalls sehr widerspruchsvoll in Deutschland beurteilt werden; davon bekommt man einen Vorgeschmack in der heutigen konservativen Morgenpresse.
In der „Kreuzzeitung" liest man: Als der Reichskanzler in seiner letzten Rede int Reichstag darauf hinwies, daß oas deutsche Voll nichts anderes begehre, als bald wieder in Frieden mit Rußland zu leben, da Hai wohl niemand im Deutschen Reich diese Redewendung als eine Wiederholung dc> aebots betrachtet, das am 12. Dezember 1916 aus dem ,eichen Mund und an der gleichen Stelle zu hören gewesen :sa£. Man konnte um jo weniger zu einer solchen Auffassung gelangen, als die gegenwärtig verfahrenen Zustände im Innern Rußlands die maßgebende Stelle gänzlich d e r missen lassen, die in der Lage wäre, ein solches Angebot verantwortlich enigegenzunehmen. Da kamen, von der „Friedensbotschaft" unserer Sozialdemokratie ganz abgesehen, die Äußerungen des Grafen C z e r n i n. die sich zu bestimmten Vorschlägen verdichteten, und nun darf man wohl etwas aufzuhorchen beginnen. Die „Kreuzzeitung" verweist auf den offiziösen Artikel des „Lokclanzeigers" und drückt die Hoffnung aus, daß der Ausdruck „wir dürfen unseren Feinden einen Frieden anbieten, der für alle Teile die gewaltigen Opfer wert ist, die tun ihnen in diesem Krieg gebracht wurden", nur mißverständlich angewandt wurde. Das Blatt mahnt dringend zu allerhöchster Zurückhaltung. Was sollte «ins Veranlassung geben können, gerade jetzt ein ähnliches Angebot zu wiederholen, oder die Geneigtheit zu bekunden, etwa auf unsubstantiierte Angebote von der anderen Seite einzugehen?
Im „Vorwärts" liest man: Nach Behauptungen der französischen Pveffe soll auch Gencsse T s ch e t d s e erklärt haben, das russische Proletariat könne erst noch der Absetzung der Hohenzollern mit Deutschland gehen. Dazu iei folgendes bemerkt: Forderungen, betr. die deutsche Politik, können nur von den Deutschen selbst, nicht aber von den Russen, Franzosen, nicht von „Untertanen" des Königs von England oder des K ö n i g s von Italien er-. hoben lverden. Kein Volk hat d rs Recht, einem ande
ren seine Staatsform mit Gewalt aufzudrängen, und kein VoA tut klug, wenn es einen solchen Versuch unternimm:, weil diese Staatsform eben dadurch, daß sic nur avfgedrängt wird, auch entwertet wird. Der „Vorwärts" verweist dann darauf, daß bei den letzten Reichstags wählen im Januar 1912 in geheimer Wahl 12188 000 Stimmen abgegeben wurden, davon 4 288 000 sozialdemokratische, u.no schließt daraus: „Das deutsche Volk ist in seiner Mehrheit nicht a n t i m o n a r ch i s ch, es ist aber zweifellos in seiner Mehrheit demokratisch-gesinnt. Es will das gleiche Wahlrecht für alle Vertretungskörper, es will Selbstverwaltung und parlamentarisches System. Sobald die Mrnarchie tie Wünsche des Volkes erfüllt, ist aller republikanischer Agitation der Boden unter den Füßen entzog.en. Die Frage, rb Monarchie oder Republik, würde dann noch viel weniger Diskussionsthema sein, als sie es jetzt schon ist. Und alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß es so kommt. Wenn auch noch Schwierigkeiten zu überwinden sind so werden sie überwunden werden, ohne eine Spur von gewaltsamem Umsturz und ohne Sturz der Monarchie. Der „Vorwärts" hält den russischen Soldaten vcr, daß, wenn sie den Krieg fortsetzen wollten, sie das gemeinsam mit dem englischen und dem italienischen König tun müßten.
Das österreichische ttaiserpaar im Großen Hauptquartier.
W. T.-B. Berlin, 3. April. (Amtlich. Tcahtbericht.) Sc. K. und K. apostolische Majestät Kaiser Karl und Ihre Majestät die Kaiserin Zita, trafen heute, begleitet von dem Chef des k. und k. Gencralstabs. General der Infanterie Ärz von Straußen bürg, und dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Grafen Czernin, im deutschen Großen Hauptquartier ein, um dem deutschen Kaiscrpaare einen Besuch abzustatten.
Der große Eindruck der neuen Friedens- uktion in Norwegen.
Sr. Christiania, 3. April. lEig. Drahtbericht, zb.) Den großen Eindruck, den tie neue Fried er Sektion der Mittelmächte hier macht, beweisen die auffallenden Über» schriften der Zeitungen, die auf- das. Ereignis Hinweisen. Ter der Regierung nchestehendc „Jntelligenzseoler" nennt Czernins Äußerungen eine Wiederholung des früheren Angebots. — „Titens Tegn" meint, der dies- malige Vorschlag untecschcite sich wesentlich sehr vorteilhaft von dem früheren, weil er ketnen Waffenstillstand während der Verhandlungen verlange, was ein wichtiges Enlgegenkoinmen gegen früher set. Ebenso sei die diesmalige F o r m bescheidener, eS sei auch wichtig, daß als Ziel ter Verhandlungen ein ehrenvoller Frieden der beiden Kriegsparteien sein soll.
Oie schneidige Arbeit des neuen deutschen Hilfskreuzers in den südamerikanischen Gewässern.
11 Schiffe genommen.
W.T.-B. Rio de Janeiro, 3. Avril. sDrahtb?richt. Havas.) Der deutsche Hilfskreuzer hat folgende Schiffe genommen: „G l a d y s R o y l e", „Lady I s l a n d", „Charles Gouno d", „P e r c e", „A n t o n i n", „Buenos Aires", italienischer Segler von 1211 Tonnen, „Pennor c", englischer Segler von 1437 Tonnen, „R o ch e f a u c a u l t", „G u p l e x" und „Horngorth" mit zusammen 261 Seeleuten der verschiedensten Staatsangehörigen, darunter 102 Franzosen, ungerechnet noch 22 Mann von der Bark „C a m b r c » n e". Der Berrcht des Kapitäns der Bark besagt: Am 20. März, 7 Uhr 30 Min. morgens, nahmen wir in Nordwcsten rin Segelschiff wahr, das schnell näher kam, zwei Seemeilen entfernt, Hinte es plötzlich die Segel auf, chir erkannten die deutsche Flagge. Zugleich mit der Veränderung machte das Schiff ein Signal und feuerte einen Kanonenschuß ab. Darauf kam ein Offizier mit bewaffneter Mannschaft an Bord, beschlagnahmte die Schiffspapiere und befahl mir, mich an Bord des Kreuzers zu begeben und zur Verfügung des Kommandanten zu stellen. Dieter teilte mir mit, daß er die „Cambronne" versenken wolle. Dann besann er sich anders, entsetzte mich das Kommandos und beauftragte den englischen Kapitän John Milellcr vom „P e n n o r e", alle gefangenen Schiffsbemannungen von Bord des Kreuzers „Rio de Janeiro" zu bringen. Di' Ilmschifssng wurde sogleich mit Hilfe meiner Boote, die von Booten des Kreuzers geschleppt wurden, bewerkstelligt. Wäh. rend meiner Abwesenheit waren meine beiden Bram- stanqen abqesäqt und die Bramsegel ins Wasier geworfen worden, um so die Fahrt der „Cambronne" zu vermindern und dem Kreuzer Zeit zu schaUcn, andere Gewässer zu erreichen. Um 7 Uhr abends betrat der letzte Gerangene, nämlich der Kapitän, mein Schrss. — Die Berichte der übrigen Kapitäne lauten ähnlich.
