Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgasse 21

„Tagblatlhaus".

ESoIter-Hall« geöffnet von 8 Uöt morgen» bi» 7 Ufcr abend».

wöchentlich

Sezngs-Preis für beide Ausgaben: Ml. t.— monatlich. Ml. S — vierteljädrlich durch den Verlag Langgaffe el. ohne Bringerlolni. Ml »OS vierteljährlich durch alle deuiiwen Poftanstalten. ausichliefflich Bestellgeld - Bezugs-Lencllungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marärrng 19. sowie die AuSgabeftellen in allen Teilen der «tadt: in Biebrich: die dortigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffende» Tagblatt-Träger.

»erlittet Abteil»«, des Wiesbadener T-MattS: BerüttlV.. Potsdamer Str.121 JL. Arrttspr.: Amt Lützow 6202 u. 6203. Zagen undPMm°wttt?änz«7w-hr«mm^

13 Ausgaben.

Fernruf:

„Tagblatihauü" Nr. 68j>0-S3.

Bon 8 Uhr morgen» bi» 7 Uhr abend», außer Sonntag».

Auzeiaen-BreiS für die Zeile: IL Bsg. sür örtliche Anzeigen im „Arbeitsmarlt" ugd „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzsorm: 20 Psg. in davon abweichender SatzauSsüdruna, sowie sür.alle übrigen örtlichen Anzeigen: 80 Psg. sür alle auswärtigen Anzeigen: 1 Ml. für örtliche Reklamen: ll Ml. sür auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Setten, durchlausend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Ausnahme unverändctter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.

Für die Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebeneu

Dienstag, 3. April 1917.

INorgen-klusgabe.

Nr. 170. ♦ 65. Jahrgang.

Ein neues $rteöensan$ebot der Mittelmächte?

Br. Berlin, 2. April. (Erg. Drah(bericht, zb ) Ter »L.-A." schreibt in einem anscheinend Hört, st offiziösen Artikel an der Spitze des Blattes:

Die bedeutungsvollen Kundgebungen, die irr den letzten Tagen sowohl in Tr u t { dj I n n b als auch in Üsterreich-Ungarn über unsere Stellung­nahme zu den innerrussischen Vorgän­gen laut geworden sind, werden im russischen Volk» »das, wie wir besonders in der letzten Zeit wieder ge­sehen, in seinen weiten Massen durchaus friedlich gesinnt ist, den Beweis erbracht haben, daß diese friedliche Gesinnung von den Völkern unseres Verbandes aufrichtig ge­teilt wird. Man darf annrhmen, daß der Gedanke ches Grafen Czernin über ^inc Konferenz der kriegführenden Mächte bei der vorläufi­gen Fortsetzung des Krieges nicht ausgesprochen wor­den wäre, wenn der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen sich nicht vorher darüber Gewiß­heit verschafft hätte, daß eine solche Anregung sich der Zustimmung der übrigen Bundesg»enof­fen erfreute. Sie ist jedenfalls geeignet, die Behaus« tung unserer Feinde, das im vorigen Jahre an sie ge­richtete Friedensangebot sei nicht ehrlich gewesen und erfolgt zu hinterlistigen Zwecken, endgültig Lügen zu strafen und den aufrichtigen Friedens­willen unserer Völker von neuem zu be­kräftigen. Tiest' übereinstimmende Auffassung zwischen Berlin und Wien erstreckt sich, wie kaum ge­sagt zu werde» braucht, auch auf die leitenden Kreisen von Sofia und Konstantinopel. Sie werden demnächst durch den Besuch einer hoch- gestellten Persönlichkeit aus der Donau­monarchie in Deutschland erneut Nachdruck erhalten. Je ungebrochener und stärker wir an unseren Fronten stehe» und jemehr wir die Kraft in uns ver­spüren, bis zum letzten Ende durchzuhalten, desto mehr dürfen auch wir aufrechten Hauptes unseren Feinden einen Frieden anbieteu, der für alle Teile der gewaltigen Opfer wert ist, die von ihnen in diesem Kriege gebracht wurden. Wenn unsere Feinde auch diese Gelegenheit nicht ergreifen wollen, dem blutigen Ringen ein Ende zu bereiten und den Völkern Europas die Ruhe wie- derzuqebcn, so tum sie es auf ihre Verantwortung. Die erwähnte Zusammenkunft, die in diesen Tagen erfolgen wird, wird die A u f s a s s u n g» daß wir entschlossen sind, auch w e i t er d u r ch zu­halten, mit großer Deutlichkeit u n t e r st r eichen.

Br. Amsterdam, 2. April. (Eig. Drahtbericht. zb-) Der Haager Berichterstatter der „Times" berichtet von einem angeblichen neuen Friedensangebot, das bald nach Ausbruch der russischen Revolution von deutscher Seite gemacht worden sei. Hochgestellte deutsche .Persönlichkeiten sollen von der Schweiz nach H o l I a n d gekommen sein, um hier mit englischen Kreisen wegen der Einstellur!g»der Feindseligkeiten Füh­lung zu nehmen. Der holländisPe Beauftragte war .zwar nicht ein offizieller Diplomat, aber doch eine Persönlichkeit, die zum Kri-egsministerium nahe Beziehungen hat. Er sei aber, wie der Vertreter der „Times" hinzuzufügen für nötig erachtet, kein Sozialdemokrat gewesen. . Er habe erklärt, die russisck> e Revolution habe die Situation völlig verändert, Deutschland könne nicht mehr sagen, daß es die baltischen Provinzen befreien wolle, und es sei auch bereit, in irgend einer Form Polen wieder unter russische Oberherrschaft zu stellen. (???) Jeden­falls mache es die Tatsache der russischen Revolution den Deuffchen leichter, der Entente günstige Be­dingungen Vorschlägen zu können.

Czernins Erklärung der Ausdruck des einmütigen Volkswillens der Doppelmonarchic.

W. T.-B. Wien, 1. Avril. Ans d„>. nunmehr aus der österreichischen Provinz als auch ans Ungarn vor­liegenden Preßstimmen geht hervor, daß die öffentliche Meinung der ganzen Monarchie den in der Unter­redung des Grafen Czernin mit dem Chefredakteur des „Fremdenblattes" präoi zierten Standpunkt einmütig billigt und ohne Unterschied der Nationaliftir und Par- teischattierung hinter dem Minister stützt, so daß sich die Erklärung des Grafen Czernin als die Darlegung des einmütigen Dolkswillen der Monarchie chacstellt.

Bulgariens Solidaritätserklärung.

W. T.-B. Sofia» 1. April. Der Ministerpräsident Radoslawow erklärte in der Sobranie sich mit den Er­klärungen des deutschen Reichskanzlers und des öster­reichischen Ministers des Äußern, betreffend Rttsilaird. namens der bulgarischen Regierung solidarisch.

Rußlands heimlicher Eintritt in den Krieg in den letzten Tagen der deutschen griedensbemühungen.

W. T.-B. Berlin, 2. April. (Drahtbericht.) Die; „Nordd. Allg. Ztg." schreibt über die russischen Kriegs­vorbereitungen:

Nach der im deutschen Weißbuch Seite 28 veröffent­lichten Meldung voni 2 7. Juli 1914 war i n Kowno bereits an diesem Tage der Kriegszustand erklärt. Diese Tatsache wurde von der russischen Presse in Abrede gestellt. Wir sind nunmehr in der Lage, für die Bestätigung der Richtigkeit jener Meldungen ein nachträglich auf­gefundenes amtliches Schreiben des Chefs des Stabes der Festung Kowno in den Chef der Schiffsreibehörde vom 14/27. Juli 1914 Nr. 6287 anzufühlen, das in deutscher Übersetzung lautet:

Chef des Stabs der Festung Kowno, 1. Llbteilipig, Nr. 6287.

Kowno, 14./27. Juli 1914.

An den Chef der Schiffererbehorde.

Mit Rücksicht auf den Allerhöchst erlassenen Befeh'., betr. Versetzung der Festung Kochno in den Kriegszustand, hat der Festungskommandant befoh­len: 1. Die Durchfahrt der Dampfer, Barken und Boote un­ter den Effendahnbrücken ist vom 14./27. Juli ab nur zur Tageszeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends zuzulassen. 2. Zur Nachtzeit, d. h. von 6 Uhr abends bis 6 Uhr morgens, fft allen Barken, Dampfern und Flößen der Aufenthalt in einer Entfernung von weniger als 50 Schäfchen von den Brückenpfeilern zu verbieten. 3. Das Beladen der Barken, Dampfer und Boote fft während der Tageszeit, d. h. von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, nur in einer Entfernung von mindestens 10 Schäfchen voll den Userbrückenpseileon entfernt znzulassen. 4. Die Überwachung und Durchfüh­rung dieser Verfügung wird Ihnen arffcllegt, wozu sie am 14./27. Juli den ständigen Dienst eines Flußaufsehers ein­zurichten haben. Dieser Auffeher hat sich unter der Brücke arfzühalten und ein Boot zum Auffordern des auf der Brücke wachthabenden Gendarmen oder des Brückcnpostens zur Verfügung zu stellen. 5. Hinsichtlich der DurchfahrtZ-, ordnung von Flößen und Barken hat man sich nach den früher festgesetzten Bestimmungen zu richten.

Für den Chef des Stabes:

gez. Oberleutnant Wolunzowitsch-Serdorowitsch.

Für die Richtigkeit: Für den Abteilung-chef: gez. Stabsrittmeister Bjologorsow.

Verglichen Kommandantur-Adjutant: qez. Stabsrittmeffter.(Unterschrift unleserlich.)

Unrvhcu bei der russischen Ostsecflotlr.

Br. Genf. 2. April, (zb.) Nach einer VelerZburper Meldung der Lyoner Blätter sind an Bord der Kriegsschiff des baltische» Geschwaders Unruhen ausqehrochen. Eine große Anzahl Offiziere wurde getötet, viele verhaftet. Die Ruhe soll wiederderge,stellt und die Arbeiten im Hafen von Kronstadt, die eine zeitlang eingestellt waren, wieder anfgenonimen wvr- den sein.

Anerkennung der russischen Revolutions­regierung durch Schweden.

Nr. Stockholm, 2. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die schwedische Regierung hrt als erster europäischer neutraler Staat die vorläufige russische Regierung durch ihren Peters- burger Gesandten General Bändstrüm anerkannt.

/. -— .—

Der Tauchbootkrieg.

Versenkt!

W. T.-B. Christiania, 2. April. Einem Telegramm des norwegischen Konsulats aus Bordeaux zufolge wurde der Dampfer „M o r i l d 1" am 29. März von einem deutschen Unterseeboot 3 Meilen vor Hoatlin (Gironde) versenkt. — Die britische Admiralität teilt mit, daß der Dampfer „B r i t t a" wahrscheinlich vc rsenkt wurde.

W. T.-B. Amsterdam, 2. April. (Eig Drahtberichl.) Ter norwegische Dampfer „L i § d c t h", mit gemischter Ladung Ui, Norwegen nach Swansea unterwegs, ist am Sonntag ftüh zwischen dem Maasleuchischiss und Nordhynder versenkt worden.

*

W. T.-B- Amsterdam, 2. April. (Eig. Drahtbericht.) In Imniden landete die 24 Mann starke Besatzung des norwe­

gischen Dampfers „F e i st e t a" aus StrvaiPer, der mit Ge­treide für das belgische Hilfskomitee von Philadelptna nach Siotter- dam unterwegs war und etwa 7 Meilen nordöstlich des Terschellrrrger Leuchtschiffes auf eine Mine lief.

Die für Englund höchst erstaunlichen Erfolge der „Möwe ll".

Br. Rotterdam, 2. April, (zb.) „Daily News" schreibt: Der durch die „Möwe" angerichtete Schaden ist noch verhältnis­mäßig größer als der, den die „E vi d e n" verursachte. Das ist uni so erstaunlicher, wenn ioir uns des relativ geringe» Schadons erinnern, den die viel größeren Kapei schiffe inr Atlan­tischen Ozean während der ersten Kriegslage nnrichteten. Ader wahrscheinlich ist bei solchen Kaperiuiternehinungeii die Größe eines Schiffes ein besonderes Hindernis. Was erforderlich ist, ist Schnelligkeit und die K u n st der Verwandlung, und in dieser Kunst hat es die „Möwe" augenscheinlich zur höchsten Voll­kommenheit gebracht.

Der Kommandant der „Möwe" in feiner Heimat.

W. T.-B. Sagau, 2. April. (Drahtbericht.) Der Kom­mandant der „Möwe" Burggraf und Graf zu Dohna- S ch l o d > e u ist von Berlin aus dem Schloß M a I in i tz zum Besuch seiner Angehörigen eiiigelrcffen. Zu Ehren des Grafen fand Sonntagabend ein F a ck e l z u g der Vereine und Schulen, sowie ein Huldigungsakt vor dem Schloß statt.

Ist Bismarck; Srbe richtig verwaltet worden?

Bei der Bismarckfeier, die der Verein der natioiialnoc- ralen Jugend in Köln am Vorabend des 102. Geburtstages des eisernen Kanzlers veranstaltete, hielt der Reichstagsab­geordnete Dr. Hugo Böttger eine höchst bemerkenswerte Rede über das Thema: „Bismarck und die Weltlage und die große deutsche Politik." Wir entnehmen der „Köln. Ztg." mit einigen Kürzungen die folgende Wieder­gabe der ausgezeichneten Ausführungen.

Unseres größten Lehrmeisters in der auswärtigen Politik gedenken ivir heute. Da stellt sich die bange Frage ein: Habe« wir es verkehrt ge­

macht, haben wir sein Erbe nicht richtig verhaltet, daß jetzt eine sieben- oder achtfache Übermacht über uns herfällt? Oder ist nicht manches schon aiigedeutet in Bismarcks Politik, woraus der große Weltkrieg sich hecleiten läßt?

Zwei Säulen Bismarckscher Größe sind seine Einigungs- Politik und seine Bündnispolitik.

Was die Ernigungs Politik betrifft, so gilt davon das Wort Rankes, daß jedes Zeitalter seine besondere Richtung und sein eigenes Endziel hat, und daß es das Bezeichnende großer Naturen ist, daß sie wohl begründen, aber nicht vollenden. Bismarck hat gegen eine Welt von Feinden das Deutsche Reich geschaffen. Er hat uns befreit aus schmachvoller Zerrissenheit, von der Uneinigkeit der Stämme und Dynastien, von dem ewigen Druck, daß feindliche Mächte des Auslandes in deutsche Angelegenheiten immer Hineinreden konnten. Bismarck hat seinen Kampf auch führen müssen mit inneren Feiuden im Lande selber, mit seinen Standesgelwffen, den preußischen Junkern, mit dem liberalen Bürgertum, mit den Romantikern und den Großdeutschen, die zu viel auf einmal wollten, mit der Hospartei und mit der Militärpartei. Schließlich batte er auch manchen bitteren Streit mit seinem König, der in Rücksichten persönlicher Art befangen war und Traditionen nicht opfern wallte. Und trotz rlledeni fft ^ das Wunderbarste und Herrlichste in der deut- sihen Geschichte, wie die beiden großen deutschen Männer sich durch 26 Jahre hindurch die Treue zum Segen des Vater- londes gehalten haben.

Die Frage, warum Bismarck so erbitterte K ä m p fe hat führen müssgn und zugleich die Gewähr des Sieges ge­habt hat, ist dahin zu beantworten, daß Bismarck inr Gegen­satz zu den übrigen Staatsmännern und Politikern die deutsche Frag'e als eine europäische Frage aus­gefaßt hat. Seine Ansicht über europäische Politik hat ec schon im Jahre 1856 in der Denkschrift für Manteuffel niedor- gelegt. Im Prager Frieden wurde Österreich auf seine Seir- dung im Osten, auf den Balkan, perwiesen, und dadurch sicherte srch Bismarck die Ungarn. Nachdem dann im Jahre 1870 das große Einigungswerk gelungen war, fft Bismarck der G a r a n: des europäischen Friedens geworden. Damals begann sein großes Werk, seine Bündnis- politik Er war sich keine« Augenblick über die gefahr­volle Lege des Deutschen ReickieS im unklaren und daher fortwährend beschäftigt Bündnisse zu schaffen und rn der Be­schäftigung der Feinde unter sich Sicherungen sür das Reich anzubringen.

Di» Hauptgedanken der BiSmarckschen Diplomatie

waren, daß man nie freiwillig einer einzelnen Macht zu große Hicktzabe zeigen düifo; daß man nie mit einer Macht allein verhandeln solle, sondern stets zwei Eisen im Feuer, haben müsse; daß man anderen diplomatische Hilfe leisten dürfe, aber nicht umsonst; daß man sich vor dem Kriege nicht fürchten dürfe, aber ihn nur dann herbeiführen solle, wenn nicht durch den Sieg über den Feind zur Rechten für den Feind zur Linken ein Machtzuwachs entstehe, der unseren