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Verlag Laaggaffe 21

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Samstag, 31. März 1917.

Die Lage im wetten.

Das Urteil eines feindlichen Frontoffiziers über den deutschen Rückzug.

Die ganze Arbeit an der Somme wieder von vorn zu beginnen'

Br. Genf, 31. März. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der heutige Havas- Kommentar meldet, die französischen Truppen stießen jetzt zwischen Somme und Aisne auf sehr stark befestigte deutsche Stellungen. In einer Studie des Oberleutnants Pris wird im Gegensatz zu allen bisherigen Vermutungen der Pari,'er Fcckkritiker folgendes auSgefühct: Der deutsche Rückzug atmet den Geist von Hindenburgs Entschlußkra ft. Jetzt wird die ganze an der S o m m e geleistete Arbeit gegen die neuen Schützengräben von vorn beginnen müssen.

Die Kämpfe um die Höhe 304.

Der deutsche Ergänzungsbrricht.

W. T.-B. Berlin, 31. März. (Drahtbericht.) Die Kanadier, die ebenso wie die anderen englischen Hrlfs- truppen anscheinend immer dahin geschickt werden, wo gerade Verluste zu erwarten sind, waren bei den viermaligen vergeblichen Angriffen östl'.ch Neuville-St. Baast sehr er­heblich beteiligt. Der erste Angriff brach abends nach schwerem Artillerie, und Minenseuer vor. Nachdem dre Sturmtruppen zurückgrflutet waren, wurde der Anrgiff im Laufe der Nacht dreimal wiederbolt, mit dem gleichen nega­tiven Resultat.' Zahlreiche Tote hängen in den deut­schen Drahtverhauen. Die Flüchtenden verloren noch 14 (befangene. Zwilchen Arras und Soissons unterschied sich der Kampf wenig von denen der letzten Tage. Auf dem Anmarschwege aus den vom Feinde besetzten Ort­schaften und auf Truppenansammlungen und zahlreichen Stellen, wo der Feind schanzte, lag deutsches Zer- st ö r u n g s f e u e r. Zu den gestern gemeldeten Kämpfen in Gegend 304 ist ergänzend hinzuzusügen, daß der franzö- siscke Funkspruch vom 29. März. 4,30 Uhr nachmittags, der die W i e d e r e r o b e r u n g der von den Deutschen am 18. März genommenen Grabenstücke meldet, völlig aus der Luft gegriffen ist. Die Kampfhandlungen haben sich folgen­dermaßen abgespielt: Nach mehrtägiger Artillerievorbereitung gegen die verlorenen Stellungen im Walde von Avon- court und bei der Höhe 304 sowie gegen das rückwärtige Geläiide steigerte der Franzose am 28 März, nachmittags, das Feuer zu größter Heftigkeit. Nach staiken Feuerübersällen griff er 12 Uhr nachts und 1 Uhr vormittags in Avoncourt- Waldstellung in etwa 500 Meter Breite an und wurde durch Infanterie- und Artilleriesperrfeuer glatt abgewiesen. Ani 29. März, 4 Ubr vormittags, belegte der Feind die Höhe 30» und östlich davcn die neugcm mmene Stellung mit Trommel­feuer schwerster Kaliber und ging 4,45 Uhr vormittags gegen die ihm an dieser Stelle am 18. und 19. März entrissenen Grabenteile mit starken Massen in 800 Meter Breite zum Angriff vor. Der in dichten Kolonnen geführte Angriff brach unter unserem scfort einsetzenden Infanterie - und Maschinengewebrfeuer unter schwersten Verlusten zusammen. Es wurde gestern bereits mit­geteilt, daß ein Grabenstück sich iy z Stunde in französischem Besitz bi fand. Gerade hier aber erlitten die Franzosen die schwersten Verluste. Die Einacdrungenen wurden im Gegenstoß frontal und van beiden Flanken gefaßt. Da sich webrte, wurde im Graben medergemacht. und die zu entkommen suchten, wurden in dem flankierenden Ma'chnicnocwebrhagel und durch das Fever der Artillerie fast bis zum letzten Mann vernichtet. Am 18. und 19. März bat der Franzose nicht weniger als achtmal durch große und kleine Vorstöße vergeblich versucht, die erlittene Schlappe wettzamiick'en. In allen diesen Kämpfen, die den Franzosen schwere blutige Opfer kasteien, blieben die deutschen «ec- luste auffallend gering

Das Befinden des Prinzen Friedrich Karl von Preuße«.

' W T.-B. Berlin, 31. März. (Drahtbericht.) Nach einer hier emgelaufenen Meldung vom 29. März ist das Befinden ict Prinzen Friedrich Karl von Preußen so befriedi­gend, wie man es hoffen könne. Der Zustand des Ver­wundeten gebe zu guten Erwartungen Anlaß.

Der Tauchbootkrieg.

Amtliches englisches Zugeständnis der großen Schiffsverluste.

Br. Gens, 31. März. (Elg. Drahtbericht, zb.) Lord Acres. s»rd erklärte im Oberhaus, daß sich die englischen Schiffsser- l»ste im Februar auf 281 Schiffe mit über 595000 Tonne» und im Monat März auf 225 Schiffe mit etwa *02 000 Tonne« belaufen. Lord BereSforb fügte hinzu, «« de« kommende» schiinerrn Wetter und zunehmenden T»»e« müßte» sich diese Verluste unvermeidbar

klbend-klusgabe.

Ein französischer Panzerkreuzer und ein Torpedobootszerstörer vernichtet?

Br. Genf, 31. Mac;. (Eig Trohtbericht. zb.) Der fran­zösische Panzerkreuzer „P o t h u a u" (5000 Tonnen) und der Torpedobootszerstörer „A r b u I b i e" sollen durch Untersee- boote beschädigt oder versenkt sein. Trotz eines Dementis des ..Echo de Paris" erhält sich dieses Gerücht in Paris weiter

Oie genaue Liste der letzten Tauchbooterfolge.

W. T.-B. Berlin, 30. März. (Amtlich.) An neuen U-Bootserfolgen kommen nach Meldungen zurückge­kehrter U-Boote zu den bisher im März veröffentlichten hinzu- 34 Dampfer. 2 Segler, 14 Fischerfahrzeugs mir insgesamt 90000 Bruttocegistertonnen (Vergl. die Meldung in der Morgen-Ausgabe), und zwar:

24 englische Schiffe- Die bewaffneten Dampfer „Coranda" (2733 Tonnen), „Polo" (3001 Tonnen) mit Kohlen, „Trevose" (3112 Tonnen), „Alnwick Castle" (6900 Tonnen) mit Stiickgut nach Kapstadt". , Fr inton" (4194 Tonnen) mit Eisenerz, der Fracht- und Passagrer- dampfer „Antony" (6446 Tonnen), der Dampfer „Clan Macmillan" (4525 Tonnen), „Achille Radam" (460 Tonnen), „Exchange" (279 Tonnen), „Rio Sorecada" (ex Branley) (4307 Tonnen), mit 6400 Tonnen Zucker siir die französische Regierung, ein Dampfer, wahr­scheinlich „Gleman" (3227 Tonnen) mit Zucker von Java nach Nantes, der Schoner „William Martnn" mit Kohlen, die Fischkutter „Guard", „Pencear". „Carlew". „R 62". „R. 253", „L. T. 1132". „B. M. 349", „R. 125". „L. T. 667", „L. T. 962". „R. 62".

3 französisch" Schiffe: Die Schonerbrigg „Le­ontine", der Fischkutter „Rhodore" und „Etoile Polaire".

Der portugiesische Dampfer „Ancola" (4297 Tonnen) mit Kohlen.

13 norwegische Schiffe: die Dampfer „Skrcier", „Algel", „Attika", „Lady" mit Holz, „Marant" mit Sulfat und Papier, „C. Simdt" mit Eisen. „Pollux" mit Stiickgut, Ecgcraß" mit Lebensmitteln nach Eng­land, „Susanna" mit Heringen, „Elenwaag" mit Kohlen, „Freda", „Kong Inge" mit Kohle und Stück­gut von Glasgow nach Marseille. „Hucin" mit Kohlen von Sunderland nach Santander.

Der holländische Tankdampfer „I. B. Angust Keßler" (5104 Tonnen), der dänische Dampfer „Russia" (1617 Tonnen).

Ferner sieben Schiffs, deren Namen sich nicht fest­stellen ließen- ein englischer Hilfskreuzer von mindestens 8000 Tonnen, ein bewaffneter Dampfer van etwa 2500 Tonnen, im Artilleriegefecht, ein bewaffneter Trans- poctdampfer von etwa 4'X)0 Tonnen, ein beladener Dampfer von etwa 4000 Tonnen, zwei Dampfer von je etwa 2000 Tonnen, darunter einer unter holländischer Flagge, und ein beladener Darnpfer von etwa 1600 Tonne«.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

*

Dänische Seeleute über ihre Erlebnisse mit der „Möwe".

Der Kampf der „Möwe" mit einem englischen bewaffneten Dampfer.

— Berlin, 30. März, (zb.) Aus einer Unterredung mit dänischen Seeleuten über ihre Erlebniffe an Bord der „Möwe" wird deui „B. L.-A." berichtet: Der englische Dampfer „Otaki" leistete heftigen Widerstand; es kam mit ihm zu einem förmlichen Kampf, wobei 6 Mann der deutschen Besatzung und 2 gefwnaewe Hindus getötet wurden. Die ,Möwe" geriet in Brand. der erst nach drei Tagen ge­löscht werten konnte. Die zchlreichen Engländer, die ge- farciut auf der „Möwe" waren, wurden von den übrigen abgesondert. Als der Kampf mit der „Otaki" begann, sprengten die Engländer die Eisentür ihres Gefäng- niffes ober deutsche Matrosen standen mit H a n d g r a n a te n bereit und hinderten die Engländer, auf Deck zu kommen. Die ,Möwe" wurde von sieben Geschaffen getroffen. Als aut der .Otaki" der Kapitän, der erste Steuermann, der erste Ingenieur sowie zwei Mann der Besatzung getötet waren, er­gab sich der Dampfer, worauf der Rest der Besatzung an Bord genommen w-irde. D>e „Möwe" war auf ihrer Fahrt sowohl in der Nähe Kapstadts als- auch am Rio. Als Kohle und Proviant zur Neige gingen, wurde die Heimfahrt anget'.elen. Der Kucs ging über Neufundland durch den nördlichen Teil des Atlantischen Ozeans. Im Lade­raum lefanden sich 500 bis 600 Gefangene. Am 21. März lief die , Möwe" in den Sund ein. Die dänischen Seeleute erklärten, daß sie auf der „Möwe" gut behandelt woroea seien. ___

Die neue Hera in Rußland.

Der „Herr Oberst".

W. T.-B 1 . Amsterdam, 30. März. Die „Times" ureldet aus Petersburg vom 28. März: Der frühe« Z a r und seine

Nr. 166. ♦ 65. Jahrgang.

Familie befinden sich noch in Zarskoje Selo. Dre auf Wache stehenden Soldaten grüßen den Zaren wie einen gewöhnlichen Offizier und sprechen ihn mit „Herr Oberst!" an,

Tatsächlich Abschiebung des Exzaren nach England?

# Stockholm, 29. März. Laut „Rnßkija Wjedomosti" besuchte Kerenski den Rat der Arbeiterdepu­tierten Moskaus, wobei er auf Fragen der Mit­glieder antwortete: Nikolai Nikolajewitsch wird keines­falls Oberbefehlshaber. (Stürmischer Beifall.) Der Zar, von allen verlassen, hat die provisorische Regierung um Schutz gebeten. Als oberster Justiz- beamter halte ich sein und seiner Familie Schicksal in meinen Händen, aber unsere wunderbare Revolution war fast unblutig und ich will nicht M a r a t ssrn. Mit einem Sonderzuge lass; ich den Exzaren nach einem bestimmten Hafen führen und nach England schicken. Bewilligt mir hierzu die Vollmacht!

Bestellte Kundgebungen der kriegshetzerischen Dumaregicrung.

W.T.-B. Petersburg, 30. März. (Drahtbericht.) Wie die Petersburger Telegraphen - Agentur meldet, trug das Regiment Sorirerovskv, das gesterir als erstes mit Musik durch die Straßen nach der Duma zog, eine große rote Fahne mit der Aufsckrift- „Die freien Soldaten des Regi- ments Somencvsky!" Vor dem Regiment marschierten Leute, die Banner mit der Aufschrift trugen: „Soldaten in den

Schützengräben, Arbeiter in den Weickstätten, Krieg blS zum letzten Hauch! Es lebe die Freiheit, es lebe die Republik!" Als das Regiment vor der Duma angekommen war, hielt Tschehidze eine Ansprache, in der er u. a. sagte: »Beweist, Soldaten, daß ihr die Löwen der Revo­lution seid, daß ihr nicht gestatten werdet, daß man einen Anschlag auf eure Freiheit macht. Es lebe die Arme«, deren Disziplin auf gegenseitigem Verständnis zwischen Soldaten uni» Offizieren beruht." Tschehidze befürwortete eine kon- strtuierende Versammlung zur Schaffung einer betno- kratiscken Republik. Ein kraftvolles Hurra aller Soldaten war die Antwort. Daraus erfdnen Rodzianko» umgeben von 20 Abgeordneten, und sprach unter lebhaften Kundgebungen zu den Soldaten, die er aufforderte, gegen den furchtbarsten Fe'.nd, die Deutschen, zu kämpfen. Er sagte: „Wir werden unser Möglichstes tun, damit die kon­stituierende Versammlung alsbald einberufen wird, die Ruß­land regieren wird. Wir werden ollen ihren Entscheidungen gehorchet: und werden mit unserer ganzen Kraft die Regie­rung verteidigen, die in Rußland durch den Willen des Volkes ciugrführt wird. Was die Verteilung der Lände­reien betrifft, so erkläre ich euch Soldaten, daß das Land, luenu die konstituierende Versammlung sich dazu. entscheidet, ohne den geringsten Widerstand gegeben wird." Die Soldateil srendeten Rodzianko begeisterten Beifall und trugen ihn auf ihren Armen durch den ganzen Saal. Darauf näherte sich das 3. Schützen reg im ent. die Marseillaise spielend, der Duma, mit einer Fahne, die die Aufschrift trug: „Krieg bis zum Äußersten! Kameraden, macht Ge­söffe! Es lebe das frei: Rußland! Das Regiment wurde von den Abgeordneten TIchehidze und Skobelew mit Ansprachen begrüßt, die die Soldaten zur Organisation und Disziplin ermahnteii. — Am gleichen Tage kam in Petersburg eine Abordnung der Schwarzmeerflotte und Besatzung von Sebastopol. Arbeiter dieser Stadt und Regimenter des Schwarzen Meeres, im ganzen 30 Mann. an. Die Abord­nung hatte den Auftrag, die provisorische Regierung der Duma und die Abgeordneten der Arbeiter und Soldaten zu begrüßen und ihnen zu danken. Der Präsident der Abord­nung teilte mit. daß die Stärke der Schwarzmeerflotte die gleiche sei urrd sich nicht verringert Hobe. Die Flotte, die Be­satzungen der Städte des Südens und die Werftarbeiter seien beseelt von zwei Wohlsprüchen, erstens. Krieg bis zum Ä u ß e r st e n . bis zu einem vollständigen Steg aus der ganzen Linie, und ein großes fteies Rußland; zweitens, die Schwarzme/rflctte leiht ihre ganze Kraft der provisorischen Regierung, damit sie die konstituierende Versamm­lung emberust, die festlegt, wie Rußland leben soll. Gutschkow dankte. Darauf wurde die Abordnung von Rodzianko und den Mitgliedern der Duma empfangen. Neue Reden wurden gewechselt. Rodzianko sagte u. a., daß dieser Krieg bis zu einem vollkommenen Sieg ge­führt werden müffe, denn ohne ihn würde Rußland nicht frei sein, weil die Deutschen dann den Russen das a u f e r-- legen würden, was sie in den letzten Tagen niederge­worfen hätten.

Sorgenvolle französische Gedanken über die Schwächung der russischen Kriegskrast durch die Revolution.

Berlin, 30. März, (zb.l Paul Courcoural schreibt im „Nouvelliste de Bordeaux" von: 24. März: Man weih jetzt, welche Wendung die ruflische Revolution nimmt, die sich ganz wie die Revolutionen von 1830, 1889 und 1793 entwickelt. Wir können deshalb den Vorgängen in Rußland keinen Beifall zollen, glauben vielmehr, daß die russische Revo- lr-lion für dringende Fragen, wie Führung und Ende des Krieges, sehr ernste Folgen haben kann. Man hat jedenfalls alle Ursache, beunruhigt zu sein. Fraglos stelüf die Revolution die militärischen Maßnahmen fceg